Jetzt

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Hier herrscht Chaos. Überall. Und intern eine leichte Grippewelle, die zwar pro Patient nur ein, zwei Tage dauert, mir aber trotzem die Hände bindet und mir alle Freiräume abkappt; gestern abend habe ich es nicht einmal mehr geschafft, Kind1 auf seine Geographieprüfung hin abzufragen, weil die beiden Kleinen mich keine Minute gehen lassen wollten, schluckwehhalber und weil sie sich einfach nicht wohl fühlten so allein im grossen Bett.
Das Abfragen von Schulstoff ist übrigens etwas ganz Neues für mich, denn ich finde ja immer irgendwie, Schule und vor allem Schulstoff ist mehr die Angelegenheit der Kinder, nicht unbedingt meine, aber in diesem konkreten Fall geht es vor allem darum, ein bisschen Druck zu machen, bzw. eine Art Kooperationssituation zu schaffen, in der einer, der in seinem ganzen Leben noch nicht lernen musste und darum in gewisser Weise auch nie gelernt hat, zu lernen, sich so langsam ans Thema antastet. Ich muss zugeben, ich finde es mühsam. Lernen war und ist nichts, das mich selber begeistert, und es kommt nicht von ungefähr, dass ich damals meinem Germanistikstudium nach nur 2 Wochen ziemlich erleichtert und auf immer Adieu gesagt habe. Mich heute wieder hinzusetzen und mit ein Auge zu haben auf den Schulstoff der ersten Gymnasial-Klasse -der mir übrigens um vieles schwieriger (und unnützer) vorkommt als mein eigener anno dazumal- das fühlt sich schon merkwürdig an. Und vermag mich nach wie vor nicht zu fesseln.
Lieber als Fragen zu stellen über Plattentektonik und Musiktheorie würde ich ja stricken. Gerne auch neben meinem Jungen auf dem Sofa, plaudernd vielleicht, aber vertiefter und ausschliesslicher, nicht mit Fremdstoff in den Gedanken. Schliesslich ist zu diesem Zeitpunkt meist Feierabend, die am sehnsüchtigsten erwartete Zeit des Tages also… aber die Zeiten ändern sich. Auch hier. Die Abende, wenn die Kleinen endlich friedlich schlummern (also nach 21:30 meistens) gehören nicht mehr nur mir, sondern immer mehr auch meinen heranwachsenden Söhnen, meinem Ältesten vor allem, der dann sein Zeitfenster wittert und mehr und mehr hineinwächst in den Rythmus von uns Erwachsenen…
Gestrickt wird trotzdem. Ab und zu. Ohne könnte ich längst nicht mehr sein. Da ist so viel mithineingeflochten in diese wunderbare Tätigkeit, so viele meiner ganz persönlichen Hoffnungen und Entspannungsstrategien, die nirgendwo sonst Platz zu finden scheinen, nur hier, auf dem Sofa bei meinen Wollknäueln und Strickmustern und diesem oder jenen angefangenen Projekt oder kleinen Blätzchen Maschenprobe. Gerade arbeite ich an den letzten paar Reihen des Körperteils einer dunkelblaugrauen „Annabel Babe Cardigan“ und wechsle ab zwischen einem Paar Wollsocken für Kind2 (von denen ich nicht ganz übezeugt bin) und dem Rückenteil dieser simplen Mädchenweste aus einem dicken, pinken, handgesponnenen Garn, von dem ich nur einen einzigen Knäuel im Vorrat hatte und nun dafür bibbere, dass die Wolle nicht ausreicht.
Sie soll für meine Kleine sein, diese Weste, für mein kleines Pausbackenkind, das auch den fröhlichen Mädchenkopf gezeichnet hat, der über einer Reihe Blumen schwebt wie der junge Frühling persönlich. Sie malt schrecklich gerne. Am liebsten mit Bleistift und Wasserfarben kombiniert. Genau wie ihre grosse Schwester, die beinahe immerzu irgendein Bastel- und Gfätterliprojekt im Kopf herumwälzt.
Vielleicht schaffen wir es morgen wieder einmal? Eine Runde malen, ein bisschen werkeln, Kuchenbacken vielleicht. Wenn alle wieder bei Kräften sind. Und auch meine Energien ausreichen (was nicht selbstverständlich ist, wie ich leider zugeben muss)
Ja, das wünsche ich mir für dieses Wochenende; Zeit, Kraft und Gesundheit- und die Gelassenheit, anzunehmen, was kommt, wie auch immer es aussehen mag.

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9 Kommentare zu Jetzt

  1. Ich wünsche euch allen gute Besserung liebe Bora! Und ganz viel Kraft und Geduld, krank sein und begleiten ist eine so kräftezehrende Angelegenheit. Und ich bin mir sicher, dass sich andere Zeitfenster für dich finden, wenn dein großes Kind nun abends Mamazeit beansprucht. Meist verschiebt sich dann auch bald etwas anderes und der Tag strukturiert sich neu und du findest ganz bestimmt deine Nische für’s Stricken.
    Ich wünsche euch ein sonniges Frühlingswochenende!
    Liebe Grüße
    Sternie

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich merke, da muss ich mich neu strukturieren, denn das wird ja nicht mehr anders, das bleibt jetzt so: die Grossen werden grösser und wünschen sich ihre eigenen Momente, wo keine kleinen Kinder mehr nach Aufmerksamkeit heischen. Beim Bloggen zB. habe ich langsam angefangen, nachmittags kurz zu posten, einfach so, mal zwischendurch. Die Kurzposts sind mir hier sehr willkommen, weil sich das rasch einfügen lässt, ohne dass ich Unmengen an Zeit dafür aufwenden muss. Das tut auch mir gut, so ein Kurzurlaub aus dem Immergleichen des Alltages 😉
      Die Sonne zeigt sich noch nicht bisher, aber angekündigt wäre sie ja… Ich plane einen kurzen Besuch in der Baumarkgärtnerei, damit die Kinder sich ihre ersten Frühlingsblumen auswählen können. Das wäre eigentlich ein Ritual zum Frühlingsbeginn gewesen, aber da haben wir es einfach nicht geschafft, naja.
      Dir auch ein schönes Wochenende! Ich hoffe, ihr könnt es geniessen!

  2. Taija sagt:

    Gute Besserung wünsche ich Euch! Und, dass Dein Samstag ein schöner wird. Mit wachsender Kraft, Ruhe und Freude. Liebe Grüße, Taija

  3. Melonengrün sagt:

    Liebe Bora
    Bei Plattentektonik musste ich doch gleich mal grinsen…hier gerade zum 3. Mal beim 3. Kind abgefragt.
    Ja, die Abende werden immer weniger…kürzer…für uns…
    Das gleiche Problem haben wir hier. Kinder, die einfach durch die ersten Jahre der Schulzeit gingen, müssen lernen zu Lernen:-)
    Wie oft habe ich schon bis 1 Uhr abgefragt, die Kleinen gehen früh ins Bett. Bei den grösseren Kindern hört es überhaupt nicht mehr auf. Meine Grösste (18) kappt manchmal sogar ganz den Schlaf, oder geht um 4 Uhr erst ins Bett. Ja, die Tage haben nur 24 Stunden….in einer Prüfungszeit ist das leider ab und zu mal so. Sie meint dann immer, andere würden ganz durchmachen, sich per Computer die ganze Nacht wach halten und per Skype durchlernen.
    Früher dachte ich immer, dass sind die Kinder, die in der letzten Minute lernen, zu spät angefangen haben….aber ich sehe, es geht nicht anders.
    So langsam bin ich abgebrüht, weiss, dass immer mal wieder solche Zeiten kommen, sie den Schlaf dann am Wochenende nachholen….aber diese Richtung gefällt mir gar nicht.
    Merke, wie die Kinder (die so langsam keine Kinder mehr sind) im letzten Jahr des Gymis wieder zu Kleinkindern werden, sich nur noch durchschlängeln…warten, bis sie die Matura im Sack haben. Traurig. In der Klasse meiner Grossen, wollen nur noch etwa eine handvoll Kinder gleich ein Studium ins Auge fassen, der Rest BRAUCHT eine Auszeit. Geht ins Ausland, macht eine Lehre….
    Meine 2. Tochter bei der geht es so langsam in die Richtung, obwohl sie in der gleichen Schule ist, aber im 2. Jahr, hat sie so eine ganz andere Ausbildung. Andere Lehrer, andere Anforderungen…
    Mein Sohn (2. Sekundarschule) will nun ganz klar eine Lehre machen, weil er sieht, wie seine Schwestern ihre Kanti durchlaufen. Und ich gebe zu, ich finde es toll:-)
    Habe Angst, was diese Zeit mit unseren Kindern macht.
    Man steckt die Kinder immer früher in den Kindergarten, was heisst, sie kommen immer früher aus der Schule, aber die Anforderungen passen sich nicht an.
    Das Positive an der Sache ist, sie lernen ganz viel für die Zukunft, dass man Durststrecken hat, zurückstecken muss, Gas geben, dann wieder die wenige Freiheit geniessen, wenn man kann.
    Denke, sie werden so erwachsen!

    Nun aber ganz gute Besserung, hoffe, Euch geht es schnell wieder ganz gut!
    Und in einer Woche sind doch Ferien, denke, ihr habt sie gleich wie wir, oder?
    Liebe Grüsse
    Sara

  4. Dorothea sagt:

    Ach wie herrlich. Ich habe auch gerade diese Weste auf den Nadeln und es macht so viel Spaß sie zu Stricken. Es wird sicher nicht meine letzte sein. Die Farbe ist auch ähnlich, ich habe hier ein Garn von Malabrigo Rios. Es tut so gut so vor sich hin zu Stricken. Das ist immer wieder Balsam für die Seele. Ich wünsche Dir nun gesunde Kinder, einen wundervollen Frühlingsanfang und neue Kraft.
    Alles Liebe
    Dorothea

    • kirschkernzeit sagt:

      Diese Weste ist super, ja! Ich bin auch hell begeistert vom einfachen Design und der leicht nachvollziehbaren Anleitung; und das Resultat ist schlicht aber süss, finde ich. Liebe Grüsschen noch und viel Spass beim Fertigstricken!

  5. Steffi sagt:

    Du bist ein ganz liebe Mama, liebste Bora, wie Du Deine kranke Maus im Arm hälst, ganz nah, da möchte man selbst wieder Kind sein….

    Liebste Grüße
    Steffi

    • kirschkernzeit sagt:

      Also, du machst mich ganz verlegen… So ruhig und gelassen bin ich natürlich nicht immer… Aber wenn sie so krank sind, dann fällt es mir schon ein bisschen leichter, alles andere mal liegen zu lassen…

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