Wochen-Ende: zentriert

Ich muss gestehen, so ein klein wenig hab‘ ich mich doch gefühlt wie Supermom, als meine Patentante neulich zu Besuch kam… Nicht wegen dem aufgeräumten Wohnzimmer. Und auch nicht wegen dem Kuchen oder der schönen Kanne süssem Tee, der dampfend auf dem Tisch bereit stand. Nein, allein darum, weil es mich immer schaurig viel Mut und Nerven kostet, überhaupt Besuch zu mir einzuladen, die Türe weit zu öffnen, mir Zeit zu nehmen, ganz bewusst, für den Menschen, der da eintritt, Zeit, wo auch die Kinder für einmal ein bisschen in den Hintergrund treten und mir den Raum lassen, zu reden, zuzuhören, offen zu sein, nicht nur für sie diesmal, sondern für meinen Gast, dem diese ganz spezielle Zeit gewidmet sein soll.
So etwas ist schwierig für mich.
So etwas kommt nur sporadisch zustande.
Und immer fühle ich mich… ja, wie Supermom, wie eine Heldin der kleinen Dinge, wenn es dann doch einmal klappt.
Auch Ausflüge sind so eine Sache. Für mich allein, klar, kein Problem, aber mich allein, das scheint es längst nicht mehr zu geben, nur noch mich, die Mama von Fünfen… oder von vieren, von dreien, je nach Gruppenkonstellation, doch immer bleibe ich Mama, umringt von kleinen wuselnden Wesen, Mama mit Sperberaugen, mit Löwinnenstimme und warmen, plustrigen Gluckenschwingen.
Fliegen wir aus, sind meine Sinne mehr als geschärft. Manchmal habe ich das Gefühl, mehr bei meinen Kindern zu sein mit meinen Augen, meinen Ohren, meinen Armen und Gedanken als wirklich ausgeflogen, und oftmals komme ich vollkommen erschöpft nach Hause ohne gross zu wissen, wo genau wir eigentlich waren…
Ich glaube, ich bin kein sonderlich zentrierter Mensch. Ein gewisses Mass an Stimmen, an Eindrücken, Empfindungen und Aufgaben- und ich verliere hoffnungslos die Balance.
Nun… ich bin sehr, sehr gerne Mutter und Mama von Fünfen zu sein erfüllt mich mehr als ich sagen kann. Doch fünf Kinder sind fünf Kinder, jedes mit seiner eigenen Stimme, seinen eigenen Bedrüfnissen und seiner eigenen täglichen Erlebens-Geschichte, die ich automatisch mit-lebe. Nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten, bei mir zu bleiben, zentriert, das ist wahrscheinlich die grösste all meiner Lebensaufgaben in dieser Phase meines Lebens.

Doch manchmal scheint es ganz einfach zu sein…

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Manchmal stehe ich da, wunderbar (oder vielmehr wie durch ein Wunder) ausbalanciert und ruhig wie eine Ballettänzerin auf Spitzenschuhen, während all das pralle Leben an mir vorbeisaust, sich um mich herum sammelt und wieder verstreut. Wie heute. Wie gestern. Wie an diesem Wochenende, wo alles im Fluss zu sein schien, ohne aus dem Ruder zu laufen.
Ein klein wenig aufräumen, das Stroh und Heu zusammenkehren, das sich permanent im Haus verteilt, seit wir Meerschweinchen haben.
Raclette essen und feinstes Tiramisu, zubereitet von Herrn Kirschkernzeit, dem heimlichen Star-Koch des Hauses und seinen beiden Gehilfinnen, die manchmal lieber wild durch die Gegend tanzen, als in brav in den Schüsseln zu rühren.
Kerzenziehen mit der ganzen Bande, enorm friedvoll und entspannt, was mich selber wohl am allermeisten überraschte und beflügelte und mich mindestens ebenso freute wie die zauberhaften Kinder-Kerzen-Kunst, die nun unser Zuhause veredelt.
Stricken und Tüfteln gleichzeitig, grüne Maschen stricken, grüne Maschen wieder auflassen, ohne dass es mich stört, einfach nur, weil es Spass macht, etwas vollkommen Neues auszuprobieren und alle Richtlinien für einmal ausser Acht zu lassen.
Mich nach draussen wagen, hinaus in diese kalte, graue Novemberwelt, wo wir von Schnee und Sturmböen überrascht werden und es trotzdem ganz herrlich finden. Vor allem das Heimkehren. Eine warme Stube voll Licht, Tee, Menschen, Leben und freien Sonntagsstunden… so was ist Gold wert.

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17 Kommentare zu Wochen-Ende: zentriert

  1. Ina sagt:

    Guten Morgen
    Einfach wunderbar tönt dein Wochenende.

    Verrätst du mir bitte wie ihr diese Wachsschüsseln gemacht habt? Ein Ballon würde wohl platzen, oder?

    Liebe Grüsse
    Ina

    • kirschkernzeit sagt:

      Diese Schüsselchen haben wir leider gar nicht gewagt zu machen, einzig die langen, gezogenen Kerzen… Aber ich fand sie so schön, dass ich sie fotografierten musste, und weil auf meinen anderen Bildern vom Kerzenziehen zu viele andere, fremde Gesichter erkenntlich gewesen wären, „musste“ einfach das mit in den Post, als Lückenbüsser 😉

  2. Sylvi sagt:

    Unsere fünf Jungs sind inzwischen erwachsen,aber mein Herz geht mir auf wenn ich bei dir lese.Genauso quirlte,wirbelte,achtete,beobachtete,schützte,umsorgt e ich sie in Kindertagen.Auch die Zeit um zu stricken und basteln waren bei mir besondere und geliebte Auszeiten trotz und mit den Kindern.Heute genieße ich das 1.Enkelchen. Viel Glück ,Gesundheit und Schutzengel auf eurem weiteren Lebensweg.

    • kirschkernzeit sagt:

      Ein Enkelchen… darauf freue ich mich auch schon 😉 Ich wünsche euch ein wunderbare Zeit zusammen! Sie vergeht ja wirklich schnell *snif*

  3. E sagt:

    Oh ja, diese Gefühle kenne ich so gut, und bei uns flitzen erst zwei Kinder herum…. Aber so oft fühle ich mich auch wie eine Vogelmame, die ihre Augen überall hat :0)

    liebe Grüße

    E

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich glaube, ob eins oder zwei oder fünf, das kommt gar nicht mehr so drauf an. Es tümmelt sich irgendwie sofort, nicht wahr?

  4. Rita sagt:

    So ein friedliches Wochenende hatten wir auch, einfach da und zusammen sein.
    Herrlich!
    Einen ganz guten Wochenstart!
    Herzlich, Rita

  5. Helga sagt:

    Danke, für dieses Teilhaben-Lassen an Deiner Welt, die mir so besonders und wertvoll erscheint.

    Und wie bewundere ich diese selbstgemachten Kerzen, die da, wie nebenbei, auftauchen…!
    Gibt es dafür irgendwo eine Anleitung?

    Ich sende Dir liebe Grüße,
    Helga

    • kirschkernzeit sagt:

      Merci zurück! Fürs Lesen bei mir…
      Also, die runden Kerzenschalen, die sind gar nicht mal von uns; aber sie waren so da beim Kerzenziehen im Dorfcenter und ich fand sie einfach zu schön… 😉 Selber gemacht haben wir nur die normalen, langen Kerzen. Die wurden in riesigen Kesseln voller buntem Wachs eingetaucht und abgekühlt, abgetrocknet und wieder eingetaucht… Zuhause wirddas wohl schwierig nachzumachen, fürchte ich. Da würde ich dann eher Kerzen giessen…
      Guck dich vielleicht mal um in deinem Wohnort; hier in der Schweiz wird das öfters von Dorfvereinen oder Kirchgemeinden öffentlich angeboten, aber auch nur in der kalten Vorweihnachtszeit…

  6. Maja sagt:

    Liebe Bora,
    wie groß Deine Mädchen schon sind!
    Wo so fröhliche, selbstbewusste und kreative Kinder leben, scheint das Elternhaus ein guter Aufwachsort zu sein.
    Die Kerzen sehen sehr kunstvoll aus.
    Grüße, Maja

  7. Liebe Bora,
    gestern habe ich mit den Kindern Elsa Beskows „Bei den Wichtelkindern“ gelesen. Erstaunt fiel mir auf, dass ihr das ja seid. Sie haben zwei größere Jungs, zwei kleinere Mädchen und am Ende der Geschichte noch ein kleines Geschwisterchen! Das kleine Mädchen sieht auch aus, wie deine (zweit)kleinste!

    Liebe Grüße,
    Kathrin

  8. Lena sagt:

    Liebe Bora,

    Wunderbar deine Gefühle zu lesen, treffen sie doch einmal mehr den Nagel auf den Kopf.
    Ehrlich und tief fühlt es sich an was du schreibst …. Und von Liebe durchdrungen, egal wie chaotisch, aufgeräumt, unordentlich, hell oder dunkel die Tage sind die du beschreibst ….. Die Liebe hat überall ihre Kraft verteilt und spinnt ihr Netz.
    Und desshalb lese ich hier so gerne!
    Habt es schön …..liebst Lena

  9. Hirundo rustica sagt:

    Das hast du ganz toll ausgedrückt, liebe Bora! In diesem Text kann man sich wieder finden 😉
    Viele Grüße!

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