ein paar Farbtupfer

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Himmel, es fühlt sich direkt komisch an, wieder am Laptop zu sitzen und Worte einzutippen. Ich war eine ganze Weile lang krank. Diese absolut merkwürdige “Grippe”, die hier grassiert, wahlweise mit Schnupfen und Husten, mit Fieber oder ohne, oder mit  lang andauernden Magenschmerzen und einer Übelkeit, die einem tage- und nächtelang begleitet, ohne dass man recht weiss, wieso. Und müde wird man. Einfach bodenlos müde und schlapp wie ein alter, gammeliger Waschlappen überm Putzeimer.
Bei mir war es der Magen. Fast zwei Wochen lang und immer noch ein wenig, aber letzte Woche war ich tatsächlich zeitweise ausser Gefecht gesetzt und nahm mehr als dankbar die Hilfe meiner Mutter an, die die Kinder betreute, während ich einen vollen Tag lang nur schlief, von all den nachmittäglichen Notfall-Nickerchen und den säuglingsmässig frühen Zu-Bett-Geh-Zeiten mal ganz abgesehen. Gottseidank ging es nicht nur mir so; meine beiden kleinen Mädchen schlüpften mehr als einmal gleich mit mir in Krankenlager, erschöpft von werweisswas, allerdings mit nur wenigen Krankheitssymptomen, was meine Nächte wiederum recht erholsam werden liess. Zum Weihnachtssingen der Schule (7 Uhr morgens!) und dem anschliessenden, einfach himmlisch romantischen Kindergarten-Zmorgen bei Kerzenschein neben lauter entspannt-freundlichen Kindergartenkind-Eltern und definitiv ferienreifen Kindern, habe ich es aber Gott-sei-Dank doch noch geschafft. Es war wunderbar. Erinnerungsstückchen, die sich wie Puzzleteile einfügen im ganz speziellen grossen Ganzen dieser Tage. Einzigartig. Gedacht für den Augenblick und darum so schön.
Die Kinder waren schon tagelang hibbelig vor Aufregung und Vorfreude, und Kind2 sass buchstäblich stundenlang am Keyboard meines Mannes, um später im Schulchor auf keinen Fall seinen Xylophon-Part bei “Stille Nacht” zu verpatzen. Wieder und wieder hörte ich ihn klimpern. Und genoss jeden Ton davon. Meine Grosse spielt seit Sommer Blockflöte und müht sich fürchterlich ab damit, aber ansonsten spielt hier niemand ein Instrument, und das Keyboard, das Herr Kirschkernzeit sich letzten Winter zu unser aller Überraschung geleistet hat, steht die meiste Zeit auch bloss mässig dekorativ in seinem kleinen Büro herum. Dabei liebe ich Musik. Sehr sogar. Die letzten zwei Abende habe ich bis weit nach Mitternacht sogar selber daran gesessen und mit Feuereifer die linke Hand für “Stille Nacht” einstudiert, schön lehrbuchmässig mit der digitalen Anleitung auf dem Display, damit ich auch ja die Finger richtig platziere und mich nicht permanent verheddere. Es klingt ganz hübsch bisher, allerdings recht unbeholfen und würde sicherlich noch hübscher klingen, wenn Kind2 mit mir zusammen zweihändig spielen würde. Begleitung und Hauptstimme. Aber irgendwie geniert er sich nun plötzlich, jetzt, da das Weihnachtssingen über die Bühne und bereits wieder Vergangenheit ist… Naja, dann übe ich eben weiterhin “Scarborough Fair”, still für mich alleine. Dafür mit rechter und linker Hand, was ich unglaublich schwierig finde, mir aber so ungeheuer viel Spass macht, dass ich gar nicht merke, wie die Zeit vergeht, und dann später nach geschlagenen 2.5 Stunden Üben fast nicht mehr einschlafen kann vor lauter Anspannung und Tönen in meinem Kopf…
Diese für mich ganz neuen, kleinen musikalischen Episoden sind mir sehr lieb geworden. Kleine akustische Farbtupfer in meinem oftmals schrecklich grauen Alltag.

Ein klein wenig mehr Farbe trage ich just heute auch auf meinen Lippen. Ich schminke mich normalerweise so gut wie gar nie, sondern schleiche als graue, müde Maus durch die Gegend und denke mir nicht viel dabei. Gestern aber, als wir mit meiner Mutter und all meinen 7 Geschwistern samt Partnern unser jährliches Weihnachts-Grossfamilien-Treffen feierten, fühlte ich mich nicht nur urplötlich wieder richtig fit und munter, sondern auch absolut in Feierlaune, was ich mit roten Lippen, Wangenrouge und ein wenig Wimperntusche ganz gross feierte. Dazu die Haare offen, so ungebändigt und unpraktisch wie sonst nie- und ich überraschte mich selbst mit einem völlig neuen Ich-Gefühl. Viel vitaler und selbst-bewusster. Weiblich. Nicht mehr nur wie eine stille Quelle der Nahrung und Zuwendung für andere, sondern als eine eigenständige Frau, die es sich wert ist, sich beim gemeinsamen Festessen auch selber einen Teller zu füllen und ihn gemütlich leer zu essen, ganz egal, wie gut oder schlecht sich die Kinder gerade benehmen… Ich meine, wozu ist man Familie? Oder Freunde? Um sich vertraut zu sein. Auch mal zu riskieren, dass jemand anderes das Kind zurechtweist. Oder aushält. Oder sich selber an der Nase nimmt. Das schaffe ich sonst so gut wie gar nicht, wisst ihr. Ich will nirgendwo anecken und versuche immer, aber auch wirklich immer, die Fäden in der Hand zu halten, gerade auch wenn ich mit meinen Kindern ausser Haus und unter Menschen bin. Allerdings war unser Weihnachtstreffen gestern so wahnsinnig schön und entspannt und richtig lustig sogar, dass ich mir ohnehin keine Sorgen zu machen brauchte. Und offen gestanden sind bei Feiern dieser Art oftmals sowieso die Erwachsenen die allergrössten Kinder *hüstel* Meine Knirpse hielten sich bravourös, waren ausgelassen und zufrieden und fügten sich ganz wunderbar in diese mittlerweile doch auch schon recht grosse Gruppe ein. Irgendwann standen meine Mädchen dann auch mit mir und meinen Schwestern oben im grossen Bad vor dem Spiegel und probierten all die 24 Lippenstifte aus dem Adventskalender meiner Mutter aus, hihi… Jetzt habe ich übrigens drei Lippenstifte mehr in meiner Sammlung, von einem Stück auf ganze vier also, was mir sehr gelegen kommt, denn irgendwie habe ich so den Verdacht, dass es mir ganz gut tun könnte, auch werktags ab und zu mal ein klein wenig Farbe aufzulegen…
Farbe kam auch aufs Papier heute. Oh, wir haben schon so lange nicht mehr gemeinsam gemalt! Irgendwie sind all die grossen und kleinen Haushalts-Posten einfach permanent im Vordergrund. Die Wäsche. Das Geschirr. Das Essen. Der dreckige, erd- und tannennadelbedeckte Eingang. Das chaotische Wohnzimmer. Wieder Essen. Dies und das. Badezimmer eins. Badezimmer zwei. Die Meerschweinchen. Und weiter im Text… Ich habe den Eindruck, niemals mehr entspannt und hausarbeitstechnisch weit genug zu sein, um mich mit den Kindern hinzusetzen und pinselweise Farbkleckse zu setzen… Dabei war es fantastisch, zu sehen, wie gerne sie malen. Die Mädchen immerhin, Kind1 schmökerte Comics währenddessen, während Kind2 glaub’s Keyboard übte, “Ode an die Freude” oder so und sich dann zum Meerschweinchen-Misten trollte. Schön war es trotzdem. Und ziemlich messie. Künstlerisch. Kindgerecht. Kindgerecht künstlerisch. Und ganz klar ein Fall für die Badewanne. Was mir wiederum diesen herrlich ungestörten Moment hier verschaffte, ruhig und lang genug für einen ganzen, ausufernden Farbtuper-Post…

Die kleine Steinkatze oben auf den Bildern hat -genau wie der kleine Regenbogen-Fensteranhänger- übrigens mein Junge gemacht. Mein Zweitgeborener, der nur selten malt oder werkelt, dann aber immer gleich sein volles Herz hineinlegt. Den ganzen Advent lang schlief diese Katze friedlich auf dem Küchenfensterbrett neben den kleinen Kaffeepflänzchen, und ich fand sie ungeheuer süss, wie sie so dalag und beinahe zu schnurren schien. Heute ist ihr Plätzchen leer. Leergeschenkt. Dafür hat nun meine mittlere Schwester (die sich gestern die ganz knallroten Lippenstifte aussuchte und entzückend damit aussah)  nebst den beiden Schmusebüsis auf ihrem Sofa auch noch eine stillvergnügte Steinkatze bei sich im Haus. Tante müsste man sein.

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7 Antworten auf ein paar Farbtupfer

  1. Hirundo rustica sagt:

    Liebe Bora,
    ein Glück, dass du wieder da bist! Und auch wieder gesund! Und dass ihr trotz vorangegangener Krankheit noch schöne Feiertage erleben konntet!
    Hier habe ich auch ein Kind mit Fieber, Husten und ausgeprägter Lethargie / Schwäche seit einer Woche. Jetzt gehe ich sie doch mal abhören lassen. Ach ja, und ein SEHR bissiges Baby (aua!!) habe ich auch. Es wird höchste Zeit, dass ich nicht mehr ihre alleinige Mahlzeit darstelle ;-)
    Liebe Grüße, einen guten Rutsch und euch Glück und Segen für das kommende Jahr!

    • kirschkernzeit sagt:

      Autsch! Ja, Babys können echt fies zubeissen… Ich erinnere mich noch gut ;-)
      Ich hoffe, dein kind kommt auch bald wieder auf die Beine! Vor allem Husten, der in der Nacht nicht aufhört schwächt irgendwann die ganze Familie, nicht? Alles Gute wüsche ich euch!

  2. Lila sagt:

    Liebe Frau Kirschkernzeit,
    oh diese üble Grippe hat 3/4 lila Familie auch gehabt.- und bei mir schleicht sie sich erst langsam weg. Lg von lila, auch öfters graue Maus

    • kirschkernzeit sagt:

      Hier hat es manche echt schlimm erwischt, da waren wir ja noch sehr verschont. In einer Klasse fehlten zeitweise 7 Kinder und mehr! Aber es geht ja auch wieder vorüber, und das ist schon ein Segen, auch dass wir wissen, dass da auch in schlimmen Fällen medizinisch Hilfe erreichbar wäre, oder? Was müssen die Mütter vor 150 Jahren sich geängstigt haben, sobald ein Kind fiebrig und hustend im Bett lag! Eine alte Frau hier im Dorf hat mir erzählt, dass eines ihrer Kinder als Baby an Grippe gestroben ist. Und eine andere alte Dame, die bereits schon nicht mehr lebt, hat mir einmal mit Tränen in den Augen von der Zeit berichtet, in der ihr jüngster Bruder an Lungenentzündung starb, als in der ganzen Gegen die Grippe wütete. Das müssen schon auch harte Zeiten gewesen sein für Eltern und Geschwister damals, als man so rein gar nichts tun konnte ausser den Körper zu stärken und das Beste zu hoffen.
      Ich wünsche dir und deiner Familie, dass ihr gesund werdet und den Rest des Winters verschont bleibt!

  3. Romy sagt:

    Liebe Bora, schön, dass Du wieder gesund bist und eine gute Zeit im Kreis Deiner großen Familie genießen konntest. Wieder selber bissel Kind sein dürfen ist doch das Schönste am Weihnachtsfest.
    Herzlichen Dank für Deinen Blogg. Es ist für mich seit der vielen Zeit, in der ich bei Dir vorbeischaue/lese , als wenn ich bei guten Freunden ins Fenster schaue. Eine große Bereicherung und einfach….schön.
    Bleib gesund und mitteilingsfreudig. Das wünsche ich mir sehr.

    Herzlich, Romy

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, das hast du lieb gesagt! Vielen, vielen Dank dafür, liebe Romy!
      Natürlich sind so nette Leserinnen wie du auch mit ein Grund, wieso mir da Bloggen auch nach 8 Jahren noch so viel Freude macht…
      Hab’s gut und feier dich schön rüber ins 2018!

  4. Rosi sagt:

    durch Zufall bin ich auf deinem Blog gelandet
    ich finde ihn ausgesprochen erfrischend ;)
    da ich selber 5 Kinder großgezogen habe weiß ich was Mütter wie du leisten
    zumal es früher doch irgendwie einfacher war (finde ich jedenfalls)
    deinen Blog werde ich meiner Tochter empfehlen
    die mit 2 Jungs 2 Hunden und zwei Katzen “gesegnet” :D
    und manchmal auch einfach nur fix und foxi ist

    liebe Grüße
    Rosi

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