in Bewegung

Wieder so lange Stille hier. Es scheint zur Gewohnheit zu werden…
Die grösste Herausforderung beim Bloggen ist und bleibt das Freischaufeln an Zeit-Nischen, damit ich schreiben, denken, Fotos archivieren, auswählen und einsetzen kann. Das Leben ist so voll, so schnell und bewegt, so alles andere als still in dieser Phase meines Lebens. Ruhige Momente? Raritäten. Kostbar und wunderschön- und so rasch verschenkt an andere Leidenschaften von mir, ans Stricken zum Beispiel, an Hercule Poirot, an meine Blumen und Kräuter draussen im Garten… Und zum Bloggen brauche ich Zeit. Viel Zeit. Viel Stille. Viel gedankliche Wachheit und Energie.
Und den Laptop. Den brauche ich auch. Was immer so eine Sache ist, denn sobald ich den aufklappe, scheinen meine Kinder verrückt zu spielen. Keine Ahnung wieso.
Auf der anderen Seite ist genau das eine Seite des Bloggens, die mir noch immer gut gefällt: Bloggen ist so… fokussiert. Man setzt sich hin, denkt nach, plant ein wenig- und schreibt. Ganz bewusst und konzentriert und mit einem gewissen Mass an Achtsamkeit für die eigenen Gedanken und die Vorgänge im Lebensalltag. Die Zeit, in der ich an einem Blogpost arbeite, ist abgeschirmt vom Rest. Inselzeit irgendwie. Nichts, das ich so schnell, schnell hier reinpflanzen könnte. Und wiederum auch nichts, dass dann einfach so aus dem Nichts in meinen Tag hineinplatzen könnte, so auf einen schnellen Knopfdruck auf dem Handy hin zum Beispiel, was das Bloggen für mich zu etwas Exklusivem und Bewusstem macht, im Gegenteil zu Instagram, wo ich viel zu rasch „nur kurz“ einmal rüberswitche, zwischen Kochtopf und Pflantschbädli- und dann doch wieder zu lange hängen bleibe…
Beides hat seine Qualitäten. Ganz klar. Aber in den paar Wochen, in der ich Instagram-Luft schnuppern durfte, ist mir klar geworden, dass mein Herz hier schlägt, also virtuell, meine ich, hier bei Kirschkernzeit. Dass ich Instagram zwar mag, aber mit Bedacht nutzen werde, langsam, tröpfchenweise, reduziert, ohne dass es zu oft rüber in mein reales Leben schwappt. Reduziert, genau wie das Bloggen, für das mir oftmals schlichtweg die richtigen Momente fehlen. Aber wenn ich hier schreibend kreativ sein darf- dann tue ich es wahnsinnig gerne, mit Herzblut, Freude und Dankbarkeit…
Gerade ist der Augenblick günstig, schätze ich; der Löwenteil meiner Familie geniesst seinen letzten Tag Lagerleben irgendwo im Berner Oberland, Kind1 faullenzt mit meinem jüngsten Bruder in dessen sturmfreier Bude (hiphip hurra!) und die beiden Kleinen puzzlen Bügelperlen-Bilder. Ich wittere eine Gelegenheit und hoffe, mein offener Laptop bringt sie nicht allzu schnell aus dem Konzept…
Wir hatten eine wunderbare Zeit, wir drei. Eine gute Woche. Das Kindertempo dieser Altersstufe gefällt mir. Ich bewundere ihre Selbstvergessenheit, während sie sich in ihren Traumwelten und Zauberfantasien verlieren. Elfen sind. Oder zwei Eulen, die ein Ei ausbrüten. Wie sie sich in ihr kleines Gartenbädli stürzen und zufrieden sind damit, das Wasser zum Rauschen und Schwappen zu bringen.
Richtig ruhig war es hier aber nie; wie hatten so viel Besuch wie noch nie! Den Montag-Nachmittag verbrachten wir mit einem meiner Brüder und seiner Frau quatschend und Kräuter-Tee-trinkend im Garten. Dienstags fuhren meine Mädels und ich raus zu „Frau Krähe“, erlebten ein wirklich wunderbares allererstes Treffen ausserhalb der Blogosphäre und staunten wohl alle ein wenig über unseren Mut und die Sympathie, die augenblicklich einfach da war, fast ein wenig, als hätten wir uns schon vorher gekannt, in echt meine ich, und ganz real (du bist eine ganz tolle Frau, Frau Krähe, echt jetzt!)…
Mittwochs sassen wir drei bei prächtigstem Sommerwetter mit meiner hochschwangeren Schwester J. in einem Strassencafé in der Stadt und schleckten italienisches Sahne-Eis aus kleinen Pappkartons, den kleinen Hund meiner Mutter träge dösend unter unserem Tischchen lümmelte. Urlaubs-Feeling. Zuckersüss.
Die Nacht war kurz gewesen, weil mein jüngster Bruder mir noch ein spätes Besüchlein abgestattet und wir uns bis Mitternacht verquatscht hatten, und so langsam, langsam machte sich ein Marathon-Gefühl bei mir bemerkbar *zwinker*, ausgelöst durch eine ungewohnt hohe Dosis Sozialleben. Schwester A. und Schwager waren mir aber trotzdem herzlich willkommen an diesem Abend. Sie brachten Tortillachips, Schafskäse und ein quietschfideles Kind1 mit, das fröhlich seine Tüte neuer Jungs-Kleider schwenkte; mein Junge hatte sich ein paar Tage bei ihnen einquartiert und mit ihnen -auf meine Anordnung hin- gleich die Ausverkaufs-Auslagen der Kleidershops geplündert (Gottlob! Seine T-Shirts hingen bereits in Fetzen und die wenigen Jeans mochte ich schon gar nicht mehr flicken…).
Es waren gute Tage, wirklich. So viel Betrieb und Bewegung, ein mächtiges Gefühl von… Lebendigsein und Dazugehören. Ein wohltuender Kontrast zu unserem normalerweise eher abgeschotteten, verlangsamten Lebensstil.
Trotzdem schrieb ich Schwester J., die mir Donnerstag-Morgens anbot, mich und die Mädels noch mit zu meiner Mutter zu nehmen, auf Whatsupp zur Antwort: „Vielen Dank, aber ich glaube, heute lieber nicht. Ich bin einfach zu müde nach so viel Sozialisiertheit…“
Und das bin ich auch. Total k.o. Aber zufrieden.
Trotzdem blicke ich dankbar auf meine Kalender-Einträge der nächsten Woche: Leer ist es da. Einfach gar nichts. Nur ich und meine wieder versammelte Crew. Daheim.
Auch das hat seine Qualitäten, oder…?

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