Pulswärmer Ela-Style

Posts wie mein vorletzter machen mir immer ein bisschen Bauchweh, nachdem ich den “Veröffentlichen”-Knopf gedrückt habe.
Weil Posts dieser Art Angriffsfläche bieten. Und vielleicht anders verstanden werden, als ich dachte, anders als ich es eigentlich meine.
Geschriebenes hat überhaupt diesen schwachen Punkt: ihm fehlen Klang und Mimik und die feinen Zwischentöne aus Körpersprache oder Wortbetonung, Sprachtempo. Und keiner, der liest, kann Zwischenfragen stellen oder mir mit einem Stirnrunzeln zeigen, dass er so mit dem, was er in meinen Worten wahrnimmt, nicht einverstanden ist.
Es ist schwierig, beim Schreiben ein Fettnäpfchen zu erkennen, bevor ich hineingetreten bin und die wunden Punkte (ausgerechnet!), die ich manchmal völlig unbeabsichtigt treffe, machen mir gnadenlos bewusst, wie heikel das Schreiben doch sein kann…

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Aber nicht, wenn es ums Stricken geht!
Strickposts sind der absolute Balsam für meine Blogger-Seele. Frei fühlen sie sich an, leicht und gänzlich ohne Nervosität, ohne jedes Risiko, einfach nur schön und unverfänglich für mich zu tippen.
Ich rede so gerne übers Stricken. Vor allem hier, in diesem Rahmen, wo ich mich umrundet fühle von Frauen, denen es ebenso geht. Draussen im Alltagsleben fallen kaum zwei Sätze übers Stricken, ohne dass ich mir altjüngferlich und langweilig dabei vorkomme. Gespräche über Wolle (ja!) und Muster (fein!) und die neuesten Projekt-Entdeckungen bei Ravelry (wie spannend!) müssen einfach grässlich langweilig sein für jemanden, dem das Stricken (oder Häkeln) nicht viel sagt, nicht wahr?
Aber hier, so ganz unter uns Woll-Liebenden, spüre ich ihn- den Geist echter Strickleidenschaft. Er öffnet mir Augen, Ohren und Mund- und lässt alles fliessen, hinein in ganze Wortfluten…
Ich schreibe einfach wahnsinnig gerne übers Stricken.
Diese violett-lila-rosa-farbenen Armstulpen sind grade vor kurzem fertig geworden. Nach den eher simplen Rippchen-Stulpen der letzten Zeit, habe ich mir ein Herz gefasst und dem Patent-Muster von Elas Beinstulpen aus “Stricken durchs Jahr” eine Chance gegeben. Nicht umsonst: Ich habe es enorm genossen! Nicht zu schwierig, nicht zu fade, nein, für mich schlichtweg goldrichtig, so ein Patentmuster. Wer hätte das gedacht… Also, ich nicht, um ehrlich zu sein. Ich dachte eigentlich immer, ich wäre der grundsolide Glatt-Rechts-Typ…
Nun, an sich sollten lange, warme Beinstulpen aus dieser Wolle werden. Für mein Mädchen, das so oft Leggins und Röcke trägt, auch im Winter. Doch nachdem ich die ersten Anfänge meiner Beinstulpen schon einmal aufgelassen hatte, weil sie mir zu locker vorkamen, schlug ich versehentlich beim zweiten Versuch zu wenig Maschen an (30M mit Nd. 5.5), und das ganze wurde schlichtweg unbrauchbar eng für ein paar Kinderbeine. Also machte ich kurzentschlossen auf halber Höhe halt und erklärte meine misslungenen Beinstulpen zu hoffentlich gelungenen Kinderpulswärmern.
Die aber sitzen jetzt wiederum ein Mü zu locker an den schmalen Handgelenken meiner Tochter. *Augenverdreh*
Was soll’s? Kinderarme wachsen, das gehört mit zu ihrem Job, und für den Notfall bekommt mein Baby eben lilafarbene Babystülpchen über seine bestrumpften Babybeinchen…
Ausserdem ist das Garn zu unserem absoluten Liebling geworden, praktisch vom Auspacken der Wollieferung an. Was für eine Farbenpracht! So fein und romantisch und irgendwie ganz herrlich perlmuttig schimmernd- perfekt für Prinzessinnen und Elfenwesen aller Art…

Hach ja, das Stricken. Wie wunderbar ist sie doch, diese Art von Leidenschaft, wollig und warm und sinnlich und … ja … doch so unverfänglich und einfach und unschuldig auf ihre Art.
Schön, darf ich hier darüber schreiben.

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7 Antworten auf Pulswärmer Ela-Style

  1. Biggi sagt:

    Hallo Bora,
    ich schreibe nur selten mal einen Kommentar, aber heute muss es sein.
    Dass dich nach solchen postings wie dem vorletzten ein leises Bauchgrummeln beschleicht, kann ich nachvollziehen. Mit solch offenen Texten lässt du uns Leser ein tiefes Stück in deine Seele schauen, hinter die Fassade blicken. Du gibst ein Stück von dir und damit machst du dich angreifbar und wirst verletzlich. Z.B. durch blöde Kommentare.
    Genau diese Offenheit ist aber das Besondere, was für mich dieser Blog ausmacht. Ich lese ihn seit Jahren und finde ihn ganz wunderbar.
    Ich sehe deine Kinder aufwachsen in einer ganz wunderbaren Familie. Eingehüllt in einen Kokon aus Liebe, Zusammenhalt, durchaus auch Chaos. Einerseits beschützt und doch mit ganz viel Raum, um sich zu entfalten.
    Meine Kinder sind schon erwachsen und doch geben mir deine Zeilen ganz oft sehr viel.
    Zweifel nicht an deinen Zeilen. Sie sind für viele ganz wunderbar und authentisch. Ich habe schon so viele Blogs von meiner Liste gelöscht, weil sie so oberflächlich waren , nur auf Commerz aus. Deiner ist Leben pur mit allen Hochs und Tiefs. Nicht perfekt aber real und damit so besonders.
    Ich hoffe, wir dürfen euch als Familie noch ganz lange begleiten.
    Ach ja: die Stulpen gefallen mir auch. :-)
    Liebe Grüße Biggi

  2. Hach sind die schön! Und ich finde es immer wieder bewundernswert was du alles machst, wirklich!
    Einen kreativen Tag wünsche ich dir!
    Lg Sternie

  3. lila sagt:

    Liebe Bora,
    auf das Du weiter so freiherzig und authentisch schreiben magst!
    Ich denke, viele lesen genau deshalb deinen Blog ❤️.
    Der. Vergleich kinderlos, 100% extern arbeiten zu kinderreich und 100% intern arbeiten; ist wie Äpfel mit Bananen vergleichen.
    Ich versuche mich garnicht mehr darauf einzulassen. Nicht einfach und weisch, Fettnäpfli gibt s immer, ich für mich finde sie immer wieder *räusper*.
    Mit dem Thema stricken hast Recht. Nähen tun fängs viele junge Mütter/Frauen, beim stricken wandern öfters die Augenbrauen in die Höhe *schmunzel*. Wenn dann noch einfliesst, dass wirmit Stoffwindeln wickeln *lach*; haben wir das Schublädchen voll * fescht schmunzel*.

    Auf dieStricknadeln, auf unsere glänzenden Mama-Augen beim Wolle streicheln; meine Meditation. Einfach, bodenständig und wohltuend.-

  4. Oh da musst ich erstmal nachlesen, bin gerade nicht ganz dabei. Wie schaffen diese Mamas es auch noch an den PC? ;o)
    Dein Kleid auf den Fotos sieht so schön aus.
    Immer weiter mit Babyschritten!
    Herzlichen Gruß!

  5. Cora sagt:

    Liebe Bora!Ich finde es so schon,wie offen und ehrlich du hier in deinem Blog über dein Leben oder das Leben von dir und deiner Familie schreibst!Deine Worte sind immer so bereichernd,ehrlich.Wir alle sind nicht perfekt.Wie würde unser Leben aussehen ohne die kleinen “Missgeschicke”,die einem tagtäglich passieren und trotzdem sehr,sehr viel fürs Leben bringen.Einfach dazugehören.Was macht Glück aus?Genau dies alles.
    Ich weiss,dass du nicht jammerst(abgesehen davon,wieso sollte man,wenn auch nicht mal jammern dürfen??).Du erzählst davon,wie das Leben,dein Leben oder das Leben mit deiner Familie sich zeigt oder du erlebst oder ist…oder wie auch immer.Es ist wunderschön in deinem Blog zu lesen und dass du uns teilhaben lässt.Man kann fühlen,wie du deine Kinder,deine Familie liebst und wie ehrlich deine Worte gemeint sind.
    Ich bin nicht so gut im formulieren und finde jetzt die ganz treffenden Worte.Aber ich denke,
    du weisst,was ich meine.Danke dir!
    Und wem es nicht passt,muss ja auch nicht mitlesen;)
    Ganz liebe Grüsse
    Cora

  6. Mariana sagt:

    Liebe Bora, auch ich kommentiere hier so gut wie nie und lese doch meistens mit. Ich finde Dein Blog und Deine ehrliche, natürliche Art ganz wunderbar. Und auch wenn ich es Dir schon mal per Mail geschrieben habe, hier nochmals: Wie Du das alles schaffst finde ich unglaublich inspirierend. Mach bitte einfach weiter so und lass Dich von keinem negativen Kommentar aus der Balance bringen. Danke für das Teilen Deines Alltags, Deiner Inseln und Deiner Gedanken mit uns Leserinnen!

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