Drachenkissen

Wenn die Pausen zwischen meinen Posts und die Lückenfüller immer einseitiger werden (Stichwort Handnähen *hüstel*), dann liegt das daran, dass das Wetter einfach zu herrlich ist und mein Alltag zu rundum geschäftig, um mich fürs Blogpostschreiben vor den Bildschirm zu verkrümeln. Das Wochenende war fantastisch, so warm und sorglos und wie Sommer, einfach wahnsinnig schön, schön, schön. Ich spüre jetzt schon, wie sich alles in mir löst und sich treiben lässt mit den Wolken am Himmelblau, Sommergefühle, wie Strohhüte und Schrebergärten. Und gleichzeitig hat mich etwas erfasst, das einfach noch so viel wie nur irgend möglich in Ordung bringen und hübsch herrichten will, bevor der Sommer wirklich eintrifft, vor den grossen Ferien, wenn alle zuhause bleiben für 5 Wochen und die Arbeit sich zu stapeln beginnt, so dass ich immerzu und permanent hinterherhinke und alle Hände voll zu tun habe, meine Knilche zum Mithelfen zu bewegen…
Na, jedenfalls, mir geht es fantastisch. Und fantastisch fühlt es sich auch an, wenn ich meine Todo-Listen wieder um ein Pünktchen abhaken kann: Jackenschrank ausmisten und sortieren? Jep. Meerschweinchenstall auswaschen und verschieben? Gemacht. Den Platz vor dem Haus gründlich wischen, von Spinnweben befreien und mit Hochdruck abspritzen? Bingo. Kühlschrank saubermachen? Endlich auch mal wieder erledigt. Das bemalte Kissen meiner Grossen nähen?…

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Et voilà! War mir ein Vergnügen.
Auch diesmal musste ein eigenes Kisseninlet zusammengeschnurpft und mit Rohwolle gestopft werden, und wieder habe ich mich auf einen simplen Hotelverschluss beschränkt, zusätzlich verstärkt mit zwei Knopflöchern, denn die Haare meines Mädchens sind inzwischen kurz geschnitten, kurz genug, dass Knöpfe an Kissen keine grosse Verheddergefahr mehr darstellen sollten.
Ihr Bild hat mich übrigens echt umgehauen. Es ist ein zweiköpfiger Drache, der einerseits Feuer, andererseits Wasser speit, Blau und Rot, Hitze und Kälte, beides nebeneinander. Ich mag den gebogenen Drachenhals und die kunterbunte Wolke, die mich unwillkürlich an den knalligen Riesenengel von Nikki de Staint Phalle in der Bahnhofshalle Zürich erinnerte. Es regnet Blau und Violett in Punkten, und der stachelige Riesenschmetterling passt wunderbar zur gefährlich verschrobenen Märchenstimmung.
Hach ja, mein Mädchen…
Ist es nicht erstaunlich, wie viel so ein Kinderwerk preisgibt vom jungen Menschen, der hinter Farbe und Pinsel steht? Wenn ich mir dieses Kissen so ansehe, erinnert es mich augenblicklich an sie, an ihre Wildheit und Eigensinnigkeit, die tiefen Gedanken und ständigen Fragen, an ihren feinen Sinn für jene Orte und Momente, wo es wichtig ist, sich anzupassen und einzufügen, und an ihren Mut, an anderen Orten und im anderen Kontext vollkommen anders zu sein, jungenhaft, laut, kreativ und explosiv. Sie kann so vieles sein. Und Gegensätze in sich perfekt vereinen. Fast ein bisschen wie dieser Drache, wie Feuer und Wasser aus zwei Seiten eines einzigen Wesens…

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6 Antworten auf Drachenkissen

  1. Gitta sagt:

    Die Charakterskizze, die Du von Deiner Tochter anhand ihres Bildes zeigst, ist wunderschön und zeigt Dein tiefes Verständnis und die Liebe zu Deinen KIndern. Toll !!! Glückliche Kinder.
    LG Gitta

  2. Mandy sagt:

    Wie schön es doch ist, wenn Kinder ohne Vorgaben ihrer Phantasie freien Lauf lassen können und so tolle Bilder schaffen. Ich liebe es, wenn meine Tochter versunken vor sich hin spielt oder malt und dabei wunderbare Dinge entstehen lässt.

    Viele liebe Grüße
    Mandy

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Ja, das ist doch ehrlich ein herrlicher Anblick, nicht? Es zeigt und, dass sie glücklich sind und gesund und wohlbehalten, alles, was wir uns wünschen für sie…

  3. amselgesang sagt:

    …und das Wasser löscht das Feuer gar nicht, sondern setzt ihm nur sozusagen eine Grenze, bildet ein Gegengewicht. Das finde ich einfach stark! Auch diese Klarheit von Formen und Farben, so schön anzuschauen ist das.
    Ich habe übrigens auch einmal, zu Studentenzeiten, ein einfaches Sommerkleid (für mich) von Hand genäht und diese Arbeit sehr genossen (warum eigentlich nur einmal?? Ich sollte es wieder tun!).
    Liebe Grüße und guten Erfolg mit dem Kleidchen,
    Brigitte

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Ja, das solltest du wirklich! Ich habe mir übrigens dieselbe Frage erst heute auch wieder gestellt; warum nähe ich eigentlich schwitzend und oftmals halb gestresst an der Maschine, wenn ich das genausogut ganz gemütlich aus dem Sofa sitzend tun könnte…? Wahrscheinlich einzig wegen der Geschwindigkeit… Oder sind die Nähte wirklich so viel fragiler von Hand? Ich finde, meine sehen schon eher nicht so stabil aus, offen gestanden…

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