Wochen-Ende: Homemaking

Wie vollkommen mittendrin wir doch sind. Mittendrin im Frühling. Und mittendrin überhaupt…
Wenn ich zurückblicke auf die letzten beiden Tage, dann muss ich sofort an all die gefiederten Freunde da draussen denken, die tagein tagaus damit beschäftigt sind, an ihren Nestern zu bauen, fragile Eier immer schön warm zu halten und kleine, hungrige Kükenkinderchen mit Leckereien zu beglücken und vor allem Übel dieser Welt zu behüten.
In gewisser Weise bin ich wohl auch ein Vogel.
Und auch wenn mich manchmal der Koller packt (meistens zwischen fünf und sechs Uhr nachmittags, keine Ahnung weshalb), spüre ich doch, wie gerne ich bin, was ich bin; Mutter. Nestbauerin. Beschützende, warmhaltende, nährende Glucke.
Und ein bisschen ein schräges Huhn.

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Dieses Wochen-Ende konnte ich mich kaum sattsehen, am Goldgelb des frisch gepflückten Butterblumen-Wiesenstrauss, den meine beiden Mädchen mir ins Haus gebracht haben. Buttrig glänzend, so was von golden, und üppig wie ein bäckerfrisches Brioche dick bestrichen… ein Geschenk, oh ja, ein echtes Geschenk. Und daneben dann das dünne Bündelchen Löwenzahn in seiner Vase. Mein älteres Mädchen zupft immer die grüne Halskrause weg, sobald die Blütenblätter verwelkt sind, und sucht nach den kleinen, weichen Schirmchen-Ansätzen. Die unerwartete Weichheit dieses Zwischenstadiums -nach der Blüte aber noch vor dem vollreifen Samenstand- fasziniert sie. Und mich auch. Wir Frauen sind wohl einfach gepolt auf alles, was weich, zart und schmusig ist… Vielleicht bin ich ja auch deshalb so verliebt in weiche, warme Kuschelwolle?
Der kleine Ball hellgrauer Wolle jedenfalls tut bereits wieder seine Wirkung; kaum habe ich die ersten paar Maschen angeschlagen (für eine weitere „Aibhie’s Hat“– die erste in Lagunenblau ist seit Freitag fertig und ich mag sie mehr als ich beschreiben kann), bin ich wie verzaubert, ganz verwunschen und magisch an meinen Strickkorb gebunden. Auch jetzt beim Tippen ziept und zerrt es in mir und meine Finger sehnen sich nach ein bisschen mehr Ajour…

Herr Kirschkernzeit hat viel gewerkelt dieser Tage, im und ums Haus, hat Böden weiss gepinselt, Wachs aufgetragen und wieder abgerubbelt und ein Gehege für die Meerschweinchen aufgebaut, die diesen Frühling dann, sobald die Temperaturen verlässlich bleiben, draussen auf der Wiese ihr neues Daheim beziehen dürfen.
Ich mag es, wenn die Dinge sich entwickeln. Auch wenn es Zeit kostet und uns allen Opfer abverlangt, auch wenn freie Zeit, Gemeinsamkeit, Ruhephasen stellenweise zu kurz kommen deswegen. Ein Nest zu bauen, für uns und unsere Kinder, ist uns… zur Natur geworden. Zur Aufgabe und Leidenschaft, und ich denke, auch zur ganz grossen Freude…
Ich freue mich an diesem Haus. Ich freue mich an dieser Familie, an der wir bauen und wirken und ein Stück weit vielleicht auch blindlings und blauäugig experimentieren, mehr aus dem Bauch heraus denn mit echter Sachkenntnis. Doch ich glaube an die Intuition. Und an den gesunden Menschenverstand, der, vernetzt mit Mutter/Vaterliebe, wahrscheinlich meistens richtig liegt.
Das grosse Familienaufräumen am Samstag haben wir auf Eis gelegt. Zu viel Druck und Stress, das wurde mir irgendwann bewusst. Dafür tagt seit ein paar Wochen jeden Sonntag zum Dessert die kirschkernzeitsche Familienkonferenz und beratschlagt über Sorgen, Nöte und Wunschlisten aller Versammelten. Eine feine Sache, das. Und wirklich wirkungsvoll. Ich bin mehr als erstaunt, wie gut wir schon das eine oder andere bisherige Dauer-Streit-Thema auf diese Weise in den Griff bekommen konnten- auf eine für alle vertretbare Art und Weise. Vor allem aber fühlt es sich so herrlich besonders an, wenn wir uns alle versammeln, um zu grübeln, zu diskutieren und zu lamentieren- und dazwischen immer mal wieder herzlich zu lachen über diese ganze Ernst-Tuerei *zwinker*.
Es gab viel Gutes dieser Tage. Die ganzen anderen Momente, die weit weniger idyllisch und bullerbü-mässig harmonisch sind, die ignorieren wir jetzt ganz einfach mal und freuen uns an den Perlen.

Hach ja. Knöpfe, die sich lösen. Zimmer, die so langsam, langsam fertig werden, bereit, von einer gewissen, jungen Dame bezogen zu werden. Fröhliche Filzengelchen von Allerleirauh, die mich mit ihrem Charme bezaubern und bald schon nett verpackt zum einen oder anderen Geburtstagskind flattern dürfen (oder soll ich eins davon gleich selber behalten…?). Frühlingsblüher, Tiergehege und Kaffee in kitschig-schönen Trödler-Tassen. Dazwischen ziemlich laute, ein bisschen verrückte, kleine bis grosse Menschenwesen.
Das sind wir. An diesem verregneten Wochenende Ende des Monats April.

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11 Kommentare zu Wochen-Ende: Homemaking

  1. Juliane sagt:

    Das Osterhasenbild ist genial, ganz toll!

  2. Wollwesen sagt:

    Wie schön es wieder einmal ist, in einen Deiner Texte einzutauchen, mich fast wie mit einbezogen in Euren warmen Familienkreis zu fühlen!
    Ich habe für heute (länger wage ich nicht vorauszudenken) auch den starken Vorsatz, mich von allem Unharmonischen (bzw. eigenen dunklen Gedanken) nicht so sehr aus der „loslassenden“ Bahn werfen zu lassen.

    Viele liebe Grüße
    von
    Helga

    • kirschkernzeit sagt:

      Genau das hab ich mir heute (also einen Tag nach diesem Post hier) auch auf die ToDo Liste geschrieben. „Keep Cool“ stand da drauf. Aber geschafft hab ich’s nicht *seufz* Meine Laune war schlichtweg zu kümmerlich und zu reizbar heute… Komisch, dass einem am einen Tag alles rosig und leicht erscheint (oder „vieles“ wohl eher) und am anderen Tag schon findet man haufenweise Haare in der Suppe. Ganze Schöpfe manchmal sogar 😉
      Aber morgen ist auch noch ein Tag. Immer wieder. Mit neuen Listen und Vorsätzen für uns.

  3. Katharina sagt:

    Ich freue mich immer sehr, wenn ich eines oder sogar zwei, meiner Geschöpfe in deinem Blog entdecke.
    Liebe Grüsse
    Katharina

  4. subs sagt:

    „Ein Nest zu bauen…“ – das könnten worte von mir sein. Genaus geht es mir.. uns auch!! <3

    • kirschkernzeit sagt:

      Weiss ich doch 😉 Bei dir ist das aber sicher gleich nochmals so intensiv (und wunderschön!), weil du im richtigen Netsbaufieber bist (sein darfst *schmelz*). Bald schon hast du noch ein Kindlein, kannst du das fassen?

  5. zauberflink sagt:

    So anstrengend und ermüdend und so schön und lebendig und mitreißend, dieses Mittendrinsein! Besonders das Bild von deinen Kindern am Tisch zeigt dies auf zauberhaft sonnige Weise!
    Liebe Grüße von Lena

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, du triffst den Nagel auf den Kopf; wie durchzogen diese Tage doch sind, von einem Augenblick auf den anderen wieder anders…

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