Söckchen

dsc_8712 dsc_8717 dsc_8713

Zuerst einmal; Entschuldigt bitte die miese Fotoqualität. Das Licht ist nicht mehr allzu hell in letzter Zeit und viel zu früh schon am Erlöschen. Herbst hald, Winter fast schon, es wird düster und klamm und ungemütlich draussen. Keine feine Foto-Session-Zeit. Da muss man fix sein, wenn man gutes Licht haben will. Oder sich eine bessere Kamera zutun.
Nun ja.
Wir haben, was wir haben, und eigentlich bin ich gar nicht gross unglücklich oder wehmütig, was das Abtauchen dieses Jahres in seine minimalistischeren Gefilde angeht. Auch der Winter hat seine Gold-Seiten. Auch die Düsternis. Sie reduziert alles auf das Wesentliche. Und bringt Mängel ans Licht, an denen man arbeiten kann…
Manchmal bin ich ein wenig bedrückt in letzter Zeit. Auch so ein Mangel. In mir. Eine Baustelle, an der ich einiges zu regeln habe, ich weiss, aber ich arbeite daran. Bewaffnet mit Stricknadeln unter anderem *zwinker*. Das süsse kleine Engelchen mit den dunklen Wuschelhaaren soll mich übrigens genau darin begleiten. Es ist winzigklein, ein Hämpfelchen bloss, aber so schnuckelig und charmant, dass es einem unwillkürlich warm wird ums Herz. Ich sammle sie, die kleinen, feinen Filz-Handwerke von Allerleirauh, soviel ist mir inzwischen klar geworden. Ich sammle sie wie altes Blümchen-Teegeschirr. Ich sammle sie und lasse ihren Zauber genauso überall dort einfliessen, wo es mir Freude macht, immer wieder anders platziert, beim Telefon (wenn ich einen bedrückenden Anruf erwarte, sowas kann vorkommen), auf dem Bücherboard bei all den Donald Duck Comics der Kinder, bei meinen Woll-Vorräten im Schlafzimmer, weil sie so immer etwas vom Ersten sind, was ich sehe am frühen Morgen… Und so ein Engelchen (oder eine kleine Allerleirauh-Pünktchenfee) zu sehen, tut einem einfach wohl.
Auf diese Art überbringe ich mir selber eine Botschaft. Eine gute. Sie heisst: „Lächle mal wieder. Dafür gibt es immer Zeit und einen Grund.“

dsc_8732

Im Augenblick steht dieser kleine Engel-Winzling in der Küche. Auf der schäbigen, düsteren Anrichte. Und hier ermahnt er mich, die Dinge nicht immer ganz so ernst zu nehmen, wie sie mir erscheinen. Auch mal fünfe gerade sein zu lassen. Besonders mittags oder abends beim Essen, geht es oft, viel zu oft wahnsinnig turbulent zu. Das Kochen macht mich manchmal halb wahnsinnig (kein Wunder, wenn meine kleinste Zappelliese überall ihre Fingerchen mit drin haben muss!), und das gemeinsame Essen, wo das Zappelkind eigentlich kaum je etwas in seinem Mund verschwinden lässt, sondern viel lieber matscht und patscht und von einem Schoss auf den anderen klettert, braucht nicht weniger Kraft und Geduld… Ich weiss, es sind nur Phasen. Meine Mutter sagt das auch immer wieder zu mir, und ich weiss, sie will mich trösten damit.
„Das geht nicht mehr lange so. Nur noch vielleicht ein Jahr.“ Aber wenn es anstrengend ist, dann ist es anstrengend. Punkt. Da hilft nur eines; den Fokus verschieben. Die Nerven neu bündeln, mit allen Tricks und Mittelchen, die einem einfallen: Stricken, viel schlafen, mir auch mal dekadente zwei Me-Only-Vormittage in der Stadt gönnen, alles zulassen, was mich entspannt und entlastet, selbst wenn es in Form eines Berges an Schokolade oder massenweise You-Tube-Strickpodcasts daher kommt…
Und ja, Sockenstricken kommt auch immer gut. Vor allem, wenn sie klein sind und fix gehen, sich aus wunderbarer (von Brigitte) handgefärbter Wolle winden und absolut keinerlei Probleme machen, sondern einzig gute Laune und warme Kinderfüsschen…

dsc_8721-001

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Dankbarkeit, Familienalltag, Stricken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Kommentare zu Söckchen

  1. Rita sagt:

    Die Söckchen sind ganz zauberhaft und die Farbe gefällt mir sehr;)!!
    Schade wohne ich nicht näher, dann würde ich Dir am Mittag hie und da eine riesen Pfanne mit gekochtem Mittagessen hinbringen!;) Oder mit den Kindern mal raus, damit Du Dich sammeln kannst!
    Auf alle Fälle geh viel raus und geniesse Deine Zeit!
    Sei ganz, ganz lieb gegrüsst, Rita

    • kirschkernzeit sagt:

      Du bist lieb, Rita! Im Moment kocht gerade meine Mutter ab und zu für mich. Gerade wenn ich in der Stadt bin, darf ich dann einfach heimkommen und mich an den gedeckten Tisch setzen- wie herrlich!

  2. Das letzte Bild ist einfach schön liebe Bora! Und ich habe auch gerade heute ein neues Paar gestrickter Socken von meiner Schwiegermutter bekommen, als könnte sie Gedanken lesen, ich wollte sie um ein neues Paar bitten 🙂 denn ganz ehrlich, was gibt es in der kühlen Jahreszeit schöneres als gestrickte Socken fürs Bett?
    Ich finde deine Idee mit dem Engelchen in der Nähe des Esstischs toll. Ich brauche sowas in oder am Auto… immmer wenn meine Kleine nicht einsteigen mag, sitzen wir regelmäßig fest in der Situation und am Ende brüllen alle… ich weiß mir da einfach nicht zu helfen.
    Ich wünsche dir viel Geduld mit dir selbst und deinen Lieben. Du machst das toll!
    Liebste Grüße
    Sternie

    • kirschkernzeit sagt:

      Hm… solche sich immer wieder abspuhlende Situtationen kenne ich auch… und am Ende brüllen alle, damit triffst du den Nagel auf den Kopf… Vielleicht ein Büchlein, das du ihr in die Hand drückst beim In-den-Sitz-steigen…? Oder sonst was, das sie eine Weile fesselt? Radio vielleicht (hat bei uns aber nie geklappt)? Ist ja auch doof, dieses Festsitzen in so einem Kindersitz, nicht? Aber leider unumgänglich. *seufz* Ich drück die Daumen, dass sich das bald ein bisschen entspannt!

  3. Regula sagt:

    Jep, es ist streng. Und es hört nicht auf in einem Jahr … Also sei achtsam. lg Regula

  4. Danke für deine Worte, liebe Bora, sie tun mir immer wieder so wohl. Viele Momente kommen mir so vertraut vor, das bunte Leben, die Kinderschar, die Freude am Schaffen mit den Händen. Aber auch eben die Momente, in denen es solch ein Figürchen braucht. Damit das Holpernde und Mühselige leichter zu tragen ist. Du machst mir Mut und oft sind deine Texte mein Trostpüppchen. Danke

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, wie lieb! Ich bin gerne ein Trostsüppchen!!! *freu*

      • Liebe Bora, ich melde mich nochmals und suche deinen Rat. Ich habe für mein kleines Mädchen ein Elfenmützchen gestrickt in einem ganz traumhaften warmen Rot. Nun würde ich ihr gerne passende Stulpen aus ebendieser Wolle Stricken. Meinst du das geht? Und kennst du vielleicht eine passende Anleitung? Ich bin nicht fündig geworden. Ach, ein Tip von dir würde mir sehr helfen. Liebe Grüße

        • kirschkernzeit sagt:

          Liebe Sandra? An welche Art von Stulpen hast du gedacht? Möglichst einfache? Mit re/li? dann hätte ich zB. das hier:
          http://www.kirschkernzeit.ch/wordpress/?s=stulpen
          Oder eher etwas Komplizierteres? (Ich finde, Stulpen in dieser süssen, kleinen Grösse sind ein super Projekt, um neue Maschen und Muster auszutesten…) Und hast du mir das Alter deines Töchterchens? Dann werden wir mal sehen… 😉 Ach ja, welches Garn hast du denn?

          • Liebe Bora, wie nett, dass du mir antwortest, denn ich weiß, wieviel Du um die Ohren hast. Die Anleitung hatte ich gefunden, aber meine Frage zielte eher darauf ab, ob sie sich auch mit 9 er Nadeln umsetzen ließe. Für eben diese Nadelstärke ist nämlich die Wolle. Mein kleines Zwillingsmädchen wird drei, ist aber sehr schmal. Danke für deine Mühe und einen ruhigen Sonntag wünscht dir Sandra

          • kirschkernzeit sagt:

            Das wird ganz sicher klappen! Du musst im Grunde nur wissen, wie viele Maschen du strickst in re/li, um 10 cm zu erhalten. Und dann kannst du die Unterschenkel deines Mädchens messen und ausrechnen, wie viele Maschen du anschlagen musst, um dieses Beinumfangs-Mass zu erreichen. Mit Nadeln Nr. 9? Ich weiss jetzt natürlich nicht, welche Lauflänge dein Garn hat (steht auf der Banderole des Knäuels), aber auf alle Fälle wirst du sicher rasch fertig mit so dicker Wolle 🙂

          • Liebe Bora, manchmal dauert alles ein wenig länger…jetzt sind meine Ministulpen fertig, danke nochmals. Und wenn du magst, kannst du sie bei 7geisslein.wordpress.com bewundern…ich habe dir dort ein kleines Danke hinterlassen. Vom Verlinken habe ich keine Ahnung, aber ich denke es geht auch so. Sei lieb gegrüßt

  5. Fuchsbau sagt:

    Oooh ja, Strickpodcasts sind so super! Ich habe da inzwischen auch eine gewisse Vorliebe entwickelt. Ganz toll finde ich ja diese hier
    Jennifer Edwards – Knitterly Arts Podcast (suuuper, sie malt und zeichnet auch!)
    Fruity Knitting Podcast – Andrea strickt hauptsächlich Fair Isle, wunderschön. Und ihr Mann strickt mit, klasse!
    YarnHoarder Podcast – ich liebe Ambers fröhliche Art!
    Grocery Girls – Zwei Schwestern, die einfach super Laune machen

    Manche schaue ich unregelmäßig (AndreSue knits, knitting expat, colourful creativity, Sticks + Twine…)

    Den Engel und deine Socken finde ich wunderbar!
    Ganz liebe Grüße!
    Johanna

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, DANKE für deine Podcast-Ideen!!!
      Ich habe mich bisher in „Mandarines“ eingehört/geguckt. Sie strickt sooo schöne, feine Sachen- und weil sie an sich Französin ist, ist ihr Englisch auch herrlich einfach 😉

  6. Edna sagt:

    Bei mir ist es eine schnöde Bienenwachskerze aus der Drogerie, über die ich mich jeden Tag freue – wenn sie brennt dann schaue ich weniger auf den anderen Ramsch rundherum.
    Das Kochen macht mich übrigens genau so verrückt wie dich und die Mahlzeiten sind viel zu selten so harmonisch wie ich sie mir wünschen würde. Vielleicht kommt das ja noch….

    hab´s schön! Ich wünsche dir viele Vormittage allein in der Stadt und Zeitnischen für Podcasts! Das muss manchmal einfach sein.

    liebe Grüße

    E

    • kirschkernzeit sagt:

      Tatsächlich wird das besser mit dem „harmonischen“ Essen, je älter sie werden. Finde ich zumindest bisher 😉 Da bei mir die Mischung noch immer ein paar kleine Flitzer enthält, ist das aber noch nicht so gut spürbar.
      Mittlerweile haben ich und meine beiden Grossen auch das Auswärts-Essen für uns entdeckt (an Geburtstagen zB.) . Dann sind endlich auch mal „vernünftige“ Gespräche möglich, weil die „wilden Kleinen“ nicht mit von der Partie sind… 😉

  7. Mhm, ich hab fest vor ein paar Regale zu installieren um dann ein paar kleine Inseln schaffen zu können, aus denen mir vielleicht beim Vorbeigehen (äh -hasten) etwas zuzwinkert…

    Und Socken! Ich denk mir immer, wenn ich dieses Paar fertig hab, dann mach ich mal was anderes… stattdessen aber doch wieder Socken. Weil sie einfach so wichtig sind, die warmen Füße… :o)

    Steht der Rest der Bande schon Schlange für ein neues Paar?

    Lieben Gruß!

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, Socken. Ich finde es einfach herrlich, wie die immer genau gleich zu machen sind und (meistens) genau so ausfallen wie… wie gewohnt. Ganz anders als bei Kleidern sonst.
      Leider werden gestrickte Socken hier nicht von allen so sehr geschätzt. Gerade weil wir einen Holzboden haben, auf dem man sofort umrutscht, wenn man allzu schnell mit Wolle unter den Füssen unterwegs ist… Mal sehen, wie sich das noch entwickelt…

      Liebe Grüss auch an dich!!!

  8. Angela sagt:

    Liebe Bora,

    ach wie Du mir mal wieder aus der Seele sprichst! Gerade heute, wo unsre Mittlere dauernd spuckt, der Kleine wild herumturnt und eigentlich todmüde ist…und ich den Kleinen ins Bett bringe und eigentlich gleichzeitig unten bei der kranken Maus sein sollte…da muss man seine Energien schon ganz schön bündeln…auch wenn das alles in einem, zwei,…Jahren besser ist, braucht man ja im Moment die nötige Energie. Deshalb finde ich es klasse, dass Du alle Inseln nutzt, das ist sicher das Beste, was Du für Euch alle tun kannst. Und ich habe mich in die Filzengel verliebt…einmal mehr…

    Alles Liebe aus der Ferne!
    Angela

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, das kann ich so gut nachvollziehen! Man kann einfach nicht überall sein- und das ist besonders hart, wenn man die Bedürfnisse der Menschen um einem herum so direkt wahrnimmt wie du zB. wenn eines deiner Kleinen krank ist… Ich wünsche euch gaaaanz gute Besserung!!! (Und ja keine andauernde Weiteransteckung rund um den Familienkreis!)

  9. Katharina sagt:

    Ich gehe immer mal wieder Tanzen. Dort ist es üblich, dass man sich mit einer Verbeugung und einer Namastegeste für den gemeinsamen Tanz bedankt.
    Mit dieser einfachen Geste bezeugt man einander Wertschätzung und Dankbarkeit für die Begegung.
    Wäre ich jetzt bei dir, würde ich mich aus Dankbarkeit vor dir verneigen, für dein geschriebenes, berührendes Geschenk an mich.
    Namaste und Friede sei mit dir
    Katharina

    • kirschkernzeit sagt:

      Wie schön, liebe Allerleirauh! Ich mag deine Arbeiten wirklich enorm gerne, weisst du! Und dein Blog ist dann wie… das Tagebuch dazu. Ein richtiger Kraftpunkt in meinem Leben…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.