ein Bild erzählt: stille Zeit

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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Herr Kirschkernzeit ist krank. Jetzt hat es den Ärmsten zu guter Letzt auch noch erwischt. Das einzig Positive an der Sache ist, dass ich meine Kleinste heut’ früh ausnahmsweise bei uns im Bett weiterschlafen lassen kann, während ich mich mit meinem Kindergartenmädchen auf den Weg zum Kindsgi mache. Sonst muss ich sie jeden Morgen aus dem schönsten Schlummer reissen, weil ich ein 2jähriges Kind ganz bestimmt nicht alleine zuhause lasse, und sei es auch nur für 15 Minuten.
Doch heute bleibt Zeit für mich und meine Zweitjüngste, wir gehen entspannt los und kommen entspannt beim Kindergarten an. Der Abschied wird natürlich weniger entspannt, aber irgendwie haben wir uns alle auch daran schon ein bisschen gewöhnt, und während sie noch mit ein, zwei Tränchen kämpft und ich mich langsam loseise, entdeckt sie quasi mitten im Protest ein Krabbelvieh am Türrahmen -“Oh, ä Raupä!”- wechselt augenblicklich den Tonfall von entrüstet-verzweifelt zu verwundert-fasziniert, winkt mir fast abwesend noch ein paar Mal zu und beschäftigt sich dann sofort ausgiebig mit der kleinen, grünen Raupe, die mir in diesem Augenblick vorkommt wie ein Geschenk von oben.
Als ich zuhause über die Schwelle trete, ist das Haus still, Mann und Kind schlafen offenbar noch. Ich koche mir Kaffee und habe urplötzlich Lust, in der Bibel zu lesen, etwas, das ich schon seit Monaten nicht mehr getan habe. Interessanterweise fällt mir im Geschirrschrank eine alte Teetasse auf, von der ich schon ganz vergessen hatte, dass ich sie habe: Weiss ist sie, ein bisschen von Hand bemalt. In goldenen Lettern steht “Love the giver” darauf.
Es passt. Alles. Auf dem Tisch ein Strauss Eichel-Ästchen vom gestrigen Sonntags-Spaziergang im allerschönsten, wärmsten Honig-Gold-Braun, und daneben liegt eine liebe Postkarte von Rita, die mir gleich darauf als Lesezeichen zwischen meinen Bibelseiten dienen wird. Ich trinke meinen Kaffee langsam und gemütlich und zünde mir höchst feierlich eine kleine Kerze an.
So sollte es immer sein. So friedlich und sinn-voll.
Ich mag diesen Morgen. Er verspricht so viel. Und hält es auch.

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6 Antworten auf ein Bild erzählt: stille Zeit

  1. annette sagt:

    …..wunderbar, so ist gott…..dazwischen….mittendrin …..so hat er die kleine raupe auch genua an ihren platz zur rechten zeit gesetzt :)…..
    ….ich habe jetzt meiner bibel einen platz geschaffen, so kann ich zwischendrin immer mal sitzen und lesen….alles immer bereit….
    herzlichst
    annette

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Meine Bibel steht meist ungelesen im Regal. Ich finde einfach nie die Ruhe dazu. Und abends fühle ich mich nicht recht inspiriert zum Bibellesen, was doof ist und auch einfach bloss faul von meiner Seit her. Ich denke oft, ich bräuchte mehr Disziplin in meinem Leben, aber dann wiederum finde ich, der Glaube sollte nicht noch so ein “Ich muss” Zwang sein… Ich bete oft zwischendurch, beim Kochen, beim Duschen, wenn ich mal kurz draussen vor der Tür stehe, um meinen Kopf auszulüften…
      Liebe Grüsse!

  2. andrea sagt:

    ach bora, in mitten eines eher stürmischen vormittags lese ich deine zeilen. sie gleichen einem inselchen, wo ich mich zum verschnaufen niederlasse kann und frieden und ruhe finde. danke dafür!

  3. Steffi sagt:

    Das klingt nach einem “wunder”vollen Morgen, wie es viele geben sollte. Aber jeder einzelne ist so unheimlich “wert”voll. Danke fürs Teilen!

    Lieber Gruß
    Steffi

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, es sollte wirklich mehr davon geben! Leider weiss ich nicht recht, wie ich sie “vermehren” könnte…

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