goldener Herbst

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Heute ist es nass und unfreundlich kalt, ein krasser Gegensatz zur milden Herbst-Sommerlichkeit der letzten beiden Wochen. Die Schule hat uns wieder, ein Leben nach der Uhr und schön rythmisch im Takt, was auch seine guten Seiten hat, denn die Wellen des Familienlebens schlagen jetzt vielleicht wieder höher, aber sie sind berechenbarer als in freien Zeiten und ich selber vielleicht auch gewappneter dem gegenüber, was mich erwartet, als in Ferientagen, wo ich immer irgendwie mitschlittere und mich durchwurstle mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
In diesen Ferien war es einfach. Anfangs. Das mit dem Erfolgs-Gefühl. Die erste Woche empfand ich wirklich als sehr, sehr gelassen und harmonisch, mit versunken spielenden Kindern und vielen aufregenden Miniatur-Ausflugs-Abenteuern für einen Teil von ihnen, denn wir haben hier ganz tolle Kultur-Angebote für Schulkinder und packten die ersten 7 Tage gleich proppevoll mit Schnupperstunden, Kochen in der Restaurant-Küche und einem KinderKino-Besuch. Wir waren oft unterwegs, brachten das eine Kind hierhin, holten das andere dort wieder ab, aber immer blieb uns Zeit, auch selber etwas zu erleben oder einfach mal nur die Seele baumeln zu lassen. Ich war selten so oft in der Bibliothek, selten habe ich derart viele kleine Ich-Inselchen für mich entdeckt  (va. wenn der Papa Kindertaxi spielte und gleich die ganze Horder mitnahm) und ich fand es schlichtweg wunderbar, mal wieder mit nur einem meiner Kinder ganz allein durch die Stadt zu laufen, die Läden zu durchstöbern, uns unterwegs selber einzuladen zu Kuchen und Kaffee. Ich habe das alles wirklich genossen. Und die Kinder auch. Vielleicht sogar mein Mann, der kräftig mitanpacken musste, weil rein schon die Organisation dieser Kultur-Tage uns beide brauchte, aber immerhin hatte er eine zufriedene Frau an seiner Seite, und wie heisst es doch so schön: Happy Wife, happy Life.
Stimmt so.
Sonnentage aussen wie innen, fürs Auge, den Körper, die Seele.

Die zweite Woche allerdings… die war alles andere als entspannt und sonnig. Tatsächlich wagten wir das Unsinnige: Wir erprobten uns auf unsere Familienferien-Tauglichkeit und packten drei Stunden lang den halben Haushalt zusammen für 6 Tage Urlaub in einem Chalet in den Bergen.
Ein totaler Reinfall.
Es fing damit an, dass ich die ersten zwei Ferienstunden nach unserer Ankunft damit verbringen durfte, ein für meinen Geschmack alles andere als sauberes Ferienhäuschen zu putzen (Die eine Wand im Untergschoss (=Keller) war klatschnass und Kind1 entdeckte im Flurteppich sogar Silberfischchen- der Staubsauber war erst noch defekt). Und endete damit, dass ich -mit Einverständins der ganzen Familie- am dritten Tag mit den beiden Kleinsten wieder nach Hause zurückreiste, während der Rest der Familie noch ein paar Tage lang blieb, um die Bergwelt zu entdecken und jene Dinge auszuprobieren, die mit uns einfach nicht möglich gewesen wären.
Projekt Familienferien abgebrochen.
Dazwischen lagen ganz, ganz viele stressreiche Momente in einem viel zu kleinen, nicht auf jüngere Kinder eingestellten Häuschen und erschöpfende Ausflüge in einer hanglagigen, verwinkelten und vollgestopften Umgebung, die mir wieder klar machten, wie schwierig es ist, die Bedürfnisse und Fähigkeiten von fünf in Alter und Charakter derart unterschiedlichen Kindern inklusive einer ohnehin bereits schon dünnhäutigen und rasch erschöpften Mutter unter einen Hut zu bringen. Ferientage sind so rasch chaotisch und sobald man etwas wagt und sich aufmacht, neue Dinge zu entdecken, gibt es vieles, das schief gehen kann. Für meinen Mann und unsere drei Grossen im Alter zwischen 8 und 15 mag genau das verlockend sein und spannend, für mich aber und meine beiden kleinen Mädchen bedeutet das schnell einmal… eine Katastrophe. Im Moment geht es für uns einfach nicht, ohne klare Strukturen, ein vertrautes Umfeld und soviel Vorhersehbarkeit bei allem, was wir tun, wie nur irgend möglich.
Nun, wir haben einen Versuch gewagt. Und einiges gelernt. Vor allem wie schön es ist, wieder daheim zu sein…
Es ist ja nicht für immer so.
Doch bei allen Turbulenzen muss ich sagen; es war ja nicht alles schlecht. Es gab auch viele schöne, buchstäblich goldene Augenblicke- und irgendwie lacht man ja im Nachhinein gerade über die allerblödesten Momente am allermeisten und am allerliebsten und am allergemeinschaftlichsten…

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8 Kommentare zu goldener Herbst

  1. Regina sagt:

    Herrliche Bilder sind das, die Du von Eurem Urlaub zeigst. Wie schade, dass es zum Teil ein Reinfall war. Manchmal ist das Schönste vom Urlaub einfach das Heimkommen, das kenne ich. Und fühle mich irgendwie getröstet, dass es wohl nicht nur mir so geht. Trotzdem bleiben von jeder Unternehmung wunderbare Momente und Splitter zurück, an die man sich gerne erinnert.
    Mit liebem Gruß
    Regina

    • kirschkernzeit sagt:

      Recht hast du; man schafft immerhin gemeinsame Erinnerungen. Und wenn sie nicht ganz so schlimm sind, dann schaffen auch die guten Gesprächsstoff und dieses „weisst-du-noch-damals-als-wir“-Gemeinschaftsgefühl, hihi…

  2. Tina sagt:

    So schade, dass die Ferien nicht entspannt waren! Ich fühle mich ja schon vom Mitlesen gestresst – Kinder und das schmutzige Ferienhäuschen. Ich kann dich gut verstehen! So ist dafür das Zuhause- Kommen umso schöner. Und es schärft den Blick auf die wunderbaren Dinge, die wir für selbstverständlich halten (keine Silberfischchen, z.B. 😉 ). Bei uns hat der Kindergarten schon letzte Woche wieder angefangen und ich finde diese Zeit anstrengender als die Ferien. Der Sohn ist vom Kindergarten ganz schön geschafft, sehr unausgeglichen und geht fast sofort in die Luft, wenn etwas nicht GANZ GENAU nach seinem Plan läuft… uff. Kennst du das auch? Liebe Grüsse, Tina

    • kirschkernzeit sagt:

      Kenn‘ ich! Dieses termingerechte Leben macht einem manchmal schon auch zu schaffen- und kleinen Kindern sowieso. Bei uns ist das so: Manche Ferien sind superschön und entspannt, und manche so unkontrolliert gelangweilt und zappelig, dass ich mir den ersten Schultag sehnlichst herbeisehne. Das wechselt dann mitunter auch innerhalb einer Ferienwoche, hihi.
      Vielleicht kommt dein kleiner einfach nicht zu genug Schlaf? Das meine ich jetzt absolut nicht mit Mahnfinger und weil ich denke, dass du ihm zuwenig Ruhe verschaffst (oder gar verordnest), sondern allein deshalb, weil manche meiner Kinder phasenweise selber einfach nicht recht abschalten konnten bzw. abends keine Ruhe fanden, selbst wenn ich sie früh zu Bett schickte und ihnen möglichst lange Kuschelzeiten mit Vorlesen und so ermöglicht habe. Morgens mussten sie dann aber natürlich trotzdem wieder früh raus, Stundenplangerecht, klar, und das Manko an Schlaf und Ruhe konnten sie mit der Zeit dann kaum noch ertragen, wurden weinerlich, reizbar, fahrig, Nervenbündel- so wie wir auch, wenn wir übermüdet und überfordert sind. Das Problem war/ist bei uns dann jeweils, dass sie aus lauter Überreizung/Überforderung nur noch wilder und länger spielen/toben/werkeln und es immer schwieriger für mich als Mutter wird, ihnen positiv Ruhe-Inselchen zu bilden… Man wird mit der Zeit ja selber ganz erschöpft und verzweifelt, wenn es dem Kind nicht mehr gut geht.
      Irgendwie hat sich dieser blöde Teufelskreis bisher immer wieder gelöst. Aber ich fühle mit dir. Hoffentlich geht es deinem Jungen (und euch!) heute, beim Start der 2. Woche schon ein bisschen besser zurück in seinem „alten“ Rythmus…
      Liebe Grüsse!

      • Tina sagt:

        Liebe Frau Kirschkernzeit, oh ja, genügend Schlaf ist so wichtig. Schon nur bei mir. Die beste Medizin überhaupt, mal bereits um 8 Uhr mit den Kleinen in’s Bett zu schlüpfen. Und ja, Schlaf braucht mein Grosser auch gerade mehr, so dass es an den meisten Tagen sogar wieder zu einem Mittagsschlaf kommt… heute Abend werde ich besonders früh die Zubettgehzeit einläuten. Danke für deine Worte, sie tun mir gut.

        • kirschkernzeit sagt:

          Ich habe JAHRE gebraucht, um das mit dem Schlaf auch wirklich körperlich begreifen zu können. Jetzt bin ich ziemlich eisern geworden; um elf geht es Richtung Bett. Ausnahmen mache ich bloss für gaaaanz, ganz spannende Roman-Sequenzen…
          Ich wünsche dir gute Nächte! Und für deinen Jungen alle Ruhe, die er braucht. Es hilft ihm sicher auch sehr beim Sich-Entwickeln und Neues-Lernen…
          Ich schicke dir liebe Grüsse rüber!

  3. Catherine sagt:

    Mir ist es auch oft zu Hause am liebsten. Ich finde mich in der Infrastruktur gut zurecht, den Kindern ist s auch so lieb und manchmal Linse ich links und rechts und bewundere anderer Familien Flexibilität. Du machst das gut und erkennst was du brauchst und was dir gut tut!

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, ich bin auch ständig am Bewundern, weisst du. Nur schon wie es andere schaffen, immer wieder auf Feste zu gehen als Familie oder ins Schwimmbad oder zum Einkaufen oder… oder… Mir wird es einfach so wahnsinnig schnell zu viel. Erst neulich waren wir an einem Essen- und ich musste buchstäblich mittendrin abbrechen, weil ich merkte, dass ich nervlich echt am Ende war. Das ist so ärgerlich für die anderen. Und ich versuche schon mein ganzes Mutter-Leben lang, das irgendwie in den Griff zu bekommen. Aber es klappt einfach nicht. Ich bin wie ein Sieb und irgendwann ist alles an Kraft und Energie aus mir raus, meist bevor die Feier zuende/ die Reise getan/ der Einkauf getätigt/ die Kinder ausgetobt/ die Ferien zuende sind.
      Zuhause ist das ganz anders. Da bin ich in meinem Revier und weiss genau, wo Rückzugsorte und Fluchtwege sind…

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