Vierbeinige Freunde

Oh, wie ich es vermisst habe, das Leben im Garten!
Nicht nur das Er-Leben von Wind und Sonne und Natur, sondern auch die Lebendigkeit, die spürbar wird, sobald andere kleine Lebewesen den Garten beziehen; Marienkäferchen (viele dieses Jahr!), die Amseln, Spatzen, Stare und Meisen (ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Haubenmeise hier gesehen!)…

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Und Meerschweinchen!!! 5 kleine Knabberer in ganz unterschiedlichem Alter und sogar von beiderlei Geschlecht, aber alle klein und schnusig und voller Lebensdurst. Nichts macht einen Garten lebendiger als Tiere, die ihn bevölkern und mitgestalten. Und nichts macht mich im Moment glücklicher als dieses kleine, grüne Fleckchen Erde, das ich von ganzem Herzen gerne mit diesen Wuscheldingerchen teile (und mit den Marienkäfern, Vögeln, Spitzmäusen und Insekten natürlich auch. Nur  auf die Spinnen könnte ich gerne verzichten *schauder*).
Mein Mann hat den alten Stall mit zusätzlichen Verschlüssen gesichert und alle verschliessbaren Gehege-Teile inklusive der beiden selbst gebauten Seitenkäfige, in denen er gerade frisches Gras anzieht, mit einem quasi unterirdisch angebrachten Maschendrahtzaun zusätzlich vor grabenden Jägern gesichert (Marder gibt es hier nämlich einige!). So sollten die Tierchen nachts eigentlich sicher sein vor Feinden.
Ich habe mir zudem fest vorgenommen, jeden Abend, sobald wir den Garten verlassen und uns für den Abend drinnen bereit machen, alle Meerschweinchen in den Stall zu scheuchen und ihn gleich hinter ihnen abzusperren, nur für den Fall, dass der Fuchs sich die Stelle gemerkt hat und eines schönen Sommerabends beschliesst, sich hier noch kurz bequem seinen Znacht zu holen…

Neu gibt es auch ein an der Laube fixiertes Dach, das den gesamten Stall und einen Teil der Wiese direkt vor dem Gehege sowohl vor direkter Sonne als auch vor Regen schützt. Auf diese Weise gibt es hier in diesem Bereich zwar mehr Staub und Erde als Gras, aber dafür bleibt es immer schön trocken und sauber, selbst wenn es tagelang Bindfäden regnet und der Rest der Weide zu Matsch werden sollte. Auch das Misten und Füttern ist so um einiges angenehmer, und die Kinder setzen sich gerne zu den Tieren in den Schatten, wenn die Sonne vom Himmel brennt. Auf die frühere Sitzbank habe ich allerdings verzichtet; Ich fand es plötzlich ganz schön riskant, meine Kinder auf einer Bank herumklettern zu lassen, während unter ihnen eine Herde Meerschweinchen rumwuselt…

Im Moment wagen sich die kleinen Tierchen noch nicht allzu weit von ihrem Schlafstall weg (darum stehen die Häuschen auch alle so dicht beisammen in Stallnähe). Sie mögen es, wenn ich nachts eine Decke vor das obere Gitter hänge und sich dann alle zusammen wie in einer Höhle ins Heu kuscheln können, und ihr neues Revier erobern sie sich lieber in Mini-Schrittchen. So nach und nach trauen sie sich aber immer mehr zu und -was mich besonders freut- sobald sie unsere Stimmen hören, kommen sie bereits die kleine Stalltreppe herunter getrippelt und hopsen durch die  Gittertürchen raus ins Gras, um zu fressen. Scheinbar wirken Menschenstimmen vertrauenseinflössend auf Meerschweinchen, keine Ahnung wieso. Nur mein Zungenschnalzen beim Futterbringen, auf das die frühere Herde sofort mit lautem Quieken reagiert hat, können sie noch nicht richtig einordnen, aber das wird noch, denke ich, Meerschweinchen sind ja kluge Tiere, die ihre Menschen bald ziemlich gut kennen…
Damit auch ihr sie ein wenig besser kennenlernt, stelle ich unsere 5 neuen, pelzigen Freunde kurz einmal vor:

DSC02866Das ist Strubbeli, der Liebling meiner grossen Tochter, die ihn geradezu vergöttert und lange Zeit ein selbstgemachtes Papierherz mit einer Zeichnung von ihm und seinem Namen drauf wie ein Medaillon um den Hals trug. Er ist kastriert, was eine ziemlich langwierige Sache war, da die Kastration zuerst nur zur Hälfte gelang und der arme Kerl darum 2 Mal operiert und auch separiert werden musste. Nun ist er aber wieder völlig fit und seelig mit seinen Damen…

DSC02870Die kleine Molly ist so ein bisschen unser Baby; Ein absoluter Schnuckel, ganz zart und von Kopf bis Fuss zerzaust mit Pelzwirbelchen überall, man möchte sie einfach knuddeln (was ich natürlich nie tue)! Sie ist Strubbelis Schwesterherz und genau wie er im Februar geboren. Obwohl sie die Kleinste ist von allen, besitzt sie ein tapferes Herz und wagt bei den meisten Ausflügen der ersten Schritt in Richtung Neuland. Sie erinnert mich an Mimi, meinen kleinen, caramelfarbenen Ballet-Röckchen-Liebling aus der letzten Gruppe mit ihrem Zutrauen und ihrer putzigen Art…

DSC02886Die ungewöhnlich lange, auffallend schlank gebaute Elsa, die Mutter von Strubbeli und Molly, ist ein ganz wunderbares Tier; geduldig, sanftmütig und fürsorglich wie eine Elefantenkuh. Sie reagiert auf jedes Pfeifen aus der Herde und nimmt sich der Tiere an, die vielleicht gerade einen schweren Stand haben in der Gruppen-Hirarchie. Sie gehört zu den eher vorsichtigen Charakteren, mümmelt aber mit Hingabe und seelenruhig Möhrenschalen oder Apfelspalten, während eines der Kinder sie auf dem Schoss hält zum Streicheln.
“Elsa” kommt übrigens nicht vom Film “Frozen” (den wir hier nicht einmal kennen), wie all die kleinen Mädchen aus der Nachbarschaft immer meinen, sondern aus einer völlig anderen Ecke: Der ausgeglichene, liebenswerte Charakter dieses Tieres hat mich einfach sofort an die warmherzigen Wichtelbilder von Elsa Beskow erinnert, daher der Name…

DSC02879Um Trixi zu fotografieren muss man ein wenig Geduld haben, denn sie würde am liebsten den ganzen Tag in der schummrigen Gemütlichkeit des Schlafstalls verdösen. Allerdings macht sie grosse Fortschritte in Sachen Mut und Entdeckergeist; Erst heute ertappte ich sie dabei, wie sie ganz alleine draussen zwischen den Häuschen herumtrippelte und sich den letzten Rest Gurkenschalen zusammensuchte. Sie und Elsa sind in etwa gleich alt und ein gutes Team. Elsa beweist immer wieder viel Feingefühl, wenn es darum geht, sich ihrer schüchternen Freundin anzunehmen. Fühlt sich diese zB. plötzlich doch zu einsam im oberen Stallkämmerchen und erkundigt sich quiekend nach ihren Artgenossen, dann ist Elsa garantiert die Erste, die von der Weide hinauf zu ihr ins Nest flitzt.
Trixi ist übrigens kugelrund und deshalb ein wenig schwerfällig, was einen wunderbaren Grund hat: Wir haben sie trächtig übernommen und freuen uns schon sehr auf ihre Kleinen, von denen die jungen Weibchen später unsere Herde komplett machen, während die Männchen wahrscheinlich weiter gegeben werden, in fürsorgliche Hände und möglichst in ein Zuhause mit Freilauf (es gibt bereits Interessenten)…

 DSC02902Von Pippa seht ihr hier leider nur noch das Hinterteil davonwackeln. Auch sie gehört zu den Tieren, die sich eher zurückhaltend zeigen, und ziemlich sicher steckt keine grosse Führernatur in ihr. Dafür beobachte ich bei ihr eine starke Fixierung auf einzelne Personen: Fremde Stimmen lassen sie augenblicklich irgendwo verschwinden, aber meinem Mädchen, das sich von Anfang an ganz ausgiebig um sie gekümmert hat, scheint sie ihr Vertrauen zu schenken. Sie frisst ihr aus der Hand und kommt ihr entgegen, wenn sie im Stall hantiert (vor mir hingegen fürchtet sie sich ein wenig *snif*). Ihr Fell ist schwarz-weiss und verwuschelt, genau wie das von Strubbeli, doch verwandt sind die beiden nicht, soweit ich weiss. Sie ist ein Januarkind -oder war es Dezember? keine Ahnung- auf jeden Fall kommt sie mir gross vor für ihr Alter und trotzdem ein bisschen verloren zwischendurch. Sie hat weder Mutter noch Geschwister in der Gruppe, aber es wirkt, als hätte Elsa, ganz offensichtlich die Leit-Meersau der Herde, sie so gut wie adoptiert, denn Pippa folgt ihr ständig auf Schritt und Tritt wie ein schwarz-weisser Schatten…

Es ist viel los gerade hier im Garten. Mein Mann hat mir eine Kräuterspirale gebaut und vor ein paar Tagen mit Kräutern aus meiner Wunschliste bepflanzt (Kamille und Verbene standen ganz oben), der Holunder öffnet just dieser Tage seine ersten weissen Blütendolden und an den beinahe kahlen Zweigen des an sich eher kränklichen Feigenstrauches, für den ich keine grosse Hoffnungen habe, zeigen sich doch tatsächlich drei, vier Babyfeigen. Sonntags konnten wir den ersten Salat ernten und aus den ersten Stängeln des Rhabarbers wurde Kompott gekocht. Und ist auch die Meerschweinchen-Wiese wieder belebt. Schöner könnte es nicht sein, glaube ich…

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7 Antworten auf Vierbeinige Freunde

  1. Biba sagt:

    Hach ist das schön, liebe Bora!!!
    Meerschweinchen sind so goldige Gesellen! Wir hatten ja auch lange Zeit welche. Jetzt begnüge ich mich damit, die Meerschweine meiner Freundin Eva ab und zu zu besuchen oder in Pflege zu nehmen. Dieses Gewusel und Gequieke, zu schön!
    Sie heißen übrigens Frodo, Irini und Padmini! (Eva liebt ausgefallene Namen!) :)
    Als Evas frühere Meeris mal Babies bekamen, wurden sie in der Küche unterm Schrank geboren. Sie rief mich umgehend an und berichtete, dass da drei winzige Babies säßen und ob ich kommen kann.
    Ich lag dann flach auf dem Küchenboden und staunte. “Sind die drei nicht wunderbar?” fragte Eva.
    “Ohja, aber es sind vier!” “Vier???”
    Ja, es waren vier Babies und sie waren herrlich winzig und wunderschön!
    Ihr werdet es ja erleben!
    Und ich aus der Ferne mit euch!

    Liebe Bibagrüße zur Nacht!!

  2. nima sagt:

    Ach meine liebe Bora – dein Post der geht ganz und gar über vor ganz viel Lebenfreude und Glück – das ist richtig ansteckend ♥ Die Kräuterspirale ist mir gleich ins Auge gestochen – ist die schön! Ich beneide dich ein wenig um dieses kleine Fleckchen grün – auch wenn ich weiß, du hättest gerne mehr und irgendwie anders.

    Mit viel Freude hab ich über eure neue Herde gelesen – du hast jedes Individuum mit soviel Liebe beschrieben – ich wiederhole mich, aber das war wirklich richtig ansteckend und ich wünsche euren Neuankömmlingen von Herzen das Beste!

    Alles Liebe und bis bald!
    nima

  3. andrea sagt:

    liebe bora, auch wenn mir mein grosser wunderbarer hund keine eigene meerschweinchenherde erlaubt – bei dir mitzulesen erhöht die lust ganz enorm. ganz wundervoll, was ihr da habt und wie du es beschreibst. und genau mit solchen herzallerlieblichkeiten umsorge ich meine schwermut, die sich zuweilen einstellt (völlig folgerichtig wenn man ein offenes herz hat und auch behalten will, das eine geht nicht ohne das andere glaube ich) umarmung, andrea

  4. Rita sagt:

    Wie härzig!!!!! Das Gehege ist ja ein Traumschloss! und die Kräuterspirale finde ich ja Klasse! Oben die Pflanzen, dies gerne eher trocken haben und gegen unten dann die, die es nasser wollen;)…
    Wünsche Euch ganz viele schöne und erlebnisreiche Zeiten in dem tollen Garten!
    Herzlich, Rita

  5. Kathrin sagt:

    Oh wie toll. Ich habe schon immer darauf gewartet, dass die Merlies da sind. Eine tolle Garten Zeit…

  6. Duska sagt:

    So toll, dieser Post:-) Freu mich auf die nächsten Abenteuer auf dem grünen Fleck:-)
    Die Kräuterspirale ist super, wer hatte solch eine tolle Idee?
    Ganz liebe Grüsse-freue mich mit Euch:-)

  7. Melanie sagt:

    Jaa…
    Wunderbar… wieder wuselnde Schweinchen <3 … und ich hoffe, das ist jetzt nicht ganz unpassend, aber bei dem letzten Foto und deinem Kommentar dazu fiel mir ein… was auch an mir nicht vorbei gegangen ist, obwohl mich Königshäuser nicht interessieren… dass "Pippa", Herzogin Kates' Schwester, ja auch durch ein "Foto mit Hinterteil" so bekannt wurde. :) Ich musste deswegen lachen, als ich das las. Aber wirklich toll, ich mag das so, wenn über jedes der Kleinen die jeweiligen Eigenarten beschrieben werden, und ein Foto mit Namen… das ist so süß.

    Da ich nicht aus der Schweiz bin, muss ich auch immer ein bisschen über besondere Ausdrücke lachen und sie meinem Liebsten erzählen. Ein (oder besser: kein) "Znacht" für den Fuchs. Einfach toll.

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