umgestellt: Meine kleine Ecke

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Jaja, die Lust, die Dinge zu verändern, “umzuräumen und neu zu gestalten”
Mir war gar nicht klar, wie ernst ich das gemeint habe in meinem letzten Post, das mit meiner Büro-Ecke und diesem Gefühl in meinem Bauch, diesem Drang, etwas aus seiner Starre herauszulösen und von neuem zu formen- ein Ruf der Muse vielleicht?
Auf jeden Fall blieb es nicht nur beim Träumen.
Kaum war ich wach, montagmorgens, fing ich an mit Möbelrücken, Bilder austauschen und dem Kramen in meinen Sachen. Ich konnte einfach nicht anders (obwohl da noch dieser Zahnarzt-Termin war, und ich eigentlich gar keine Zeit hatte für solcherlei Kinkerlitzchen).
Wirklich verändert habe ich aber auch gar nicht sonderlich viel. Die Bildergalerie an der weissen Wand ist geblieben, überhaupt alles, was an den Wänden hing, bloss schon weil Wände-Streichen und Löcher-Ausbessern rein gar nicht in meine kleinen Alltags-Inselchen passt, die für mich und meine Projektchen. Aber Möbel-Umstellen und Neu-Arrangieren? Das ging rein. Ganz knapp.

Ich mag die Lampe auf meinem Schreibtisch so gerne. Ein Brockenhaus-Fund für vielleicht 16 Franken oder so. Ihr Licht ist einfach wunderbar weich und warm. Und die Kommode, meine geliebte, alte, schwarze Trödler-Kommode, kommt, finde ich, sehr schön zur Geltung an ihrem neuen Plätzchen unterm Fenster, da, wo vorher der Tisch stand. Dafür geniesse ich es gerade sehr, beim Tippen und Stöbern in den Schatkammern des Netzes für einmal keine weisse Wand mehr anvisieren zu müssen, sondern all die Bilder vor mir zu haben, die mich an so viele Momente erinnern und an die Kinder, die sie für mich gemalt haben.
Ausserdem spielt mein Baby gerade so schön mit den dicken, grossen vom Fluss fein geschliffenen Steinen, die ich immer in meinem alten Setzkasten ausstelle, zusammen mit den Halbedelsteinen aus meiner Jugend, wo ich ganz begeistert war vom Gedanken, dass diese Kostbarkeiten womöglich mehr können, als nur hübsch aussehen…
Ganz hinten in der Ecke steht neu einer dieser drehbaren Stühle von Ikea, grottenhässlich und auch gar nicht mehr im Sortiment, aber einfach sagenhaft bequem, so sagenhaft bequem, dass ich über sein ramponiertes Äusseres hinwegsah, als ich ihn in einem Büro entdeckte, wo er bereits bereistand für den Sperrmüll… Eingekleidet mit einem Leintuch und der schönen, alten, geklöppelten Decke (ebenfalls vom Brockenhaus… wie praktisch alles hier) sieht er eigentlich richtig nett aus, oder? Ich plane eine Lampe in seiner Nähe, damit ich mich abends gemütlich hinsetzen kann, zum Häkeln meiner Häkeldecke zum Beispiel (bin bald fertig, yeah!).
Unsicher bin ich noch, ob ich vielleicht einen Vorhang aufhängen soll in der Nähe des Tisches, einen ganz feinen, dünnen, der meine Nische vom Treppenhaus abgrenzt und von der ganzen schlimmen, rohen Baustelle, die dort schon seit Jahren stagniert. Es fühlt sich nämlich wenig heimelig an, abends dazusitzen in meinem nett zurechtgemachten Sessel, umgeben von den Dingen, die ich liebe- und dann mit dem Blick an unverputzten Backsteinwänden, einer aus dem Leim gehenden Badewannen-Nische und den nur notdürftig verstauten Malerutensilien meines Mannes klebenzubleiben…
Aber hey- auch ohne Vorhang und mit der ganzen Verkorkstheit unseres niemals richtig fertig renovierten Hauses mag ich meine Ecke. Die rausgeholten Fachwerk-Balken. Das hereinfallende Licht. Die Bilderwand mit all ihren Kunst-Stücken. Dieser Platz für meine ertrödelten Schätze. Meine Garne überall. Die Vielfältigkeit und Wandelbarkeit dieses kleinen, stillen Ortes.
Es ist einfach schön… etwas ganz eigenes zu haben.

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5 Antworten auf umgestellt: Meine kleine Ecke

  1. Rita sagt:

    Wie wunderbar Deine Ecke doch ist, etwas verwunschen und doch Dein kleines Reich!!
    Ein Vorhang ist eine tolle Idee, ich grüble auch über eine ähnliche Situation nach( offenes Bücher- und Bastelregal)…
    Wünsch Dir weiterhin frohes Schaffen und viel Zeit in Deiner schönen Komfortzone;)
    Herzlich, Rita

  2. Duska sagt:

    Angela Wittmann schrieb über Pia Ziefles Buch “Suna” folgendes:
    Wer seine Figuren so liebevoll zeichnet , der muss ein grosses Herz haben.
    Das gleiche dachte ich über dich, als ich deinen Post las.
    Richtig poetisch, liebe Bora:-)
    Liebe Grüsse

  3. Sarah sagt:

    Ich finde deine kleine Ecke so gemütlich und wunderschön! Ich habe auch ein winziges Arbeitszimmer, aber das ist noch nicht so, wie ich es gern hätte.

    Danke für die inspirierenden Fotos – jetzt habe ich gleich ein paar Ideen für mich! :-)

  4. Simone sagt:

    Liebe Bora,
    ich weiß leider nicht, wohin meine Kommentare immer verschwinden. Aber ich weiß, dass ich deine Einträge immer mit viel Freude erwarte. Dein kleines Eckchen ist so wunderbar, auch wenn drumherum noch nicht alles perfekt ist. Das ist es in einem alten Haus nie, da spreche ich aus Erfahrung! ☺ ich habe leider nicht so ein kleines Fleckchen für mich, deshalb genieße es aus vollem Herzen.
    Ganz liebe grüße simone

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Das ist wirklich komisch, liebe Simone! Ich lösche hier wirklich nichts, Ehrenwort(!) und kann auch keine Comments entdecken, die irgendwie nicht freigeschaltet wären oder so… Blöd. Dabei freue ich mich SO SEHR über so nette Worte wie deine!!!! Danke dafür!
      PS. Für so eine Ecke reicht vielleicht auch schon eine Fensterbank mit etwas Platz davor? Aber du hast schon recht; ich bin da schon privilegiert, denn andere haben sehr viel weniger Platz zuhause…

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