sommerlich gemächlich

Sommer.
Ferien.
Zeit und Gemächlichkeit und eine Ahnung von Freiheit, ein Gefühl wie baumelnde Füsse, die in kaltes Seewasser tauchen.
Ich fühle mich wohl und so entspannt, dass ich Kaffee trinken kann, ohne auch nur einen Hauch von Gegrummel in der Magengegend (wobei ich ja auch sehr sensibel geworden bin, was das für mich gesunde Mass betrifft und frische Kräutertees meinen Kafee-Genuss mittlerweile bei weitem übertrumpfen). Ohne starres Zeit-Raster im Nacken, verlässt mich das nagende Gefühl, unbedingt noch rasch etwas Süsses futtern zu müssen, und ich esse bewusster, frischer, noch weniger Zucker als sonst -verglichen mit den Unmengen, die ich noch vor einem Jahr tagtäglich an Schokolade und Co. verdrückt habe- dafür mehr Gemüse oder einfach nochmals ein Extra-Tässchen eiskalten Minzen-Tee zum Nachtisch. Es ist nicht so, dass mir das besonders wichtig wäre. Ich denke nicht gerne über das Essen nach- ich esse einfach. Aus dem Bauch heraus. Für meinen Bauch. Aber ich finde es schon spannend, wie stark Hunger, Appetit und spezifische Gelüste mit unserer Psyche zusammenspielen, wie stark das eine das andere beeinflusst und wie schnell und problemlos der Körper in ein doch relativ gesundes Essverhalten zurückfindet, sobald es dem Menschen, dem ganzen Menschen, wirklich gut geht.
Und ja, es geht mir gut. Ich fühle mich wieder kräftig. Habe zu Mut und Elan zurück gefunden und traue mir auch wieder zu, raus zu gehen, raus in die Welt, Leute zu treffen, mich mit meinen Kindern in einen Zug zu setzen und ein klein wenig zu reisen, kurz vielleicht nur, Ministreckchen, rein regional, aber immerhin; für mich ist das ein grosser Erfolg, denn so viel Nervenkraft und Atem hatte ich schon lange nicht mehr: Genug Puste, um mit dem Fahrrad und zwei kleinen Mädchen im Schlepptau und den drei Grossen im Blickfeld über den Hügel zu meiner Mama zum Baden zu fahren. Die Courage, eine wunderbare Bloggerin, die ich noch nie gesehen habe bisher, demnächst auch einmal in Real zu treffen (das braucht immer enorm viel Überwindung für mich). Die Gelassenheit, mein Haus zu öffnen und auch mal Besuch zu haben, obwohl das Haus niemals, niemals, niemals gästefein aussehen wird, was mich jedes Mal beschämt, weil ich den Schmutz und das Chaos zwar sehe, aber beim besten Willen nicht bezwingen kann.
Und tatsächlich gab es sogar sowas wie zwei echte kleine Geburtstags-Feiern in den letzten Tagen. Nicht nur so im Mini-Familienkreis-Format, sondern schon ein wenig ausgedehnt auf die einen oder anderen Tanten und zwei Grossmütter, was zwar noch immer keine richtige Party hinhaut, sich aber bereits wunderbar gesellig und reichhaltig anfühlt und die Geburtstags-Kinder jedes Mal strahlen liess vor Freude. Hach ja, es waren schöne Tage. Es sind schöne Tage. Süsse Tage. Pavlova-Tage.
Die beiden Torten-Fotos oben zeigen übrigens zwei verschiedene Geburtstags-Kuchen, einmal von meinem Kindergartenmädchen, das andere Mal feierlich beleuchtet vom 16. Geburtstag meines Erstgeborenen. Beide hatten sich Meringue-Torten gewünscht. Mit Sahne-Jogurt-Füllung und Sommerbeeren. Beiden konnte ich diesen Wunsch erfüllen. Pavlovas sind so tolle Backwerke, absolut simpel, aber mit echter Wow-Wirkung und ein kulinarischer Hochgenuss, sofern man Meringues mag. (Ich selber gehöre nicht dazu, muss ich gestehen. Für mich dürfte es gerne jedes Mal einer dieser herrlich matschigen Schokotruffe-Torten sein, yammie…)
Es ist ein wunderbares Gefühl, wieder mehr im Leben zu stehen. Geburtstage auch wirklich feiern und geniessen zu können und sehen zu dürfen, wie glücklich unsere Liebsten sind, zufrieden mit Kleinigkeiten wie einem gelungenen Kuchen, einer Handvoll Kerzen und zufriedenen, herzlichen Menschen an ihrem Tisch, die es gut mit ihnen meinen… So schlichte Dinge. Aber grosse Momente.
Wie der Falter, der heute bei uns im Schmetterlings-Hotel ausgeschlüpft ist. Unser dritter Schwalbenschwanz dieses Jahr, und doch wird man es nie satt, dieses Wunder, trotzdem werden die Augen der Kinder gross und der Blick konzentriert, die Haltung gespannt, die Sinne geschärft für jeden Flügelschlag, den das zarten Tier tut, bis es endlich seine Weg nach oben in die Lüfte findet…
Ja, kleine Dinge.
Ich lerne immer wieder von neuem, mich im Kleinen zu verlieren. Und dankbar zu sein dabei. Wahrscheinlich hat man nie ausgelernt, was diese Kunst betrifft und nur allzu rasch falle ich wieder in mein altes Muster des Hetzens und Klagens und Zweifelns zurück. Weil sich das vertrauter anfühlt als Inne zu halten und den Fokus schmaler zu schnüren. Mit Augen nur für das Zucker-Stück im Augenblick. Wie meine 3Jährige mir mit Begeisterung sämtliche Stoffservietten, Stricklappen und Taschentücher zusammenlegt zum Beispiel. Schön Ecke auf Ecke, drehen, Ecke auf Ecke. Bei den letzten zwei Servietten verliessen sie dann allerdings ihre Kräfte und sie wurstelte alles irgendwie zusammen, was ungeheuer süss aussieht, finde ich, vor allem, wenn ich mir ihren langen Seufzer in Erinnerung rufe, gefolgt von ihrer unter theatralischem Schweiss-Abwischen vorgetragenen Erklärung „Ich bin langsam müed worde vom Zämmeleggä“…
Egal wie wahnsinnig sie mich manchmal machen, meine Fünf, sie sind doch Salz und Zucker meines Lebens, unersetzlich, unglaublich, unaussprechlich schön und wertvoll. Boden, Basis, ein und alles. Familie.
Gerade denke ich, die Gelassenheit und Gemächlichkeit dieser Tage lässt mir endlich auch wieder den Raum und die Luft, diese ganz einfachen Geschenk des alltäglichen Lebens -Essen, Gemeinschaft, Natur, Familie- wirklich wahr zu nehmen und zu zelebrieren… Wunderbar, dass es Sommer ist.

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Dieser Beitrag wurde unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, Familienalltag, Kinder, Kochen und Backen, Natur, what makes me happy, Zuhause veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Kommentare zu sommerlich gemächlich

  1. Nicole sagt:

    Dieser Blogpost ist ansteckend! Lebensfreude pur! Ich freue mich mit dir und hoffe, dich bald wieder einmal zu treffen. Alles Liebe und eine wunderschöne Woche

  2. andrea sagt:

    ach liebe bora, sooooo schön.

  3. amselgesang sagt:

    Eigentlich möchte ich nur sagen: WEITER SO!! 🙂
    Uneigentlich sage ich noch, dass es mir mit dem Besuch-Haben ganz genauso ging: jetzt gerade lieber nicht – ich müsste erst mal durchputzen… aufräumen… und wie die Fenster aussehen…!! Das alles war ganz normal und fiel mir immer erst auf, wenn wirklich Besuch ins Haus stand. Dann hab ich kurz davor hektisch angefangen, quasi an allen Enden zugleich – und trotzdem sah es nie so aus, wie es mir vorschwebte, dass es sein müsste.
    Wenn ich allerdings andere Familien mit Kindern besuchte und besuche, ist es mir völlig wurscht, in welchem Zustand die Wohnung ist. Vielmehr: ich finde es total erleichternd und sympathisch, wenn es nicht so frischgeputzt und superordentlich aussieht, ich fühle mich gleich viel wohler, wenn da ein paar Spielsachen zum Drüberstolpern, Wollmäuse unterm Sofa und ein Stapel Wäsche herumliegen. Und wenn das für die Hausfrau ganz normal ist und sie nicht anfängt, sich zu entschuldigen… dann merke ich nämlich, dass ich als Gast keine Belastung, sondern willkommen bin. So, wie ich eben bin, in einer Wohnung, die eben so ist, wie sie ist.
    Liebe Grüße in den Sommer und weiter solche schöne Gelassenheit!
    Brigitte

    • amselgesang sagt:

      Ach ja, und P.S.: Deine Meringue-Torten sehen saulecker aus!!!

    • kirschkernzeit sagt:

      Wunderbar zu lesen, Brigitte! Vielen Dank fürs Antworten! Stimmt ja eigentlich; wenn wir selber zu Besuch sind, haben wir ja eh meist keine Zeit, das Haus auf Mängel zu untersuchen, hihi, ich jedenfalls bin dann eh viel zu beschäftigt mit Quatschen 😉

  4. Melanie ML sagt:

    Liebe Frau Kirschkernzeit,
    manchmal denke ich, wenn ich von dir lese, du seist eine ungeduldige Mutter oder so ähnlich…
    dass ich dir zu diesem Posting doch mal was schreiben muss. Nämlich, dass ich unglaublich süß
    und liebevoll finde, wie du deine Kinder siehst. Es ist so ganz anders als bei uns. Ich mag nicht
    gern „jammern“, aber bei uns hätten „zusammengewurstelte“ Taschentücher einen dicken Tadel
    bekommen, und ein noch so kleines Hascherl hätte nicht sagen dürfen, dass es von so was müde
    wäre. Du hast einfach einen unglaublich wohlwollenden Blick auf Kinder und ganz besonders darauf,
    wie sie sind, vom Alter her und von ihrem jeweils ganz eigenen Charakter. Vergiss bitte nicht, wie
    wertvoll das ist, wenn du dich an anderen Tagen mal wieder tadelst. Kinder in ihrer ganz eigenen
    Art wahrzunehmen – ich finde, das ist ein sehr großes Geschenk, für beide Seiten. (Und für mich als Leserin 🙂 )

    PS Ich wusste gar nicht, dass Beiträge erst frei geschaltet werden müssen. Häm…. 🙂
    Viele Grüße
    Melanie

    • kirschkernzeit sagt:

      Liebe Melanie
      Auch diesen Comment hier musste ich wieder erst freischalten (was komisch ist, weil es ja nicht mehr dein erster ist… hm…) 😉 Aber ich habe mich sooooooooo gefreut über deine Worte!!!! Meine Ungeduld macht mir tatsächlich selber sehr zu schaffen, aber es ist so wohltuend, von dir zu lesen, dass man das auch anders sehen kann, weisst du… Hab all meine Dank, liebe Melanie!

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