berührt: Fussball

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Heute bin ich sehr nachdenklich. Mich beschäftigt ein Vorfall der letzten Tage; Ein Fussballspiel im Zürcher Hallenstadion und direkt vor dem Stadion wird ein 14jähriger Junge von einer Schlägergruppe mit Faustschlägen und Fusstritten(!) dermassen attackiert, dass er notfallmässig und schwer verletzt ins Spital gefahren werden muss.
Ich bin irgendwie fassungslos. Ich meine; 14?!?
Fast noch ein Kind.
Vielleicht muss man 38 Jahre alt sein, um einen Vierzehnjährigen noch als so richtig jung zu empfinden und die Verletzlichkeit hinter der manchmal vielleicht schon ganz schön grossspurigen Fassade zu erahnen, aber für mich ist das einfach unvorstellbar, so oder so: Wie kann man so etwas tun? Sich zusammenrotten, um einem wehrlosen Menschen, der sich auf ein kleines, wohl vom Sackgeld zusammengespartes oder zum Geburtstag geschenkt bekommenes Sportabenteuer freut, so quasi das Lachen aus dem Gesicht zu treten. Wie tief können Menschen denn noch fallen?…
Noch sehr viel tiefer, ich weiss, dazu muss man bloss ab und zu das Radio einschalten und von den Nachrichten überrascht werden. Trotzdem. Die Betroffenheit bleibt. Auch nach Hunderten von Schreckensmeldungen aus aller Welt, nach Berichten von Terror und Missbrauch und der offenen, scheusslichen Bosheit und Grausamkeit, mit der einem die Menschheit durch die Schlagzeilen entgegenblickt, fühle ich noch Betroffenheit und Trauer, vor allem wenn ein Einzelschicksal für mich konkret und greifbar wird.
Das Foto der kleinen Wasserfontäne oben hat Kind1 gemacht und mir voller Stolz gezeigt. 15 ist er mittlerweile. 14 war er vor noch gar nicht so langer Zeit, und erst vor kurzem war er mit seinem Vater und dem 4 Jahre jüngeren Bruder auch an einem Fussballspiel. Zum allerersten Mal. Und an haargenau demselben Ort. Ich erinnere mich an seine Vorfreude und die stille Aufgeregtheit, mit der er diesem Erlebnis entgegenfieberte, ein bisschen erwachsen schon und daher natürlich eine Portion cooler als früher, aber immer noch recht jungenhaft auf seine Weise.
Wahrscheinlich sind es die vertrauten Details in einer Schlagzeile, die uns eine Geschichte ganz besonders nahe gehen lassen. Ein Opfer, das im selben Alter ist wie unser Kind. Ein Tatort, an dem wir selber schon waren. Ein Anlass, der Erinnerungen weckt. Je älter ich werde, desto zahlreicher werden die Verbindungsmöglichkeiten zwischen mir und den anderen, zwischen mir und dir. Ich sehe immer klarer, wie viel uns Menschen verbindet und gleichstellt, was uns trotz aller Unterschiede und der teilweise bis zum Exzess ausgelebten Individualität eben menschlich und verbündet macht, und immer stärker fühle  ich schmerzlich mit, was andere bewegt.
Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob das wirklich etwas Gutes ist.
Ein Stück weit wünschte ich bisweilen, ich könnte zurückfinden zur Naivität und Gleichgültigkeit der/meiner Jugend…

Ich frage mich gerade auch, ob und inwiefern sich das Problem der Gewalt und Feindlichkeit zwischen den einzelnen Fan-Gruppen positiv verändern lässt. Ein Alkoholverbot vor und im Stadion fände ich persönlich eine gute Sache. Eine Meute im Rausch war schon immer ein Risiko. Und vielleicht wäre es auch hilfreich, wenn Fussballer selber ein bisschen mehr… nun ja… mit Mass und Respekt dem Gegenspieler gegeübertreten würden? Neben, vor allem aber auf dem Spielfeld. Natürlich fliesst hier Geld in unsinnigen Mengen und es geht vielleicht sogar um Sein oder Nichtsein, aber auf der anderen Seite sollte man das Kind doch beim Namen nennen: Fussball ist ein Spiel. Sport. Und das sollte es auch bleiben. Kein Grund, sich auf dem Feld ins Ohr zu beissen oder dem Gegenspieler noch rasch hinterrücks den Ellbogen ins Gesicht zu rammen (alles schon gesehen). Dann finden vielleicht auch Leute ausserhalb des Spielfeldes ein paar Gründe weniger, sich wie Bestien im Krieg aufzuführen. Mehr miteinander als gegeneinander. Würde und Respekt vor einem Sieg um jeden Preis. Das sollte doch eigentlich selbst beim Fussball möglich sein…

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