Zilver

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„Zilver“ ist (glaube ich zumindest) Niederländisch und bedeutet „Silber“. Ein passender Name, wenn man sich die Fotos von Lisa Mutchs‘ Original Zilver-Dreiecksschal bei Ravelry anschaut. Dort funkelt ihr Schaltuch silbern und seidig vor sich hin und sieht dabei zum Reinmummeln kuschlig und äusserst distinguiert aus.

Ich glaube, diese Kuschligkeit war es auch, die in mir hängenblieb damals, als ich dieses (übrigens kostenlos downloadbare) Strickmuster bei einem meiner Ravelry-Windowshopperei entdeckte. Meistens sind es ja die Fotos, die zu einem sprechen. Die irgendwas auslösen. Bei „Zilver“ machte es: „Oh, wie vornehm! Der ist sicher ungeheuer angenehm zu tragen…“

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Und in der Tat, das ist er. Mein Zilver. In einem zwar absolut nicht silberfarbenen, aber schlichtweg himmlischen Garn, so soft (dank 70% Seide) und gleichzeitig flauschig (dafür sorgen die 30% Yakwolle), dass man sich am liebsten von oben bis unten damit einstricken würde. Sogar mein Mädchen, das hypersensitiv reagiert, bei allem, was ihre Haut berührt, war hier (für einmal) meiner Meinung.
Wenn ich ehrlich sein soll; Lang Yarns „Asia“ (2 Knäuel hab‘ ich davon verbraucht für dieses Tuch) ist mir sogar fast noch lieber als Cashmere. Irgendwie wirkt es… leichter. Lockerer. Noch edler. Seidiger eben. Und damit noch sanfter auf der Haut. Gleichzeitig hat es diese Nuance tröstlicher Fluffigkeit, einen Hauch der Flauschigkeit die ich bei Cashmere so sehr liebe.

Zuerst war ich allerdings enttäuscht.
Ich hatte zwei Knäuel in Weinrot bei mir in den Tiefen meiner Wollvorräte entdeckt und war sofort wieder verzaubert von ihrem herrlichen Glanz. Genau dieser Schimmer schwebte mir vor für meinen ersten „Zilver“-Schal. Wenn schon edel, dann aber richtig.
Doch schon nach wenigen Reihen verloren meine Maschen ihren Glanz. Sie wurden matt und sehr viel wuscheliger als ich es je erwartet hätte und das allein nur vom Verstricktwerden (was für ein Garn vielleicht bereits Strapaze genug sein kann, um vorzeitig zu altern?). Ein bisschen schade, ja, das finde ich noch immer. Zu dieser ganzen sagenhaften Weichheit und Feinheit hätte etwas mehr nobler Perlmutt-Charakter ganz gut gepasst.
Aber sei’s drum; „Zilver“ ist vollendet. Und stimmig. Genau so wie er ist. Auch mit der kleinen Änderung im Muster insofern, dass ich zum Schluss noch ein paar Reihen kraus rechts gestrickt habe, weil mir das Garn langsam ausging und ich nicht wusste, wie weit ich noch kommen würde im Rapport.
Einzig mit der Nadelstärke bin ich nicht 100% zufrieden; Ich habe mit einer Rundstricknadel Nr. 4 gearbeitet, eine halbe Nummer grösser als auf der Banderole empfohlen, und das war an sich okay so. Mit noch dickeren Nadeln aber wäre das Gestrick sicher noch etwas lockerer und das Tuch ein wenig weiter und länger ausgefallen, und das wäre ganz sicher auch kein Fehler gewesen… Beim nächsten Mal. Bestimmt.

Was eine besondere Freude für mich war: Die schönen, effektvollen und trotzdem sehr einfachen Musterreihen, die Lisa Mutch mir hier in diesem Projekt beigebracht hat. Meditativ und genau in dem Masse herausfordernd, dass es riesig viel Spass machte, daran zu stricken.

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So viel Spass, dass ich mich bei meinem letzten Woll-Ladenbesuch nicht zurückhalten konnte- und nochmals zwei Knäuel „Asia“ mit nach Hause brachte. In Marineblau. Dieses Tuch hier wird nämlich nicht bleiben, sondern weiterreisen zu einer lieben Freundin, als ein von ganzem Herzen gern gestricktes Geburtstagsgeschenk.
Allein der Gedanke daran, macht mich ganz seelig. Nichts geht über Geschenke, die man um ein Haar für sich behalten würde, nicht?
Highly addictive…

PS. Ich habe sicher drei Mal neue Fotos eingesetzt in diesen Post, zwei Mal überhaupt Fotos geknipst- und immer noch bin ich schrecklich unglücklich mit den Bildern, die ich euch hier liefere. Die Farben, oh, diese Farben…
Aber irgendwann kommt der Moment, wo man die Dinge stehen lassen muss, wie sie sind. Und bessere Fotos kriege ich irgendwie wohl auch nicht mehr hin…

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9 Kommentare zu Zilver

  1. Ruth sagt:

    Ich finde das Tuch wunderwunderschön!!
    Mit noch größeren Nadeln wäre vielleicht das Muster nicht mehr so gut zur Geltung gekommen..
    (so ist es bei meinem: herrlich weich und tolle Struktur, aber das Muster ist nicht so gut erkennbar. Bei einem Probestückchen mit kleineren Nadeln war es deutlicher..habe mich aber doch für die größeren Nadeln entschieden..)
    Liebe verstrickte Grüße
    Ruth

    • kirschkernzeit sagt:

      Gut, dass du das sagts; ich bin automatisch davon ausgegangen, dass nur die Grösse, Weite und Dichte der Maschen sich verändern, wenn sie lockerer gestrickt sind- dabei hast du ja vollkommen Recht,das Muster verändert sich optisch ja auch mit der Nadelstärke! Daran habe ich gar nicht gedacht bisher… Maschenproben sind hier sicher hilfreich, oder? Ich muss gestehen, dass ich immer nur minimste Maschenproben mache und oftmals auf alte Notizen von mir zurückgreife- dabei hat sich mein Stricken ja auch ein bisschen verändert im Laufe der Jahre… Lieben Dank also für den grossartigen Hinweis! Und für das nette Lob natürlich…

      • Ruth sagt:

        Ehrlich gesagt, liebe Bora, mache ich NIE Maschenproben!(Allerdings rächt sich das manchmal und wieder aufribbeln ist erforderlich..) Hier habe ich nur aus Neugierde eine kleine gemacht…
        Liebe Grüße

  2. Das Tuch ist so schön liebe Bora! Wenn ich solch schöne Dinge sehe bedaure ich es immer wieder, dass meine Hände mir nicht erlauben Stricknadeln für längere Zeit zu halten… so wunderschöne Maschen zauberst du da.
    Liebe Grüße
    Sternie

    • kirschkernzeit sagt:

      Dafür nähst du so vieles, liebe Sternie, da kann ich nur staunen… Für mich ist Stricken einfach entspannender in dieser Phase grade, weil ich dafür im Bett sitzen bleiben kann 😉 Kannst du denn auch keine leichten Sachen machen mit deinen Händen? Socken oder so zB.? Ich kenne jemanden, der bloss bis Nadelstärke 3 arbeiten kann, und bloss mit Wolle, keine Baumwolle, sonst schmerzen ihre Gelenke ganz rasch… Wie ist das denn bei dir?
      Und wegen dem Tuch; Ich dank dir ganz herzlich für dein Lob! Mir gefällt das Muster auch recht gut, und die Wolle ist echt sooooo kuschlig! Dafür bin ich nicht so hingerissen von der matten Farbe… und meine Strickkünste an sich, die sind ehrlich auch nicht so überragend, da liegt der ganze Charme eher in der guten Anleitung als in meinem Können, weisst du…

      • Oh Bora, ich danke dir für deine lieben Worte. Wenn ich im Bett werkeln könnte, wäre ich auch deutlich zufriedener 😉 so viele Pläne habe ich immer im Kopf, aber bei der Kleinen im Bett macht sich das schlecht… Ich habe mir vor 2 Jahren zwei Mützen gestrickt, in kleinen Schritten mit Nadeln in Größe 7 glaube ich, das konnte ich recht gut halten. Mein Problem ist, dass ich die dünnen Nadeln wirklich schlecht halten kann, ich habe eine kaputte Sehne im Zeigefinger. Und dazu leider ganz oft Probleme mit Sehnenscheidenentzündungen und Tennisarm, da macht sich jede Bewegung zu viel leider sehr negativ bemerkbar. Ich häkele seit Ewigkeiten an einem Tuch mit einer ergonomisch geformten Häkelnadel, das geht besser, aber ist auch nichts für jeden Abend. Und leider leider gefällt mir inzwischen die Wolle so gar nicht mehr… sind nicht wirklich meine Farben… aber ich werde es fertig stellen, irgendwann. Bis dahin träume ich weiter und bewundere andere schöne Werke!
        Einen schönen Abend wünscht dir
        Sternie

  3. daniela wiesenberger sagt:

    Hallo Bora,
    das Tuch ist wunderschön, aber ich frag mich ob das deine Tochter ist auf dem Foto? Wow was für eine wunderschönes Foto und Mädchen, bin ganz begeistert. Das Tuch passt perfekt zu ihr. Ein schönes ruhiges Wochenende aus Bayern.
    Dani

  4. Pingback: „Zilver“- in Blau |

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