Puerperium Cardigan

Meine „Puerperiam Cardigan“. Fertig gestrickt vor einer Weile schon, beknopft letzten Sonntagnachmittag, fotografiert erst gestern- und heute endlich, endlich, endlich blogtauglich hier präsentiert. Die Dinge dauern mittlerweile länger bei mir, bis sie werden, das merke ich selber nur zu gut. Aber alles hat seine Zeit. Und genau das –mein Tempo– ist ein dehnbarer, sich stetig wandelndes Etwas, das viel zu oft mit belastenden Gefühlen der Unzulänglichkeit und des Gehetztseins behaftet ist.
Aber es ist okay. Mit bald 40 fällt es mir ein klein wenig leichter, nicht mehr ständig etwas zu produzieren, sondern mir auch einmal Pausen zu gönnen und mir auch beim Schaffen, Werken und Arbeiten die Zeit zu lassen, die ich brauche. Ich lerne mehr auf die wohlwollende Stimme in meinem Kopf zu hören, die mir verrät, was ich wirklich brauche im Moment, und diejenige andere, die mir anordnet, was jetzt getan werden sollte, angeblich, auf ein wenig später zu vertrösten. So lese ich vielleicht dann einfach weiter im Buch, das mich gerade so fesselt, statt den längst fälligen Blogpost zu schreiben. Genau wie gestern und vorgestern, als ich „Sommerlilien“ von Kate Lord Brown einfach nicht zur Seite legen konnte, und am liebsten die Nächte durchgelesen hätte, inspiriert vom Roman-Setting mit einer schönen heissen Tasse Earl Grey Grüntee und einem Stück hausgemachtem Kuchen auf meinem Schoss.
Ich verdöse einen stillen Augenblick, wenn die Kinder mit meinem Mann bei der Oma im Pool plantschen und lasse die Knöpfe, die bereits darauf warten, an ihr Jäckchen genäht zu werden, einfach Knöpfe sein. Vorerst ohne Jäckchen.
Oder ich gönne mir das Vergnügen, mich abends voll und ganz auf meinen Hercule Poirot Krimi zu konzentrieren, statt den Grossteil der Zeit mit meinen Augen bei Strickmuster, Maschen und Faden zu stecken. (Ich bin sowas von süchtig nach Agatha-Christie-Geschichten, egal ob in Buchform, Hörbuch, Hörspiel oder Filmadaption! Gerade bin ich ganz versessen auf meine dritte Staffel der guten, alten, ziemlich altmodischen englischen Serie-Verfilmungen mit einem entzückenden David Suchet in der Rolle des Poirot!)
Es fällt mir leichter, nicht wirklich gut zu sein. Sonder einfach… gut genug.
Allerdings muss ich das mit dem „leichter“ betonen; leichter, vielleicht, ja.
Aber noch nicht leicht.
Egal. Dieses winzige Babyjäckchen für das Babykind meiner Schwester immerhin war leicht. Von der allerersten Masche an. Leicht im Sinne von einfach, leicht auch gefühlsmässig, weil da rein gar kein Druck war und nur schon der Strickumfang -klein, schnell, ein Klacks irgendwie- sich mehr wie Urlaub anfühlte und weniger wie ein „richtiges“ Strick-Projekt, an dem man dranbleiben, sich vielleicht sogar nach der ersten Euphorie ein wenig durchbeissen muss… Auch das Garn machte es mir leicht, dieses Projekt von Herzen gern zu haben; „Bio Merino Cablé“ von der Spinnwebstube gehört zu meinen Favoriten unter den Wollgarnen, weil es so schön bio ist und so schön schweizerisch. Es wird in der Schweiz versponnen und verzwirnt und dann von der Spinnwebstuben-Rita selber in wunderschönen, individuellen Farbnuancen gefärbt. Es ist weich, aber auch sehr urchig und natürlich, finde ich, das Maschenbild zwar ebenmässig aber dennoch lebendig. (Ich habe übrigens Nadelstärke 4 für meine „Puerperium“ gewählt).

Hach, Babysachen sind einfach wunderbar. Zauberhaft. Ein Wunder und ein Geschenk. Genau wie die kleinen Menschlein, die wir dann darin einmummeln.
Ich freue mich…

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2 Kommentare zu Puerperium Cardigan

  1. Ach ist das schön dieses Jäckchen. Und ich freue mich, dass du dich nicht ganz so gehetzt fühlst. Ich habe mir gestern einen ganzen Erholungstag gegönnt um diese lästige Erklärung los zu werden und viel frischen Ingwertee – etwas geholfen hat es. Leider war es dann heute schon wieder zu viel – Leben eben wie ich so gerne sage. Dafür gönne ich mir jetzt diese kleine Blogleserunde.
    Sei lieb gegrüßt
    deine Sternie

  2. Rosi sagt:

    na siehste 😉

    es geht doch

    so klingt es schon viiiel besser
    hübsch ist das Jäckchen geworden und wartet jetzt auf den Besitzer 😉

    liebe Grüße
    Rosi

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