past, present, future

past

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Letzte Woche bin ich abends oft hier gesessen, auf unserem alten, weissen Sofa, wo der Beistelltisch einfach zu riesig und einladend ist, um einigermassen aufgeräumt und leer zu bleiben. Kaum habe ich ihn jeweils frei geräumt, stapeln sich von neuem Donald Duck Comics, Bücher aller Art, Kinderkleider und Holzklötzchen zu wirren Türmen und Schichten. Ich habe es aufgegeben, mir meinen Feierabend in einer ordentlichen Ecke einläuten zu wollen. Tee kochen, Kram beiseite schieben, Laptop drauf wuchten- und geniessen, was zu geniessen ist. (Heute immerhin schläft die kleine Zappelliese schon um 21 Uhr. Und nicht um fast halb elf wie gestern…).
So habe ich Abend für Abend Masche um Masche aneinander gefügt. Und meiner „Annabel Cardigan“ beim Wachsen zugesehen. Das Garn war dick und soft und ein absoluter Traum lokaler Handwerkskunst, denn die alte Spinnerin hat so ebenmässig gearbeitet, dass der Faden wie Butter um meine Finger floss…
Jetzt ist sie fertig. Eine „Annabel“ für mich. Allerdings in Kurzform, ein Kurzjäckchen mit Dreiviertelärmelchen und einem Körperteil, der knapp einem Bolero entgeht. Die Wolle war wahnsinnig knapp berechnet. Und nicht nachlieferbar, was der wohl einzige Nachteil ist, wenn man mit einzigartigen, handgemachten Materialien arbeitet.
Fotos folgen. Hoffe ich. Mit Fotoshootings in eigener Sache tue ich mich erfahrungsgemäss immer etwas schwer…
Zum Ausgleich habt ihr hier ein kleines Bild der winzigkleinen „Little Kina“ in Püppchengrösse. Meine zweite Version dieses schnuckeligen, einfachen Puppenwestchens in Hellgraulila, meiner absoluten Lieblingsfarbe aus der BabyAlpacaSilk-Palette von Drops (die ersten Puppenkleidchen-Strickversuche findet ihr hier).
Die beiden Strickprojekte könnten unterschiedlicher kaum sein; einmal gross und dick und wuchtig in starken Erdbrauntönen, dann wieder fein und zart und zuckersüss. Gemeinsam ist beiden eine ungeheuer lange Gestationsphase.
Auch wenn bei letzterem 6 Monate lang bloss die Knöpfchen fehlten…

present

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Making.
Oh, was für ein Wort. So viel steckt da drin, so viel löst es aus in mir. Träume, Schwelgereien, Visionen vom ländlichen, einfachen Leben mit zwei tatkräftigen Händen, einem klaren Kopf und einem freien, beflügelten Geist.
Und genau so fühlt es sich auch an. „Making“. In gedruckter Form. „Making“ Nummer 2 „Fauna“. Träume vom Machen und Nachmachen in Wort, Bild und Konzept.  Etwas vom Allerschönsten, was ich je an Handwerksliteratur in meinen Händen gehalten habe.
Ich möchte alles daraus machen. Sofort. Ununterbrochen nur stricken (die Baby-Schäfchenmütze!) und nähen (eine mit Bienchen bestickte Tagebuchhülle!) und quilten (einen meerblauen Wasserwandbehang!) und sticken (Wolltatoos von Tif Fussel!) und mir augenblicklich meine eigene Wolltierfarm in Kanada herwünschen, einen verwunschenen Ort zum Sein und Werden, wo meine Kinder zwischen Bäumen die Wildnis und sich selbst finden und ich der Enge entkomme, in der ich mich jetzt nur minischrittchenweise bewege.
Interviews wie das mit Amanda Soule und Ashley Yousling auf Seite 51 machen so was mit einem. Überhaupt das Lesen solcher Traumsequenzen, kreative Alltagsfetzen begabter Frauen, Schönheit in einer Fülle, die mich melancholisch stimmt… und inspiriert.

future

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Ja. Wolle. Garn. Sterne nach denen ich greife und mich sonne in ihrem Licht- auch wenn es sich bloss um Banalitäten handelt, um Schals nämlich, simple Schals wahrscheinlich, die hoffentlich, hoffentlich noch fertig werden, bevor es allzu winterlich kalt wird.
Die leicht schimmernden Knäuel in Grau, Schwarz, Marine und dem herrlich leuchtenden Blau auf dem ersten Foto sind meine grössten Woll-Schätze im Moment. „Asia“ von Lang Yarns, das kuscheligste Wollerlebnis, das mir bisher gegönnt war. Kind2 wartet ja noch immer auf seinen Wollschal. Sehr geduldig tut er das. Und immerhin konnten wir uns mittlerweile auch auf die Farben (Grau/Schwarz) und das Muster (simple Streifen) einigen. Mit dem Rand hadere ich noch ein wenig; er wünscht sich einen Rollrand, so wie beim Kaschmirschal, den sein Bruder winters immer trägt (und innigst liebt!). Ich hingegen hätte gerne einen flacheren Schal, der sich nicht einrollt, sondern sich eingermassen nett drapieren und um den ganzen Hals schlingen lässt, so dass die fiese Winterbiese wirklich nirgends mehr kneifen kann und das ganze Kind schön mollig warm bleibt… Naja, wir werden sehen. Dieser Schal ist ja auch eher eine Pflichtübung. So richtig locken kann mich der Gedanke an die vielen, vielen Stunden eintönigen glatt rechts Strickens nämlich nicht…

Dafür freue ich mich auf das hier: Project Peace. Auch ein Schal. Vor allem aber Frieden. Stückchenweise. In Form von stillen Stunden mit mir, meinen Nadeln, einem Ball feinstem „Siidegarte“-Garn und täglich je einem Fitzelchen Inspiration in Richtung fried-volles Leben. Danke „Healthy Knitter“. Diese Idee ist so wunderwunderwunderschön… Ich denke oft daran, freue mich vor, lege Nadeln und Garn bereit, stricke mein Wollkörbchen ein kleines Stückchen leerer, um Platz und Zeit zu schaffen, in Erwartung der Dinge, die da kommen mögen.
Mir scheint, genau das brauche ich jetzt. Stricken dieser Art. Bewusst und mit einem Leitfaden, der mich begleitet und führt. Masche für Masche.

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Ein Kommentar zu past, present, future

  1. andrea sagt:

    ach liebe bora, danke für diese kleine feine strickreise. ich treffe mich heute abend zum ersten mal mit einer lieben bekannten, die mir das fersenstricken beibringen will. endlich, endlich!!!

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