berührt: Jazz und so

“Berührt” heisst für mich;
Ab und zu möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Fast alle im Schwimmkurs. Und Kind1 habe ich mit meiner voll aufgedrehten Musik zurück ins Bett vertrieben. Ich habe das Haus für mich alleine. Sturmfreie Bude. Und alle guten Vorsätze von Aufräumen, Kochen oder ein paar Runden Stricken sind über Bord geknallt. Denn ich Höre Musik. Lasse mich wegfegen von einer prachvollen Dosis jazzig durchtränkter Lebenspulsivität. Mannomann. Hört euch das einmal an. Aber bitte bis zum Schluss, echtes Gefühl braucht Zeit zur Entfaltung auch bei der Musik. Wie ein Bonbon, das langsam im Mund vergeht und süsser und süsser wird, bis man selber zum Bonbon wird. Bonbon überall.
Eigentlich mag ich gar keinen Jazz. Zu egozentrisch. Zu turbulent. Für mich meistens ab einen gewissen Punkt nicht mehr verständlich und viel zu nervös. Aber Jazz in kleinen Dosen ist einfach grossartig, unglaublich würzig und authentisch, etwas, das schwingt und reisst und lebt, zwischen Bauchnabel und Augenbrauen hin und her pulsiert. Ich denke, Jazz ist wie ein Gewürz. Keiner würde auf die Idee kommen, eine ganze Muskatnuss zu essen. Aber so ein paar Krümel im Kartoffelbrei? Perfekt.
Und so tanze ich heute vormittag zu Haley Reinharts „Seven Nation Army“ und ihrem umwerfenden Cover von „Lovefool“ (bittebitte auch ganz durchhören. Gebt ihr eine Chance), so wie ich gestern nacht um halb eins beim Zähneputzen mit „Flash Mob Jazz“ und ihrer swingenden Version von „Get Lucky“ durch die Waschküche getanzt bin. Tänzelnd und hüftschwingend und irgendwie sehr glücklich.
Musik kann das. Glücklich machen. Manchmal denke ich, Musik macht mich zu einem besseren Menschen. Zu der, die ich so oft nicht sein kann. Vielleicht sollte ich einem Chor beitreten?…

PS. Natürlich habe ich keine Ahnung von Musik. Ich weiss noch nicht einmal ab wann Jazz eigentlich Jazz ist. Oder wo der Swing beginnt. Oder überhaupt etwas. Ich kann noch nicht einmal Noten lesen. Ich kann nur fühlen. Was die Musik mir sagt. Aber das reicht mich eigentlich schon.

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7 Kommentare zu berührt: Jazz und so

  1. amselgesang sagt:

    Bora, ich denke, du hast mehr Ahnung von Musik als so mancher, der perfekt vom Blatt singen kann und alle Stilrichtungen kennt. Aber Chorsingen kann ich dir nur wärmstens empfehlen – das ist mein „Glückselixier“ und dabei kann ich die Zeit vergessen (ich gehe z.B. müde in die Chorprobe und komme zwei Stunden später wach und munter raus… das klappt aber nur bei einem/einer guten Chorleiter/in) 🙂
    Danke für die megatollen Links!!! Diese Sängerin – Wahnsinn!
    Liebe Grüße,
    Brigitte

    • amselgesang sagt:

      Herzensahnung, wollte ich schreiben. Und du kannst deine Musikgefühle so unglaublich gut in Worte fassen!

    • kirschkernzeit sagt:

      Das freut mich jetzt sehr, dass dir Haley Reinhart genauso gut gefällt wie mir. Sie hat wahnsinnig viel Power in der Stimme, nicht? Und sie schafft es, einem Lied im Verlauf des Stücks einen ganz anderen Charakter zu verleihen… Von sanft zu rockig in wunderbarem Übergang (darum musste ich schreiben, dass man das Lied nicht nach einer Minute abbrechen sollte; es wandelt sich so sehr). Ich stöbere extrem gerne bei Youtube in der Musik-Sektion. Das macht irre viel Spass und fühlt sich nach mehr Freiheit an, als es eigentlich ist 😉 Im Radio spielen sie ja doch immer irgendwie dasselbe, aber solche Trouvaillen gehören auch gefunden, oder? Schreiben und Musik haben viel gemein; man drückt etwas aus, das in einem ist. Und gleichzeitig lässt man beim Lesen oder Musikhören auch etwas von ausssen wirklich ins Herz hinein. Das ist schon speziell…
      Ich habe manchmal etwas Sorge, dass ich manche mit meinen manchmal doch auch kurrligen Links verschrecke (zB. „die Prinzen“, hihi. Ich höre die ehrlich gerne, also nicht alles, aber einiges von ihnen, auch aus nostalgischen Gründen, aber ihre Videos sind eher zum Lachen oder zum Fürchten und musikalisch findet mich wahrscheinlich der eine oder andere eher daneben mit dieser Wahl, aber dann wiederum, wenn’s einem (also mir) Spass macht, warum nicht?) Ich finde, gerade diese immense Vielfalt an Songs und Stilrichtungen heutzutage ist paradiesisch und beeindruckend und eigentlich findet man wohl überall ein Lied, das einem gut tut, ob beim Ländler (Jodel) oder Jazz oder Pop oder in der Klassik oder wo auch immer. Das dann mit anderen zu teilen, finde ich extrem schön. Mein zweiter Junge und ich haben so eine wunderbare Gemeinsamkeit entdeckt und nutzen die kurze Zeit, wenn die KLeinen im Bett sind, er aber noch auf, um auf meinem Handy (Ja! Ich hab jetzt auch eins!) unsere neuesten Musik-Funde zusammen anzuhören und miteinander zu teilen. Gerade hören wir oft einen „Prinzen“-Song zusammen. Und „Get Lucky“ von den „Flash Mob Jazz“ hat ihm heute auch sehr gut gefallen, so gut, dass er es rauf und runter gespielt hat, hihi. Diese Band hat auch eine sehr hübsche Version von „Sandman“ eingespielt, die er ein paar Mal extra für mich eingestellt hat, weil er weiss, dass mir dieses Lied schon seit gestern abend nachläuft (und ich versuche, mir den Text zu merken).
      Leider bin ich musik-theoretisch eine rechte Niete. Ich habe mal Blockflöte gelernt als Kind, konnte aber wie gesagt, nie Noten lesen und spielte immer nach Gehör, was bedeutet, dass ich mir ein Stück zwar beibringen konnte, wenn es jemand vorspielte, aber niemals ab Blatt. Und singen kann ich auch nicht sooo gut. Und von Technik oder Musikgenres habe ich auch keine Ahnung. Trotzdem macht es Spass, darüber zu schreiben, was ich höre und beobachte, und es ist einfach schön, diesen Ort hier dafür zu haben, wo ich mir diese Freiheit einfach so herausnehmen darf, ohne mich qualifizieren zu müssen *grins*
      Vielen Dank für deinen nachsichtigen und so netten Kommentar!

      • amselgesang sagt:

        So gut und intensiv hinhören, wie du es tust, ist auch eine Kunst (für viele ist Musik eher ein Hintergrundgeräusch…). Und alles andere kann ja noch kommen, falls du irgendwann Lust und Zeit dazu hast. Notenlesen ist nicht so schwer, aber ohne Gehör hilft es auch nicht viel… 😉 und das hast du ja.

  2. Mandy sagt:

    Liebe Bora,
    einen wunderbaren Musikgeschmack hast du. Danke für die Links! Ich habe mich mal ein bisschen durch die Musik von Haley Reinhart gehört, denn… wow… diese Stimme!!! Mein Favourit ist „Creep“. Das Original ist schon super, aber ihre Version ist einfach zum dahinschmelzen!
    Sei lieb gegrüßt!
    Mandy

  3. Martina sagt:

    Man muss sich weder in Musikgeschichte auskennen noch Noten lesen können, um Musik geniessen zu können. Es ist wunderschön, zu lesen, wie Du Dich berührt gefühlt hast!

  4. Biba sagt:

    Du bist einfach die Beste!
    Wie du den Jazz beschreibst, das ist einfach nur gut!!!

    Obwohl ich in meiner Band das Saxophon spiele, ist Jazz nicht mein Favorit.
    Und genau aus den Gründen, die du oben nennst. Ich hätte es nur nicht so grandios formulieren können!

    Dank für diesen Post und für die Musik!

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