Hackberry

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Heute ist Oma-Tag. Oma-Tag für vier meiner Kinder, was bedeutet, dass der grösste Teil meiner Familie bei einem Ausflug in den Tierpark, beim Eisschlecken und danach im McDonalds (hey, wenn schon denn schon) eine höchst vergnügliche Zeit verbringt. Mit meiner Mama, die das alles ganz locker aus dem Ärmel schüttelt -sehr viel lockerer als ich das jemals fertig brächte- und die ihre helle Freude hat an meinen Rabauken und diesem herrlich sonnigen, warmen Frühlingstag.
Vor vielleicht drei Jahren hat meine Mutter beschlossen, immer einmal im Jahr einen vollen Tag für ihre Enkelkinder zu reservieren, einen Tag, der irgendwie besonders ist, vollgepackt mit schönen und guten und vor allem ausser-gewöhnlichen Dingen, eine Art Feier-Tag, hochoffiziell und mit grossem Engagement.
Nicht dass die restlichen 364 Tage keinen Platz hätten für ihre Enkel- ganz im Gegeteil! Nichts ist ihr lieber und jederzeit willkommener, das wissen und spüren wir alle immer wieder.
Wann immer mich der Heimchen-am-Herd-Koller überwältigt, packe ich Kinder, Wagen und Tragetuch und wandere meine eineinviertel Stunden über den Hügel, bis ich dann ankomme. Bei ihr. Im Haus, wo ich aufgewachsen bin und mich immer sehr, sehr daheim fühlte. Ich kann kommen, wann immer ich will; meine Mama öffnet uns sofort Tür und Herz und lässt alles stehen und liegen, um voll und ganz für uns da zu sein. Sie ist ein echter Segen. Nicht nur für mich. Ein Anker und Hafen.

Die Bilder des kleinen violetten „Hackberry“-Strickmützchens für meine Kleine sind in ihrem Garten entstanden. Wo immer alles irgendwie unfertig ist- und trotzdem schön, betrachtet mit meinen Augen. Der Rasen besteht mittlerweile mehr aus Blumen und Gräsern denn aus Rasengras, doch meine Mädchen pflücken Löwenzahn, Margritli und Schlüsselblümchen und finden alles ganz wunderbar so, wie es ist…

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„Hackberry“ ist einfach und schnell gestrickt, hat aber -und genau das hat mich so richtig begeistert- genügend Abwechslung im Muster, um das Stricken interessant zu halten. Ich habe schon so viele Strickstunden einzig mit glatt rechten Maschen verbracht- so langsam, langsam sehne ich mich nach ein bisschen mehr Herausforderung, nach ein klein wenig Denkarbeit beim Nadeln. Mit Betonung auf „ein klein wenig“. Denn dass meine Konzentrations-Spanne bereis schon mit Lacemustern klarkommen würde, ziehe ich stark in Zweifel. Aber so ein „Hackberry“-Muster aus wohl verteilten rechten und linken Maschen und einem feinen Patentmuster mit Lochmusterstreifen im Bündchen, das geht doch schon ganz gut…

Ich bin recht zufrieden mit diesem Mützchen. Das Strickmuster von Ginny Sheller (das es im März für eine Weile kostenlos zum Downloaden gab) liest sich einfach und ist auch so zu stricken. Die Wolle, ein bisschen mehr als ein halber Strang „Tosh DK“ in der schönen, dezenten Farbe „Night Bloom“, empfinde ich als wunderbar weich und auch optisch äusserst schmeichelnd (wenngleich ich denke, dass das Muster nicht so schön zu Geltung kommt wie bei einem rein einfarbigen, helleren Garn). Ich habe mich fast ganz an die Anleitung gehalten, die Grösse „Little Child“ gewählt für meine bald 4jährige und nur das Bündchen ein bisschen höher gearbeitet und auch nachher noch vielleicht einen Zentimeter dazugegeben, weil es mir wichtig ist, dass Mützen immer mindestens bis über die Ohren reichen, wenn man ordentlich daran zieht. Die für das Bündchen verlangte Nadelstärke 3.75 hatte ich nicht gleich zur Hand, weshalb es bei mir -gearbeitet mit Nadeln Nr. 4, wie der Rest des Mützchens- wohl ein wenig lockerer ausfällt als gedacht, doch das ist nicht weiter schlimm, finde ich. Im Gegenteil, für einen Kinderkopf wie den meiner Kleinen mag es so vielleicht sogar angenehmer zu tragen sein als satt und eng anliegend…

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Leider hat das Ganze einen Haken. Nicht das Muster, nicht die Wolle, nicht das fertige Mützchen mit seinem schönen, welligen Abschluss (der auf dem obigen Bild einzig deshalb ein bisschen merkwürdig aussieht, weil meine Kleine ihr Haar darunter in einem straff aufrechten Rattenschwänzchen trägt und darum alles ein bisschen verzogen ist).
Das Problem ist so simpel wie traurig: Mein Kind mag sein neues Mützchen nicht besonders. Sie würde es tragen, keine Frage, sie trägt es auch, wenn ich es ihr überziehe, aber so richtig Lieblings-Potential hat es wohl doch nicht bei ihr. Und irgendwie ist es genau das, was ich mir wünsche, wenn ich für meine Kinder stricke; dass sie meine Sachen gerne mögen, von Herzen gerne und sie auch gerne anziehen, vollkommen freiwillig.
Hmm…
Ich kenne so was. Nicht alles, was ich stricke oder nähe, kommt so bei meinen Lieben an, wie ich es mir vorgestellt und erträumt hatte. Und ich finde, das soll auch seinen Platz haben, Kritik, ein freundliches, ehrliches „die Wolle ist einfach ein bisschen kratzig“ oder „Ich finde die Löcher so komisch“ (so die Meinung meines Töchterchens zu ihrer „Hackberry“). Diese offenen Worte sind mir allemal lieber, als wenn meine liebevoll gemachten Hand-Arbeiten hinten im Schrank ein tristes, hoffnungsloses Dasein fristen und alle sich irgendwie schuldig und belastet fühlen, wann immer ein Zipfelchen davon zum Vorschein kommt…

Was genau mit dieser kleinen „Hackberry“ geschehen wird, ist mir selbst noch nicht ganz klar. Vielleicht schenke ich sie an irgendein kleines, mützchenliebendes Mädchen, das Düsterlila mag und sich auch von Lochmusterreihen nicht abschrecken lässt. Oder ich lasse das Ganze beherzt noch einmal auf und wage einen Neustart mit einem anderen Projekt, das mich schon viel zu lange reizt, ohne dass ich ihm bisher eine Chance gab.
Vielleicht lasse ich es aber auch einfach noch eine Weile lang so wie es ist. Mit Lochmuster und allem drum und dran. Kindergeschmäcker ändern sich manchmal wie der Wind- und wer weiss, vielleicht arbeitet die Zeit diesmal ja sogar für mich. Und für „Hackberry“…

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2 Kommentare zu Hackberry

  1. Resi sagt:

    Liebe Bora,
    das Mützchen sieht herzallerliebst aus und steht deiner Kleinen ganz wunderbar. Die Farbe ist ein Traum. Ich kann es dir gut nachfühlen wie es ist, wenn die Kinder manchmal die Sachen doch nicht mögen (obwohl sie es sich so wünschten). Doch das kann sich in der Tat schnell ändern und es wird manchmal sogar ein Lieblingsstück. Dir weiterhin viel Spaß beim Stricken und deiner einzigartigen Weise, Dinge so schön in Worte zu fassen.
    Liebe Grüße Resi

    • kirschkernzeit sagt:

      Danke, liebe Resi! Ja, hoffen wir hier erst mal noch ein Weilchen weiter 😉 Die Farbe hatte sie ja ursprünglich sogar selbst ausgesucht- allerdings war es wohl eher ich selber, die sie toll fand und mit einem „Na, findest du diese Wolle hier nicht auch schön?“ ergatterte ich mir so quasi ihren Segen dazu 😉 Nicht so klug von mir. Mittlerweile hab‘ ich rausgefunden, welche Farbetöne sie WIRKLICH mag: Rosa (klar), Weiss, Gelb und Rot. Wobei das auch eher eine Momentaufnahme ist, genau wie du es sagst; das ändern sich ja ständig ein bisschen…
      Nochmals Danke für deine Worte und liebe Grüsse!

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