Homespun Style

Im Englischen gibt es ein Wort, dem ich in letzter Zeit immer wieder begegne; „homespun“.
Wörtlich will es mein Diktionaire als „selbst gesponnen“ übersetzt haben, aber ich glaube, mit dieser ganzen, herrlichen und intensiven DIY-Welle, die da über uns hereingeschwappt ist, hat sich auch dieses Wörtchen verändert und ist gewachsen in seiner Bedeutung und Vielfältigkeit. Ich bin mir nicht sicher, absolut nicht, aber mein Gefühl sagt mir, dass „homespun“ heute in etwa das bedeutet, was wir hierzulande vielleicht als „handgemacht und originell“ oder „in lustvoller und kreativer Art und Weise zusammengebastelt“ bezeichnen würden, weit mehr wahrscheinlich als „schlicht“, „selbst gesponnen“ oder „handgestrickt“, wie es auch das deutsch-englische Online-Wörterbuch  übersetzt.

„Homespun“… das hört sich irgendwie cool an für mich- und sehr, sehr verlockend.

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Verlockend, so empfand ich auch dieses kleine Strickprojekt hier, das grüne, wollige, wo ich viele der letzten Abende dran gesessen und gestrickt habe. Gestrickt… und aufgeribbelt, vielmehr, manchmal zum Teil eher mehr aufgeribbelt als eigentlich gestrickt, denke ich, denn diese -geben wir es ruhig zu- doch etwas schäppse Woll-Latzhose war für mich ein absolutes Debut in Sachen Selber-Designen.
Wobei das Wörtchen „Design“ hier mehr Schein als Sein ist, um ehrlich zu sein. Genau genommen habe ich nämlich kaum etwas wirklich designt oder geplant, sondern einfach mal aus dem Bauch heraus irgendwelche Sachen zusammengebastelt, maschenmässig.

Ausgangslage war eine einfache Kanoko-Pants. Ich hatte vier vorrätige Knäuel Drops „Nepal“ in Grün dafür gewählt und Nadelstärke Nr. 5, weil mir das Maschenbild damit recht gut gefiel und die Maschenprobe in etwa zum Strickmuster passte.
Ich mag die „Nepal“. Ein schlichtes, bodenständig und natürlich wirkendes Garn, das ich einfach unheimlich gerne anfasse (das aber ein klein wenig kratzig zu sein scheint an empfindlicheren Hautpartien). „Nepal“ ist warm und mollig und dick. Genau das, was ich meinen Kindern hier, in diesem kühlen, alten Haus gerne anziehe (sofern sie mich lassen), am besten über feine Strumpfhosen oder dünne Unterleibchen als letzte, schützende Hülle.
„Nepal“ und eine „Kanoko“?
Ein schönes Paar, dachte ich mir.

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Und ich denke das noch immer. Bloss wollte es bei mir nicht bei einer „Kanoko“-Hose bleiben, bzw. erst zu gar keiner kommen. Kaum hatte ich die ersten paar Reihen gestrickt (die „Kanoko“ wird zuerst in Reihen gearbeitet und dann erst zur Runde geschlossen, so dass ein offener Tunnelzug um den Bauch herum entsteht) wurde mir klar, dass ich eigentlich doch etwas ganz anderes wollte, etwas, das bis oben hin wärmt und sicher nicht nach unten rutscht, etwas, das tadellos sitzt und richtig gut schützt, komme, was wolle. Eine Latzhose, wollte ich. Soviel wurde mir irgendwann, kurz nachdem ich das erste Bein in Angriff genommen hatte, absolut klar.
Ich wollte eine Latzhose. Aus der Kanoko-Pants.
Ich machte eine Latzhose. Aus der Kanoko-Pants.

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Eine total zusammengebastelte, vollkommen schief geratene, tatsächlich ein wenig verrückte Latzhose sogar, mit nachträglich zur Runde zusammengenähten ersten Reihen, oben kurzerhand angestricktem Bauchteil in weitergeführtem Bündchenmuster (das erklärt übrigens die merkwürdige Linie in der Bauchmitte). Die Beine sind mit relativ starken Abnahmen zu gut schliessenden Beinbündchen geworden und, ach ja, auf das Perlmuster, das der Original-Kanoko seinen Namen verlieh („Kanoko“ bedeutet „Perlmuster“ auf Japanisch) habe ich gleich ganz verzichtet. Dafür linke Maschen in Hülle und Fülle.
Sehr viel „Kanoko“ blieb im Grunde gar nicht mehr übrig…

Der Latz-Teil dieser Hose… der ist mir selbst heute noch ein Rätsel. Ich glaube, mich daran zu erinnern, dass ich irgendwann abgekettet habe für irgendwelche Armausschnitte und dann hinten mit lauter linken Maschen ein Stückchen weiter gearbeitet habe, für den Rückenteil. Die Träger, die wollte ich extra bequem und extra robust und schön dehnbar, aber auf keinen Fall rutschend, also machte ich sie so breit, wie es nur ging in meinen Augen und machte mich an kraus rechts, weil ich das von Elas Hose her so gewöhnt bin. Vorne ein knappes Stückchen linke Maschen und Knopflöcher zum Zuknöpfen der schlichten Holzknöpfe; Voilà.

Noch nie habe ich so oft aufgelassen, noch nie so gerne etwas Neues versucht wie hier, bei dieser grünen Latzhose. Trial and Error im besten und wahrsten Sinne des Wortes. Aber es war immer ein Spiel, kein richtiger Ernst, ein grosses, kreatives, irgendwie witziges Spiel mit Wolle und meinen eigenen, wagen, versponnen Ideen.
Versponnen?

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Homespun, würde ich sagen.

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9 Kommentare zu Homespun Style

  1. Brigitte sagt:

    Diese Hose kann man wirklich nur als sehr gelungen bezeichnen, auch wenn sie vielleicht ein winziges bisschen „schäps“ ist (ich wusste gar nicht, dass es dieses urschwäbische Wort auch im Schweizerdeutsch gibt)! Das stört keinen großen Geist – würde Karlsson vom Dach sagen. Deine Kleine schon gar nicht. Eine perfekt praktische und soo hübsche Hose, schon vom Anschauen wird mir warm! Und ich finde es prima, dass du sie selbst ausgetüftelt hast; das macht auch mir – trotz Ribbelns – viel mehr Spaß als immer nur „nach Vorschrift“ zu arbeiten.
    Eine herzwarme, gesegnete Adventszeit dir und deinen Lieben,
    Brigitte

  2. Rita sagt:

    Wie toll ist das denn? Finde die Hose total super und passt wie angegossen!!! Auf diesem Weg befinde ich mich auch, weniger von Büchern und Anleitungen sich führen zu lassen, sondern selbst etwas mehr einbringen, ist ungemein kreativ;)
    Nur weiter so, sieht zuckersüss aus!
    Herzlich, Rita

  3. Susi Sorglos sagt:

    Also die Hose ist ja wirklich ein Träumchen,ganz und gar zum anbeißen sieht deine kleine Maus darin aus. Und hey, erst die zuckersüßen Erdbeerschuhe dazu!
    Ich freue mich über jeden neuen Post von dir, ja ich gebe zu, morgens wird als erstes bei kirschkernzeit reingegückselt, was es neues bei euch gibt. Danke fur deine inspirierenden Einblicke in Deine wundervolle Familie.
    Herzlichst Susi

  4. Hirundo rustica sagt:

    Deine Kleine würde ich am liebsten klauen.. 😉 So eine schöne Hose! In meinem Lieblingsgrün! Deine Eigenkreation gefällt mir noch besser als die andere, auch tolle Latzhose, die du uns erst kürzlich gezeigt hast. Hier gibt es ja am laufenden Band die schönsten Dinge zu sehen! Im Vergleich dazu sehe ich gerade wahrlich alt aus.

  5. Meeries sagt:

    Die Hose ist wirklich super gelungen… und ich kann es Dir gut nachfühlen: ich habe damals für meine Kinder auch Latzhosen gestrickt, denn irgendwie sind die Kinder im Winter darin einfach gut verpackt und irgendwie… aufgeräumt! Nichts rutscht hoch oder runter, man muss nicht ständig zupfen und ordnen und die Kinder haben es schön warm und bequem…

    Und ich kann mich Susi Sorglos nur anschließen: auch ich schaue nahezu täglich bei Dir vorbei und auch wenn ich nur selten kommentiere so freue ich mich doch immer, wenn es Neues bei Dir zu lesen gibt!

    Mach weiter so!

    Alles Liebe!

  6. Sybille sagt:

    einfach nur: hach! hach! <3 so süß! Und das Rot und Grün passen so gut zusammen, richtig GuteLauneFarben sind das.

  7. Moni sagt:

    So schön ist die Hose geworden! Ich mag diese Farbe so gerne – an mir selbst auch. Und die schaut auch so bequem aus mit dem großen Rippbündchen um den Bauch. Hast du ganz wunderschön gemacht!

  8. Ly sagt:

    Liebe Bora
    Ach ist das süss! Ich bin ganz hin und weg von diesen Bildern!
    Und weiss gar nicht, ist dein Jüngstes nun so glücklich und stolz auf die kuschlige und mit viel Hingabe gestrickte Hose (absolut meine Lieblingsfarbe!) oder weil sie sich wirklich schon vom Rücken aufs Bäuchlein drehen kann?
    Ich freue mich jedesmal, wenn ich bei euch ‚reinluschern darf – und danke dir dafür herzlich!
    Liebe Grüsse, Ly

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