Wintertage

Ich weiss eigentlich gar nicht so genau, worüber ich schreiben soll. So geht es mir öfters in letzter Zeit, seit ich angefangen haben, das Bloggen leichter zu nehmen und mir alle Zeit der Welt zu gönnen beim Texten und vor allem dazwischen; Ich spüre, dass mir ein Leit-Thema fehlt. Und finde es wunderbar so. Es fühlt sich enorm entspannt an, auf diese ziellose Art und Weise einen Blog zu führen. Ein bisschen wie … echtes Tagebuchschreiben. So darf es ruhig bleiben. So hatte ich es mir immer gewünscht, das Bloggen, ein bisschen dies, ein wenig das und alles gehört zum Leben, zusammengewürfelt zusammengefasst wie eines dieser bunten Fotoalben aus meinen Kindertagen…
Heute hat es geschneit, den ganzen Tag. Morgens lag alles weiss und unberührt da und jedes Mal, wenn ich kurz nach draussen ging, um das Eis in den Wasserschälchen der Meerschweinchen zu zerschlagen, neues Wasser einzufüllen oder Möhrenschalen und Apfelstückchen aus der Küche zu verfüttern, war meine vorherige Spur bereits wieder zugedeckt, so als hätte keiner je den Garten betreten.
Die Meerschweinchen haben es übrigens schön mummelig, trotz den tiefen Wintertemperaturen: Mein Mann hat ihnen im Sommer ein grosses, überdachtes Zusatzgehege zum Stall dazu gebaut, in dem es immer trocken bleibt und das zusätzlich -genau wie ihr zweigeschössiger, mit einer dicken Schicht Stroh gepolsterter Schlafstall- mit Wolldecken vor Wind und Wetter geschützt wird. Ich habe mir sommers immer Gedanken gemacht, wie sie den Winter draussen wohl verkraften würden, und obwohl ich mich informiert und überall gelesen habe, dass Meerschweinche  sehr gut zurechtkommen mit einem rauen, den Witterungen ausgesetzten Leben, war ich lange Zeit skeptisch. Grundlos, wie sich jetzt zeigt: Die Tiere scheinen sich pudelwohl zu fühlen, kommen zufrieden angetrottet, wenn ihr Grünzeug geliefert wird, futtern, was das Zeug hält und kuscheln sich dann wieder gemütlich zusammen ins Stroh… Ich glaube, es ist ganz richtig für sie, die Natur in all ihren Facetten zu durchleben. Ihr Fell ist dichter geworden, die Bäuchlein runder, sie passen sich dem Winter an, so wie ihre Artgenossen es seit Generationen getan haben. Trotzdem freue ich mich auf den Frühling. Für sie. Ich kann mir schon vorstellen, wie sie glücklich über die jung gewachsene Wiese hüpfen und gierig an allem knabbern, was nur irgendwie frisch und grün aussieht…

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Leider fehlen mir richtige Winterfotos (bis auf das eine oben in der Reihe). Obwohl ich den Winterl längst verinnerlicht habe, ihn tief in meinen Knochen spüre, bin ich nie dazu gekommen, den Schnee zu fotografieren. Und unser Garten sieht einfach nicht hübsch aus mit seinem gruselig zugerichteten Trampolin und der öden Wohnblockfassade, der mein Objektiv jetzt gar nicht mehr ausweichen kann, seit die Bäume gefällt sind. Vielleicht schafft es die Winterlandschaft ja aufs Bild, wenn ich den grünen Kinderpullover meines grossen Mädchens fotografieren geh‘. Morgen sollte er eigentlich fertig sein, gestern nacht konnte ich abketten, heute waschen und blocken, nun bleiben mir einzig, die (vielen!) Fadenenden zu vernähen. Eine schöne Aufgabe, wenn man sie gemütlich eingekuschelt auf dem Sofa verrichten darf, zusammen mit heisser Schokolade (ich gebe momentan immer tiefschwarze Zartbitterschokolade mit dazu und einen gehörigen Gutsch Rahm, so richtig dekadent und üppig). Das Wetter verlangt,  kulinarisch gesehen, jetzt einfach nach samtigen Texturen und ein bisschen mehr Gehalt… zum Glück muss das ja nicht immer nur ungesund sein; Auch nach der Linsen-Suppe heute, mit Lauch und Weisskohl, fühlte ich mich wohlig warm und satt. Und dabei war sie soooo einfach zu kochen… Ich bin keine grossartige Köchin, wirklich nicht, aber ich merke, wie so langsam eine gewisse Lust in mir heranwächst, Neues auszuprobieren und meinen Kindern die Teller mit gesünderem Essen zu füllen… Vielleicht liegt das auch daran, dass meine kleine Zappelliese das Spielen gerade entdeckt. Das Sortieren und Füllen von Taschen und Körbchen mit allem möglichen Kleinkram. Das Kritzeln auf Papier (unter anderem *ahem*) Und -das besonders inbrünstig- das An- und Ausziehen der vielen Puppenkinder, die sich im Laufe der Jahre hier angesammelt haben.
Ich bin gerade ganz intensiv damit beschäftigt, unser Haus so richtig gründlich von oben bis unten zu putzen und auszuräumen. Es ist so eine Art… Frühjahrsputz in kleinen Raten. Nur eben im eben Winter. Übers Wochenende war die Küche dran, also zumindest teilweise, im Stück(chen)-Werk. Die eine Schubladenfront wurde ordentlich ausgeräumt, mit Lavendelputzmittel leicht abgewischt, alle Töpfe, Gewürze, Tees, die Tücher und Lappen und das ganze Kochbesteck aussortiert und dann fein säuberlich wieder eingeräumt. Wunderbar, wenn man die Schubladenböden wieder sehen kann, so ohne Krümel oder Ölflecken (die Essig- und Ölschublade war ja besonders schlimm!)…
Gestern war meine ganze Familie im Schnee. Beim Spielen und durch-den-Winterwald-Stapfen. Bloss ich nicht. Ich kochte mir zuhause in aller Ruhe eine Kanne Jasmingrüntee, legte mir ein paar Sesamplätzchen bereit, stellte das Radio auf laut- und widmete mich ausgedehnt dem grossen Bücherboard im Wohmzimmer. Ausmisten, putzen, hübsch arrangieren. Ah… wie gern ich so was mache! (Wenn nicht gleich wieder jemand kommt und alles wieder verwüstet)
Also im Grunde bin ich ja unheimlich gerne Hausfrau…

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13 Kommentare zu Wintertage

  1. Hirundo rustica sagt:

    Schön! Als ich die Fotos deiner Küchenschubladen sah, dachte ich ganz beeindruckt: So ordentlich sieht es bei uns aber nicht aus 😉 Da wäre noch etwas zu tun..
    Und mit dem Kochen und mir läuft es momentan auch nicht so gut (null Inspiration und viel zu müde; die Kinder meinten schon, es gäbe ja jede Woche das gleiche zu essen) und ich fürchte, so ganz bald wird sich das auch nicht bessern, wenn man bedenkt, was hier in nächster Zeit (hoffentlich) auf uns zu kommt. Aber Lust auf etwas richtiges Leckeres hätte ich schon mal wieder!
    Herzliche Grüße!

  2. Regula sagt:

    Was die Meerschweinchen nicht mögen, sind kalte Böden, also Zement in einer Waschküche, weil man denkt, die armen Tierchen müssten doch drinnen sein bei diesem Hudelwetter. Deine scheinen es ja echt gemütlich zu haben. Liebe Grüsse von Regula, die auch sehr gerne Hausfrau ist. 🙂

  3. Rita sagt:

    Ich kann mich erinnern, dass die Meerschweinchen meines grossen Bruders auch draussen waren und es gut überstanden haben…;)
    Die Schubladen sehen toll aus!! Und die Bücher erst, da würde ich gerne mal blättern..
    Gerade gestern habe ich meine Wollreste ausgemistet, die heute mein Jüngster seiner ehemaligen Kindergärtnerin bringen wird. Sie machen jedes Jahr so „Wäbi-Täschchen“ und dazu braucht es viele Wollreste;) Nun habe ich momentan nur noch Sockenwollreste und sonst nichts mehr;)
    Das Buch von Marie Konto habe ich durch…;))Gibt jedes Mal wieder Schub und alle meine losen Fotos sind nun einsortiert nach Jahreskartei in einer grossen Schuhschachtel;)
    Ich mag Deine Blogpost so wie sie sind!!
    Weiterhin viel Freude beim ausmisten und putzen.
    Herzlich, Rita

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich hätte da sicher mal wieder ein paar wegzugeben… Ich melde mich noch bei dir, ok.? Bin immer glücklich, wenn ich jemanden weiss, der noch Freude an dem hat, was mir als „Ballast“ erscheint… Ich bin auch ein riesen Fan von Magic Cleaning! Ich finde, das ist eine vollkommen neue Art, sich dem „Gerümpel“ zu stellen, sehr schonungslos und trotzdem voller Wertschätzung gegenüber der Dinge, die wir haben und mochten/mögen. Bloss dass Marie Kondo so viel wegschmeisst finde ich total schade, wir können hier gottlob fast alles einfach weitergeben an Brockis oder so und Zeitungen etc. landen auch mit Sicherheit nicht im Abfall hier…

      • Marianne sagt:

        Ich lese es gerade, das „Magic Cleaning“, und es geht mir wie Dir… ich finde es einfach schade, so viel wirklich wegzuwerfen. Macht man sich aber die Mühe und sucht weitere Verwendungsmöglichkeiten, bremst einen das bereits wieder…. :-). Liebe Grüsse, Marianne

        • kirschkernzeit sagt:

          Ja, da hast du wohl recht; manchmal muss es einfach ratzfatz gehen und die Dinge wirklich verschwinden- bevor man es sich dann wieder anders überlegt…

  4. Kerstin sagt:

    Es ist immer wieder so schön bei dir zu lesen. Verrätst du mir dein Linsensuppenrezept?
    Viele liebe Grüße
    Kerstin

    • kirschkernzeit sagt:

      Mach ich! Ich muss es noch kurz rauskramen, dann kann ich es aber abends noch hier kurz eintippen, wenn du magst…

      • kirschkernzeit sagt:

        So, endlich, wenn auch ein wenig verspätet:

        Man nehme, 2 Zwiebeln, kleingehackt, 300gr. braune Linsen, 2 Karotten, 2 Lauchstangen, 150gr. rote Linsen, 2-3 Boullionwürfel.
        Zwiebeln und zerkleinerten Lauch und geschnittene Karotten anbraten, mit 1.5 l Wasser ablöschen und mitsamt den braunen Linsen ca. 45min. köcheln NICHT salzen! Wegen der Linsen, die werden sonst nicht recht gar.
        Dann, wenn die braunen Linsen weich sind (kann auch bloss 30 min dauern, je nach Sorte), die roten Linsen und die Boullionwürfel beigeben und weitere 15 min. sanft köcheln lassen.
        Zum Schluss dann noch abschmecken mit Salz und Pfeffer und Balsamico-Essig (der schmeckt sehr gut mit Linsen!)

        Ich muss zugeben, dass das an sich keine rechte Linsensuppe ist, sondern mehr ein Eintopf. Ich habe in diesem Post hier einfach die roten Linsen nicht zur Hand gehabt und daher wurde alles sehr viel wässriger und ging dann doch noch als Suppe durch 😉
        Manchmal lege ich zum Schluss noch kurz ein paar Würstchen bei, koche das aber nicht mehr auf, weil nicht alle hier das rauchige Würstchenaroma mögen…
        Der Eintopf lässt sich übrigens prima abwandeln, mit mehr oder weniger Lauch/Möhren oder mit kleingeschnittenem Weisskohl etc.

        Liebe Grüsschen!!!

  5. Isabella sagt:

    Meiner Meinung nach ist dein Blog genau SO richtig toll. Ich lese so gerne deine Texte in einer ruhigen Minute,wenn meine zwei Mädels mit sich zu tun haben und Zeit für eine Tasse Tee ist.
    Vielen Dank dir! Du gehörst für mich ganz fest mit dazu!

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