Puppenschlüttli

DSC00335 DSC00345 DSC00340

Draussen herrscht bestes, sonnigstes und angenehmst mildes Herbstwetter. Ich war auch schon draussen; Pünktlich zum Herbst ereilt auch mich nun noch eine fiese Infektionskrankheit und der Gang zum Arzt war heute zwar mehr als unbequem, aber dringend nötig. Und erleichternd. Ich darf jetzt auch noch Tablettli schlucken, aber das nehme ich gern in Kauf, wenn nur schnell alles wieder vorbei ist…
Da Herr Kirschkernzeit heute frei hat, konnte ich nachmittags ein paar Stunden Schlafmangel aufholen und mich ein Stück weit gesund schlafen, und gerade jetzt ist er mit den drei Mädchen raus in die Stadt gefahren, um für meine Grosse ein Badekleid zu besorgen, denn morgen startet die neue Schwimmkurs-Saison, und die Kleiderbörsen hatten ihre Vorräte an Bademode bereits ausgemustert, als ich mich erinnert habe, wie knapp und verfranst (und mehrfach geflickt!) ihr alter, pinker Schmetterlings-Schwimmanzug mittlerweile ist. Für den Herrn Kirschkernzeit ist das jetzt zwar ein wenig fies. Dass er jetzt auch noch auf Badekleiderjagd gehen muss, wo er den ganzen Familienalltag heute so gut wie alleine stemmen musste, aber ich bin ihm sehr dankbar dafür, und offen gesagt froh, jetzt noch einen Moment für mich hier in aller Ruhe schreiben zu können, warm eingepackt mit meiner Wärmflasche im Bett.
So komme ich immerhin endlich dazu, euch das klitzekleine Puppenjäckchen zu zeigen, das schon vor einer ganzen Weile fertig geworden und bereits ausgiebig probegetragen wurde. Von einer der allerliebsten und süssesten Puppen der Familien, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe, dass ich sie in Phasen der Vernachlässigung sogar selber umziehe und in meinem lila Zimmer aufs Fensterbrett setzte. Als liebe Kameradin. Und in warmen Gedanken an die gute Frau Krähe, die sie liebevoll (und äusserst gekonnt!) genäht und mir zur Geburt meiner Kleinsten geschenkt hat.
Überhaupt ist dieses Puppenjäckchen ganz eng mit zarten Erinnerungen verbunden. Ein ganz ähnliches habe ich meinem kleinsten Lausemädchen nämlich vor 2.5 Jahren gestrickt, als ich noch schwanger und voller Neugierde und mit ein paar Ängsten beladen durch meinen Alltag ging.
Ich hatte schon fast vergessen, wie schön es ist, etwas derart Kleines zu stricken. Alles geht so rasch und unkompliziert und man braucht auch nicht körbeweise Wolle, sondern nur einen einzigen Lieblingsstrang.
Heute sind die Dinge, an denen ich stricke, weit grösser, schwerer und materialverschlingender. Meine sternenhimmelblaue „Canvas Cardigan“ zum Beispiel. Die wird wohl nie fertig werden. Obwohl ich immerhin an der zweiten vorderen Brusthälfte bin (*klatschklatsch*).
Für dieses Puppenschlüttli, das ich genau nach der sehr gut geschriebenen Anleitung von Susan Postler gemacht habe, habe ich knapp 80gr. Madelinetosh DK verbraucht, fast den ganzen Rest, der mir damals von der tiefseeblauen Kinderhose in der Farbe „Deep“ noch übrig geblieben ist. Mit den Nadeln Nr.3.5 wurde das Gestrick schön satt, aber trotzdem noch weich genug, und die Knopflöcher halten auch ein wenig besser, als mit grösseren Nadeln. Als ich Schlüttli und die bereits sehr zerliebte Kinderwollhose meiner Kleinsten einmal kurz nebeneinander gelegt habe, ist mir aufgefallen, wie sehr die Farbe sich verliert; die schwarzen Schatten gehen völlig verloren, und das Blau wird sanfter und wärmer, was mir eigentlich sehr gut gefällt, aber auch enttäuschend sein kann, wenn einem der Originalton am Herzen liegt.

DSC00348 DSC00349 DSC00350 DSC00354 DSC00357
So.
Ein Projektchen beendet, ein Mü weniger in meinem Strickkörbchen und ein kleiner Stein, der mir vom Herzen fällt, denn ich hatte eigentlich für Susan teststricken wollen- und mich mehr als nur verspätet damit… Dafür habe ich nun ein wunderbares, selbstgemachtes Puppenkleidli mehr in unserem Bäbichleider-Korb- und das perfekte Jäckchen für eine ganz besondere Puppe. Beide vernetzt mit Erinnerungen. Oh ja, Wollhosen-Sentiments hege ich auch noch! Besagte „deep“-blaue Wollhose ziehe ich meiner Kleinsten nämlich just in diesen Tagen jeden Morgen fürs Kindergartenkind-Begleiten an, wenn ich sie hurtig bereit machen muss für die Kälte da draussen.
Hach, Erinnerungen…

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Stricken, what makes me happy, Zuhause veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Kommentare zu Puppenschlüttli

  1. Hirundo rustica sagt:

    Oh je, gute Erholung wünsche ich dir übers Wochenende.
    Die Fotos mit der Schlüttli-Präsentation sind ja Zucker-Zuckersüß!!
    Mensch, ist sie groß geworden!
    Liebe Grüße!!

    • kirschkernzeit sagt:

      Heute geht’s mir dank Medis schon wieder sehr gut. Ich gebe mir aber Mühe, mir ein wenig Ruhe zu gönnen, darum bin ich auch nicht mit ins Kinderschwimmen gegangen heute… Es ist lustig; die letzten Tage haben mich sicher 10 Leute darauf angesprochen, wie gross meine „Kleine“ schon sei. Sie ist noch im Entwöhnungsprozess (seit ein paar Wochen schon, aber ganz akzeptiert hat sie das Abstillen immer noch nicht), aber ich denke, das hat sehr viel ausgelöst bei ihr. Jetzt wirkt sie wirklich ein Stückchen reifer- und ist natürlich prompt voll in die „Trotzphase“ rübergewachsen 😉 Das letzte Foto verrät viel über ihren momentanen Gemütszustand, hihi.

  2. Susann sagt:

    Liebe Bora,
    ich wünsche dir gute Besserung, dass du bald wieder den wunderbaren Herbst genießen kannst. Vielen lieben Dank für dein Teststricken. Dein Puppenschlüttli ist zauberhauft geworden und deine Fotos wunderschön. Danke für deine lieben Worte:)
    Liebe Grüße
    Susann

  3. Sonja sagt:

    Auch von mit eine gute Besserung und möglichst viel Ruhe 🙂 schönes kleines Jäckchen! Ich werde mich bald auch an eines machen für eine 30cm Puppe. kennst du für diese größe eine anleitung in deutsch? und sag mal, trägt deine kleine den orangenen pulli, den du ihr letztes jahr gestrickt hast? bei meinen werden die sachen so schnell zu klein..ich muss wohl mal viel größer stricken..danke für deine inspirationen <3

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich danke dir! Viel Ruhe hab ich heute eigentlich gar nicht mehr gebraucht- dafür hatte ich viel Spass und gute Laune an einem wundervollen Herbstmarkt im Dorf, und ich denke, auch das ist git für die Heilung 😉
      Die Anleitung fürs Schlüttli ist auf Deutsch und für Puppen von ca. 34 oder 38 cm, doch die Länge ist nicht so wichtig wie der Umfang der Puppe, und der kann recht varieren bei den Waldorfpuppen. Ich habe dir Ärmel ihr angepasst gestrickt. Das Jäckchen passt ihr supergut, ist noch locker, aber der Hals genau richtig. Ich könnte mir vorstellen, dass die Grösse 34cm auch einer 30 cm Puppe passt, aber genau weiss ich es ja nicht, und die Grössenunterschiede kommen rein von der mal dünneren, mal dickeren Wolle her. Die kleinere Grösse wird mit Sport-Wolle gemacht. Würde man die etwas feinere Sock-Qualität nehmen, wäre das Jäckchen auch wieder kleiner.
      Online kenne ich jetzt gerade nichts anderes. Gäbe es aber sicher auch irgendwo… Mal bei Ravelry geguckt?
      Wobei; hier habe ich ein Puppenjäckchen bei Ela-strickt entdeckt: http://ela-strickt.blogspot.ch/2014/08/spielsachen-selber-machen-1-eine.html
      Es ist für eine Puppe Gr. 40cm, aber mit der dicken Tosh Vintage gemacht. Da denke ich, wenn du das Jäckchen dann mit einer dünneren Wolle, also vielleicht einer Stärke Sport machen würdest, könnte das super passen…
      Den orangen Pullover habe ich offenbar schon vergessen… welchen meinst du?
      Liebe Grüsse!
      Bora

  4. Katharina sagt:

    Oh jö, eins meiner Häschen und deine Kleine ist wohl eine kleiner Clown, oder täusche ich mich da?

    • kirschkernzeit sagt:

      Ja! Ich freue mich immer wieder an diesem schnuckeligen braunen Hasen von dir!
      Das Kind ist auf alle Fälle ein rechtes Schlitzohr 😉 Und weil sie noch immer einen auffallend kleinen Wortschatz besitzt, drückt sie sich u.a. pantomimisch aus.
      Lachen tut sie auch sehr gern. Manchmal macht sie auch kleine Witzchen (wie gesagt, ihr Wortschatz ist winzig und nicht für jeden verständlich, aber man staunt wie viel sich doch damit sagen lässt) und freut sich diebisch über bewusst herbeigeführte „Missverständnisse“…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.