herzlich

DSC_5184
Ich mag alles Kreative. Ich liebe es, wenn Menschen kreativ sind -kleine Menschen ganz besonders- ich liebe die Kunst, die dabei entsteht und diese einzigartige Stimmung des Prozesses, die alles verwandelt und berühren will.
Womit ich nicht so gut zurecht komme; mit den Boxen voller Material, aus der später einmal Kunst und Stimmung entstehen.
Nicht, dass ich von Haus aus Puristin wäre und dem Minimalismus verfallen (obwohl ich mich immer mehr dazu hingezogen fühle). Ein paar Boxen können mich nicht schrecken, ein bisschen Papier, Malstifte auf dem Tisch, Wasserfarben, Pinsel, Leimtuben und Klebestreifen im Regalschaft. Doch wohin mit dem Packen Leinwand, den ich eines Tages vielleicht ja doch noch brauche? Wohin mit dem Tonwerkzeug, der Kiste antiker Buchstabenschablonen aus Metall, den ganzen Stoffmalstiften, der Acryllfarbe, Guache, Holzresten, dem Schnitzwerkzeug für Stempel samt rein weisser Gummiplatten zum Verschnitztwerden? Mein Junge verwahrt Lötwerkzeug, Schräubchen, elektronische Verbindungsteilchen und all sein technisches Kleinstspielzeug ja gottlob oben bei sich in der kleinen, zur Werkstatt umfunktionierten (Zweit-)Küche auf, aber Karton, Bügelperlen, Malerschürzen, Stoff und Füllmatrial und die ganzen (noch) leeren Bilderrahmen stapeln sich irgendwo anders, seit der Auflösung unserer Gerümpelkammer momentan verteilt irgendwie irgendwo im ganzen Haus.
Eine einheitliche, einigermassen elegante Lösung ist mir bisher noch nicht eingefallen. Ausser die hier; Drastische Reduktion.
Was aber auch ein bisschen schade ist. Kreativsein bedeutet im Hause Kirschkernzeit nämlich oftmals auch vollstes Spontansein.
Lust auf eine nächste Pokémontasche? Okay, Farben raus und los geht’s! Mein Mädchen braucht unbedingt und jetzt sofort ein hübsches Haus samt Teich und Garten für ihren neuen Lieblings-Holz-Adler; Kartonschachtel aus dem Altkarton gefischt, Klebestreifen, Cutter, Kram bereitgelegt, und an einem trüben, nassen Nachmittag (wie heute) entsteht eine ganz persönliche Landschaft zum Spielen und Stolzdraufsein. Und aus meinem Leinwandvorrat wurde auch schon ein Einhornbild-Geburtstagsgeschenk in buchstäblich allerletzter Minute, weil manche Jungens offensichtlich unter Zeitdruck ganz besonders kreativ werden…

Ganz so dermassen tief ist der minimalistische Grundgedanke also wohl doch noch nicht durchgesickert bei mir *zwinker*

DSC_7177 DSC_7175

Das sieht man auch daran, dass meine Wände statt leerer immer voller werden. Vollbehängt mit Bildern, Lieblingskram und Girlanden aller Art. Seit neuestem sogar mit einer Herzwimpelkette. Aus den feinen, kleinen Herzen, die meine Mädchen und ich im Verlaufe zahlreicher Mini-Mal-Sessions in der Küche entstehen liessen.
Recyclingherzen übrigens; der Löwenteil ist nämlich dünne Altpappe, von Müslipackungen und Kinderschokoladekartons. Mit wasservermalbaren „Neocolor“ wird selbst aus den dünnsten und ziellosesten Kritzeleien dank ein paar Tropfen Wasser eine hübsche, zart colorierte Fläche, die sich prima zum Zurechtschneiden eignet.
Für Herzen zum Beispiel. Herzen gehen wohl immer, oder? Wobei ich Sterne ja noch viel lieber mag. Bloss sind die für kleine Hände schwerer zu schneiden…

Damit einem auf der Herz-Rückseite kein Kinderschokoladenkind mehr entgegengrinst, kommt einfach Papier draufgeklebt, in unserem Fall hier sogar Altpapier aus dem Sammelstapel.
Die Verbindungsschnur ist schlicht und einfach eine Nähmaschinenfadennaht. Einmal drüberrattern, fertig. Allerdings kann es nicht schaden, ein bisschen darauf zu achten, wo genau man durchnäht: Meine Herzgirlande hängt nicht nur zu dicht gedrängt sondern auch noch mehr als wacklig an der Wand. Weil ich manche Herzen zu tief unten vernäht habe, wollen die sich jetzt beim leisesten Windhaus drehen und lieber kopfüber von der Leine hängen…
Was soll’s, ich mag die trotzdem. Und ganz so viele Tropenstürme fegen hier ja auch nicht durchs Haus.

DSC_7163 DSC_7162

Ein anderes Herzens-Ziel sind  kleine Geschenkanhänger. Statt an der Leine hängen die nun an Geschenken für liebe Leute und können dank der Papierrückseite noch mit netten Grüssen oder einer Widmung beschriftet werden. Oder auch einfach mit einem „Von… für…“. So wie beim Schulabschlussgeschenk im Kindergarten meines Mädchens, wo jede, der drei Kindergärtnerinnen einen eigenen, ziemlich wunder-vollen Korb mit Kindergartenkinder-Gaben überreicht bekam. Dort durfte ein Geschenkanhänger natürlich nicht fehlen, allein schon der Identifizierung wegen…

Geschenkt haben wir übrigens eine kleine Tüte mit selbstgemachten Magneten. So wie damals. Diesmal habe ich allerdings auf Zeitschriften-Ausschnitte verzichtet und einen alten Atlas zerschnitten (die findet man massenweise in Trödelläden). Die dicken Buchseiten haben den grossen Vorteil, dass sie dicker sind als Zeitschriftenpapier und der Leim sich nicht so leicht durchfrisst, was mit der Zeit unschöne Flecken hervorbringen kann. Und ich habe den Klebstoff gewechselt; „Uhu Alleskleber ohne Lösungsmittel“ scheint mir sehr gut geeignet, nur schon weil er -eben- keine Lösungsmittel enthält. (Andere Klebstoffmarken funktionieren aber sicherlich genausogut). Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich habe den Eindruck, dass Lösungsmittel ebenfalls am Papier fressen und die Farben nach und nach verändern können. Manche meiner Nugget-Magnete von damals sind heute nämlich bis zur Unkenntlichkeit verändert, zerlaufen wie Wasserfarbenbilder. Auf der anderen Seite habe ich solche mit auf Druckerpapier gedruckten Kinderzeichnungen, wo alles noch genauso klar und schnucklig aussieht wie am ersten Tag. Hm…

DSC_7160

So oder so; Glasnuggent-Magnete liebe ich wirklich sehr. Ich finde, sie haben so was Edles an sich.Und doch sehr viel Schlichtheit. Und ungeheuer Kunst-volles Potential.
Klar, dass ich sie gerne verschenke. Besonders mit Aquarellherzen-Anhängerchen.
Ja, von ganzem Herzen gerne.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Dieser Beitrag wurde unter kreativ am Rande, kreativ mit Kindern, kreative Ideen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu herzlich

  1. Barbara sagt:

    Liebe Bora!
    Ich hab‘ so grinsen müssen, als du über dein Material geschrieben hast, ich kann das so gut verstehen! Material weggeben heißt auch die Chance, die Möglichkeit auf etwas kreativ Entstandenes wegzugeben, etwas vielleicht bereits Ausgedachtes, Projektiertes, oftmals in einem Sackerl Hergerichtetes….
    Bei mir sind keine Kinder mehr an Bord, aber wie oft hab‘ ich schon jemandem mit Material aushelfen können…wie oft hab ich bei Durchsicht des Vorhandenen eine Idee für den Adventmarkt gehabt! Die Fülle regt ja auch so an!
    Allerdings: wenn der Zeitpunkt kommt, an dem die Fülle beinahe erdrückend wirkt, dann muss man sich was überlegen! Mir fällt es immer leicht herzugeben, wenn sich jemand darüber freut und aus dem Material etwas entsteht – halt durch jemand anderen. Und das Beste ist, wenn dann jemand sagt: „DAS gibst du her? Das ist doch so schön!“ Ja! Ich geb ja auch nix Hässliches her!! Unser Pfarrflohmarkt, wo ich dann das Knäulchen Wolle um 1,- hergebe (oft Qualitäten, die fast 10,- gekostet haben) an Frauen (tja, Mann hat noch keiner Wolle bei mir gekauft, hihihi) und mich an der Freude derer, die das „abstauben“ freue….
    Einen schönen Tag, liebe Bora, die Herzgirlande ist zuckersüß, ich mach auch diese Anhängerherzen, weil ich sie SO mag! Und ja, Sterne sind noch mal was besondereres….
    Liebe Grüße aus dem komplett verregneten Wien, deine Barbara

    • kirschkernzeit sagt:

      Da bin ich richtig erleichtert, dass es nicht nur mir so geht… Ich erlebe das auch so: wenn ich jemandem mit meinem „Ballast“ sogar eine richtige Freude machen kann, dann gebe ich sogar richtig gerne Sachen weg, von denen ich mich vorher kaum trennen mochte. Umgekehrt hatte ich auch schon eine Riesenfreude, wenn ich Sachen von anderen übernehmen durfte. Im Wohnzimmer hängt zB. eine alte Pendeluhr von meinem Schwiegervater, der sie selber nicht brauchen konnte. Ich habe erst gestern beim Uhr-Aufziehen überlegt, dass genau diese Uhr (sie hat vorher, glaube ich, seinem Vater gehört- oder gar seinem Grossvater?) zu den Dingen gehört, die mir am allerlallerliebsten sind in diesem Haus… (Lieber Walter, falls du das hier liest; herzlichen Dank nochmals für dieses grossartige Geschenk!!!)…
      Bie Wolle fühle ich mich sehr viel freier; da kenne ich gottlob auch ein paar Frauen, die mein „zu viel“ nur zu gerne verstricken. Und das Brocki freut sich ja auch immer wieder über guterhaltene, bei mir zu Hause unbenutzte Sachen…
      Ich hab‘ mich richtig gefreut über deinen langen, persönlichen Kommentar hier, merci, Barbara!

  2. subs sagt:

    Wie schön!!! Es sieht so so warm und „herzlich“ aus bei euch.
    Ich geh hier auch schon unter im Bastelkram, dabei bin ich gar keine große Bastlerin und das Herbstmädchen erst 3 😉
    Aber grad hab ich den Entschluss gefasst, das Zeug mal durchzusortieren und zumindest etwas zu lichten!

    • kirschkernzeit sagt:

      Naja, unter der Girlande herrscht selbstredlich das nackte Chaos… 😉
      Und weisst du was? Ich bastel auch gar nicht so gerne, schon gar nicht mit Papier oder gar Karton und der Kleister, samt Collagenleim und Servietten, den ich in meinen Boxen horte, fasse ich ehrlich auch bloss im Notfall an 😉 Am liebsten sind mir einfach Stoffe und Wolle. Punkt. Aber die Kinder sind hier total unterschiedlich in ihren Bastelvorlieben und bisher ist noch keines für Wolle oder Stoff entbrannt *snif*
      Ausmisten? Gute Idee. Immer. Auch wenn dann vielleicht bloss eine Handvoll Sachen wirklich wegkommt, weiss man immerhin dann wieder ganz genau, was man (alles) hat… Liebste Grüsse an dich!

  3. Taija sagt:

    Das mit dem „wartenden“ Material kenne ich sehr gut…und in einem kreativen Hause ist es ja tatsächlich ein Warten auf den richtigen Moment- bei uns manchmal ein langes….
    Die Herzenidee ist wunderschön, denn sie drückt nicht nur Achtsamkeit,sondern auch Kontinuität aus. Immer wieder Herzen bemalen, aus etwas, das eigentlich nicht gebraucht wird. Immer wieder mal überlegen, wem ein Herz zufliegen könnte…das ist ganz wunderbar! Ich danke für die schöne Inspiration! Liebe Grüße, Taija

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.