Zum Trotz

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Soulemama hat den Nagel auf den Kopf getroffen; Da schwelgten wir schon ungehemmt in Frühlingsgefühlen, setzten Salate ein und freuten uns bäumig am frisch grünen Baumlaub- und dann das! Temperaturen wie im Winter, Schnee und Graupel bis ins Flachland, eine Biese, so steif wie Omas beste Leinenservietten… Nein, so sieht der Frühling nun wirklich nicht aus. Der April aber schon. Dieser zumindest.
Ich würde gerne schreiben, dass mir das nichts ausmacht, dass dieser unerwartete, blitzartige Bruch und das Zurückgescheuchtwerden ins warme, sichere Daheim mein inneres Gleichgewicht nicht zu stören vermag. Tatsächlich habe ich diesen Abschnitt ursprünglich begonnen mit „Es ist okay so, ich hadere nicht damit. Nicht mit der Natur.“
Doch dann fiel mir plötzlich ein, wie ungeduldig und gereizt ich war die letzten zwei Tage über, und dass meine scheinbar unerklärlich schlechte Laune vielleicht gar nicht mal so unerklärlich sein könnte, sondern vielleicht ja genau damit zusammenhängt, mit dem Wetter, der Kälte, der Nässe und all dem. Der Satz wurde gelöscht. Denn ich glaube fast, es macht mir etwas aus.
Ein bisschen jedenfalls.
Auf der anderen Seite aber kommt mir diese Kältewelle auch ganz gelegen. Wintergefühle kehren zurück. Ich backe Devil’s Food Brownies mit ganz dick Guss ober drauf und freue mich daran, drinnen im Warmen zu sitzen und mich noch einmal ein bisschen einzuigeln. Auch das hat seinen Reiz, das will ich nicht leugnen.
Ausserdem ist da diese Mütze. Meine zweite Hackberry (die erste war diese hier), grösser diesmal und mit extra dunklem, kräftigen Nachtblau (Tosh DK in der Farbe „Stargazing“). Ich habe sie für eine meiner Schwestern gestrickt- und zwar, psst… zum Geburtstag. „Hackberry“ Nr. 2 passt jetzt natürlich ganz wunderbarst, während ich mir vorher, als alles blühte und schwitzte, schlichtweg nicht vorstellen konnte, wann und wo und mit wem ich sie irgendwie aufs Bild bringen könnte… Nun denn, Aprilwetter sei dank, gibt es jetzt doch noch eine Hand voll Bilder, bevor ich sie einwickle und wegschenke, keine besonders spektakulären Bilder zwar, bloss ein paar olle Schnappschüsse, aber immerhin.
Und zudem… beim Anziehen und Fotosknipsen habe ich gemerkt, wie viel Lust da noch übrig ist, Lust auf mehr, mehr Stricken, mehr „Hackberry“. So ein schönes, einfaches Muster. Ein bisschen slouchy, ein bisschen Perét und passend zu exakt meiner Lieblingsgarnstärke (DK) in meinem Lieblingsgarn (Madelinetosh).
Mein Vorrat an Wolle ist nach wie vor üppig. Meine Stricklaune ungebremst. Und da draussen gibt es massenhaft Geburtstagskinder, die sich vielleicht ja (so hoffe ich) ganz gerne ein bisschen bestricken lassen von mir… Auch jetzt noch, wo der April fast schon um und der Wonnemonat Mai bereits greifbar nahe ist. Wollmützen-Stricken im Frühling? Jawohl, jetzt grad zum Trotz.

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10 Kommentare zu Zum Trotz

  1. Hirundo rustica sagt:

    Schön ist sie geworden!

  2. amselgesang sagt:

    „Jetzt grad mit Fleiß!“ sagt man hier im Schwäbischen, und fleißig bist du wahrlich, liebe Bora! Und diese Mütze – ich weiß nicht, was mir besser gefällt: der lockere, lässige Schnitt oder das herrliche Blau? Ach, beides ist toll!
    Liebe Grüße und fröhliches Weiterstricken (ich sollte mich mal von dir „anstecken“ lassen…)!
    Brigitte

    • kirschkernzeit sagt:

      Na, das mit meinem „Fleiss“ ist ja so eine Sache… Irgendwas muss ja immer liegenbleiben, nicht? Und bei mir kommt dann eben der Schlafviel zu kurz, was auch nicht immer das Gelbe vom Ei ist 😉 Aber ich liebe meinen Strickfeierabend einfach viel zu sehr!

  3. zauberflink sagt:

    Ohhh, ist das eine tolle Farbe! So eine schöne Mütze – ein Glückspilz, deine Geburtstagsschwester!
    Lieben Gruß von Lena

  4. subs sagt:

    Ach wie wahr. Mir geht es ähnlich, ich würde gerne sagen, mir doch egal. Es wird schon warm und heiß… Aber wenn ich an die Natur denke, an die Blüten die jetzt vielleicht nicht bestäubt werden, weil es den Bienen zu kalt ist. Und die Wettervorhersage für die nächsten Tage ansehe.. Hui, da könnte ich glatt ein bisschen depressiv werden.
    Aber… wir können es nicht ändern. Tatsächlich nur das Beste daraus machen. Und du machst das ganz richtig. Und so ein klein wenig freu ich mich auch, dass hier die guten Wollsachen nochmal rausgekramt wurden.

  5. Nicole sagt:

    Die ist aber schön geworden!!! Darf ich fragen ob das Strickmuster schwierig zu übersetzen ist? Hab das wohl schon bei Häkelmustern gemacht, aber bislang noch nicht bei einem Strickmuster …
    Lieben Gruß
    Nicole

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich denke, es ist eher ein einfaches Strickmuster, auch von der Übersetzung her. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es ähnliche gibt, die du auf Deutsch findest und allenfalls sogar kostenlos…? Wenn du es dir aber kaufst und irgendwo nicht weiterkommst mit Übersetzen, dann darfst du aber ruhig nachfragen. Vielleicht kann ich dir ja weiterhelfen…

  6. Oh, Kompliment, die Mütze ist wirklich sehr schön! Ich war schon dabei, ein Sommerkleid für die Tochter zu nähen, aber bei dem Wetter macht es immerhin nichts, dass es jetzt schon zwei Wochen halb fertig hier liegt und wartet 😉

  7. Regula sagt:

    Mir geht’s wie dir. Was sollten mir die Kälte, der Schnee, die steife Biese etwas anhaben, wo ich es doch so schön und gemütlich habe im Haus? Aber oha! Nicht alles was wir uns im Kopf zurechtlegen, erreicht auch das Herz. Ich freue mich trotzdem über mein gemütliches Zuhause und warte geduldig auf wärmere Zeiten. Aber ich gebe zu, ohne Kinder im Haus, erlebe ich das einfacher. Liebe Grüsse von mir

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