Zur Zeit…

… zur Zeit habe ich ein Küchen- und Heilkraut, das mir bisher mein ganzes Leben lang eher nicht so zusagte, urplötzlich richtig ins Herz geschlossen: Mit Dill konnte man mich früher ganz bestimmt nicht locken, jetzt aber knabbere ich bei jedem Gartenbesuch ein Blattfitzelchen und finde es ganz wunderbar. Wieso er hier zwischen den Ringelblumen und Sonnenblumen gewachsen ist, weiss ich auch nicht recht. Ich erinnere mich vage an ein kümmerliches Dillpflänzchen, das ich vor vielleicht drei Jahren einmal hier gesetzt und dann fast sofort wieder ausgerissen hatte, weil ich beim besten Willen nicht wusste, was ich damit anfangen sollte… Ich dachte eigentlich, es wäre alles weg. Oder tot. Aber dieses Jahr, just als die grosse Magengrippe-Welle unser Haus erwischte und jeden einzelnen von uns für ein, zwei Tage ins Bett scheuchte, tauchte er ganz unerwartet wieder auf, der Dill. Und noch unerwarteter; ich wusste plötzlich auch ganz instinktiv, wofür er gut ist: für kranke Mägen und grummelnde Bäuche… Willkommen also, lieber Dill! Danke, dass du so hartnäckig warst!

… zur Zeit bin ich völlig verschossen in diese rosa-lila Farbenpracht! Das Hortensien-Beet gedeiht wahnsinnig schön. Sogar ein paar pinkfarbene gibt es darunter, allerdings viel zu wenige für meinen Geschmack, denn bei Blumen mag ich auch knallige Farben sehr gerne, weil das so kraftvoll wirkt und im Dämmerlicht immer leuchtet wie Glühwürmchen-Farbe. Doch auch rein in Pastell ist es hübsch, dieses Beet, dieser Strauch…
Früher einmal wollte ich Gärtnerin werden, damals, kurz bevor ich schwanger wurde mit meinem ersten Kind und nachdem ich für alle ziemlich unerwartet aber sehr entschlossen das Kindergarten-Seminar nach nur 8 Wochen abgebrochen hatte. Ja, Gärtnerin. Nicht das Gemüse war es, das mich lockte. Die Blumen waren es. Noch immer finde ich diesen Beruf faszinierend…

… darum habe ich auch meine helle Freude an diesem ollen Blumenkasten hier: die knitschigen Hochzucht-Petunien sind und bleiben kitschig, ich weiss, aber ihre Färbungen und Muster machen einfach unsinnig viel Spass! Vor allem die „Night Sky“ wuchert wunderschön über die Topf-Ränder, und wenn die anderen Pflänzchen ein bisschen mehr mitziehen würden, dann hätten wir hier bald einen kleinen, bunten Blüten-Wasserfall vor dem Waschküchen-Fenster…

bunt ist es auch immer in meinem Wohnzimmer, egal wie sehr ich mich auch bemühe, mit Weiss und Holz und Saubermach-Aktionen für mehr Luftigkeit und optische Ruhe zu sorgen. Was auch immer ich wegräume oder entrümple, sofort zieht etwas Neues nach. Bei Kinderkunst allerdings bin ich gnädig; da drücke ich gerne auch mal zwei Augen zu. Das grosse Bild von Kind1 zum Beispiel gefällt mir sehr und ich wünschte wirklich, wir hätten noch mehr leere Wände zur Verfügung…

… Was das Stricken angeht, bin ich l.a.n.g.s.a.m im Moment. Mir fehlt irgendwie der Schwung gerade. Dabei wäre dieses blaue Tuch hier für Ende Juli gedacht, als kuscheliges Geburtstags-Geschenk für meine Grosse, die es manchmal nicht leicht hat mit mir als Mama und ab und zu eine mollige Umarmung zusätzlich ganz gut gebrauchen kann, so als kleine Erinnerung daran, dass sie mir wichtig und wertvoll ist, auch wenn vielleicht mal die Fetzen fliegen zwischen uns…

… Just heute nacht schläft sie übrigens mit ein paar Schul-Gspäänli aus ihrer Klasse in der strohgedeckten „Kalberkammer“ im Kuhstall eines glücklichen Geburtstagskindes. Landleben pur. Und genau, was sie braucht. Dieses Mädchen passt so gut in dreckige Gummistiefel und auf den Sitz des kleinen Rasenmäher-Traktörchens auf dem Hof, dass ich mir so gut wie sicher bin, dass ihr Weg eines Tages ganz bestimmt in Richtung Landwirtschaft führen wird. Nirgendwo sonst wirkt sie zufriedener, zentrierter mehr bei sich selbst als zwischen Kuhdung, Hühnerfedern und Heuballen. Meist ist sie ein Gispel. Auf dem Hof aber kommt sie zur Ruhe.
Die Eier für das Vanille-Eis, das ich heute nachmittag gemacht habe, kaum hatten wir sie beim Bauernhof abgeladen, hat sie mir auch alle eigenhändig im Hühnerstall des Biohofes im Dorf eingesammelt. Nestfrisch. Eines davon klaubte sie praktisch noch unter dem Hühnerpo hervor, wie sie erzählt hat… So frische Eier riechen ganz anders als diejenigen aus dem Laden, wenn man sie aufschlägt: nach gar nichts nämlich. Und das Eiweiss ist glasklar und wässrig und fliessend und dünn. Trotzdem war das mit der Glacé eine unsichere Sache; ich habe meine Eismaschine schon ewig nicht mehr hervorgeholt und dann in meiner Begeisterung auch prompt heillos überfüllt. Dabei finde ich das Glacé-Buch („Eis“ von Elisabeth Johansson) das ich gestern beim Trödler für ein Butterbrot gekauft habe, einfach umwerfend gluschtig und wunderschön bebildert. Ein Grund mehr, demnächst wieder auf dem Bauernhof um die Ecke vorbeizuschauen. Nicht nur der frischen Eier wegen; Das Lebensgefühl dieses Ortes ist so herrlich belebend und bereichernd…

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9 Kommentare zu Zur Zeit…

  1. amselgesang sagt:

    „… tauchte er ganz unerwartet wieder auf, der Dill…“

    Ich hab mal in einem Buch von einem sehr mit Pflanzen vertrauten Menschen (so eine Art Pflanzenflüsterer, ziemlich esoterisch angehaucht) gelesen, dass Kräuter ganz von selber dann in unserer Umgebung auftauchen, wenn wir sie brauchen – nur die meisten Menschen bemerken es leider gar nicht, weil sie sie nicht kennen… Wie dem auch sei: du hast deinen pflanzlichen Helfer erkannt, wie schön! 🙂
    Ich finde, Dill sieht auch in Blumenbeeten wunderhübsch aus (z.B. zwischen Rosen!), lass ihn sich aussamen, dann hast du nächstes Jahr vielleicht mehr davon (wenn er will, der Dill).

    • Maja sagt:

      Ja, das habe ich auch gerade in meinem Buch über altes Gärtnerwissen gelesen: „Die Natur schickt die Heilpflanzen zu demjenigen, der sie braucht.“
      Wer weiß, vielleicht ist etwas dran…

      Liebe Grüße!

    • kirschkernzeit sagt:

      Bei Mamaniflora habe ich ähnliches gelernt; man spürt, was man braucht. Und mit nur ein klein wenig Erfahrung mit Kräutern, kann einem der intuitive Ansatz schon recht beeindrucken… (Ich bezweifle allerdings, dass ich auf Dill gekommen wäre, wenn ich ihn zB. noch nie gegessen hätte.)

      • Nicole sagt:

        Ich glaube auch, dass einem die Pflanze schon irgendwie bekannt sein muss. Aber sie sind ja auch recht kreativ darin unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen 😉 Und irgendwann, wenn sie für uns hilfreich sein können, kommen sie uns plötzlich in den Sinn. Finde das immer wieder zum Staunen.

        (Ich hatte übrigens noch keine Probleme mit deinem Blog)

  2. Micha sagt:

    Mit dem Dill geht es mir tatsächlich ähnlich. Seit ich vor ein paar Wochen einen ganz wunderbaren Salat mit Dill im Biohotel gegessen habe, liebe ich ihn. Leider ist er noch nicht im Garten aufgetaucht.
    LG, Micha

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich denke auch, hier ist es sehr wichtig, wie man ihn kombiniert, oder? In Schweden wird zum Fisch bzw. zur Sauce für Fisch gegeben und ich finde, das schmeckt ganz toll. Allerdings essen wir hier aus Umweltgründen so gut wie keinen Fisch, was schade ist, denn wir alle mögen ihn eigentlich…

  3. Rosi sagt:

    wie schön dass der Dill wieder bei dir aufgetaucht ist
    da war sicher noch Samen im Boden
    herrlich blühen dein Hortesien
    und Petunien finde ich überhaupt nicht kitschig
    ich habe ein Schale damit bepflanzt
    Eier sollte man nicht ganz frisch verwenden
    als Kind bei meiner Oma habe ich mich gewundert warum sie die frischen Eier in den Korb legte und die älteren verwendete ..sie erklärte mir ..
    sie schmecken besser wenn sie ein paar Tage abgelagert sind

    liebe Grüße
    Rosi

    • kirschkernzeit sagt:

      Gell, Petunien sind einfach nur schön… so farbig eben! Mit den frischen Eiern habe ich Vanille-Eis gemacht. Da sie dafür nicht wirklich gekocht sondern nur bis kurz vors Kochen gebracht werden, können sie wohl gar nicht frisch genug sein (punto rohe oder halbrohe Eier bin ich extrem heikel ;-)). Für gekochte Eier hingegen würde ich auch eher eine Woche alte nehmen, weil die sich dann leichter schälen lassen…

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