Aus dem Näh-Rausch

Ich bin es, ja, kurz aufgetaucht aus dem Näh-Rausch. Ich weiss zwar nicht, ob das auch unter die Kategorie „Nestbaufieber“ fällt, aber im Moment muss ich mich ehrlich beherrschen, nicht den ganzen Tag lang von morgens bis abends an der Nähmaschine zu sitzen und zu nähen. Manchmal wache ich auf und schon schiessen meine Gedanken los in Richtung Bücher-Regal, direkt zu meinen Nähbüchern, nur um dann augenblicklich weiterzudüsen zu den Stoff-Stapeln in der Gerümpelkammer, in meiner Näh-Kommode und im kleinen DVD-Sideboard rechts am Büchergestell, das bereits vollgepackt ist mit kleinen, feinen, ordentlich zusammengelegten Stoff-Stücken im Patchworkformat. Ich bin so voller Tatendrang! In diesem einen Bereich jedenfalls… Ansonsten fühle ich mich wirklich plump und sofort aufgebraucht, nach nur wenigen Handgriffen im Haushalt oder einem knappen Spielplatz-Besuch. Bis zum Wald schaffe ich es längst nicht mehr, geschweige denn zurück. Aber nähen! Das geht. Und es fühlt sich so wunderbar an!

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Hier muss ich weder wendig sein noch stark oder ausdauernd. Mein runder Bauch darf ruhen wo er will, schön still auf meinem Schoss, und die kurzen Abstecher zum Bügelbrett, wo ich Säume auseinanderbügle oder neue Stoffstücke glätte, tun meinem Becken mit seinen doch schon sehr gelockerten Knochen gut. Ausserdem lenkt es mich ab. Von allem, was mir bevorsteht und mich innerlich in Aufruhr versetzt, sobald ich mich allzusehr ins Grübeln fallen lasse. Ein bisschen Ablenkung ist gut. Nähen ist gut. Und gegen ein bisschen mehr Kinder-Frühlings-Garderobe habe ich auch nichts einzuwenden, denn meine Kinder, die wachsen und wachsen und ihre Kleiderregale werden mit jedem Ausmisten leerer und leerer…
Obwohl ein Schürzchen heutzutage nicht mehr gerade zu den Basics gehört, was die Mädchengarderobe betrifft, hatte ich urplötzlich irrsinnig Lust, meinem Mädchen eines zu nähen. Nicht zum Kochen und Backen unbedingt, sondern einfach bloss so, über Hosen oder Jupe und Shirt. Für einen Hauch Frühlingshaftigkeit. Weil mich Schürzen immer so an Bullerbü erinnern, wo der Frühling einfach herrlich sein muss.

Vor einigen Jahren habe ich mir einmal -dank einem schönen Post von Amberlight-Label– das tolle Schürzenkleidchen-Schnittmuster vom Stollentroll aus dem Netz heruntergeladen und seither als dicke Rolle in meiner Schublade aufbewahrt. (Leider lässt sich der reguläre Link nicht mehr öffnen. Doch hier kann das Stollerntrolls Schnittmuster, nach einer Registrierung, wieder ausgegraben werden.) Simpel und effektiv; Genau so ein Kleidchen sollte es sein, musste es sein! Jawohl!

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Und tatsächlich; Schürzenkleidchen sind wirklich Balsam für alle, die jetzt! sofort! etwas Hübsches an ihrem Nähtisch entstehen lassen wollen, ohne eine halbe Ewigkeit mit einzelnen Schnittteilen verbummeln zu müssen. Einmal zugeschnitten, darf man sich zu Tische setzen und nähen, nähen, nähen, in einer einzigen, wunderbaren Naht den Kanten entlang. Und nach dem Wenden dann gleich nochmals. (Es sei denn man verwendet, wie AmberlightLabel, ein Schrägband. Das wird dann schon kniffliger. Dafür besonders speziel).
So eine einzige, ellenlange Naht entlang einer weiche, geschwungenen Kante… das hat so was Meditatives. Man fährt langsam und achtsam immer einer sich sachte bewegenden Linie nach, lässt die Gedanken zur Ruhe kommen, alle Ängste im Nirgendwo verschwinden, und nichts zählt mehr, ausser einer feinen Nahtlinie direkt unter meinen Händen. Nähen als Medizin. (Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, diese Art der Entspannungs-Übung in Geburts-Vorbereitungs-Kursen zu erwähnen? Für Frauen wie mich, die leicht überreizt sind je näher der Geburtstermin rückt…)

Die sedierende Wirkung dieses kleinen Näh-Projekts war aber nicht der eigentliche Grund dafür, dass ich gleich zwei Schürzenkleidchen hintereinander genäht habe…
Das blau-karierte Bullerbü-Schürzchen (genäht aus einem alten Tischtuch vom Trödler), auf das ich mich zuerst stürzte, fiel einfach viel, viel, viel zu gross aus für mein bald sechsjähriges Mädchen. Der gute Stollentroll hat alles so schön vermessen, Brustumfang und Länge jeder Schnittgrösse angegeben, nur keine Altersangaben oder Kleidernummern. Und ich Dussel war natürlich viel zu berauscht vom Zauber aller Anfänge, um nachzumessen… Also habe ich einfach mal die grösste Grösse gewählt, um sicher zu gehen (oder so)- und damit prompt eine Schürze geschaffen, in die sogar mein neunjähriger, kräftig gebauter Junge noch bestens hineinpasst.
Nun ja. Neun wird auch mein Mädchen einmal sein…

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Und bis dahin trägt sie ihres. Das mit dem süssen, hellgrauen Bio-Walstoff von „Birch Fabrics“.  Die kleinere Version mit 72cm Brustweite, die ich diesmal gewählt habe, hat es, glaube ich, getroffen: Mein Mädchen liebt ihr neues Schürzchen und trägt es mit ganz viel Stolz (und ein wenig Schüchternheit bisweilen).
Besonders die bunte Patchworktasche hat es ihr angetan. Weil, da passt so viel von dem Kram rein, den kleine Mädchen einfach ganz unbedingt immerzu bei sich haben müssen. Und genau diese Schürzentaschen haben auch mir selber enorm viel Spass gemacht. Den typischen, rauschartig-verspielten Patchwork-Spass eben, und zwar so viel davon, dass sie … nun ja… sogar eine Art „Patchwork-Renaissance“ im Hause Kirschkernzeit ausgelösen konnten. Mit einer gewissen Geburtstags-Wimpelkette, ja, und mit einem neuen Kissen, von dem ich euch baldbald auch erzählen werde…

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7 Kommentare zu Aus dem Näh-Rausch

  1. Linnea sagt:

    Liebe Bora,
    du hast ein so sichere Hand in Sachen Stoffauswahl und Farben! Das Schürzchen ist ganz wunderbar. Mich hat es übrigens neulich genauso erwischt und ich habe eine Betty für mein Babymädchen genäht, mit nostalgischen Blümchen, kühlem Grau und wärmender Bordeauxborte. Ich wünsche dir alles Gute für die vielleicht letzten Schwangerschaftstage, die Geburt und die besondere Zeit danach!
    Linnea
    P.S. Und ich würde mich sehr über deine Adresse per Mail freuen 🙂

  2. susi sorglos sagt:

    Wunderhübsch sind sie geworden! Es wird wohl nicht mehr lange dauern Liebe bora, dein Nestbautrieb ist unübersehbar!liabe grüasle susann

  3. Wunderbar, die beiden Schürzchen. Grad letzte Woche habe ich auch eines genäht, für mein kleines Mädchen. Aber es ist noch viel zu groß, leider. Aber sie ist erst 9 Monate alt und in dem Alter wachsen kleine Glückskinder sowieso wie Unkraut, also wird es bald passen. Ja es stimmt, es hat etwas meditatives und es ist ein wunderbares Glücksgefühl, etwas mit Händen Geschaffenes in Händen zu halten. (was länger währt als Getanes im Haushalt, das so mirnichtsdirnichts wieder ist wie`s war). Vielen Dank für den Link, so bin ich für die nächsten Größen gleich versorgt!
    Und die Knöpfe vom Bullerbüschürzlein habe ich auch zuhause und liebe sie sehr.
    ♥lich, Carmen

  4. Barbara Karl sagt:

    Liebe Bora!

    Also erstensmal: die Schürzerln sind ganz entzückend und wie schon jemand vor mir sagte, deine Stoffauswahl ist echt gekonnt!

    Ich hab (nur) 3 Kinder und hab mir jedesmal viele Gedanken gemacht, dass man eigentlich in dieser Situation ganz anders leben müsste: in einem Haus mit Schwestern und Cousinen und der Möglichkeit (vor allem die letzte Zeit) die Schwangerschaft so zu verbringen, wie man es grade braucht – die Frauen, die grade nicht schwanger sind könnten bissl im Haushalt helfen, die, die das Baby bekommt hat halt den Flickkorb über, erzählt allen Kindern Geschichten und macht, was ihr sonst noch ein Herzensbedürfnis ist (das aber ohne Sorgen und schlechtem Gewissen…). Grade auch dann im Wochenbett sollte man die erste Zeit, die Ankunftszeit, mit dem kleinen neuen Erdenbürger sehr genießen ohne sich über „Zeug“ Sorgen machen zu müssen. Und genauso auch für die Anderen… Heile Welt? Chancenlos? Getue? Streit vorprogrammiert? Keine Ahnung, aber ich kann’s mir einfach so gut vorstellen! Du machst es sehr, sehr gut, ich wär gerne ein Kind von dir und würde mit dir basteln u.s.w…..Ich wünsch dir alles Gute!

  5. Moni sagt:

    Oh deine Schürzen sind soo schön! Besonders die kleinere gefällt mir! Schade das ich „nur“ drei Jungs habe – da sind Schürzenkleider nicht so passend :-D. Aber vielleicht näh ich für eine meiner Nichten mal eine weil ich sie so gerne mag.

  6. Susanne sagt:

    Nähen als Entspannungsübung zu empfehlen finde ich mal eine gute Idee. Es stimmt, dass man wirklich mal komplett vom Alltag abschalten kann und sich stundenlang nur aufs Nähen konzentrieren kann. Die beiden Schürzen finde ich übrigens ganz wunderbar und die Stoffauswahl sowohl für die Schürzen als auch die Tasche ist toll, zumal die Taschen auch farblich so schön auf die Schürzen abgestimmt sind.

  7. Wunderbare Schürzen sind bei dir da entstanden und ich sitze gerade ganz melancholisch vor dem Rechner, denn bei dem von dir verlinkten Blogbeitrag (danke für die Mühe des raussuchens) ist das Tochterkind ja noch gaaaanz klein und gerade erst so alt, wie der Sohnemann jetzt. Wo ist die Zeit nur hin? Das es im virtuellen Leben Konstanten wie deine großartigen Blogeinträge und die Möglichkeit hinter die private Tür schauen zu dürfen, gibt, beruhigt mich sehr …

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