Frieden

DSC_0122

Frieden. Ja, es ist so etwas wie Frieden, der über den letzten, hier so stillen Tagen lag. Ein Frieden, unterbrochen von den ganz normalen Streitereien und lauten Stimmungsausbrüchen, die einfach zu uns als Familie zu gehören scheinen, die zu uns Menschen gehören, denke ich, zu den einen (zu mir) mehr, zu den anderen weniger. Nicht jeder Charakter hat diese wunderbare, aus sich heraus pazifistische, geduldig annehmende Haltung. Was für manche Menschen gut aushaltbar ist, bringt andere bereits in Rage. Friedferigkeit und die Fähigkeit, auch Belastendes aushalten zu können, auszuharren und durchzuhalten, bis die Situation leichter wird… das kann harte Arbeit sein. Und je kaputter das eigene Nervengrüst, je ausgelaugter Körper und Seele, desto härter (bis unmöglicher) wird sie. Ich habe das schon so oft erlebt. Gerade in Extremsituationen wie Krankheitswellen in der Familie, wo ich rund um die Uhr und vollkommen beansprucht bin von kleinen, leidenden, hilfsbedürftigen Menschen. Anfangs geht meist alles gut. Ich tauche ein in die Anforderungen und lasse alles, was sich beiseite schieben lässt ausser acht. Keine Wäsche. Kein Einkaufen. Kein Stricken. Kein Blogpostschreiben. Kein Ich. Nur dasein. Für andere. Aussschliesslich. Man löst sich ein Stück weit selber auf.
Und irgendwann platzt einem der Kragen und all die beiseite geschobenen eigenen Bedürfnnisse krachen ans Licht und verschaffen sich lautstark Gehör, so laut und rücksichtslos vehement manchmal, dass man vor sich selber erschrickt…

DSC_0128

Ich glaube, das ist der Frieden, den ich spüre, im Moment: Dass kein Kragen platzt. Dass ich ruhig bleiben konnte (bisher) und es fertigbrachte, auszuharren, aktiv und still, obwohl es wirklich happige Tage waren und schlaflose Nächte mit gleich drei magendarmkranken Kindern, die buchstäblich nichts bei sich behalten konnten und von Bauchweh und Fieder durchgeschüttelt wurden.
Ich glaube nicht, dass es mein Verdienst war. Diese Gelassenheit, meine ich. Ich bin alles andere als ein Heldentyp. Meine Natur ist zu exzentrisch und viel zu launenhaft, als dass ich Situationen dieser Art lange gewachsen wäre… Ich glaube wirklich, es war ein Segen von oben. Und die Kraft der Gebete. (DANKE!)

DSC_0125

Und ja, vielleicht kam der Frieden auch ein wenig daher, dass mir wieder friedlich ist ums Herz, was meine Meerschweinchen angeht. Flöckli konnte schmerzfrei sterben. Endlich Ruhe finden. Sie hatte es so schwer in ihren letzten Lebenstagen. Mit jedem Tag wurde der Zerfall sichtbarer, aus dem lebenshungrigen kleinen Kämpfer ein mageres Tierchen, das sich selbst aufgab. Und nur noch zu warten schien. Auch ein Ausharren. Ein bewundernswertes. Wie Tiere sich in ihr Schicksal fügen… das macht mich demütig und nachdenklich.
Ich bin irgendwie froh, dass alles vorüber ist. Dass alles ein so rasches, ja irgendwie tatsächlich auch ein friedliches, in gewisser Weise würdiges Ende nahm. Sie wollte nicht mehr kämpfen.

Die Herde hat sich verändert, seit Flöckli weg ist. (Ach, Flöckli… Es fehlt einfach etwas, ohne dich.) Sie kommt mir verschworener vor, und… gelöster. Sie grasen öfters als ganze Gruppe, nicht mehr so zerteilt und in alle Winde verstreut. Tiere, die ich bisher als absolute Angsthasen kennengelernt habe, kommen plötzlich mutig bis ganz zu mir hin, um mir ein angebotenes Löwenzahnblatt aus der Hand zu fressen.

DSC_0130 DSC_0169

Ja, Frieden. Ich empfinde Frieden. Und sehe ihn auch. Da und dort, in der Natur vor allem, die draussen im Garten alles Grün färbt und mit kleinen, bunten Farbtupfern um sich wirft. Das Licht ist warm und voller Zukunftsträume, der Wind umsäuselt unsere kleine Welt sanft wie eine streichelnde Hand. Manchmal kommt es mir vor, als gäbe es da ein kleines, verstecktes Paradies, und dieses Paradies, diese sichere Oase öffnet sich für mich. Ein Zuhause. Ein Stückchen Welt, das der grosse Schrecken dieser Welt noch nicht erreicht hat.
Aber ich weiss, das ist nur Gefühl. Jedes Leben ist schlussendlich ungeschützt. Und endlich. Dem preisgegeben, was kommen muss und wird. Und trotzdem bin ich dankbar. Für dieses Gefühl. Schlussendlich sind Wissen, Fühlen und Glauben doch alles, was das Leben ausmacht. Und die Hoffnung. Auch das ist Frieden.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter aus meinem tagebuch, besondere Tage, Dankbarkeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten auf Frieden

  1. Rosa und ihre Oma- ein auch bei uns vielgeliebtes Bilderbuch! Was bei euch Magen Darm ist hier die Hand und Fuß Krankheit, die mit all ihren Unannehmlichkeiten auch vor großen Kindern nicht haltmachte. Ich empfinde dieses nicht ganz freiwillige Schrumpfen unserer kleinen Welt gerade als sehr wohltuend. Und sollte Familie im guten Sinne nicht genau das sein- Inseln des der Sicherheit, des Friedens und des Ankernkönnens in einer chaotischen Welt? Alles Liebe euch und gesegnete Ostertage.Grüße von den 7geisslein

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      HandundFussskrankheit? Nie gehört- zum Glück wohl auch nie erlebt? Muss ich gleich mal googlen und wünsche euch eine ganz schnelle und definive Genesung!

      • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

        Oje, jetzt hab’ ich gegoogelt; ist ja schlimm, das! Ich wünsche euch wirklich, dass das bald vorbei ist! Gute Besserung euch allen!!!

  2. Katja sagt:

    Du sprichst mir aus dem Herzen… mit all den Hoehen und Tiefen des Daseins, des Mutter- und Ehefrauseins, Menschseins. DANKE! Ich wuensche Euch allen eine friedvolle, bewusst ruhige Osterzeit mit viel Liebe, Licht und Lachen. Liebe Gruesse von der Ostsee, Katja

  3. Ly sagt:

    Liebe Bora

    Einmal mehr bin ich tief berührt von deinem ehrlichen und tiefgründigen Schreiben – wie Du auch die passenden Worte findest und uns mitnimmst in dein Erleben!
    Ich danke dir und wünsche euch allen, inzwischen wieder fit und fröhlich Ostern feiern zu können!
    Spätestens am Ostermontag !!
    Liebe Grüsse, Ly.

  4. anna sagt:

    HUCH! Hauen die nicht ab, die Tierchen? So frei ohne Deckel im Garten?? Unsere sind so unternehmungslustig, die wären über alle Gemüsebeete dahin??

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Da ist natürlich ein dichter Zaun drumherum! Nur ist das umzäunte Gehege so gross (unser halber Garten fast ;-) ) dass man den Zaun nicht sieht auf diesem Foto. Die Bank steht auch drin…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>