Tag 4, 5 und 6: So tun, als ob

Unser neues Wohnzimmer hat weite Kreise gezogen: das alte Wohnzimmer wurde zt. geräumt und zum Kinderspiel- und Teilzeitschlafzimmer erklärte, Kind1 kam zu einem eigenen Zimmer, das Eltern-Baby-öfter-als-nicht-auch-Kinder-Schlafzimmer wechselte ebenfalls. Eigentlich blieb nur das Büro, wo es vorher war… Nebst Mini-Bad und Küche.
Interessant ist allerdings, dass wir die neue Stube tatsächlich noch gar nicht richtig bewohnen. Weil uns noch Möbel fehlen, weil der frische Anstrich an Tisch wie Stühlen noch nicht richtig durchgetrocknet ist etc. Mein Mann wird noch eine Kommode bauen, Fotos für drei grosse Bilderrahmen sollte ich auch noch aussuchen- und va. die Vorhänge nähen, denn wir wohnen ziemlich ungeschützt direkt an der Strasse, wo wir den Gästen im Lokal vis-à-vis fast ins Bierglas spucken könnten… Vorhänge müssen leider sein.
Und ein paar definitive Entscheidungen, wie wir unser Haus längerfristig einteilen möchten, müssen auch langsam sein, finde ich, denn ich bin das ständige Hin-und Herschieben von Möbeln, Kisten und Zimmernamen satt. Ich wünsche mir, einfach sagen zu können: Das ist mein Schlafzimmer. Das ist ein Kinderzimmer. Hier ist unsere Waschküche.
Ich möchte mich endlich richtig niederlassen, Bilder aufhängen, Bettwäsche nähen, passend zum Teppich, Spielnischen einrichten und einen Raum gestalten, bis er sich nach „Zuhause“ anfühlt. Das Provisorium quält mich.
Um die Untätigkeit besser ertragen zu können, bis zumindest das Wohnzimmer wirklich fertig ist -Möbel lackieren oder -bauen gehört definitiv nicht zu meinen Talenten und wäre mit Baby und zwei neugierigen Jungens auch keine so gute Idee- greife ich zur Vogelstrauss-Taktik: Baustellenstau ignorieren, mein inneres Drängen beiseite schieben und so tun, als wäre alles ganz normal. Wenn weglaufen schon nicht geht, dann wenigstens wegschauen. Wieder etwas Alltagsroutine zulassen und einfach da sein
den verregneten Mai tief einatmen und draussen Pfeilbogen schnitzen 

ganz spontan noch kurz vor dem Mittagessen Steckenpferd „Luzi“ und „Fanny“ basteln für meine unerschrockenen Ritter, die den Nachmittag dann mit Turnier-Wettkämpfen hoch zu Ross verbringen (oh, sie hatten so vielSpass!)Naturfundstücke heimtragen

 

uns freuen an dem , was wir schon haben (Kind1 liebt sein „neues“ Zimmer!) 

den Wäsche-Mount-Everest bezwingen (und all die anderen Everests, die sich so auftürmen hierzulande) 

und abends dann in aller Stille ein wenig die Nadeln klappern lassen…

 

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4 Kommentare zu Tag 4, 5 und 6: So tun, als ob

  1. Herrlich deine Jungs beim Ritterkampf!!! Und die Pferdchen sind einfach spitzenmäßig!!!! Super! Das mit den Räumen festlegen geht uns auch so. Manchmal haben wir einen ganz guten Plan, nur um ihn dann ein paar Tage später duch eine noch bessere Idee zu ersetzen. Letztlich landen wir meistens bei der Diskussion, was aus dem Raum mal werden soll, wenn wir die Elektroinstallation planen… gerade haben wir ein Zimmer in Arbeit, das entweder Arbeitszimmer, Gästezimmer oder ein weiteres Kinderzimmer werden soll. Wahrscheinlich wird es jetzt mal ein Gäste-Arbeitszimmergemisch und dann irgendwann mal, wenn wir es (hoffentlich) brauchen, ein Kinderzimmer. Am Dachboden haben wir noch gar keinen Plan, eher wage Vorstellungen. Aber auch dort werden wir irgendwann beim Thema Steckdosen und Licht landen – somit bei der Entscheidung „was wird aus diesem Raum“… ein bisschen Druck brauchen wir anscheinend 😉 Ach ja… deine Wäscheberge lösen in mir Erleichterung aus… ich könnte ähnliche Fotos präsentieren 😉

  2. kirschkernzeit sagt:

    @kreativberg; Mir tut es immer wieder gut, zu lesen, dass uns so ziemlich ähnliche „Probleme“ beschäftigen- die ja eigentlich auch Grund zur Freude wären/sind, denn immerhin dürfen wir ja ein ganzees Haus gestalten! Oft bin ich damit doch auch sehr zufrieden, aber ab und zu komm' ich nicht recht klar damit, so wie jetzt gerade. Elektrosachen drängen einem immer zum Visionieren und zumindest in etwa festlegen, gell… darum haben wir einfach an fast jeder Ecke eine Steckdose, für alle Fälle, hihi…
    Ich wünsche mir auch ganz fest für euch, dass ihr bald bald ein kleines Bewohnerchen für ein zweites Kinderzimmerchen kriegt! Das wäre wirklich wunderabar und ich würd's euch so gönnen!
    danke für dein Hiersein immer wieder!
    Bora

  3. nik sagt:

    Ach, wenn alles festgelegt ist, ist das auch nicht so super. 🙂 Wir räumen gerne mal Sachen hin und her und ändern was, sonst wäre es doch auch zu langweilig. Und was willst du tun, wenn alles fertig ist? Ist nicht immer der Weg das Ziel? Genieße die Freiheit, dass alle Räume im Moment das sein können, was ihr euch wünscht. Liebe Grüße, nik

  4. kirschkernzeit sagt:

    @Kreativberg: fast vergessen; DANKE fürs Pferdchenkompliment! Ich mag sie auch ganz gerne…
    @Nik; also ganz ehrlich, für mich wär's tatsächlich super, wenn mal was festgelegt wär. Freudvolles Umgestalten und Verändern sieht anders aus und fühlt sich anders an als das hier… Was ich mach, wenn wir fertig sind? Meinen Mann mehr sehen zB., mehr als Familie unternehmen, Zimmer schön herrichten, nähen und dekorieren, mit den Kindern einen Jahreszeiten-Tisch gestalten, vielleicht mal ein grösseres Fest feiern etc. einfach LEBEN und im Kleineren kreativ sein. Beim Umbau bin ich ja sowieso nicht direkt kreativ,ideenmässig schon, aber nicht körperlich aktiv, ich betreu die Kinder und schau, dass die Karre läuft, aber der grosse, wichtige Rest (umbautechnisch) macht mein Mann. Der Weg ist für mich bestimmt nicht das Ziel, leider nein. Aber wenn wieder was fertig ist, machts schon Freude (das Ziel scheint das Ziel zu sein)! Und natürlich mag ich es, mitbestimmen zu dürfen, Ideen verwirklichen zu lassen von einem wirklich sehr begabten Werkelmeister… Alles hat eben doch seine schönen Seiten, stimmts?
    LG Bora

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