ungeduldig

DSC_5069 DSC_5051 DSC_5072 DSC_5110

Die Sache mit der Ungeduld verfolgt mich schon seit jeher. Ich mag es gar nicht, wenn ich warten muss. Schon gar nicht auf Dinge, die ich bittedanke gerne  haben möchte.
So wie Ferien. Feierabend. Zeit für mich. Näh- und Strick- und Hörspielpäuschen. Bevorzugt ausgedehnt.
In letzter Zeit denke ich sehr oft an diese Sachen. An Pausen aller Art, an Momente, wo ich mein Ego hätscheln und verzärteln kann soviel ich möchte, mit genau den Häppchen an Wohlfühlkost, die mir schmecken.
Ich weiss nicht, wie andere Mütter das machen… aber irgendwie will es mir einfach nie so recht gelingen, mir im Alltagsfamilienleben Raum zu schaffen für diese Art von Leben. Fürs Kreativ- und Ichbestimmtsein. Auch als Mama. Mittendrin. Fürs Stricken am Kamin, während spielende Kinder zufrieden zwischen meinen Beinen rumwuseln. Fürs Nähen am hellichtheiteren Nachmittag. Für richtiges, intensives und unbarmherziges Entrümpeln (mit Kindern ganz, ganz schwierig. Vor allem wenn’s um Bücher, Spiele oder Spielzeug geht…) Fürs Jäten und Pflanzen und Ernten und den Wind auf der Nase spüren in einem richtigen Garten. Mit Gemüse. Mit Blumen. Fürs Handwerken und Selbermachen. Für all das. Eben.
Dabei stelle ich mir das ganz wunderbar vor.
Es wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben, wie andere es schaffen, ihre ureigensten Bedürfnisse und Leidenschaften auch wirklich zu leben- und dabei eine Horde Kinder grosszuziehen. Muttersein und ein Hof. Muttersein und ein grosser Garten. Muttersein und ein hübsches, sauberes Zuhause. Muttersein und die Hände frei für Dinge, in die ich mich gerne versenke, beim Werkeln und Wirken und das manchmal sogar (wie aufregend!) ausser Haus und ganz alleine.
Muttersein und ein selbstbestimmtes Leben. Das klingt wunderbar, verlockend, schön.
Auch ich gebe mir auch Mühe, ja, ganz ehrlich. Ich stelle mir Listen auf und versuche, meine Leidenschaften für wichtig zu erklären, sie zu verteidigen und zu beleben, doch egal wie sehr ich mich auch anstrenge und wie oft ich mir mein Mantra auch vorbete, –„Bleib locker, Bora, bleib locker, lass los“- es vergehen stets nur ein paar seelige Minütchen des Nadelgeklappers/Stoffebefingerns/Gartenbetrachtens… und schon steht eines meiner Kinder da, zumeist eher in grösseren Gruppen, und will irgendwas von mir. Wegscheuchen hat keine Zweck, das weiss ich längst. Wenn eines geht, dann kommt das nächste oder sie horden sich anderswo wieder zusammen und lärmen und wüten bis ich eingreifen muss. (Ok. ich übertreibe ein wenig). Ausserdem steht das Abendessen an, die Wäsche gammelt klamm und feucht in der Zaine vor der Maschine vor sich hin und ich bleibe bei jedem Schritt fast kleben, so bröselig ist der Küchenboden…
Nein, für diese Art von Leben -kreativ, frei und selbstbestimmt- ist die Zeit wohl einfach noch nicht reif. Oder ich noch nicht, wer weiss. Es ist wie es ist und meine Tage gehören diesen kleinen bis grösseren Rackern und dem Zuhause, das ich zu schaffen versuche, da kann ich einfach nicht aus meiner Haut.
Und es ist okay so.
Meistens.
Meistens liebe ich mein Leben.
Meine Familie, dieses Bienennest, liebe ich immer. Heiss und innig.
Und manchmal entdecke ich ganz verblüfft und entzückt, dass es vielleicht ja doch möglich ist -ein klitzekleines bisschen wenigstens- dieses kreative Selbst leben zu lassen, auch inmitten einer grossen, wilden, aufgeweckten Familie.
Wenn urplötzlich aus alten T-Shirts ein Häkelteppich entsteht. Wenn mein braunes Babystrickjäckchen nur noch auf Knöpfe wartet. Wenn eine weitere Tasche sich mit Büchern und anderem füllt, ausgemustert, bereit für den Trödler. Wenn ich ein kleines, rot bemaltes Fitzelchen Papier finde, das meine Kleine mir stolz als ihr selbstgemachtes „Mäuschen“ vorstellt. Wenn mir klar wird, wie viel kreatives Leben vielleicht genau aus dem Chaos und der Wuseligkeit und meinem ganzen, ziellosen Gewurstel in diesem Hauses entstehen kann… Häppchenweise. In Minischrittchen. Unberechenbar und unterbrochen. Und mit viel Geduld.

Denn eins ist klar; mir werden die Möglichkeiten ganz bestimmt nicht ausgehen, es noch eine Weile weiter zu üben, das mit der Geduld…

DSC_5104

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Dieser Beitrag wurde unter aus meinem tagebuch, Dankbarkeit, Familienalltag, Häkeln, Kinder, kreativ am Rande, Stricken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Kommentare zu ungeduldig

  1. Regula sagt:

    Oh je! Was ich im Verlauf meiner Familienjahre gelern habe: Es scheint nur so, dass andere schaffen, was wir uns wünschen. Und du übst täglich Geduld (musst dich nicht mal extra bemühen), glaub mir. Wenn die Kinder ausgeflogen sind, bist du eine Meisterin in Geduld. Vertrau mir in dieser Sache! Liebe Grüsse von Regula

    • kirschkernzeit sagt:

      Danke von Herzen für diese auferbauenden Worte! Ich hoffe mal, dass ich es mal zur Geduld-Meisterin bringe… 😉

  2. Susi Sorglos sagt:

    Ohja, liebe Bora, ich verstehe dich vollkommen. Aber die Illusion, alles schaffen zu können und gleichzeitig entspannt an meinen Hobbys zu sitzen, habe ich längst aufgegeben. Heute ist mal der Haushalt und die Kinder dran, morgen ich und meine Streichelstoffe, das Yoga oder was auch immer.
    Ich habe mal gelesen, auch wenn sie mal gestorben sind, wird ihr Korb mit unerledigtem nicht leer sein.
    Genieße was du tust, was auch immer es ist.

    Lg Susi

    • kirschkernzeit sagt:

      Alles schaffen, ne, das geht wohl einfach nicht… Was ich wirklich gerne besser können würde: mit mehr Struktur in meinen Tag gehen. Machst du eigentlich Listen für den Tag? Oder einfach mehr nach Gefühl?
      Auf alle Fälle: VIELEN Dank für deinen Comment! Ich hab mich sehr gefreut!

      • Susi Sorglos sagt:

        So grob lege ich mir schon zurecht, was wann gemacht werden sollte. Aber nunja, erstens kommt es anders und zweitens wie Kind es will.
        Aber egal, es gibt diese und jene Tage, thats life!

  3. Moni sagt:

    Es ist erstaunlich wie du die Dinge in Worte fassen kannst! Ich kenne das so gut mit der Ungeduld – das Gefühl einfach mal wieder was für mich tun zu wollen. Aber ich schaffe es ohnehin schon viel besser, weil mein Jüngster schon 4 1/2 ist und die drei auch schon eine Zeitlang alleine spielen. Aber meistens wenn ich dann irgendwas kreatives für mich mache und gestalte, sitzen sie ganz schnell alle drei dabei und wollen zumindest zuschauen, oft auch sofort mitmachen (was dann schon wieder weniger entspannend ist) Andererseits freue ich mich natürlich gleich, wie kreativ meine Kinder auch sein wollen. Es ist wirklich nicht einfach.

    • kirschkernzeit sagt:

      Ja, die Balance zwischen Miteinbeziehen und Selberdranbleiben ist wirklich schwierig, das finde ich auch. Nicht bloss bei Dingen, die wir als „Hobby“ betrachten, sondern auch beim Kochen/Putzen/Aufräumen/Gärtnern etc. Mit ganz kleinen Kindern finde ich das besonders herausfordernd… Aber auch schön! Du hast recht, ja! Auch ich finde es dann wieder ganz wunderbar, wenn eines sich auch wirklich mit mir hinkniet und mithelfen oder mitmachen möchte. Irgendwie sind genau diese Momente manchmal auch ganz besonders verbindend und schön, oder?
      Vielen Dank fürs Kommentieren und liebe Grüsse!

  4. Innilisi sagt:

    Liebe Bora.Sei getröstet,ich glaube das klappt bei keinem.Oder wenn dann kann ich es mir nur auf Kosten der Kinder vorstellen und das ist ja auch nicht der Sinn der Sache.Hier mit 2 Kindern(3 und 0,5) ist es so dass zwar der große Garten einigermaßen aussieht und die Ernte immer gut ist,dafür komm ich kaum an die Nähmaschine (auch wortwörtlich da man im Nähzimmer kaum noch den Fußboden sieht) und das Haus…Achja,ein sauberes Bad, geputzte Fenster und gewischte Böden werden evtl auch überbewertet.Ich bin froh wenns für jeden noch eine saubere Kleidung gibt und was halbwegs ordentliches zu essen.Trotzdem klagt mein Bub oft ich wär immer am Waschen und Kochen…Irgendwie wurschtel ich mich so durch und hoffe dass meine Kinder trotzdem gerne an zuhause zurückdenken.Grüße Lisa

    • kirschkernzeit sagt:

      Das mit dem Gefühl, immerzu am Waschen/Kochen/Aufräumen zu sein, das kenn‘ ich glaubs auch irgendwie 😉 Ich fühle mich schon sehr getröstet, wenn ich deine Zeilen so lese… „Schön“, dass es auch anderen so geht wie mir…

  5. Frau Krähe sagt:

    Liebe Bora
    Wie wahr, wie wahr! Es geht allen genau gleich, ich schwörs! Mit kleinen Kindern kommt man zu nichts (fast immer)! Ich übe mich darin, zufrieden zu sein, wenn ich alle einigermassen trocken und satt durch den Tag kriege. Einmal die Waschmaschine zu füllen oder mit dem Staubsauger durch die Stube zu flitzen: ein Erfolg! Etwas „Eigenes“ (neben/mit den Kindern, z.B. eine Reihe stricken) zu schaffen: Goldmedaillenstatus! Ich liebe „meine“ stillen Nachtstunden, aber dann kommt mein Schlaf zu kurz. Bitter vergiss nicht, dass viele Bloggerinnen „kinderfreie“ Stunden haben (in Deutschland meist vormittags, da dort ausserfamiliäre Betreuung auch von Kleinkindern eher üblich ist als hier). Jeden Morgen nur schon 2 Stündchen ungestört für sich, eine Arbeit oder einen Haushalt,… da kommt man sehr weit! Ich kann dir versichern, ich kann nur tun, was ich tu, weil mein Mann und ich uns die Kinderbetreuung teilen und meine Woche immer wieder kinderfreie resp. verantwortungsfreie Fenster (wir sind zusammen, aber er ist die Anlaufstelle für Klobesuch, Legobauhilfe, Streit-Schlichtung,…) für mich bereithält. Ich kann nicht einmal kochen und zu den Kindern gucken. Deshalb kocht hier seit Jahren auch der Mann (weil ich jeweils vor dem Essen die Babys stillte, ergab sich das so, danach haben wir es beibehalten). Kinder sind ein Fulltimejob, das muss man sich immer bewusst sein. Ich für meinen Teil staune auf jeden Fall immer, was du alles zustandebringst mit/neben deinen Kindern!
    Liebe Grüsse, Martina

    • kirschkernzeit sagt:

      Ach du Gute! Ich hab deine Zeilen sooooo gerne und so oft gelesen! Echt Balsam für mich, Dankeschön!!! Und ich glaube, du verstehst genau, was ich meine; wie schwierig ich es finde, meine „Aufgaben“ zu schaffen und gleichzeitig die Mutter zu sein, die ich gerne sein möchte, so, dass ich irgendwie mit den Kindern bin und trotzdem zu den Dingen komme, die ich liebe, nicht unbedingt „nur“ im Bonusbereich „Hobby“, sondern vor allem auch dort, wo es in meine eigentlichen Hausfrauenbereiche hineinfliesst, wie Essenmachen oder gut zum Haus, zum Garten schauen, für meine Familie sorgen mit Kleidern und liebevoller Betreuung, gesunder Nahrung etc…
      Vielen, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast beim Tippen. Es war wirklich eine Freude, deine Worte zu lesen!

  6. Sonja sagt:

    Oh ja 🙂 da müssen wir wohl lernen, die Momente zu genießen, wenn wir Zeit nur für uns haben. Und (bevor gar nichts mehr geht), andere Menschen mit einbeziehen! Um Kinder groß zu ziehen, bedarf es ein ganzes Dorf. Teilen wir das Gepäck auf mehrere Schultern, ist die Wanderung um einiges Leichter für alle 🙂 Ich fühle mit dir.
    Liebst, Sonja

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, Hilfe annehmen… Nicht immer so leicht- aber ich lerne dazu;-) Grade heute war meine Mama wieder hier bei mir und wir haben uns alles ein bisschen geteilt über MIttag, vom Essenmachen übers Flicken einer schwarzen Kinderjeans bis zum Geschichtlivorlesen für die Kleinen… Schön! Und viel, viel leichter.

  7. Astrid sagt:

    Ach ja…diese Frage, ob ich auch noch ein eigenes Leben habe, stelle ich mir auch hin und wieder :-). Neben den vier Kindern (von denen, dass muss ich faierweise zugeben, drei vormittags in der Schule sind), unserem Bauernhof, dem Gemüsegarten, dem Haus, den Hausaufgaben, Wäschebergen,…) habe ich manchmal das Gefühl, MICH höchstpersönlich gibt es nicht so wirklich. Allerdings hab ich gelernt, mich auch im Chaos meinem neuesten Häkelprojekt oder der Nähmaschine zu widmen. Ich machs mir am großen Esstisch bequem, eine schöne Tasse Kaffee, drei hausaufgabenmachende Kinder und ein bastelndes Kind neben mir – das heißt zwar, einen „Riesensaustall“ am Tisch, viel Geplapper und Gelärme – aber: ich tu auch was für mich :-).
    Und…es wird mit jedem Jahr besser…daran musst du nur fest glauben.

    Liebe Grüße aus Österreich,
    Astrid

    • kirschkernzeit sagt:

      Also, dass du es mit vier Kindern (Schule hin oder her) schaffst, mit auf eurem Hof zu helfen, das beindruckt mich ehrlich sehr! Ich schaffe ja nicht einmal ein paar Gartenbeete, weil keines meiner (kleinen) Kinder es allzu lange friedlich und zufrieden aushält, während ich versuche, Unkraut zu jäten oder Sachen einzusäen… Wie machst du das?
      Manchmal denke ich, uns fehlt einfach der Platz draussen. Radfahren oder Fussball geht schon mal gar nicht hier…

  8. Hallo,

    ich habe ja nur drei Kinder, aber ich weiß, was du meinst. Ich bin allgemein sehr organisiert und mache sowas auch beruflich. Im Endeffekt setzte ich das auch in gewissen Teilen zuhause um. Und ich habe Hilfe, regelmäßige Hilfe, die z.B ein Mal in der Woche die Zwillinge für zwei Stunden ausfährt, Oder meine Mutter kommt ein Mal in der Woche für ein paar Stunden, sie hilft beim Bügeln und ich kann ins Schwimmbad fahren. Als ich mit den Zwillingen schwanger war, ist bei mir regelrecht der Knoten geplatzt: ohne Hilfe geht es einfach nicht. Und so komme ich, wenn auch nur ein bisschen zum meinem. Das sind meine Alltagsoasen. Alle wissen, dass ich das brauche, um wieder gut gelaunt allen alles zu sein. Klappt gut

    Liebe Grüße,
    Lamasus

    • kirschkernzeit sagt:

      Vielen Dank für deinen ehrlichen Comment! Es ist eine echte Wohltat für mich, zu sehen, dass es auch anderen Müttern so ähnlich geht… Vielen Dank einfach fürs Teilen deiner Erfahrung!

  9. Hanne Echelmeyer-Wecker sagt:

    Hallo,
    als berufstätige Frau, verheiratet, keine Kinder, kann ich mein Leben auch nicht kreativ, frei und selbstbestimmt leben, sondern habe mich im Alltag den Anforderungen im Beruf zu stellen. Bei einer täglichen Arbeitszeit von 8 Stunden plus Pausenzeit plus Weg von und zur Arbeit bin ich 11 Stunden täglich außer Haus – und am Abend todmüde und nicht mehr in der Lage, kreativ zu sein. Die notwendigen Einkäufe und Hausarbeiten werden am Wochenende erledigt, und oft wird wegen Zeitmangels und Müdigkeit eine schöne Unternehmung, ein Ausflug oder ein Besuch bei Freunden gecancelled. Da geht es Dir, liebe Bora, doch weitaus besser (zumindest von meiner Warte aus gesehen . . .). So, das mußte einmal gesagt werden, denn dieses ständige Klagen über den an sich doch recht beschaulichen Alltag mit 4 Kindern geht mir auf den Keks.
    Liebe Grüße – und alle Vier einmal tüchtig drücken
    Hanne

    • kirschkernzeit sagt:

      Liebe Hanne, ja, vielleicht musstest du das hier mal loswerden.
      Aber du hast mich missverstanden; Ich will mich ja gar nicht beklagen und schon gar nicht mein Leben mit meinen (5) Kindern bejammern, denn du hast natürlich absolut Recht, ich möchte nicht tauschen. Mit Frauen ohne Kindern vergleiche ich mich sowieso nicht, denn das sind wohl zwei sehr verschiedene Lebensstile, jeder mit seinen Sonnen-und Schattenseiten, da hast du schon recht. Ich frage mich einfach, wie andere Frauen mit Kindern es schaffen, auch so was wie ein Hobby (ausser Haus) oder ein Treffen mit Freunden oder eine aufgeräumte Stube oder das Mithelfen auf dem eigenen Bauherhof oder ordentliches Kochen oder die Pflege des Gartens mit ihrer Mutterrolle zu verbinden. Das finde ich nämlich ziemlich schwierig. Ich würde es gerne besser machen.
      Tut mir leid, wenn dich das nervt, aber so ein Blog hat ja genau auch diese Funktion; offen erzählen dürfen und sich ein bisschen auszutauschen- mit Leuten, die ähnliche Situationen erleben meistens, denn jeder Blog hat ja so sein Themenspektrum, das sich der Leser ja auch aussucht, oftmals wohl, weil er sich gespiegelt fühlt oder irgendwas davon mitnehmen kann in den Alltag (so wähle zumindest ich meine Blogs aus, die ich lese).
      Ich kann ein STück weit nachvollziehen, dass sich das unangenehm lesen kann, so Posts wie hier. Vor allem auch, weil es ja bloss Worte sind und die Töne oder Zwischenzwinker oder das Lächeln hintenrum einfach unsichtbar bleiben.
      Wenn ich immer bloss einen auf Happy mache beim Bloggen, dann wäre das nicht ehrlich. Ich zeige nicht gerne einfach bloss die eine Seite der Medaille -auf die ich dann vielleicht eine weitere Mail kriege von netten Frauen, die sich fragen „wie schaffst die das bloss alles, so mit Haus und Kindern und Nähen und Stricken“. Meine eigenen Fragen und Kämpfe aussen vor zu lassen und nur übers Schöne zu berichten, das käme mir heuchlerisch vor, weisst du. Darum schreibe ich auch über Zweifel und Sorgen und Sachen, die mir schwer vorkommen (allerdings finde ich persönlich nicht unbedingt, dass ich das „ständig“ mache). Auch wenn das Risiken birgt… Aber jeder darf ja lesen, wo es ihm gefällt. Und jeder darf schreiben, wie es ihm Freude macht. Das sind die beiden Freiheiten von Blog-Lesenden und Blog-Schreibenden.
      Für mich stimmt das so.
      PS. Mir ist grade bewusst geworden, dass sich mein Post vielleicht ja doch mit der Situation von arbeitenden, kinderlosen Frauen vergleichen lässt. Oder mit der Situation von arbeitenden Frauen (und Männern?) überhaupt. Ersetz einfach mal das Wort „Kinder“ mit „mein Chef“ oder „meine Klienten“ oder wer/was auch immer dich in Anspruch nimmt und es dir schwer macht, deinen Leidenschaften zu folgen (was jetzt um Himmels Willen nicht heissen soll, dass mir meine Kinder „im Weg wären“!!!)… Ist aber bloss so ein spontaner Gedanke von mir…
      Liebe Grüsse!

      Nachtrag:
      Ich habe meinen Text mehrmals nochmals durchgelesen und finde eigentlich gar nicht, dass es in meinem Text jetzt vorderhand ums Sich-Beklagen geht… Ich finde eher, ich habe geschrieben, dass ich es schwierig finde, meine Aufgaben als Mutter mit meinen Aufgaben als Hausfrau und den ganz normalen Bedürfnissen als Mensch (Frau) in Einklang zu bringen. Und ich habe darüber geschrieben, dass ich weiterhin lernen möchte, Geduld zu haben mit mir und meinen Lieben und diesem so schönen wie auch anspruchsvollen Lebensabschnitt, dass ich weiterhin meine Familie an erster Stelle setzen möchte, obwohl mich das manchmal ermüdet und mich -eben- ungeduldig werden lässt zeitweise. Auf diesem Weg freuen und ermutigen mich oftmals die kleinen, unerwarteten kreativen Glücksmomentchen.
      Ich habe gemerkt: Das wollte ich gerne hier nochmals kurz zusammenfassen…

      • Frau Krähe sagt:

        Liebe Hanne, liebe Bora,
        Nochmals ich, bitte entschuldigt, aber es brennt unter den Nägeln…
        Ich bin ja noch nicht sooooo lange Mutter (und habe zudem erst spät Kinder gekriegt) und erinnere mich noch gut an mein kinderloses Leben. Ich war auch ständig „auf der Fresse“ (sorry, aber mir fehlt gerade der Nerv für schöne Synonyme) von all den Anforderungen des Lebens, bevor ich Kinder hatte und oft leicht angenervt von „den Mamis“ und ihren „Sörgelchen“. Ich kenne tatsächlich beide „Seiten“ sehr gut. Blöd ist es, das Ausspielen der Lebensgestaltungen mit/ohne Kinder, zumal es ja auch oftmals gar nicht bewusste Entscheidungen, sondern einfach Schicksale sind. Aber was ich trotzdem anmerken möchte: Es ist schwer vorstellbar, was es heisst, wenn jede, wirklich jede Handlung von einem Kind beeinflusst wird. In Ruhe aufs Klo? Kurz eine Mail erledigen? Kurz alleine in den Keller runter um was zu holen? Klappt vielleicht. Vielleicht auch nicht. Von einem kleinen Ausflug alleine oder sonstwas „Grösserem“ ganz zu schweigen. Manchmal macht mich das fertig. Und wohl nicht nur mich. Das ist schwer vorzustellen und es kann wohl nicht erklärt werden, was das mit dem eigenen Nervenkostüm macht. Kinderlose Leben sind auch wild, anstrengend, belastend,… aber bis zu einem gewissen Grad können sie an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Man kann den Job wechseln, das Pensum reduzieren, Freizeit (auch wenn sie knapp ist) bewusst gestalten. Die Kinder wird man jedoch (zum Glück natürlich!) nicht mehr los. Man ist da sehr „gefangen“ in mehr oder weniger unabänderlichen Situationen und muss Wege finden, wie man das gut gestaltet. Und wie Bora schreibt, der eigene Blog ist ein Ort, wo man darüber schreiben darf. Wo auch Solidarität entsteht, weil andere das ebenso erleben.
        Danke euch beiden für die trotz der Kritik anständigen, zugewandten Worte. Ich finde es wertvoll, wenn die Kommentarfunktion auch mal so genutzt wird. Nicht „nur“ bejahend, sondern auch mal kritisch, jedoch nicht bösartig. Lasst uns alle unsere Wege finden, wie wir alle unsere Leben täglich (noch) ein bisschen glücklicher machen können. Und gerade Boras Blog ist mir da eine gute Hilfe, weil sie es oft schafft, meinen Blick immer wieder für das winzige Alltagsfunkeln zu öffnen, das sich überall auftut (egal ob mit oder ohne Kinder). Dass sie auch dann und wann zaudert, macht sie nur umso sympathischer und glaubwürdiger.
        Liebe Grüsse, Martina

  10. lila sagt:

    Liebe Bora,
    *seufz* sitzte mit einer Packung Kägi fret am Küchentisch. Um mich herum rumorte s. Da sniffen und räuspern sich zwei vom Ski fahren eigentlich müde Kinder im Etagen-Bett, ein Kind wuselt mit Schulbüchern durch die Ferien-Wohnung ( grosse Aufnahme-Prüfung nächste Woche), das jüngste Kind jammert und windet sicv im Bett, so dass der Papa im Dauerlauf vom Stuhl in der Küche zum Jüngsten wuselt.
    Ich sitze da, tröste mich mit Schoggi, die Tränen nah, auf einen schönen Ski-Tag folgte ein nicht schöner Abend.- müde, surrende, streitende Kinder, 2 müde Erwachsene und Ferien.-
    Manchmal frag ich mich doch auch: wann wird es besser? Grad die Ferien sind mit vier Kindern intensiv. Die kleinen und grossen „ich“-Inseln fehlen und zum Stricken bin ich zumüde.-
    Morgen, ja morgen ist ein neuer Tag. Auf das wir ausgeruhter sind, erholt und wieder harmonische Stunden miteinander verbringen dürfen.

    • kirschkernzeit sagt:

      Das klingt wirklich arg, du Arme. Ich kann das vollkommen verstehen und kenne solche Szenen leider auch… Besonders schlimm ist es, wenn dann noch zu aller Müdigkeit leise Schuldgefühle schleichen, weil man -obwohl der Tag so schön war und man die Kinder doch so gern hat- einfach nicht mehr kann und vielleicht nicht mehr die Nerven an den Tag legen kann, die man in just diesem Augenblick sooo gerne hätte… (und womöglich auch hätte- bloss einfach nicht grad JETZT) Ich habe mir das oft überlegt; muss man den Tag eigentlich wirklich nach dem Abend bewerten? Und wie viel Prozent eines Tages oder einer Woche oder eines Jahres müssen eigentlich „glücklich/schön/harmonisch“ etc. sein, damit man ihn auch wirklich als glücklich/schön/gut/harmonisch etc. abbuchen darf, so rein innerlich für sich selbst…
      Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass sich deine Kleinen baldigst ins Traumland begeben- und dein Abend doch noch friedlich und schön ausklingen darf!
      Und sonst; du hast so recht! Morgen ist wieder ein neuer Tag. Mit lauter neuen Möglichkeiten!
      Viel Kraft aber für diese manchmal wirklich happigen „Ferien“!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.