Vollkommen okay

Ich danke euch für die freundlichen Worte zu meinem letzten Post… Mir ist klar, dass ich mich mit so offenen, persönlichen Texten manchmal ganz schön weit zum Fenster lehne und mich ziemlich angreifbar mache damit. Aber jedes Mal, wenn ich versuche, mich selber ein bisschen rauszufiltern aus meinen Posts, vielleicht sogar mal ganz auf Gefühlsduselei zu verzichten, um möglichst neutral zu bleiben, dann geraten meine Finger ins Stocken und der Text ins Stottern… bis ich schlussendlich doch wieder bei dem lande, was mich wirklich bewegt: Zum Herzschmerzfreudundleid aus meinem Alltagsleben, zu dem, was wirklich wesentlich ist für mich.
Ich konnte das noch nie sonderlich gut, neutral schreiben. Sachlich bleiben. Als wir im Gymnasium einmal einen Zeitungsartikel verfassen sollten, knapp und aufs die wesentlichen Fakten reduziert, war das einfach grauenhaft  für mich. Ich hatte das Gefühl, plötzlich ohne Sprache dazustehen. Und kassierte dann auch prompt meine allerschlechteste Deutschnote ever…
Nun, was ich eigentlich sagen will ist dies: ein dickes, fettes DANKESCHÖN an euch alle! Ich weiss, dass Freundlichkeit niemals selbstverständlich ist und bin sehr, sehr glücklich über jedes nette Wort, das mich auf diesem oder jenem Weg erreicht. Manchmal zweifle ich an meiner Art zu bloggen. Ob das richtig ist so oder doch zu gewagt… aber dann finde ich wieder einen ruhigen Moment zum Schreiben, tippe frisch von der Leber weg wild drauflos und vergesse die Welt um mich herum für einen Augenblick. Schreiben ist so erfrischend, so … belebend für mich. Aber nur, wenn es persönlich bleibt, vom Ich zum Du, ganz direkt. Schön, dass es Menschen gibt, die mich lesend dabei begleiten…

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Aber eigentlich wollte ich ja was ganz anderes schreiben heute. Einen Kurzpost wollte ich schreiben. Über Geschenke. Ich bin selber so was von verwöhnt worden nach der Geburt meiner kleinen Tochter, mit lieben Mails, Glückwunschkarten und liebevoll ausgewählten, oftmals sogar selbstgemachten Geschenken (herrlich!)… Aber ich selber kam -obwohl allein im April schon drei für mich recht wichtige Geburtstage anstanden- so gut wie nie dazu, mich hinzusetzen und an einem Geschenk zu nähen oder zu stricken. Immerzu standen andere Projekte auf der Dringlichkeits-Liste und mir wurde klar, wie wichtig es für mich ist, mich jetzt erst mal keinem grossen Produktions-Druck auszusetzen. Selbermachen soll Spass machen, Schenken soll Spass machen, und auch wenn ich wirklich am allerallerliebsten Selbstgemachtes verschenke, ganz persönlich vom Ich zum Du, genau wie meine Posts, ist es manchmal genau das Richtige, ein Geschenk einfach „nur“ zu kaufen und mich daran zu freuen, dass ich etwas Hübsches „auf sicher“ schon mal bereitliegen habe. Gut möglich, dass dann sogar noch etwas Zeit bleibt für kleine, feine Kinkerlitzchen, fürs ein-bisschen-Verschönern oder Personalisieren und nett Verpacken, aber alles ganz entspannt und wirklich nur soweit, wie Zeit und Kraft es zulassen.
Genau so kamen auch die letzten drei Geburtstags-Geschenk für drei ganz besonders wichtige Frauen in meinem Leben zustande. Jeweils einer der wunderschönen, handwerklich hergestellten Keramik-Kresseteller von „Grüne Erde“  kombiniert mit einem Päckchen Bio-Kressesamen und einem sehr schlichten, selbstgenähten „Mug Rug“ (inspiriert von „Linen, Wool, Cotton“) oder einer beim Trödler entdeckten Leinenserviette mit der passenden, eingestickten Initiale. Supersimpel, ich weiss, aber mir hat’s Freude gemacht, diese kleinen Sets zusammenzustellen. So un-beindruckend diese Dinge auch sind, ich glaube, sie passen ganz gut in jeden der drei Haushalte und  -aus ganz unterschiedlichen Gründen- bestens zu jeder dieser drei tollen Frauen.
Natürlich freue ich mich schon auf die Zeit, wenn ich es schaffe, wieder mehr Selbstgemachtes zu verschenken. Hausgemachtes ist einfach… etwas ganz besonders Besonderes für mich. Aber kaufen ist auch nicht schlecht. Kaufen ist okay. Solange es von Herzen kommt, vollkommen okay.

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8 Kommentare zu Vollkommen okay

  1. milena sagt:

    Kaufen ist ok, selbermachen eigentlich auch. Aber nur, wenn sich die Beschenkten darüber freuen. Ich habe schon lange aufgehört, was Selbstgemachtes zu verschenken.

    Letzthin war in einer Gratisabendzeitung ein pro und contra über dieses Thema. Hui, da sind wir aber schön „alt“ weggekommen. Kürbis im Glas, Konfitüre, schlimmstenfalls noch dekoriert – total out. Ich würde gerne so was verschenken und bekomme gerne solche Geschenke. Aber… in diesem Artikel ist von Ego-Trip und Bastelgeschenken wie von Kindern die Rede. Das pro meint allerdings, dass das eine gute Alternative zur Weinflasche ist und bald gegessen ist. Besser, als eine Deko (zB. für die Wohnung), die man lieber nicht möchte.

    Ich kaufe also auch in Zukunft die Geschenke und stricke und nähe lieber was für mich. Ein guter Kompromiss, finde ich.

    Liebe Grüsse
    Milena

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich habe dein Artikel zwar nicht gelesen, aber ich kann mir in etwa vorstellen, wie das mit dem Ego-Trip beim Verschenken von Selbstgemachtem gemeint ist… und ein bisschen kann ich das auch verstehen. Wahrscheinlich ist es mit dem Selbermachen und Verschenken genau wie beim Kaufen; sobald man den Beschenkten aus dem Blick verliert und mehr für sich selber werkelt/kauft als für sie/ihn wird es schwierig, oder? Dann ist die Chance schon recht gross, dass das geschenk ziemlich bald im Abfall landet (oder auf dem Speicher vergammelt). Wobei; das Riskiko besteht ja bei allem, was man schenkt, auch wenn es noch so gut gemeint und überlegt wurde… Nur schmerzt es einem antürlich weniger,wenn man gekauftes nicht estimiert sieht als Sachen, an denen man echt STunden gearbeitet hat, klar. Von daher finde ich deinen Kompromiss sehr gut, und wenn man merkt, dass jemand generell Selbstgemachtem nicht viel abgewinnen kann (solche jemands gibts auch in meinem Umfeld *snif*), dann ist es schon nicht so der Hammer, wenn dieser jemand trotzdem immer wieder gestrickte Socken und Co. in seinen Päcklis findet, von daher kann ich auch Kritik am SelbermachenundVerschenken gut nachvollziehen (wahrscheinlich war der Kritiker selber ein gebranntes Kind oder so)… Manchmal sehe ich, dass jemand total gut stricken oder nähen oder filzen kann und hoffe insgeheim, dass ich mal so was von ihr/ihm geschenkt bekomme, traue mich aber kaum, was in der Hinsicht zu äussern… und hoffe einfach inständig, dass auf der anderen Seite keine Skrupel bestehen, Handgemachtes als Präsent zu vergeben- womöglich sogar nach der Lektüre solcher ProundContra-Artikel;-)
      PS. Weisst du, was ich mir gerade gestern für ein Buch gekauft habe: „Geschenke im Glas“. Da wär also auch Konfitüre drin- und ich finds natürlich mal wieder klasse, altmodisch wie ich bin;-) (Vielleicht sollte ich allen Freunden und Bekannten so ein Buch verschenken… so was Wink mit dem Zaunpfahl *grins*)
      Danke für deinen Comment! Ich schätze solche Inputs enorm, weisst du!
      liebe GRüsse noch
      Bora

      • milena sagt:

        Falls es dich interessiert, hier ist der Link zu diesem Thema dazu:
        https://reader.ringier.ch/ZH/20150512#22

        Weisst du, was ich glaube? Wenn ich mich mit etwas befasse, alles darüber lese, es selber ausprobiere und das Ergebnis umwerfend finde, habe ich unweigerlich das Gefühl, alle um mich herum müssen gleicher Meinung sein. Ich will alle damit anstecken und ich will meine Freude mit ihnen teilen. Das gilt von eingemachtem süss-saurem Kürbis über Erdbeerkonfitüre (die übrigens tausendmal besser ist als die gekaufte) hin bis zu den gestrickten Socken und genähten Taschen.

        So ein Artikel holt einen wieder zurück auf den Boden: Hej, nicht alle ticken so wie du und sie richten ihren Focus auf anderes. Man kann schliesslich fast alles kaufen. Aber nur fast…

        alles Liebe
        Milena

  2. Nicole sagt:

    Liebe Bora,
    hör bitte nie auf zu bloggen….ich bin so berührt von deiner liebevollen Art zu schreiben, finde mich ständig wieder in den Worten, die die Dinge beim Namen nennen und freue mich über jede Zeile, die mir wie aus dem Herzen geschrieben ist….
    Deine Fotografien sind so rein und echt…..hmmmmm….wunderschön….
    Ich habe im März mein viertes Kind bekommen und weiß genau was du meinst, denn mein inneres ist deinem ziemlich ähnlich….
    Gute Wünsche an dich und deine Lieben
    Nicole

    • kirschkernzeit sagt:

      Dankschen! 😉 Superschön so was zu lesen *freu* Und dir wünsche ich eine ganz gute Geburt und ganz viel Segen für die erste, zauberhafte, vereinnahmende aber einfach einmalige Zeit (und natürlich auch darüber hinaus!)

  3. amselgesang sagt:

    Bora, ich LIEBE deine „Kurzposts“!!!
    (Auch und besonders wenn sie dann doch etwas länger werden…) 🙂

    Herzlich, Brigitte

  4. Petra Schmidt sagt:

    Liebe Bora,
    Du wärst doch nicht mehr du, wenn Du sachlich schreiben würdest. Du bist Du mit Deinen Gedanken, Deinen Zweifeln, Deiner Liebe für Deine Familie und Deiner Freude am Kreativ sein.
    Ich lese bei Dir, weil Du so authentisch bist, weil Du uns teilhaben lässt an Deinem Leben und
    das ist für mich eine große Freude. Bitte mach weiter so. Kennst Du das Lied von Jürgen Werth:
    „Du bist Du“? Für mich bist Du „du“.
    Dir und Deine Lieben ein schönes Pfingstwochenende.
    Petra

  5. raniso sagt:

    Du bist toll! 🙂 Die Kresse hier wird von meinen Mädels regelmässig ertränkt und steht doch immer wieder auf… 😉
    Ganz liebi grüäss, anja

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