berührt: leer

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Leer. Unser Meerschweinchengehege ist leer. Vollkommen leer, still und verwaist.
Vor drei Nächten ist der Fuchs gekommen, hat leichte Beute gewittert, recht behalten und jedes einzelne unserer sechs Meerscheinchen davon getragen.
Es war mein Fehler. Das eine untere Türchen stand offen. Natürlich hätten auch andere es schliessen können, ich war mir sogar sicher, dass jemand anderes es getan hatte, bzw. dass das Gehege fest verschlossen war, genau so wie ich es nachmittags noch zurück gelassen hatte, nach dem letzten Füttern und Kontrollieren, doch das war nicht der Fall, genau das war mein Fehler, denn ich hätte nachfragen sollen, oder einfach bloss die paar Schritte unter die Füsse nehmen und nachprüfen. Aber ich war dumm und erschöpft und abgelenkt und kam gar nicht auf den Gedanken, dass eines der Kinder vielleicht nochmals kurz draussen gewesen sein könnte, um den Stall zu öffnen, weil „sie ja abends noch kurz raus wollen“.
Das kostete die armen, kleinen Tierchen ihr Leben.
Und man kann es drehen und wenden, wie man will, schlussendlich war es mein Fehler, meine Verantwortung, meine Pflicht.
Das macht mir sehr zu schaffen.
Und ich vermisse sie so sehr. Das fröhliche Quietschen und Fiepen, wenn sie hörten, wie ich vor die Haustüre trat. Ihre Freude über die Möhrenschalen und Apfelbitzgen aus der Küche. Ihr vorfreudiges Gedränge, wenn ich den Stall ausmistete und sie ungeduldig vor der geschlossenen Deckenklappe warteten, bis sie wieder in ein warmes, nach Stroh und Heu duftendes Nest kriechen konnten.
Erst vor ein paar Tagen habe ich saubergemacht und mir gedacht, wie schön das doch im Grunde ist, das Ausmisten und Herrichten und die Freude und Nähe der Tiere zu spüren.
Ich hatte sie wirklich gern.

An der oberen Tür des Stalles sind auf der Aussenseite langgezogene Krallenspuren. Auch diese Tür stand weit offen, als ich kam. Ich bin mir nicht sicher, wie, aber es sieht so aus, als habe der Fuchs sie tatsächlich selber von aussen öffnen können. Das scheint fast unmöglich, aber ich habe bereits von so einem Fall gehört und offenbar war der Fuchs nicht nur sehr hungrig (die Füchse sehen ausgemergelt aus dieses Jahr), sondern auch ausdauernd und klug, klug genug, die Schwachstelle dieses Stalles sofort ausfindig zu machen. Er hatte Glück. Meine Tiere nicht.
In der Schule meiner Tochter, begannen die Kinder ganze Schimpftiraden auf den Fuchs zu dichten. Mein Mädchen findet Trost darin, in diesem Mitgefühl ihrer Freunde, im geteilten Entsetzen, wenn die Kinder sich mit ihr vor dem leeren Stall versammeln, die kleine Blutpfütze sehen, die ich schon längst wegwaschen wollte (sie ist wirklich nur klein, ich denke, der Tod kam schnell), die Ecke mit ein paar weissen Haarbüschelchen. Er zerreisst einem das Herz, dieser Anblick. Mir auch. Aber bisher habe ich es noch nicht über mich bringen können, das Gehege zu leeren, alles wegzupacken, die Spuren zu tilgen. Ein Stück weit brauche ich diese klaren Zeichen. Um es wirklich glauben zu können. Das alles. Nur das Blut, das sollte ich wirklich wegwaschen. Mit heissem Wasser, denke ich, denn es ist bitterkalt und der Boden gefroren. Immerhin lag Schnee in jener Nacht. Ohne ihn hätte ich nicht gewusst, wer da am Werk war. Die klar erkennbare Fuchsfährte war auch so ein Zeichen, das half, die Dinge zusammen zu puzzlen und Punkte zu setzen. Der Fuchs war es. Punkt. Er muss vielleicht schon eine Frau und einen Wurf kleiner Füchslein durchfüttern (die Natur ist ja in manchen Dingen ein paar Wochen früher dran diesen Winter). Punkt. Er braucht Nahrung, um nicht sterben zu müssen. Punkt. Es waren keine Menschendiebe. Punkt. Keine reine Graussamkeit. Punkt. Es gibt einen Sinn dahinter. Und sie kommen nicht wieder. Punkt. Es ist vorbei. Punkt. Und ich bin Schuld.

Ich habe viel geweint die letzten Tage über.
Es wäre einfacher, wenn ich mir keine Vorwürfe zu machen hätte und wenn es nicht so verdammt still und leer wäre da draussen im Garten. Wenn wenigstens eines von ihnen sich hätte verstecken können…
Gestern fand ich an einer Stelle in Stallnähe, dort, wo der Schnee am zerwühltesten gewesen war und die Fuchsspuren sich sammelten, ein kleines Büschelchen caramelfarbenen Fells. Ich hob es auf, und kaum fuhren meine Finger über das weiche, wollige Pelzchen, blitzte die Erinnerung klar und deutlich in mir auf, so als überraschte mich ein Kindheitsduft, der Bilder weckt; Mimi. Meine kleine, süsse Mimi mit ihrem lustigen Schnäuzchen und dem wuscheligen Fell, weich und störrisch zugleich. Wenn sie rannte, sah es immer so aus, als würde sie tanzen und dabei mit dem Popo wackeln. Wir sagten immer, sie trüge ein Ballettröckchen. Sie roch warm und milchig.
Es war ganz merkwürdig; Wenn ich, nachdem ich den leeren Stall entdeckt hatte, an unsere kleine Meerschweinchenherde dachte, konnte ich mich nur noch an vier Tiere erinnern. Ich zählte sie sogar an den Fingern ab, denn ich wusste natürlich noch ganz klar, dass es sechs gewesen waren und jedes einzelne war mir vertraut, aber kam ich immer nur auf vier von ihnen: Lillifee, Pixie, die Zwillinge Cookie und Brownie. Danach war irgendwie alles schwarz in meinem Kopf. Erst meine Kleine erinnerte mich wieder an sie: Mimi und Maggie, die beiden Schwestern, strohblond die eine, caramelbraun die andere. Ich hatte sie vollkommen ausgeblendet. Und erst als ihre Namen fielen, konnte ich es glauben. Erst dann kam die Trauer.
Mimi war mir immer sehr lieb. Ich musste lachen, wenn ich sie sah, und es war ein frohes, befreites Lachen, weil sie alles ganz einfach und sorglos aussehen liess mit ihrem Gehopse und Gewackel. Wie mutig sie war. Goldig. Rundum goldig. Eine kleine, runde Goldmarie.

Ich habe ihr Haar in Papier gewickelt und halte es manchmal in den Händen.
Ich muss nach vorne schauen. Ihr Gehege sauber machen. Den Stall sichern, wo immer nur möglich. Ein Extraschloss anschrauben. Oder gleich mehrere. Meine Schuldgefühle aushalten und dann ziehen lassen. Aus Fehlern lernen. Mich an der Nase nehmen. Pflichtbewusst sein. Immer.
Und dann neue Meerschweinchen einziehen lassen.
Darf man sich auf sowas freuen?

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26 Kommentare zu berührt: leer

  1. Iris sagt:

    Sie dürfen sich freuen, natürlich. Wer will es Ihnen verbieten?

    Nordische Grüße von Iris

    • kirschkernzeit sagt:

      Danke, liebe Iris. Die Klarheit, die in diesen zwei Sätzen liegt, war sehr heilsam und erdend. Und irgendwie auch wahr. Vielen Dank dafür! Ich freue mich darauf, mich wieder zu freuen! 🙂

  2. Melanie sagt:

    Liebe Deborah,
    es ist so schwer für mich, allein nur über das so völlig unerwartet Geschehene zu lesen. Die Bilder, die du so deutlich beschreibst, tauchen vor mir auf und mein Herz tut weh. Ich empfinde es als eine kleine (weil die Meerschweinchen so winzig sind), sehr schmerzhafte Tragödie und kann gut verstehen, dass du immer wieder weinen musst.

    Und ich kenne es leider auch, dass etwas wie eine kleine Nachlässigkeit, ein Gedanke, den man sogar hatte und dem man dann, weil man dachte, es sei schon alles in Ordnung, nicht nach gegangen ist, ein Leben gekostet hat. Dazu kann ich gar nichts Tröstliches sagen… vielleicht, was du sicher schon getan hast, die Tierchen um Verzeihung für deinen Irrtum zu bitten. Du weißt doch selbst, dass du nicht hin gegangen bist, weil du eigentlich sicher warst, dass sie in Sicherheit sind.

    Ich würde mir diese Frage über eine Freude auch stellen, aber ich bin sicher, dass ich mich freuen dürfte, dass du dich freuen darfst. Was ich falsch fände, wäre, mit „Ersatztieren“ den Verlust der liebsten Verlorenen schnell weg zu wischen und Gefühle zu ersticken, aber das ist doch gar nicht der Fall. Du und deine Familie, ihr seid aufrichtig traurig um sie, und ich denke, das kann gut beides nebeneinander bestehen.

    Wenn man sich über ein neues Leben (dem ihr ein liebevolles zu Hause bieten könnt, nicht alle Schweinchen haben so ein Glück) freut, dann bleibt die traurige Ecke im Herzen trotzdem noch da, und ich habe auch schon gemerkt, wenn man sich zB über Eigenheiten der neuen Lebewesen freut, dass man dann dadurch besonders an ähnliche oder auch ganz andere Eigenheiten der Gestorbenen denkt und sie dann immer wieder „aufblitzen“. Sie bleiben sozusagen noch eine Weile „mit dabei“, auf schöne Weise.
    Vielleicht geht es euch ja ähnlich.

    Es tut mir sehr, sehr leid.

    • kirschkernzeit sagt:

      Ach Melanie; du hast so viel geschrieben und jedes Wort war wie Balsam… Vielen, vielen, vielen Dank, du Liebe! Ich habe auch gemerkt, dass ich keinen raschen Ersatz will. Ich bin jemand, der immer sehr intensiv in seine Gefühl eintauchen muss, und sie nur so dann auch wieder ablegen kann. Wie durch einen Tunnel zu laufen, um danach dann wieder ans Licht zu kommen. Ich glaube, ich sehe es schon aufblitzen in gar nicht mehr allzu weiter Ferne… 😉 Deine Zeilen haben mir sehr geholfen, weiter zu gehen. Und mich nicht ständig zu fragen, ob ich vielleicht nicht normal bin, weil es mir so weh tut, das alles…
      Ein bisschen freue ich mich bereits. Auf alles Neue und Gute, das wieder kommen wird.
      Danke, Melanie. Vielen, vielen Dank!

  3. Duska sagt:

    Natürlich darfst du dich freuen, liebe Bora. Gestalte die nächste Zeit auf die Vorfreude für die nächsten kleinen.
    Und bitte suche keine Fehler, erst recht nicht bei dir. Du brauchst wirklich keine Schuldgefühle, Es ist geschehen und fertig.
    Probiere einfach die Traurigkeit umändern, mach doch mit den Kindern eine kleine Gedenkfeier und schliesst mit der Trauer ab.
    Ihr werdet sie sowieso immer in schöner Erinnerung behalten, nicht?

    • kirschkernzeit sagt:

      Du hast mir einen schöne Idee gegeben, liebe Duska; eine Trauerfeier, ja. Und wenn es auch nur für mich wäre und für meine Grosse, für die die Tiere sehr wichtig waren. Weisst du, ich habe heute überlegt, einen Busch ins Gehege zu pflanzen, denn zu begraben gibt es ja nichts. Der Busch wäre ein Zeichen und eine hoffentliche Freude für die Meerschweinchen, die einmal wieder hier grasen werden… Ich überlege noch, welche Pflanze ich wählen würde. Aber ich glaube, ich weiss schon, welche…
      Ich danke dir von Herzen für dein Mitfühlen und deinen Trost! Und für diese schöne Idee, die mir sehr hilft, dem Ganzen einen Abschluss zu geben. DANKE, Duska!

  4. Regina sagt:

    Ich glaube, dass Eure Meerschweinchen das herrlichste Meerschweinchen-Leben bei Euch hatten, das man sich nur vorstellen kann. Es hat ihnen an nichts gemangelt, nicht an menschlicher und tierischer Gesellschaft, nicht an Futter, Heu und vor allem nicht an ganz viel Liebe. Das zählt sehr viel mehr als die pure Zahl ihrer Lebenstage.
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben deswegen nach einer Zeit der Trauer und des feierlichen Abschiedes jede Menge Vorfreude!
    Mit liebem Gruß
    Regina

    • kirschkernzeit sagt:

      Du hast deine Wort so schön gewählt. Das ist Trost pur, liebe Regina… Ich habe mir auch Gedanken darüber gemacht, ob es vielleicht besser gewesen wäre, die Tiere drinnen im haus zu halten, weisst du… Aber dann wieder sah ich, wieviel Spass sie hatten in ihrem Zuhause und wie gerne sie auch winters, an milden Nachmittagen noch rasch raus gelaufen sind, um ein paar Halme zu knabbern. Oder sich einfach oben im warmen Heu in ihrer dunklen Schlafecke zum Schlummern hingekuschelt haben… Es tut mir unsagbar wohl, was du schreibst. Ich DANKE dir von Herzen!

  5. Biba sagt:

    Liebe Bora!

    Ich weine mit dir….
    Als ich deinen Post las…. war alles wieder da, was ich so gerne verdränge. Schon jahrelang verdränge, weil es so weh tut.
    Meine drei zahmen Hühner holte der Marder. Es war auch meinen Schuld. Die Stalltür war auf. Ich schlief tief und friedlich, während er meine Hühner umbrachte….
    Seitdem habe ich keine Hühner mehr. Seitdem vermisse ich sie.

    Aber vor zwei Wochen kaufte ich ein Huhn für einen Hühnerfarm in Kenia.
    Wenn ich schon keines mehr haben werde…. (oder vielleicht eines Tages….. ich weiß es nicht….. auf der Seite von Omlet gibt es mardersichere Hühnerställe…. ) soll doch wenigstens ein Huhn in Kenia leben…

    Ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst…..

    Fühl dich fest umarmt – wenn du willst!!

    Liebe Grüße von Biba!

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, arme Biba! Marder… das ist ja noch viel schlimmer! Sie nehmen das Tier nicht immer mit, gell? Dass mir dieser schreckliche Anblick erspart geblieben ist, dafür bin ich dem Fuch direkt dankbar, weisst du. Er hat das sehr „sauber“ gemacht, sehr diskret, und ich bin so froh darum, das kann man sich kaum vorstellen. Noch Leichenteile zu finden (ich weiss, man sollte hier Kadaver schreiben), das muss entsetzlich sein… Und ich fühle wirklich mit dir, zu Arme! Dass ich einfach schlafen konnte und NICHTS gehört habe, das hat mich auch beschäftigt. Aber dann wiederum können wir beide uns vielleicht damit trösten; vielleicht ging ja alles viel zu schnell für viel Lärm…? ich versuche, mir das einzureden, obwohl es ja sehr unwahrscheinlich ist, da der Fuchs x mal zurück gekommen sein muss, denn er kann ja kaum 6 Tiere auf einmal fangen und davonschleppen…
      Arme Biba.
      Es gibt ein ganz süsses Buch zu genau diesem Thema: „Sonjas Chickens“ von Phoebe Wahl.
      Hier ein Link dazu: https://www.amazon.de/Sonyas-Chickens-Phoebe-Wahl/dp/1770497897/ref=sr_1_fkmr0_1?ie=UTF8&qid=1518344799&sr=8-1-fkmr0&keywords=sonjas+chickens+phoebe+wahl
      Es geht um ein Mädchen, das drei Hühner hat, die es sehr liebt, doch dann kommt der Fuchs und holt eines aus dem Stall. Natürlich ist das Kind todtraurig, es hat sein Tier selbst aufgezogen und es war ihm ein echter kleiner Freund. Der Vater tröstet es mit einem ganz, ganz guten und wahren Bild: Wie der Fuchsvater das Huhn seiner Familie brachte und damit seinen Babies Kraft zum Leben schenken konnte. Sie machen eine kleine Trauerfeier, lassen los- und gehen dann weiter im Lebenslauf. Und irgendwann wird ein neues Ei gelegt. Ein Küken schlüpft aus. Das Rad des Lebens dreht sich weiter.
      Ich fand dieses Buch schon immer wahnsinnig schön. Ich hatte es damals für mich selber gekauft- und heute lese ich es mir selber vor und staune darüber, wie gut es tun kann, das innere Kind mütterlich zu trösten… 😉
      Ich schicke dir liebe Grüsse. Deine Idee mit dem Huhn in Kenja finde ich ganz, ganz toll! Und den Gedanken mit einem neuen, mardersicheren Stall auch… Sei mutig, liebe Biba! Bist du ja auch.

  6. Eva sagt:

    Liebe Bora,
    es tut mir sehr Leid, zu lesen, dass eure Meerschweinchen nicht mehr bei euch sind! Ich kann mir vorstellen, dass das sehr weh tut. Sei aber bitte nicht so hart mit dir selbst. Es war ein Fehler, ja. Aber mit Selbstvorwürfen ist niemandem geholfen. Kannst du dir verzeihen und gut zu dir sein? Und dich auf die neuen Meerschweinchen freuen?

    • kirschkernzeit sagt:

      Weisst du, Eva, ich glaube, so langsam kann ich das sogar- und ich freue mich darüber. Im Moment möchte ich zwar noch nicht gleich einen „Ersatz“ für meine armen Tiere, aber ich merke, dass ich wieder besser nach vorn schauen kann und nicht mehr wie erstarrt stehen bleibe und dem Tod so fassungslos gegenüberstehe. Es hat mir wahnsinnig wohl getan, auch deinen liebevollen Kommentar zu lesen. Es ist nicht für jeden gleich schlimm, ein Tier zu verlieren, das merke ich gerade in meinem Umfeld sehr stark. Für manche Menschen sind so kleine Tiere mehr eine Art „Verbrauchsartikel“, den man sofort ersetzt und zu dem man nicht wirklich eine Beziehung aufbaut, sondern den man eben „benutzt“ als Augenweide, zum Zeitvertreib, als lebendiges Plüschtier, wie auch immer. Wenn es dann weg ist, ist es eben weg und man darf sich was Neues aussuchen. Schlimm finde ich diese Haltung nicht, vielleicht ist sie sogar gesünder und lebensnäher, ich weiss nicht recht, und ich bin selber ein wenig erstaunt, wie verbunden ich mich doch fühlte mit dieser kleinen Herde. Umso schöner ist es, wenn ich Zeilen wie deine lesen darf. Dass es Leute gibt, die verstehen und es nicht doof finden, wenn man so emotional wird in so einem Fall… Vielen Dank einfach!

  7. amselgesang sagt:

    Liebe Deborah, es ist schon spät und ich kann jetzt auch gar nicht viel Besseres dazu schreiben als meine Vorrednerinnen – ich weiß, wie schwer einem das Herz sein kann, wenn ein kleiner Fehler Folgen hat, die nicht wiedergutzumachen sind. Aber weißt du, was mir noch in den Sinn kam: indem du die Verantwortung auf dich nimmst, bewahrst du deine Kinder (bzw. dasjenige, das vielleicht doch das Türchen offengelassen hat) davor, sich schuldig fühlen zu müssen. Das würde in manchen Familien wohl ganz anders laufen („WER hat das Türchen geöffnet?! Ihr wisst doch…“ usw.).
    Und noch etwas: ich habe mit meinen eigenen Kindern die Erfahrung gemacht, dass Kinder, bei aller Trauer über den Tod von Tieren, ein gutes Gespür für die Vorgänge in der Natur haben, sie wissen, dass der Tod zum Leben dazugehört, und dass der Fuchs nichts „Böses“ getan hat. Sie werden die Erinnerung an ihre ersten Meerschweinchen und auch an das traurige und aufregende Ereignis in ihrem Herzen bewahren und sich dann über die neuen freuen – und du mit ihnen, hoffe ich!
    Liebe Grüße von Herzen,
    Brigitte

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich danke dir so sehr… und werde für eine Antwort „zu dir“ zu Amselgesang kommen, ja? Hier einfach nur DANKE aus tiefster Seele…

  8. Katja sagt:

    Liebe Bora.
    Fuehl Dich ganz ganz fest in die Arme geschlossen – Dich und Deine lieben Menschen um Dich herum. Suche Dir Trost an den Haenden Deiner Lieben. Das Leben ist grausam; mal mehr mal weniger. Gib die Schuldgefuehle bald schon ab wenn Du es schaffst, die zermuerben nur und machen Dich krank und Deine liebe Familie braucht Dich. Du brauchst Dich! Ich glaube daran dass Du es schaffst Dir selbst zu vergeben! In Trauer und mit einer zuckersuessen Umarmung von einer Fremden – Katja xxoo

    • kirschkernzeit sagt:

      Liebe Piratenkatja, danke, danke, danke…! Es tut einfach wahnsinnig gut, deinen Trost zu spüren beim Lesen, dein Mitfühlen und Wissen. Langsam glaube ich, dass es abflaut, das was mich so gequält hat. Es ist ein bisschen, wie wenn man eine Seite umblättert in einem Buch; sie ist zwar noch da, aber es darf auch weitergehen… DANKE dir einfach von ganzem Herzen! Du hast mir sehr geholfen.

      • Katja sagt:

        LIebe Bora, die Analogie mit dem Buch benutze ich persoenlich sehr oft, denn unser Leben ist wirklich wie ein Buch mit demselben Einband aber vielen verschiedenen Kapiteln. Ich freue mich, dass meine paar Worte ein wenig Anklang fanden. Als Aussenstehender kann man so wenig tun – und selbst als Betroffender… Sei gewiss, dass an Dich ganz lieb gedacht wird!

  9. EP sagt:

    Liebe Bora,

    ich schicke dir ganz viel Liebe und Kraft jetzt und in nächster Zeit. Ich hoffe innigst, dass du dir selbst auch Zeit gibst, dein Schmerz verarbeiten zu können. Unsere Tiere sind Familienmitglieder. Nicht „bloss“ Tiere. Da ist es natürlich, dass es sehr weh tut sie zu verlieren. Und wenn die Zeit gekommen ist, hoffe ich für dich, dass du die Liebe und die Freude mit den Tieren wiederbekommst, dass die Angst und schlimme Erinnerungen dich nicht beherrschen.

    Fühle dich umarmt,

    • kirschkernzeit sagt:

      Danke von Herzen! Stimmt, ein Haustier wird zu etwas ganz Nahem und Persönlichem, nicht? Ich merke, wie schizophren meine Haltung im Grunde ist, denn ich esse ja auf der anderen Seite auch Fleisch… Vielleicht sollte ich wirklich endlich Vegetarierin werden…
      Ich habe schon ein bisschen nach Tierinseraten geschaut und mir Gedanken gemacht, wie eine neue Herde zusammengestellt sein sollte. Ein junges Tier wohl sicher, aber auch ein erfahreneres „Mütterchen“ und vielleicht ein kastriertes jüngeres Männchen…? Es ist nicht ganz einfach, macht aber schon wieder ein wenig Freude…
      Ganz liebe und herzliche Grüsse! Und vielen Dank!

  10. Anna sagt:

    Fühl Dich umarmt aus der Ferne! Es ist traurig und ich denke an Euch. Ich glaube, Du gehst einen sehr ehrlichen Weg in Deiner Trauer und das rührt mich an.

    Liebevolle Grüße und alles Gute!
    Anna

    • kirschkernzeit sagt:

      Liebe Anna, ich habe so viele ermutigende Worte erhalten, auch deine hier, und dieser Rückhalt, auch zB. von einer meiner Schwestern, hat mir sehr, sehr viel Freude und Zuversicht gebracht. Vielen Dank dafür! Dass du dir die Zeit für ein paar so nette Zeilen genommen hast, freut mich ehrlich!

  11. andrea sagt:

    liebe bora, eigentlich ist ja schon alles gute und herzwärmende gesagt worden und dennoch möchte ich gern noch ein paar zeilen dalassen für einen extra-aspekt.. ich finde es so wohltuend, dass du dir erlaubst, ganz offen um deine meerschweinchen zu trauern. wissend, dass es gewiss schlimmeres auf der welt gibt und ungeachtet dessen, dass sie ein gutes leben hatten… die eigene trauer (und die der anderen) ernst zu nehmen, sie nicht zu relativieren, sie einfach da sein zu lassen, – das erscheint mir so wertvoll und wichtig, bevor und damit heilung geschehen kann. und in diesem sinne ist dieser blogpost für mich vorbildlich im besten sinne und ermutigend. danke!

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, ich danke dir! Ich habe mir erst gestern abend wieder gedacht, dass es tatsächlich ja Schlimmeres gibt als ein paar tote Meerschweinchen (wobei ich das jetzt unr so schreibe, weil man das auch so sehen könnte, irgendwie finde ich es gleichzeitig ja herablassend den Tieren gegenüber, wenn man ihr Leben und Leiden so klein macht), und dass es so viele Menschen gibt, die um ihre Liebsten trauern, um ihr Kind, ihren Partner, um eine ganze Familie… Ich dachte „eigentlich ist es fast ein bisschen wehleidig und egozentrisch, diesem, verglichen doch so „kleinen und nichtigen“ Schmerz so viel Raum zu geben und sogar einen Blogpost dazu zu verfassen.“ Für machne könnte das sicher selbstmitleidig wirken. Aber dann wiederum wurde mir klar, dass das wohl einfach meine Art ist; alles schwer und ernst zu nehmen und voll und ganz eintauchen zu müssen in ein Gefühl, ein Thema, ob Abschied oder Freude, gross oder klein. Ich muss immer ins Extreme und kann mich in diesem Moment dann auch kaum ablenken oder die Dinge relativieren. Es ist, wie wenn man durch einen Wasserfall schwimmt. Und am anderen Ende dann wieder raus kommt. Mein Weg scheint immer hindurch zu führen. Nur selten drum herum oder in langen Schwimmzügen noch eine Weile im Kreis des Tümpels.
      Und irgendwann ist es dann vorbei und dann ist es meistens auch wirklich gut und verarbeitet. Es gibt schon Phasen, wo ich mich ein wenig schäme für mich selber, und ich befürchte, für andere ist es auch nicht immer besonders lustig mit mir. Doch wir Menschen sind so verschieden, selbst wenn wir uns ähnlich sind, jeder muss anders umgehen mit dem, was an ihn herangetragen wird, oder?
      Ich bin dir sehr dankbar für deine Sicht der Dinge. Sie ist erleichternd für mich und sehr ermutigend, hab Dank, liebe Andrea!

  12. natalie sagt:

    Manchmal fehlt mir auch ein Tomte, der auf leisen Sohlen umhergeht und wacht…

    Liebe Bora, mir hilft es immer die Gefühle und Gedanken kommen zu lassen, zu betrachten, aber dann auch gehen zu lassen…schuldig fühlen, traurig sein, sich auf Neues freuen….

    Danke, dass du dein Leben auf so ehrliche Art mit uns teilst.

    Ich sende dir mit dem anstehenden Frühlingserwachen Schaffensfreude. Bis dahin darf noch Winterschwermut uns heimsuchen.

    Liebe Grüße, natalie*

  13. MadamMim sagt:

    Liebe Bora… mir ging es mal so mit unserem Kaninchenpaar. Ich hatte am seitlichen Deckel den Hebel nicht richtig geschlossen und am nächsten Morgen kam der Fuchs.
    Ja, auch der Fuchs will leben und braucht Nahrung, aber dennoch tut es so schrecklich weh.
    Ich hab mir solche Vorwürfe gemacht (und tue es noch heute).
    Nach ein paar traurigen Tagen haben wir einen neuen Anbau an den Stall gezimmert und jede einzelne Türe nochmals extra gesichert.
    Ein Bekannter meinte zu mir, es würde aussehen wie eine JVA… mir war es egal, Hauptsache der Fuchs klaut nicht mehr unsere Kaninchen!
    Ich drück dich lieb und hoffe bald auf Bilder von Schweinchen, die sich glücklich schätzen können bei dir ein so liebvolles Zuhause zu finden!
    Liebe Grüße
    Mim

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