Sturmfrei

Sturmfrei stimmt eigentlich nicht so ganz.
Aber wenn ich einzige mein Baby bei mir zuhause hab‘, fühlt sich das schon ziemlich ähnlich an. Also doch sturmfrei. Für 2 Nächte und 2.5 Tage. Mann und Söhne sind ausgeflogen auf Männerreise und mit ihnen ist ein grosser Teil Alltags-Gefühl auf und davon, wie mir scheint. Nur ich und mein kleines Mädchen.
Spontan die beste Freundin besuchen? Plötzlich möglich! Wir reisen mit leichtem Gepäck und ungewohnt präsent im Hier und Jetzt, weil alles worauf es ankommt mit grossen Augen auf meinem Schoss sitzt.
Entspannt in der Stadt Bücher durchblättern, während Baby schlummernd im Tuch an meiner Brust liegt- Augenblicke mit Seltenheitswert.
Mit einer alten Dame plaudern, die sich kaum losreissen kann vom Bild dieses unschuldigen Kind-Schlafes in meinen Armen, inmitten der Geschäftigkeit des Stadtlebens- Berührend und faszinierend.
Mich mit einer jungen Mutter und ihrem süssen Töchterchen aus dem Bauch heraus zum Plaudern auf dem Spielplatz verabreden, einfach, weil sie mir so sympathisch ist- Spontan und beschwingend.
Heimkehren in ein verwaistes Haus, wo die Kinderbetten unberührt bleiben werden- ein bisschen bedrückend und traurig. Aber das ist in Ordnung.
Abends trudelt eine meiner Schwestern bei mir ein, bleibt über Nacht, und morgens trinken wir zusammen mit uns’rer Mama Frühstückskaffee in meiner Küche: es ist diese ausgewogene Mischung aus Alleinsein und Gemeinschaft, die sich so wohltuend über meinen Tag ergiesst und irgendetwas in mir wieder ins Lot bringt.
Und mein Baby sonnt sich in der Zuwendung, die für diese kurze Weile nur ihr allein gehört. Wir schmusen endlose Kuschelpausen durch,
essen nur worauf wir gerade Lust haben (Kirschen!) zu völlig unkonventionellen Tageszeiten, stöbern ohne Armbanduhr beim Dorftrödler in allen Ecken und nehmen uns so intensiv wahr, wie es alltags nur selten möglich ist, wenn drei Kinder um mich buhlen.
Es fühlt sich leichter an. Einfacher. Überschau- und berechenbarer und darum entspannt. Nur ich und sie. Und ungeteilte Nickerchen-Freiheit.
Sturmfrei eben.
Und doch freue ich mich auf die wilde Horde, die demnächst wieder hier einfallen wird! 

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9 Kommentare zu Sturmfrei

  1. mairlynd sagt:

    Wie schön Du das beschrieben hast! Das sind sicher zwei ganz besondere Tage für Euch, wie ein kleiner Urlaub.

    Ich beneide Dich ein wenig darum, mit Deiner Tochter noch im Tuch gehen zu können. Ich hab das mit Milena immer so genossen… aber die Zeiten sind leider vorbei, und wenn ich selbst wieder fit genug dafür wäre, ist sie sicher schon zu groß (und außerdem ist der Platz vermutlich dann durch unseren Sohn besetzt.) Aber ich erinnere mich sehr genau, wie schön das war. Diese Nähe, diese Vertrautheit, die Geborgenheit, in der sie getragen wurde. Ich bekam viele liebe Kommentare, besonders auch von älteren Menschen, wie schön das für die Kleine doch wäre, und schade, dass es sowas damals noch nicht gegeben hat. Und meine Tochter saß dort, staunte mit großen Augen alles an und strahlte in die Welt hinaus. Und wenn es ihr zuviel wurde, legte sie einfach ihr Köpfchen an meine Brust und schlummerte weg. Ach, ich werde direkt ein wenig schwermütig…

    Ich wünsche Euch noch schöne Tage zu zweit! Geniesst Euch und die Ruhe, ehe Deine Männer wieder einfallen. 🙂

  2. mausekind sagt:

    deine worte berühren mich sehr. ich genieße es auch (noch) mit meiner tochter allein zu sein…und sie und das leben ganz intensiv zu genießen. achtsamkeit pur. mir kommts auch immer bissel vor wie sturmfrei wenn der lieblingsmann mal erst spät heimkommt 🙂 tragen mag ich auch wieder…aber greta will meist raus sich selbst bewegen 🙁 sende dir liebe grüße und danke

  3. kirschkernzeit sagt:

    @mairlynd: Ja, in bisschen wie Ferien und so ungewohnt, weil ich seit Jahren nicht mehr für länger mit einem meiner Kinder alleine war… Schön! Dass du Milena gerne länger getragen hättest, kann ich gut verstehen, wirklich. Es ist wirklich eine wunderbare Sache- aber ersetzbar, glaube ich: Du nimmst dir so viel Zeit für sie, kuschelst mit ihr, bist wirklich da für sie (u.s.w). Mehr könnte auch das Tragen nicht schenken! Und weisst du, es ist auch für mich nicht mehr ganz dasselbe, meine bald einjährige Tochter im Tuch zu haben oder sie als winziges Baby, das sich völlig einschmiegte und wo ich spürte, dass sie irgendwie angewiesen war auf diese schützende, warme Hülle. Das Kind wächst einem im wahrsten Sinne des Wortes davon, lässt sich zwar tragen, geniesst die Nähe, die Geborgenheit- aber schwupps, im nächsten Augenblick ist es gefesselt von irgendwas ausserhalb dieses Kokons und muss jetzt aber ganz, ganz unbedingt dorthin…Mausekind hat das ganz gut geschildert. Ich trage sie auch nicht mehr vorne, meistens im kleinen Tuch seitlich (zum Sitzen oder wenn sie schläft, schiebe ich sie mir vor den Bauch) oder für längere Strecken auf dem Rücken (nur mag ich es nicht, wenn sie so einschläft mit hängendem Kopf…). Du darfst dich jetzt ganz fest freuen auf deinen kleinen Jungen, der bald schon an deiner Brust wegschlummern darf…
    @mausekind: Dankedankedanke! Es freut mich so, wenn mein Text dich berührt hat! Es ist für mich immer seltsam und wunderschön, wenn ich mich selber wiedererkenne in einem eurer Posts und ich freue mich, wenn es einem von euch einmal auch so geht bei mir. Wie gerne du Mama bist, merkt man auch in deinem Blog. Wie bei Mairlynd (und anderen tollen Mamas der Bloggerwelt) denke ich auch bei dir immer wieder: Was für glückliche Kinder das doch sind, bei so unglaublich viel Liebe und Dasein!

  4. Schnulli sagt:

    Hallo,
    ich bin gerade per Zufall auf deiner Seite gelandet. Auch wenn es noch arg früh ist, bin schon fast ne Stunde am lesen,tolle, mit Liebe gemachte Bilder am gucken, staunen und in eigenen Erinnerungen am schwelgen.
    Du hast wirklich einen sehr, sehr schönen blog. Hab ihn direkt ins Abo genommen..bin echt begeistert. Man bitte, bitte weiter so
    werd auf jeden Fall öfter kommen. VERSPROCHEN

    Leeve Jrööß
    Schnulli

  5. Das kann ich mir denken, dass so eine sturmfreie Zeit was Besonderes ist. Ich habe das ab und an „im Kleinen“, wenn Papa+Tochter in den Wald gehen oder Ball spielen und ich alleine im Haus bin. Ich denke mal, in ein paar Jahren werd ich mich auch mal freuen, mit nur einem Kind ein bisschen Zeit verbringen zu können 🙂
    Alles Liebe und genieß die Stunden!!!!

  6. nik sagt:

    Lustig. Geht mir ganz genau so. Meine Männer sind allerdings drei Wochen weg. Ich habe auch das totale Urlaubsgefühl. Wir essen die ganze Zeit Johannisbeeren. 😉 Leider ist es Frau Kleinkind immer ziemlich langweilig ohne Gesellschaft und obwohl ich mit Engelsgeduld neben ihr sitze und ihr beim Flaschen zuschrauben, sortieren und Wasserhahn laufen lassen zusehe, wird sie irgendwann nölig und wir müssen etwas unternehmen. Was sonst gar nicht so meine Art ist. Ich hab's doch gerne ruhig und gemütlich. 🙂 Mal sehen, was wir morgen machen. Liebe Grüße, nik

  7. Susanne sagt:

    Liebe Bora,
    das kann ich gut verstehn, dein Schwanken zwischen geniessen und ein bisschen traurig sein. Vielleicht ist es auch immer die Sehnsucht nach dem, was man gerade nicht hat..die Zeit und Ruhe für sich, und hat man sie, wünscht man sich wieder den trubeligen und doch auch so schönen Alltag.
    Kann mich noch erinnern, als meine Tochter noch klein war und sie bei Freunden oder den Grosseltern übernachtet hat, wie ich das „Sturmfrei“ genossen habe und gleichzeitig es nicht erwarten konnte, sie wieder bei mir zu haben. Tja..und jetzt hab ich eigentlich immer sturmfrei und freu ich mich ganz doll, dass sie uns für eine Woche besuchen kommt:)!
    schicke dir ganz viele liebe Grüße
    Susanne

  8. *emma* sagt:

    Einfach wunderschön geschrieben!!!

  9. Anja sagt:

    Du schreibst wirklich einfach zauberhaft! Ich wünsche mir auch so einen Kurzurlaub, wo meine zwei Männer mal weg sind und ich meinem Mädel einmal meine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen kann.. Vielleicht nächsten Sommer?

    Liebi grüäss, anja

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