kleine Segnungen

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Ich hätte grosse Lust gehabt, diesen Post hier einfach nur mit einem Datum zu betiteln. So wie es Soulemama immer macht seit Anfang Jahr. Ich finde, diese Art des Schreibens kommt dem Tagebuch unheimlich nah und fühlt sich entspannter und freier an als jede andere Blogpostform, die ich kenne… Eine wunderbare Idee. Und konsequent von ihr umgesetzt. Aber andererseits… Ich mag Texte, die einen gemeinsamen Nenner haben. Und ich habe es gerne einfacher, wenn ich einen meiner Posts im Archiv suche, was sehr viel schneller geht, wenn ich so in etwa eine Erinnerung habe an den grossen Zusammenhang, in den ich ihn gestellt habe… Und sowieso; Auch wenn ich am liebsten einfach nur geschrieben hätte “10.06.2017″- meine Fotos stammen leider meistens nicht aus einem einzigen Tag, sehr selten sogar alle aus derselben Wochenhälfte, weshalb das heutige Datum nicht mehr ganz so gut passen würde als Überbegriff. Andererseits schreibe ich ja nur heute meinen Eintrag und fasse bildlich so ein bisschen zusammen, was ist, nicht nur heute vielleicht, aber trotzdem jetzt gewissermassen…

Nun, wie dem auch sei. *räusper*

Im Moment scheint hier ungeheuer viel abzulaufen. Nicht unbedingt im gehetzten Sinne, was sehr erleichternd ist für mich, denn das Gefühl des Gehetztseins und des “Zu viels” hat mich viele Monate lang begleitet und offen gestanden stärker belastet als ich es mir eingestehen wollte. Der letzte Herbst und der ganze Winter war irgendwie… überwältigend für mich. Zermürbend und erschöpfend. Und der kleine Friede, der sich über uns gelegt hat in diesem Frühjahr, ist der grösste Segen, den ich mir vorstellen kann. Ich bin noch immer sehr müde, ja. Manchmal bin ich vielleicht sogar müder und weniger belastbar, als in der eigentlichen … Kriese (?) selbst. Aber in gewisser Weise fühle ich mich auch regeneriert, mehr wieder ich selbst, wieder “ich lebendig” und nicht mehr nur diese (eher harzig) laufende Maschine, die vor allem eines wollte: Jeden Tag überstehen. Und es morgen besser machen.
Das letzte Wochenende zum Beispiel war eines der harmonischsten überhaupt. Und auch dieses hier fühlt sich schön an, gesund, nach Familie. Kaum Krach (nur Lärm), ganz viel Miteinader und Umeinanderherum. Kinder, die spielen und reden und lachen. Konkurrenzkampf oder Sich-aneinander-Reiben sind sicher auch richtig in einer Familie, sie müssen sein, genauso wie die grossen und kleinen kindlichen Erschöpfungsmomente, die Tränen, das Jammern, die verlorenen Nerven. Ich weiss, dass es meine Aufgabe ist, diese schwachen Augenblicke aufzufangen, die Trösterin und Führerin zu sein, die im Herzen des Mutterseins liegt. Und ich tue es gerne. Ehrlich.
Aber manchmal… manchmal kann es einfach auch zu viel sein. Vor allem, wenn die schwierigen Momente anhalten, gleich mehrere Kinder ihre anspruchsvolleren Phasen gleichzeitig haben und sich darin abwechseln, mich bis ins Mark zu brauchen. Dann- irgendwann- kippt etwas in mir. Und nichts geht mehr, wie ich es mir wünsche.

Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig. Was jetzt ist, zählt. Und das “hier und jetzt” ist gut zu mir. (So gut, dass ich es sogar ab und zu zum Backen und richtig Kochen schaffe. Das Foto mit der selbstgebackenen Focaccia und dem grünen Salat aus dem eigenen Garten repräsentieren meine Freude über diese kleinen, jedes Selbstwertgefühl stärkenden Erfolge…)
Ich habe heute beim Jäten eine Strauss dieser sonderbaren, margarithen-ähnlichen Blumen gepflückt, die in meinen Beerenrabatten wachsen. Sie breiten sich aus, versamen sich ganz von selber und spriessen Jahr für Jahr an neuen Stellen wieder. Zuerst habe ich mich gefreut über diese unerwartete Beblumung. Dann aber habe ich einen Radioartikel über invasive Neophyten gehört, und beim Nachlesen im Netz dann entdeckt, dass diese süssen und sogar leicht nach Jasmin duftenden Pflanzen im wahrsten Sinne des Wortes “Un-Kraut” sind, das “einjährige Berufskraut”, eine invasive Neophytenpflanze, die sich hier eingeschlichen hat und unseren heimischen Gewächsen nun den Platz streitig macht. Einen Teil habe ich abgeschnitten und in einer Vase eingestellt. Doch der Rest kam in die grüne Tonne, bereit für die Biomüllabfuhr. Schade eigentlich. Ein bisschen zumindest.

Auch ein klitzekleines bisschen schade finde ich es ja immer, wenn meine Kleinste sich hingerissen ganzen Washitape-Rollen widmet, die gerade innert kürzester Zeit Puppenpfännchen und Holzwürfel und eigentlich alles, was ihr gerade in die Finger kommt, verzieren. Ich habe die verfügbaren Kleberollen ein wenig reduziert, aber ganz alle wollte ich ihr dann doch nicht wegnehmen; die unglaubliche Hingabe und Begeisterung, mit der sie dieses Material und ihre neue Fingerfertigkeit erkundet, rührt mein Mutterherz einfach zu sehr…

Eine Freude ist auch die wunderschöne Glockenblume, die gerade bei mir in der Küche prangt. Meine Mädchen haben sie auf einer Wiese entdeckt und heimgebracht, und ich träume nun insgeheim von einer kleinen Glockenblumenecke in unserem kleinen Gärtchen. Vielleicht anstelle des “Berufskrauts”? Doch wahrscheinlich würde es den Glockenblumen zwischen Johannisbeer und Stachelbeeren nicht wirklich so gut gefallen…

Was mich auf das nächste Thema bringt: Mein ozeanblauer Knäuel “Bloomsburry DK” von “The Yarn Collective”, den ich kürzlich von “Love Knitting” zugeschickt bekommen habe, ist ein wahrer Traum an Wolle! Ich konnte die Finger nicht davon lassen und musste ihn einfach aufwinden und zur Maschenprobe verstricken. Das Ergebnis ist ein buchstäblich butterweiches, herrlich fliessendes Gestrick, das mein Tochterkind geradezu ins Schwärmen brachte. “Ist das Kaschmir ?” fragte sie. Ist es nicht. Fühlt sich aber so an. Sie wünscht sich diese Mütze daraus. Und ich hoffe nur, dass ich das mit der Grösse irgendwie hinkriege. “Quill” gibt es nämlich leider nur in einer einzigen Erwachsenengrösse…

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12 Antworten auf kleine Segnungen

  1. Gabi sagt:

    Welch ein herrlicher Beitrag!
    Mitten aus dem Leben und direkt ins Herz!
    Deine Wolle schaut herrlich aus und ich wünsche dir ganz viel Spaß mit Berufskraut, Washitape und deinen lieben Kindern
    Herzliche Grüße
    Gabi

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Dankeschön, Gabi! Nicht jeder Tag ist hier so harmonisch und entspannt- drum geniess’ ich jede schöne Phase umso freudiger ;-)

  2. Fräulein Rucksack sagt:

    Du bist nicht soulemama ohne Worte würde wohl was fehlen. Wobei, jeder darf sich auch verändern…

    Bei mir haben es ein zwei Glockenblümchen durchs Himbeer- Melissengestrüpp geschafft. Und hier und da vereinzelt im Garten. Dieses Jahr sogar eine weiße. Wenn sie ein paar Samen geben teile ich gerne.

    Ganz liebe Grüße!

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Meine Tochter hat im letzten Jahr ein paar in einem Topf ausgesägt, doch sie wollen einfach nie wachsen. Sie bleiben permanent auf ca. 10cm Höhe stehen, blühen auch kein bisschen… Komische Sache, das.
      Samen nehm’ ich nur zu gerne, falls ihr zufällig davon überschwemmt werdet ;-)

  3. Nicole sagt:

    Ich lese so gerne bei dir…immer wieder. Vielen Dank fürs Teilen deiner Gedanken.

    Falls es die Glockenblumen nicht schaffen sollten, probiers doch mal mit Ballonblumen! Die sind genial, werden von Schnecken verschont und sind erst noch mehrjährig.

    Herzliche Grüsse

  4. Martina sagt:

    Hallo,
    Ich bin auch sehr froh, dass Du es nicht bei Deinen schönen Fotos und einem Datum ablassen hast. Ich lese sehr gern bei Dir, ein Text sagt viel mehr aus, als nur Fotos, diese wiederum bereichern sehr Deine Texte. Also weiterhin beides, bitte :-)
    Die Focaccia sieht übrigens sehr lecker aus!
    LG Martina

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Vielen Dank! Ja, die Focaccia war wirklich recht gut – anders als das Brot, das ich ab und zu zu backen versuche, und das einfach nie so richtig gut werden will…

  5. andrea sagt:

    liebe bora, bzgl. solcher pflanzen habe ich zu einer offeneren haltung gefunden durch den (ziemlich bekannten) ethnobiologen wolf dieter storl. er hat ihnen sogar ein buch gewidmet, welches hier ausführlich rezensiert wird: https://sofagaertnerin.blogspot.de/2013/10/wolf-dieter-storl-wandernde-pflanzen.html

    und auch wenn der vergleich auf den ersten blick absurd scheint, das fremde/die fremden hineinzulassen birgt die chance auf wandlung und die geburt von etwas neuem. leben eben.
    herzensgrüße, andrea

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Das klingt interessant. Ich fand bisher die Erklärungen, dass manche Pflanzen sich einfach zu massiv ausbreiten und dann zB. Brennessel oder anderes verdrängen, was wiederum manche davon abhängigen Tieren zu schaffen macht ganz plausiebel, aber der Mann weiss ja wohl auch, wovon er schreibt, darum würde es mich schon noch wundernehmen… Vielen Dank für den Tipp!

  6. Innilisi sagt:

    Liebe Bora,
    Wie schön dass Du derzeit so freudig durchs Leben schreiten kannst. Die Glockenblumen sind eins meiner dankbaren “Unkräuter” im Garten, vermehren sich bevorzugt im Kiesweg und werden beim Ausgrasen sorgsam umgesiedelt. Das Berufskraut kenne ich hier auch, habe damit aber keine Probleme (Als Tipp: Alles hat immer zwei Seiten – Ansichtssache eben…http://heilkraeuter.de/lexikon/kanadisches-berufskraut.htm)
    Nun muss ich wieder in der Arbeit fleissig sein, Dir sende ich aber noch schnell liebe Grüße!
    Elisabeth

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Also Glockenblumen als wucherndes (Un-)Kraut wäre ja mein Traum! An evtl. Heilwirkungen des einjährigen Berufskrautes hatte ich ja gar nicht gedacht… Das kanadische Berufskraut und das einjährige Berufskraut sind zwar nicht dasselbe, aber ich sollte mich vielleicht doch mal reinlesen, ob es nicht auch seine guten Seiten hätte, dieses Unkraut…

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