Wochen-Ende: eine Ahnung von Sommer

Dieses Wochen-Ende stand ganz im Zeichen des Sommers. Eines Sommers, der noch nicht ist, sich aber jetzt schon erahnen lässt, der frühen Morgen und satten, blühenden Wiesen wegen. Und dann der Holunder! Der Busch, der aus dem völlig verlotterten Gartenschuppen unserer Nachbarin heraus zu uns herüberwuchert (was mich sehr freut!), ist zu einem echten Baum herangewachsen, über und über mit duftenden, schneeballweissen Blütendolden übersäht. An manchen Stellen sieht man bloss noch Weiss, kein bisschen Grün mehr… prachtvoll!
Auch Herr Kirschkernzeit ist schwer beeindruckt von dieser Üppigkeit; unten in der Waschküche steht seit heute ein grosser Topf, randvoll mit Holunderblüten. Für Sirup. Bisher brachte mir immer eine liebe Freundin von ihrem selbstgemachten Hollersirup. In diesem Jahr wird sie selber wohl nicht dazu kommen, aber ich hoffe, Herr Kirschkernzeit braut uns so vielvon seinem Gebräu, dass ich den Spiess einmal umdrehen und diesmal sie mit einer Flasche Hausgemachtem überraschen kann…
Herr Kirschkernzeit ist übrigens sowieso sehr fleissig zur Zeit. Nicht nur, dass er mir Holundersirup kocht, er gräbt auch noch den ganzen Gartenplatz um, meisselt einbetonierte Altsünden unserer Vorgänger aus der Erde (abgesägte Teppichkopfstangen und so) und macht uns aus dem alten, düsteren Geräteschuppen, der bisher unser kleines Grundstück demoninierte, eine Art Pergola. Mit abgeschliffenem Balkengerüst und frisch geschrubbtem Wellendach. Eines Tages soll hier gemalt, gegessen und gelesen werden, Tisch und Bänke sollen hier stehen und rundherum Blumen blühen und duften… Der Traum davon steht immerhin schon. Und die eben erst gestrichenen Balken sehen bereits recht vielversprechend aus…
Samstag verbrachten wir praktisch den ganzen Nachmittag draussen. Der Tag war so herrlich und mich lockte der feine, schmeichelnde Wind, der so schön über die Haut und durch die bald hüfthohe Bauernwiese strich, die einen meinen liebsten Spazierwege säumt. Das Gras rauschte und wogte hin und her, und die Mädchen gerieten ganz aus dem Häuschen, weil so viele Margariten und Skabiosen dort wuchsen. Die Sträusschen, die sie pflückten sehen wunderschön aus, richtig landkindmässig wucherig und romantisch, aber sie hielten sie bewusst schmal und sparsam, weil, Bienen und Falter brauchen diese Pracht noch viel dringender als ich… auch wenn ich absolut schwöre auf die heilsame Kraft von Wiesenblumensträusschen auf dem Küchentisch.

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Das mit den Bienen und Faltern, das verstehen die Kinder. Auch wenn die Blumen noch so hübsch und verlockend aussehen, Bienen und Falter, die haben Vorrang. In unserem Schmetterlingshotel verbrachten drei Schwalbenschwänze ihren Winter im Kokon. Der erste Falter schlüfte letzte Woche, fiel aber einer hungrigen, kleinen Spinne zum Opfer, die unbemerkt ins Gehege gekrabbelt war und nur darauf wartete, dass wieder Leben aus den starren, undurchdringbaren Kokons schlüpfte. Der zweite Falter aber, der hatte Glück; gross und kräftig verliess er gestern mit weit offenen Flügeln sein altes Zuhause. Wir alle wünschten ihm viel Glück auf seinem Weg. Und ganze Blumenwiesen voller Margariten und Skabiosen. Oder mit wilder Möhre in seinem Fall.
Von wegen Bienen; Tatsächlich habe ich dank einem heimatlosen Schwarm Bienen samstag abend zum allerersten Mal die Feuerwehr angerufen. Auf dem Spielplatz hing eine ganze Bienentraube summend und vibrierend am Geäst des Heckenlabyrinths, dort, wo normalerweise die kleineren Kinder Fangen und Verstecken spielen. Ich mag Bienen, ehrlich, aber das ging mir dann doch ein bisschen zu weit…
Die Dame vom 118 vermittelte mir eine Bienen-Inspektorin (echt wahr, das nennt sich offenbar so), die mit weissem Overall, einfachen, gelben Gummihandschuhen und Bienennetz-Helm die ganze, surrende Truppe in eine Kiste packte und mit nach Hause nahm. (Bzw. an einen Imker-Neuling weiterschenkte, denn sie selber hat mit ihren rund 120 Völkern bestimmt mehr als genug zu tun). Seither weiss ich, wie es aussieht, wenn ein Bienenvolk sich teilt und gemeinsam mit seiner neuen Königin ausschwärmt, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Traubenartig. Wie ein langes Knäuel bräunlicher, zitternder Weidenkätzchen. Und, ach ja, Bienen sehen dunkle Farben besser als helle, sagt die Bienen-Inspektorin. Darum sind alle Imker-Sachen weiss. Dann stechen sie weniger. Dunkle Jeans beim Bienenvölkerfangen wären wohl auch keine so gute Idee…
Das mit den Bienen, das war der abenteuerliche Teil des Wochenendes. Der gemütliche Teil, der sah mehr nach ein bisschen Sofagroove und klitzekleinen Hausfrauenfreuden aus. Nebst all dem stinknormalen Hausfrauenhamsterraddrehen schaffte ich es nämlich tatsächlich, meine Nähmaschine aus ihrer Kiste zu befreien, den Staub abzublasen und ein Patchwork-Kissen, an dem ich schon seit Wochen nicht mehr gearbeitet, das ich fast schon vergessen hatte, um ganze drei Log Cabin Streifen zu erweitern *Schulterklopf*. Viel ist das nicht, ich weiss. Aber schön ist es, das Nähen. Vielleicht umso schöner, weil es so selten bleibt.
Aber jetzt muss ich wieder. Ich habe da eine Verabredung. Mit mir. Und meinem Strickkorb. Auf die Gefahr hin, dass ich euch jetzt langsam langweile damit; Da ist dieser blassrosa Wollpullover für mein Mädchen, an dem ich so wahnsinnig gerne arbeite. Und der auch schon so wahnsinnig weit gedeihen durfte (was mich selber am allermeisten erstaunt und ganz doll freut). Der erste Ärmel könnte heute abend schon fertig werden…

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Ein Kommentar zu Wochen-Ende: eine Ahnung von Sommer

  1. Regula sagt:

    Oh nein, die Nähmaschine verliert ihren Reiz nicht, auch wenn sie häufig zum Einsatz kommt. Viel Freude beim Stricken, Nähen oder Bienenvölker Retten. lg Regula

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