Festlich

In unserem Haus herrscht immer enorm viel Betrieb bei Tisch. Nicht nur was die Laustärke angeht. Ständig muss irgendwas irgendwoher noch rasch an den Tisch geholt werden, von vergessenen Löffeln über Butter und Salz bis hin zu… ja zur Serviette, klar. Denn Kleckser, umgekippte Gläser und klebrige Fingerchen gehören einfach mit dazu in unsrer Runde, so wie wohl überall, wo gemeinsam gegessen, getrunken und Familienleben üppig-chaotisch und lebhaft zelebriert wird.
Für Alltags habe ich einen unordentlichen Stapel zerzauster ertrödelter Stoffservietten mit verblichenem Blümchemuster und in mittlerweile fleckig gewordenem All-White irgendwo in einer Holzbox bereit. Seit ein paar Wochen stecken sogar noch grosse Fetzen ausgedienter weisser Fixleintücher mit drin (die, ich schwör’s, besten Servietten und Handtücher überhaupt!).
Dieser Mix ist praktisch und kaum mit sentimentalen Gefühlen behaftet, so dass ich ohne zu zögern jeden Saftfleck wegwische und meine Servietten guten Gewissens weder bügle noch sonstwie liebevoll pflege, sondern bloss eins damit tue; putzen, wischen, mit vollem Einsatz zernutzen und verfleddern.
Aber.
Aber da gibt es diesen anderen kleinen, seit langem langsam aber stetig wachsenden Stapel an Stoffservietten. Und die, die sind nicht zerfranst und verschmuddelt, sondern nett und gepflegt und allesamt gebügelt, bevor sie auf den Tisch kommen.

DSC_3822 DSC_3821 DSC_3820 DSC_3823

Sie entstehen zum Beispiel aus 25cm-Stoffstück-Bestellungen von den Stoffen, in die ich mich spontan vergucke, die aber vielleicht doch zu teuer sind für Grossbestellungen oder die mir, alles in allem, in real doch nicht mehr sooooo gut gefallen wie anfangs auf dem Bildschirm. Manche der Print-Stoffe sind auch einfach Geschenke, oder Stücke aus liebgewonnen Kleidern, die keiner mehr gebrauchen kann oder will, nett vielleicht, ja, aber doch keine Keepers, denn allzu hübsch sollten Servietten nicht sein, nicht hier in dieser lebhaften Familie mit einem derartigen Servietten-Verschleiss. Wobei, so arg ist das ja nicht für diesen zweiten, ganz besonderen Stapel hier. Der gehört nämlich sozusagen zur Servietten-Upper-Class und wird einzig an Feiertagen aufgedeckt. An Geburtstagen, Weihnachten, dann wenn alles besonders schön aussehen soll.
Ich mag das. Eine kleine Geste nur, aber sie verleiht unserem quirligen Familientisch, vor allem in Kobination mit weissen Tischdecken, urplötzlich das Gesicht einer … Tafel.
Genäht wird so eine Serviette ganz schlicht und einfach aus ca. 23cm langen wie breiten Stoffstücken (das muss keineswegs genau sein- und ist es auch nicht), die ich raschrasch mit der Nähmaschine zusammennähe, die Ecken kappe, alles verstürze… und es dann -und das ist der Clou am ganzen- möglichst sorgfältig und liebevoll (yep, ein bisschen Liebe muss mit rein) von Hand umnähe. Mit dickem, knallbunten Stickgarn. Für das besondere Etwas kommt noch ein Fitzelchen hübsche Borte mit rein, als Feiertags-Label sozusagen.

DSC_4224
Mein Vorrat ist nicht unbedingt üppig bisher. Meistens greife ich feierabends eher zum Strickzeug in letzter Zeit, und wenn ich schon nähe, dann etwas, das wirklich dringend ist und spannend und ein heftiger Anfall von Nähsehnsucht.
Aber es ist schön, dass dieses kleine, einfache Projekt da ist, bereit für den Fall der Fälle. Zum Weitermachen, Weiternähen, Aufstocken und Freude dran haben. Bereit um Feste zu feiern wie sie fallen.
Eigentlich sollte ich das ja viel öfters tun. Feiern. Den Tisch zur Tafel werden lassen und einem ganz gewöhnlichen Alltagstag ein Krönchen aufsetzen.
Gründe dafür… gäbe es eigentlich ja genug, oder?

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Dieser Beitrag wurde unter besondere Tage, Dankbarkeit, Familienalltag, Nähen, what makes me happy, Zuhause veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Kommentare zu Festlich

  1. Was für eine schöne Idee liebe Bora! Auf die Idee die Stoffe zu verstürzen bin ich bislang gar nicht gekommen, für mich waren Servietten immer sauber mit Briefecken genäht – ich hab nicht eine einzige Stoffserviette im Schrank… aber das muss ich mir merken. Ich finde deine wunderschön!! Aber für solch bunte Servietten muss ich erstmal die Farbe am Esstisch ändern, bislang liegt da eine orange (abwischbare – verkippt und verkleckert wird hier ständig…) Tischdecke und die ist mir momentan einfach zu bunt.
    Achso – die nächste Ladung Brötchen wurde hier verspeist, mit reduzierter Temperatur waren sie deutlich besser 🙂 Fröhliches Backen!
    Liebste Grüße
    Sternie

  2. Gitta sagt:

    Das ist eine nette, kleine Idee für die vielen schönen Stoffrestchen, die sich ansammeln.
    Danke
    LG Gitta

  3. Steffi sagt:

    So eine hübsche Idee, und praktisch, um Stoffreste sinnvoll zu verwerten. Vielleicht mach ich mich mal daran, Servietten zu nähen, für die kommende Geburtstagssaison bei uns…. Wobei, ich gebe zu, meist näh ich auch lieber etwas, das „wirklich dringend ist und spannend und ein heftiger Anfall von Nähsehnsucht“. 🙂
    Liebe Grüße,
    Steffi

  4. Regina sagt:

    o, wie schön, etwas genähtes von dir zu sehen! eine prima idee. macht den festtag noch schöner!
    mit liebem gruß
    regina

  5. Den Alltag feiern sagt:

    … mein Thema: Den Alltag feiern!

    Wäscht du dann die Servietten alle immer nach einer Mahlzeit, oder hat jeder seine eigene, die etwas länger benutz wird. So handhabte es eine befreundete Familie. Macht ja doch auch ganz schön Wäsche…
    Aber so schön und feierlich macht es das Essen eben auch!
    LG von Christine

    • kirschkernzeit sagt:

      Also, ich nehme mir ja immer vor, die mal zu personalisieren oder so… aber tatsächlich wird hier ganz wild kreuz und quer benutzt, was immer grad an Servietten zur Hand ist. Meistens wasche ich eh jeden Tag eine Ladung (extrem, nicht?) und da kommt es nicht drauf an, ob es noch ein paar Serviettchen drin hat oder nicht. Da ich die Alltagsservietten nicht bügle, sondern sie nach dem TRocknen einfach bloss viertle beim Zusammenlegen, ist die Arbeit nicht besonders gross (im Gegensatz zu Tischtüchern! Da staune ich immer bloss, wie manche Familien das schaffen, immer einen hübsch gedeckten Tisch zu haben. Vor allem erinnere ich mich an Soulemamas frühere Posts, so oftmals ein hübsches Tuch auf dem Tisch lag… Da war auch immer mein Traum;-) )

  6. milena sagt:

    Ehrlich? Ich benutze Wegwerf-Servietten. Eine Verschwendung! Dabei hätte ich wirklich genug Stoff. Und auch eine Waschmaschine. Ich glaube, das muss ich ändern. Danke für die Inspiration.
    Liebe Grüsse
    Milena

  7. Astrid sagt:

    Oh…die Servietten sehen wirklich klasse aus! Viel stilvoller als die Geschirrtücher, die ich unseren Kindern hinlege :-)…da muss ich mich gleich dranmachen – Stoffreste hab ich ja genug!

  8. Kati sagt:

    Liebe Bora,
    habe heute diesen Post gelesen und den nasskalten Mittag gleich dazu genutzt, die ersten vier Alltagsservietten für uns zu nähen. Danke für den Anstoss!!! Ich hoffe es folgen noch welche, denn die neuen wurden heute natürlich gleich eingesaut…

    Herzliche Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.