7 Dinge, die ich grade mag

DSC007891. Himmel, dieser Himmel! Ihr solltet ihn sehen heute morgen; hellgrau ist er, wolkenvermischt mit ganz kunstvollen, wollig-bauschigen Gebilden, und da ist ein Hauch von Lachsrosa. Und dazu ein Wind… also ich sage euch, so fein und warm und duftig wie er ist, könnte er glatt aus Spanien stammen. Oder vom Frühling. Genau so fühlt sich der Wind an, den ich über alles liebe.

2. Croissants. (Und für die braucht es wohl kein Foto) Diese erste Schulwoche hat mich mit ihrem Frühaufstehertum ein wenig erschreckt. Ich gehe jeden Abend um Elf ins Bett, um nur ja genug Schlaf zu erwischen, und doch bin ich jeden einzelnen Morgen um knapp Viertel vor Sieben zerknittert und halb abwesend aus den Federn gekrabbelt und konnte erst nach einem zweiten Blick auf den Wecker glauben, dass es tatsächlich schon Morgen war. Die zwei Croissants, die ich jedes Mal im Dorfladen für mich und meine Kleinste gekauft habe, kaum waren wir vom Kindergarten losgekommen und hatten meinem Kindergartenmädchen zum letzten Mal zugewinkt, waren so eine Art Trost und Belohnung gleichzeitig. Man muss sich ja auch mal verwöhnen dürfen.

DSC008393. Dieses fantastische, alte Kinderpult, das aus irgendeinem früheren Schulzimmer stammen muss, war die Entdeckung der Woche für mich. Ich hatte an sich nur vor, beim Trödler ganz kurz anzuhalten und mich einen Moment lang nach einem kleinen Schreibtisch für mich und mein lila Zimmer umzusehen, denn das wünsche ich mir ganz schrecklich, einen Tisch für mich, eine Ecke zum Schreiben und Briefeaufheben- da sah ich dieses Schulpult. Komplett mit zwei alten Holzstühlen. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, denn haargenau so eines war schon immer mein heimlicher (und aufgrund der horrenden Antiquitätenpreise eher unterdrückter) Traum. Diesmal stimmte der Preis, und die Gelegenheit war günstig, und überhaupt; Ich musste es einfach nehmen…

DSC008274. Eine kleine, süsse Kaffeedose vom Trödler, alt wahrscheinlich, aber gut in Schuss. Ich mag das Grau des Metalls und ich mag die feine Inschrift und auch das Wort „Kaffee“ per se, denn ein Morgen ohne eine langsam und in Gedanken versunken getrunkene Tasse Kaffee ist ein verlorener Morgen für mich.

DSC008235. Dann… noch eine Blechbüchse. Im Kräuterdesign, was mich sehr an meinen Garten erinnert und daran, wie vernachlässigt er sein Gartenjahr auch diesmal wieder beenden muss.
Es gibt da eine zu einem einstöckigen Wohnhäuschen umgebaute, kleine Scheune auf dem Weg zum Kindergarten, eine mit leuchtend roten Riegeln, einer umwerfend schönen Architektur und einem winzigen aber wunderschön gestalteten Gärtchen abseits der Strasse. Ich bin jeden Morgen aufs Neue hingerissen von der sorgfältig gepflegten Wildheit und dem offenkundigen gärtnerischen Talent der Hausbewohner. Ich versuche manchmal, mir einzureden, sie hätten für dieses Kleinod sicher ein Heer von Gärtnern engagiert, doch gestern abend sah ich beim Vorbeilaufen durch ihr Fenster auf der Kücheninsel das perfekte herbstliche Ernte-Stilbild -frisch geerntete Cherrytomaten von vor dem Haus, ein Trichter, ein Topf und zwei, drei Glasflaschen randvoll gefüllt mit hausgemachtem Sugo. Wer so sorgfältig umgeht mit seiner Gartenproduktion, wird sich wahrscheinlich auch selber um seine Beete kümmern…

DSC008266. Und hier… naja… noch eine Trödler-Entdeckung. Ich habe doch ein bisschen Geld im Brockenhaus liegen lassen diese Woche, aber an sich war dieser bezaubernde Gobelin-Kindersessel ja fast schon ein Schnäppchen. Meine Mutter zumindest war diesbezüglich mit mir einer Meinung und hätte ihn wohl gleich selbst gekauft, wenn ich ihn nicht in einem Zustand hellster Entzückung und ohne zu zögern in meinen Einkaufswagen gehievt hätte. Am schönsten finde ich die gestickten Waldtiere, das kleine Häschen und den braunen Vogel, die haben mich vom Fleck weg überzeugt. Und an mein Pausbacken-Kindergartenkind erinnert, das Tiere so gerne mag und alles, was niedlich ist und klein.

DSC00830 7. Zu guter Letzt: Dieses Buch hier. „Der Garten der Fortuna“. Ich lese so schrecklich gerne darin. Victoria Clayton ist meiner allerallerliebste Autorin und ihr erstes Buch, „Das Haus der Freundin“ steht schon seit einer Ewigkeit bei mir im Regal, wo es nicht nur all meine Konmari-inspirierten Entrümpelungsanfälle überlebt hat, sondern auch immer wieder hervorgezogen wird, um noch einmal gelesen zu werden, obwohl ich das Ende schon kenne und mich in seinen Zeilen so daheim fühle wie in meinen Lieblingspantoffeln. Victoria Clayton hat ein feines Gespür dafür, Humor, Charme, Intellekt und Klasse zu einem gleichzeitig erfrischenden wie erdenden Ganzen zu verbinden, zu einer Geschichte, die einem mitträgt, aber nicht schmerzlich verschlingt, sondern beim Aufschlagen des Buches dort abholt, wo man steht, und auch wieder dort ablädt, wenn man die Buchdeckel zuschlägt, um sich wieder dem echten und ureigenen Alltagsleben zuzuwenden. Es sind Bücher voll alt-englischer Eleganz und wachen, hellen Geistesblitzen und ich bin immer wieder überrascht, wie klug und poetisch sie Dinge formulieren kann, die ich selber auch schon so gedacht oder beobachtet habe, aber wohl niemals in derart präzise Worte fassen könnte.
Mittlerweile bin ich fast durch mit meinem zweiten Clayton-Roman und ich ertappe mich dabei, wie ich plötzlich sehr langsam lese, und das Ende gleichzeitig herbeisehne wie bedaure. Doch da ist Nachschub unterwegs, was ich sehr tröstlich finde. „Das Landhaus“ wird wohl nächste Woche bei mir eintreffen und irgendwann wohl auch ein Roman aus der „Miss Read“-Buchreihe, ein Geheimtipp, den mir eine sehr liebe Leserin in einer Buchempfehlungsmail ans Herz gelegt hat und auf den ich schon ungeheuer gespannt bin. Ich meine, was gibt es Schöneres als Herbstluft, Nebelschwaden, Wind und Wetter, ein Tässchen süssen, heissen Tee, ein dickes Kissen im Rücken und ein Buch, das zwischen seinen Deckeln ein heimliches Paradies für einem bereithält…

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14 Kommentare zu 7 Dinge, die ich grade mag

  1. Regula sagt:

    Der Sessel ist einfach fabelhaft. 🙂

  2. Regina _Babett Seinsche sagt:

    Oh,was ist der kleine Stuhl niedlich.Die gestickten Waldtiere liebe ich auch,ich freue mich für euch!!!!

    • kirschkernzeit sagt:

      Vielen Dank! Da hat sich jemand tatsächlich sehr, sehr viel Mühe gegeben mit Sticken. Auch der Rücken des Stuhls scheint mir gestickt (bin mir aber unsicher), einfach einfarbig haselnussbraun. Ich kann mir kaum vorstellen, wie lange dieser Jemand hier gearbeitet hat, aber ich zolle ihm bzw. ihr meine allergrösste Bewunderung…

  3. Taija sagt:

    Der Kindersessel mit den Waldtieren ist wunderschön. Genauso wie das neue Pult. Und es hat mir eine große Freude gemacht, hier zu lesen :-). Herliche Freitagsgrüße, Taija

    • Taija sagt:

      …meinte herzliche Freitagsgrüße 🙂

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich hatte einfach mal wieder Glück. Unzählige Male bin ich schon mit nicht so goldener Ausbeute wieder nach Hause zurück gekehrt… und lange Zeit habe ich mich auch von Brockenhäusern ferngehalten, weil ich ja eh schon „so viel Kram“ zuhause hab… Da freut es mich doch glatt, wieder etwas suchen zu müssen (mein Tisch), denn so habe ich immerhin eine gute Ausrede fürs erneute Stöbern, hihi…

  4. Renate sagt:

    Liebe Kirschkernzeit, die Miss Read Bücher sind ein Muss ! Die detaillierten und liebenswürdigen Beschreibungen der 50er und 60er Jahre im ländlichen England erfreuen die Seele. Ich liebe diese Bücher und lese sie immer wieder. Über deinen Blog freue ich mich genauso, war aber bis jetzt nur stille Leserin. Liebe Grüße, Renate aus der Steiermark

  5. Nicole sagt:

    Wunderschöne Schätze!!! Ich habe beim „Trödler“ letzten Monat ganz viele wunderschöne Blumetöpfe gekauft 😉 Und falls du wieder eine Ausrede für ein Stöbern brauchst: Eine zweite Kräuter-Keks-Dose ist doch sicher noch irgendwo vorhanden und ich wäre eine glückliche Abnehmerin ;-P

  6. Biba sagt:

    Hätte ich auch gekauft, Bora, echt!
    Haste richtig gemacht!

  7. Martina sagt:

    Der kleine Tisch und der Sessel sind die reinsten Schätze, herzlichen Glückwunsch! Falls Du mal zu viel Zeit haben solltest, guck mal nach dem Musee de Cluny in Paris und speziell nach La dame a la licorne. Das sind wunderbare Renaissance – Wandteppiche auf rotem Grund mit hunderten von kleinen Tierchen, und da ist auch so ein Hase, der sich die Äuglein reibt. Ich denke, das würden Deine Kinder auch mit Freude angucken. Und dann wäre der Stuhl noch mal besonderer!

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, sooo schöne Wandteppiche! Ich glaube, in einem der „Magisches Baumhaus“-Bücher (das mit dem Einhorn) geht es um genau diese Teppiche, die damals wohl in New York ausgestellt waren. Ich musste das Buch drei Mal vorlesen und erinnere mich so gut daran… Unglaublich, wie lange die Frauen an so einem STück gearbeitet haben müssen, oder?

  8. Lydia sagt:

    Ich habe gerade deinen zauberhaften Blog entdeckt. Du schreibst so wunderbar, es ist eine Freude, hier zu lesen. Es fühlt sich an, wie eine Tasse Tee mit der Lieblingsfreundin zu trinken und dabei über dies und das zu plauschen… Hab einen schönen Sonntag, ich les noch bissel weiter 😉
    Lydia

    • kirschkernzeit sagt:

      Das ist schön; ich danke dir herzlich für deine liebevollen Zeilen und wünsche dir einen guten, entspannten Wochenstart morgen!

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