neu

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Es ist eine Weile her, seit ich das letzte Mal hier war, um zu schreiben. Und ich muss zugeben, ein bisschen sonderbar fühlt sich das schon an, so wie immer, wenn ich so viel Zeit habe verstreichen lassen… Dabei habe ich geschrieben, sehr viel sogar, nur eben anderswo; ich habe wieder angefangen, Tagebuch zu führen und jeden Abend ganze Seiten vollgekritzelt, manchmal sogar mitten am Tag, dann aber meist nur ein paar Zeilen, nur Momentfragmente, wie “Ich wünschte, ich hätte ein eigenes Zimmer” oder “Heute will ich mal so richtig aufräumen”.

Es war eine merkwürdige Woche. Im Nachhinein kommt sie mir fast ein bisschen unwirklich vor, vielleicht weil ich innerlich auch gar nie so richtig im Hier und Jetzt verankert war, sondern nur halbwegs präsent durch den Tag schlich, wie eine stille Katze bei Nacht. Ich hatte viel mit mir selbst zu tun. Nach dem Flugunglück, das mich zwar genau genommen nicht betraf, aber ungemein betroffen gemacht hat, versuchte ich, meine in Abwärtsspiralen kreisenden Gedanken mit Filmegucken abzulenken- ein Fehler, ganz klar. “Die Frau des Zeitreisenden”, den ich aufs Geratewohl bei Youtube anklickte, ist jetzt zwar für mich einer der allerbesten und vor allem herzbewegendsten Filme, die ich je gesehen habe, aber… er setzte ausgerechnet dort an, wo ich eigentlich wegkommen wollte: bei so schweren Themen wie Unbeständigkeit, Verlust und der Unaufhaltsamkeit des Todes. Vor allem das happige Ende liess mich regelrecht verstört zurück, noch aufgewühlter.
Ich brauchte eine volle Woche, um mich davon zu erholen, eine Woche, die ich u.a. mit exzessivem Lesen verbrachte, tatsächlich auch mit “Die Frau des Zeitreisenden”, dem gleichnamigen Film-Roman von Audrey Niffenegger, einem wunderschönen, wahrhaft grossartigen (!!!), unglaublich poetisch geschriebenen Buch, das ich mir so quasi zur Verarbeitungstherapie verschrieben hatte. Ich habe gelernt: Wenn mich ein Thema umzuwerfen droht, lohnt es sich manchmal, ganz bewusst hindurch zu gehen und hinzulauschen, was es mir zu sagen hat.
Es tat mir gut. Lesen. Wann immer ich dazu kam. Wenn die Kinder schliefen oder friedlich spielten. Abends, nachts, mitten am Nachmittag (wie dekadent!)- diese Zeit musste einfach sein. Das Buch offeriert übrigens ein Ende, das mich sehr viel versöhnlicher stimmt und den Stachel nicht ganz so tief treibt wie im Film, und ich glaube, dieses versunkene Lesen kombiniert mit all den Gedanken, die ich mir machen konnte, Gedanken über das Leben und Sterben, über die Liebe und was uns schlussendlich wirklich wichtig ist im Leben… das alles hat mich wieder besser verankert in der Realität.
Ich habe wieder Boden unter den Füssen.
Was gut ist, denn es kommen einige Neu-Anfänge auf mich zu. Die Ferien sind jeden Moment um. Schulstart für drei meiner Kinder, und damit von neuem Ungewissheiten und Sorgen, auf die ich gerne verzichten würde. Und dann ist da meine Zweitjüngste… Ein Jahr konnten wir ihren Kindergarteneintritt hinausschieben, doch nun lässt es sich nicht mehr vermeiden: Mein kleines Mädchen wird zum Vorschulkind. Das Thema Loslassen rückt damit von neuem ganz, ganz nah, hautnah, und ich registriere mit Schrecken, wie erfolgreich ich das Ganze bisher verdrängt habe. Noch nicht mal einen Turnbeutel hat sie. Keine Malschürze, keinen Zahnputzbecher, und der Henkel des alten Znünitäschleins ihrer Schwester, das sie nun weiterbenutzen wird (ihr Wunsch), ist auch ausgefranst und zerknautscht.

Es wird schon.

Ein bisschen neue Energie ist ja immerhin schon da, aufgeblitzt gestern abend, als ich anfing, einen Stapel “Living at Home” und “Brigitte” durchzustöbern (Danke Rita für dein Päckli, das hat echt Spass gemacht!) und auf lauter tolle neue Ideen stiess, Ideen zum Kochen oder Backen oder fürs Einrichten…
Als Resultat hängt seit heut früh zB. ein neues, weisses Hängeregal im blauen Zimmer meiner Grossen. Sie hat es vollgepackt mit lauter Krimskrams, und ich merke, wie es mich beflügelt, den Dingen ein Plätzchen zu geben, Ordnung zu schaffen, mich wieder mehr all dem Handfesten zu widmen, das um mich herum wartet.
Wie der kleinen und dennoch grossartigen Erkenntnis, dass Salat aus dem Garten gar nicht unbedingt besonders schmutzig und arbeitsintensiv zu waschen sein muss, und dass ich es den Wespen zu verdanken habe, dass wie durch Zauberhand all die Räupchen, Spinnen und Käferchen zwischen den Blättern verschwunden sind.
Oder dem Gefühl schmuseweicher Wolle (“The Yarn Collective, Bloomsburry DK” zum zweiten, diesmal in der waldigen Farbe “Moss”) zwischen meinen Fingern, während ich an einem kleinen, feinen Wollrundschal arbeite, an ein wenig Extra-Wärme nur für mich und all die Tage, in denen ich so was brauchen werde.
Neu ist auch das weisse, noch so gut wie unberührt blitzsaubere grosse Bad, das mein Liebster vor einer Weile für uns fertig gebaut hat. Wenn man bedenkt, dass hier vorher düsterdunkle Laminatküchenschränke hingen und ein oller Herd, der niemals richtig sauber wurde, egal wie sehr ich auch scheuerte… Ein Wunder für mich. Und doch pure Banalität. Badezimmer sind ja an sich nichts weiter Romantisches… aber ich freu’ mich darüber, auf ein erstes, langes, heisses Duftbad vor allem. Mein letztes liegt Jahre zurück, eine volle Dekade, und dazwischen habe ich das Duschen schätzen gelernt.

So, und nun zurück zum Alltagsgeschehen. Es ist still gerade. Herr Kirschkernzeit kauft ein, die beiden Kleinsten hampeln wohl neben ihm durch die Einkaufsschneisen, meine Grosse sucht mit einem ihrer besten Freunde und dessen Familie einen Schatz im Wald und die Jungens erkunden das neue Handy, das gerade eben seinen Weg zu meinem 15 Jahre alt gewordenen und irgendwie plötzlich furchtbar grossen Sohnemann gefunden hat. Das erste Handy… Ich weiss, da warten noch weitere erste Male und neue Welten und Themen auf mich. Die Zukunft wartet nicht. Sie knüpft an, wo immer sie uns fassen kann.

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5 Antworten auf neu

  1. Rita sagt:

    Wie schön!! Ich freue mich über Deinen so farbigen und hellen Post! Und das Badezimmer scheint so frisch und hell! Das freut mich so für Euch!
    Und in Heften zu stöbern ist immer eine tolle Sache!;)
    Wir haben noch eine Woche, dann ist auch hier mit Ferien Schluss!!
    Sei ganz lieb gegrüsst, herzlich, Rita

  2. Steffi sagt:

    Liebe Bora,
    das Bad sieht toll aus! Ich wünsche Dir eine wunderschönes entspanntes Wannenbad, in dem Du Dich wie eine Göttin fühlen wirst… Schön, dass Du Deine Balance wieder gefunden hast.

    Ich drücke Dich!
    Deine Steffi

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Es ist noch sehr weiss und kahl. Und ich geniesse diesen Zustand, traue mich kaum, es der argen Belastung durch 7 nicht eben zimperliche Leute auszusetzen ;-)
      Vielen Dank für deinen Comment! Ich, es geht euch gut und du fühlst dich auch ausgeglichen (ist ja keine Selbstverständlichkeit, oder?)
      liebe Grüsschen!
      Bora

      • Steffi sagt:

        Liebe Bora,
        ja, mir geht’s gut. Im Moment jedenfalls. Sitze auf dem Sofa und genieße die müde Schwere eines ausklingenden Tages, wissend, dass oben ein kuscheliges Bett auf mich wartet.
        Und zum Ausgleich mache ich seit einem Jahr fast jeden Tag zwanzig Minuten Yoga, das ist so schön. Ab nachmittags freue ich mich schon auf meine Zeit, wenn die Kinder im Bett sind.

        Ich umarme Dich, Deine Steffi

        • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

          Ja, mir geht es manchmal auch so: Da ist diese grossartige Vorfreude auf den Feierabend… Ist doch auch gut so, oder? Man braucht doch immer was, das einem vorwärtszieht und die Lust am Leben erhält- und wenn es bloss Sofagelümmel und ein brav wartendes Bett ist ;-)

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