ein bisschen spielen

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Die letzten Wochen über war ich irgendwie immer sehr, sehr beschäftigt. Ich weiss nicht so genau, woran es liegt, aber ich stecke vollkommen fest, fest im Aufräu- und Wegräumfieber. Das ganze Haus steht Kopf dank meinen Aussortier-Aktionen und obwohl ich bereits x Säcke voller Kleider, Spielzeug und anderem Kram aus dem Haus geschafft habe -total zufrieden und kein bisschen wehmütig- kommt einfach kein Ende in Sicht.
Wir haben so viel Zeug. Ein ganzes, riesengrosses Haus voll. Und ich spüre: wir müssen reduzieren. Ballast loswerden. Schlichter und befreiter leben, bewusster umgehen mit dem, was wir haben und (noch) grösseren Wert legen auf gute, solide Materialien aus einer nachhaltigen, fairen Herstellungsquelle. Vor allem möchte ich nur noch haben, was uns wirklich am Herzen liegt. Nur noch Basis-Stücke, Sachen, die echt etwas zählen und nicht x-beliebig austauschbar sind. Ich möchte mehr selber machen. Die Kinder mehr selber machen lassen. Mit ihren eigenen Händen. (So wie das alte, kleine Holzboot, auf dem 1. Foto. Das hat Kind1 gemacht im Kindergartenalter. Heute ist es eines der liebesten Spielsachen seiner zweitjüngsten Schwester.) Selbermachen aber auch mit der Kraft ihrer Fantasie.
Ich bin bei weitem keine Waldorf-Mama und kenne mich kaum aus in Sachen Montessori oder anderen Pädagogischen Konzepten, aber eines habe ich wirklich lernen dürfen: Weniger ist absolut mehr, wenn es um Kinderspielsachen geht.
Wenn ich beobachte, wie vertieft und zufrieden meine Mädchen mit ihren Puppen spielen, sie mit imaginärem Tee aus dem Holzgeschirr vom Trödler bewirten oder mit einer sorgfältig mit unsichtbarer Marmelade bestrichenen Omelette (die eigentlich ein beiges Spitzendeckchen ist)… dann bin ich so dankbar, dass sie das noch können.
Spielen.
Mit einer Handvoll Material aber ganz viel Ideenreichtum und einem intuitiv und selbstständig arrangiertem „Bühenbild“. Hier werden permanent Stühle gerückt, Tücher geknotet und geschlungen und drapiert (grosse Seidentücher, aber auch ganz anderes, mehr alltäglicheres) und alles kann irgendwie… ja… alles sein. Der Tisch eine Höhle. Das Sofa ein Schiff. Der Stuhl ein superschnell zusammengesponnener Kochherd (ich wünsch mir allerdings noch immer einen richtigeren für meine Kleine…).
Wenn meine Kinder spielen… dann könnte ich ewig lang nur zusehen. Und mich freuen dran.
Die Zuschauer-Rolle ist mir nicht unlieb, nein, ich geniesse sie sehr. Meistens. Und doch.. doch wünschte ich mir manchmal, ich könnte mich öfters und leichter losreissen von meinen Aufgaben und einfach mal mitspielen. Mit einen luftigen Tee trinken. In der Suppe aus Glasmurmeln rühren (das rasselt so herrlich!). Filzbällchen sortieren. Oder auch einfach bloss für mich ein bisschen mehr tüfteln und wursteln. Entspannt sein. Nicht permanent irgendwelchen grossen Zielen nachhasten, wie einer entrümpelten Gerümpelkammer (*lechz*), Böden ohne tonnenweise Staub und Krümel (*schmacht*) oder ordentlichen Kinderzimmern (*schmelz*))…
Ich wünsche mir weniger. Weniger von fast allem. Aber gleichzeitig auch mehr. Mehr vom Leben. Mehr Zeit. Mehr Musse. Mehr Gelassenheit. Mehr Luft und Raum, um die Menschen hier zwischen all dem Kram auch richtig und ganz bewusst wahrzunehmen. Mehr… mehr Raum auch fürs Spielen und das Leben geniessen.
Was ich noch lernen muss: Um bewusster und entspannter zu leben, um spielerisch durch den Tag zu wandern braucht es wahrscheinlich kein entrümpeltes Haus. Auch wenn das sicher nützlich sein kann. Was es braucht ist wohl eher: Entschlossenheit. Und neu gelegte Prioritäten.
Ich gebe mir Mühe, ehrlich, zur Zeit so richtig doll sogar. Ich will mich nicht immer selber herumkommandieren, sondern geniessen, was ich ergattern kann an allem, was mir gut tut und Freude macht.
Heute zum Beispiel habe ich ganz bewusst mehr gespielt. Ein bisschen zumindest. Ich habe mehr einfach bloss zugeschaut. Meine Kinder betrachtet, beobachtet, wahrgenommen. Ich habe mit meinem Baby geschmust und gealbert und es gleich nochmals soviel geknuddelt wie sonst schon. Ich habe Kind2 den Rücken mit Hustensalbe eingerieben und ihm ruhig zugehört, wenn er von der Schule erzählen wollte. Ich habe an Kind1 gedacht, der jetzt irgendwo im Schnee auf seinem Brett steht und die Hänger runterpfeilt. Ich habe mich gefreut an der kleinen, unordentlichen Reihe ganz persönlicher Spielsachen auf meinem Schlafzimmerschrank (in einem noch immer nicht fertig eingerichteten lila Zimmer- aber das habe ich grossflächig ausgeblendet) und mich ganz verliebt vertieft in ein beinahe frisch begonnenes Strickprojekt (Annabel, die zweite). Ich habe gebacken (Basler Faschtewaije, so in etwa) und Neues ausprobiert, einfach bloss so, weil ich wissen wollte, wie der Kuchen auf dem zauberhaften Rezept-Foto (rausgerissen aus einer alten Ausgabe „Landliebe“) in natura und hier im Hause Kirschkernzeit so schmeckt.
Und just in diesem Augenblick liegt unten in der Waschmaschine eine Ladung frisch braun gefärbter Kleider, bereit, von mir herausgenommen und von Fäden und Gummis befreit zu werden.
Spannend. Schön. Erfüllend.
Doch. An solche Tage könnte ich mich schon gewöhnen.
Mal sehen, welche Spielarten das Leben morgen so für mich  bereit hält…

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4 Kommentare zu ein bisschen spielen

  1. Rita sagt:

    Liebe Bora
    Du weisst ja, ich bin auch schon so lange dran, miste aus, räume weg, aber es wird nicht weniger.
    Ich habe das Buch von Marie Kondo gelesen, die ja so ausmistet, dass am Schluss nur noch ca. 20% von dem da ist was war. Ihre Radikalität gefällt mir sehr, denn sie wirft alles weg, was Dir nicht am Herzen liegt. Da ist der Hund aber begraben, loslassen ist das Zauberwort.
    Drum nutze die Stunden, die Du grosszügig los lassen kannst;)
    Mir gelingt es nicht immer, aber dran bleibe ich;)
    Sei herzlich gegrüsst, Rita

  2. Katharina sagt:

    Liebe Bota
    ich solle auch mal Anfangen auszumisten. Mir fällt das unglaublich schwer, leider. Es reut mich einfach bei vielem und bei vielem denke ich, das könnte ich noch gebrauchen.
    Ich freue mich, zwei Figuren auf deinen Fotos zu sehen.
    Liebe Grüsse
    Katharina

  3. Hirundo rustica sagt:

    Liebe Bora,
    das hört sich schön an, mit dem Spielen bei euch! So etwas beobachte ich bei unseren Kindern auch. Am meisten wird eigentlich nicht mit sogenannten festgelegten „Spielsachen“ gespielt, sondern mit Tüchern und allem möglichen anderen, was dann je nach Spiel eine unterschiedliche Funktion erhält.
    Wir haben schon wegen unserer winzigen Wohnung insgesamt nicht so viele Sachen, und du hast recht- es ist sicher hilfreich, wenn weniger Zeug herumliegt um das man sich kümmern muss (mich macht zu viel Chaos immer ganz nervös), aber die Hauptsache (und das ist sicher das schwerste) ist zu lernen, entspannter und präsenter im Augenblick zu sein 😉
    Liebe Grüße!

  4. Galina sagt:

    Hallo bei uns ist es auch wir haben nur wenige Spielsachen und ich kämpfe oft damit das wir nicht alles brauchen was die Freunde haben das ist garnicht so einfach .lg Galina

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