berührt: gefällt

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Dieser Baum hier und drei seiner bisher so standhaft schönen Kameraden.
Die Reihe zwischen uns und dem grossen, braunen Nachbarshausblock ist so schrecklich licht geworden, dass Tränen in meinen Augen brennen. Ich mochte sie, mochte sie wirklich sehr, diese herrlich dichte, immerzu grüne Nadelbaumreihe, die von Jahr zu Jahr lebendiger und -bevölkert von Singvögeln- auch immer irgendwie ein wenig lustiger wurde. Sie tat mir so gut. Und sie war Teil genau der Minidosis Naturgefühl, die mich bisher noch hier hielt. Denn wir leben ländlich… und doch wieder nicht. Hier spriessen die Neubaupilze, prozentual dazu verschwinden dafür grüne Riesen und natürliche Flächen. Mein Dorf veschimmelt gewissermassen. Leben, das auf toten, grauen Flächen siedelt. Die Natur zieht sich zurück, das Landleben verpufft im Nichts. Ich merke, wie sich so langsam eine Art Stadtgefühl hier einnistet.
Vor der Stadt genau sind wir vor 10 Jahren eigentlich geflüchtet…
Ab heute werden mir 6 Balkonreihen und x Fensterfronten entgegenstarren, wenn ich mein Haus verlasse. Mein kleiner Garten hat nun zwar mehr Licht, aber deutlich weniger Privatsphäre, und in meinem Herzen bin ich ein Bünzlischwiizer, ich mag und brauche mein bisschen Zurückgezogenheit, auch wenn ich die Menschen wirklich liebe.
Ich hoffe, die Vögel kommen trotzdem wieder. Trotz der deutlichen, viel zu gross und leer klaffenden Lücken in der grünen Reihe. Ich hoffe, wir gewöhnen uns an die neue Leere und die urplötzlich enorm nahen, braungrauen Mauern. Ich hoffe… ich schaffe es, mich hier noch ein wenig daheim zu fühlen. Solange bis ich… eines Tages… vielleicht… hoffentlich… mein Zuhause finde, dasjenige zum Wurzelnschlagen.

PS. Die friedliche, beinahe so was wie screenabstinente Zeit, die ich bisher ganz meinem Strickkörbchen und den Menschen um mich herum gewidmet habe, tut mir sehr gut. Sie nährt und heilt einiges von dem, was in mir durcheinander geraten und wund geworden ist im Verlaufe der letzten paar Wochen und Monate. Ich war noch nie gut darin, mich um mich selbst zu kümmern. Ich laufe auch dann noch weiter im Hamsterrad, wenn meine Füsse bluten.
Habt ein wenig Geduld mit diesem kleinen Blog hier; Er hält bloss ein wenig Winterschlaf. Dornröschenschlaf für neue, rosigere Zeiten…

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8 Kommentare zu berührt: gefällt

  1. Petra sagt:

    Oh, ich verstehe dich gut. Ich liebte deinen Beitrag vom 20. April 2016 und der heutige Beitrag weckt ähnliche Gefühle. Ich hoffe für dich, dass ihr euch mit eurer neuen Aussicht anfreunden könnt und euren Garten weiterhin bereicherend für euch nützen könnt.
    Liebe Grüsse
    Petra

    • kirschkernzeit sagt:

      Das tut gut zu lesen… Danke dir, Petra! Ich weiss, dass es kindisch und kleinlich ist von mir, dermassen um ein paar olle Bäume zu trauern, aber Bäume sind einfach… Bäume. Sie wachsen einem ans Herz und verbinden sich enorm mit einem Ort. Und für mich waren sie wirklich so ein bisschen die Stütze des Oasencharakters, der hier so langsam, langsam entstand, ein Fleckchen Garten Eden (naja) zwischen dem Strassengeflecht. Jetzt ist das irgendwie zerstört. Und ich fühle mich wie noch ein wenig mehr entwurzelt. Aber ja, das ist alles Gewöhnungssache, kein Weltuntergang oder so. Ich versuche (mit noch recht viel Mühe bis anhin) auch gute Punkte am Ganzen zu sehen; Immerhin haben wir ein Gärtchen. Andere haben ja gar nichts. Immerhin bekommen so alle Pflanzen mehr Licht (vielleicht wachsen unsere eigenen, kleinen Obstbäumchen dann ja besser?). Immerhin wohnen lauter nette Leute im Wohnblock nebenan. Immerhin gibt es ja auch so was wie Vorhänge für die bisher unverhängten Fenster (bis anhin haben die Baumkronen das für uns erledigt). Etc. Danke aber für deinen Kommentar!Er hat mich sehr gefreut!

  2. Marianne sagt:

    Liebe Bora, ja das gibt’s, dieses Gefühl vom „nicht-wirklich-Wurzeln-schlagen“ an einem Ort, an dem man vielleicht schon geraume Zeit lebt, sich zu eigentlich zu Hause fühlt und an dem sonst so vieles stimmt. Das immer wiederkehrende „vielleicht-ziehen-wir-hier-doch-noch-weg“, die Hoffnung darauf, einen Traum wahr werden lassen zu dürfen. Dank der Kinder bleiben wir im Leben und in der Gegenwart … und hoffen trotzdem weiter. Ich wünsche Dir, dass Dein/Euer Traum vom Leben auf dem Land, so wir Ihr Euch das wünscht, eines Tages doch noch Realität werden darf. Herzlich, Marianne

    • kirschkernzeit sagt:

      Manchmal finde ich mich selber doof. Aber ich wusste schon vor 10 Jahren, dass wir hier „nur vorübergehend“ wohnen würden. Es war nie unsere erste Wahl, mehr eine, zugegeben sehr gute und gesegnete „Vernunftwahl“ wegen der Kinder und der damaligen Finanzen etc. Ich bin sehr dankbar für diese Chancen und die tolle Schule, die lieben Nachbarn, das harmonische Dorfgefühl… Aber in den letzten zwei Jahren hat sich die Bevölkerung extrem vermehrt hier, das Dorf verändert sich explosiv und alles wird mir viel zu schnell anders. Dinge, die ich sehr geschätzt habe bisher, gehen verloren (zB. der persönliche Kontakt im Dorfladen, wo man sich noch mit Namen kannte und auch mal ein Schwätzchen mit der Verkäuferin halten konnte. Seit einer Umstrukturierung sind viele der alteingesessenen Mitarbeiterinnen gegangen (also fast alle eigentlich) und seit der Laden auch über Mittag offen hat, haben die Verkäuferinnnen so wenig Pause, dass sie nur noch hin-und hergehetzt werden von Ihren Aufgaben…)
      Ich danke dir für deinen lieben Comment!

  3. Rita sagt:

    Wie gut kann ich das verstehen!! Dieses Ausgestellt sein!
    Wie wäre es im Frühling mit schnellrankenden Bohnen oder Blumen? Grosse, lange Holzrankhilfen in den Boden rammen und dann daran das Grün ranken lassen….? Oder Schilf? das Wächst auch so in die Höhe….Hier leben wir ja auch wie auf einer Insel, der Wander- und Quartierweg geh hier auf 3 Seiten um unser Haus. In Ruhe draussen sitzen ist unmöglich…..Ich weiss genau, wie Du Dich fühlst, sei ganz lieb umarmt!
    Herzlich, Rita

    • kirschkernzeit sagt:

      Ach, liebe Rita! Ich kann mir gut vorstellen, wie hin- und hergerissen man sein kann, wenn man so mitten in einer Wohnzone als ländlicher Vertreter wohnt- und mit euren Schafen schafft ihr ja noch zusätzlich eine Augenweide, die die Leute geniessen (und die euch dann wiederum vielleicht ab und zu fast allzu „öffentlich“ macht? Ich finde es aber auch toll, wie ihr das macht! Gerade auch für die Kinder in eurer Umgebung, das ist schon ein wertvoller Beitrag, den ihr da macht, finde ich!
      Wir müssen mal wieder telefonieren, gell? ich habe erst gestern daran gedacht… Bis dann!

  4. andrea sagt:

    es ist nicht kindisch & es ist nicht kleinlich. es ist zutiefst verständlich. auch ich trauere um jeden baum, auch um den, dessen holz ich im ofen verheize, mit einem grossen gefühl von dankbarkeit. dieses jahr ringe ich auch mit mir, ob es ein weihnachtsbaum sein muss. neulich waren wir in der grossen stadt. im parkhaus lag ein verwelktes blatt auf dem boden. ich hab es mitgenommen um es wieder zu anderen blättern zu legen. wo es hin gehört…du siehst, man kann es immer noch ein bisschen ärger treiben 😉 und weisst du was, in der tasche habe ich immer ein säckchen mit samen. und wenn ich an einen ort komme, wo noch etwas grünes fehlt, dann säe ich ihn heimlich. das brauch ich ganz pippilangstrumpfmässig für mein seelenheil. für die vögel empfehle ich einen grossen haufen aus sturmgefallenen ästen. das lieben die im winter …liebe bora, halt die ohren steif! du wirst gebraucht von der welt.

    • kirschkernzeit sagt:

      Das liest sich total sympathisch! Ich finde die Idee mit den Samen im Hosensack soooo klasse!!! Echtes Guerilla-Gardening, hihi… Ja, ich finde es auch sehr bedrückend, zu sehen, wie rasch ein Baum doch abgesägt, verholzt und verfeuert sein kann (die Bäume bei uns waren „nur“ ca. 20 Jahre alt, aber schon ordentlich hoch. Ich hätte mir nie träumen lassen,dass innerhalb weniger Stunden allesamt umgefällt, zersägt und zt. sogar schon wegtransportiert sein könnten, aber so war es *schock* (Natürlich hatte die Block-Genossenschaft gute Gründe für die Fällung) Liebe Grüsse an dich! PS. Das mit dem Weihnachtsbaum finde ich auch eine schwere Entscheidung. Wir hatten nie einen bisher, aber im Innersten finde ich so einen Christbaum einfach uuuu schön…

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