Ein bisschen plaudern

Schon wieder diese Lücke. Zwischen meinen Posts wird es immer stiller und länger. Was so ziemlich mein Leben wiederspiegelt, wo es sich auch -nach jenen lebensprühenden, bewegten Tage letztes Wochenende- irgendwie abgestandener und zurückgezogener anfühlt.
Ich bin so was von in Warte-Position. Keine Bewegungen mehr zurück, keine nach vorn, alles liegt lahm und brach und wartet darauf, dass die Saat zu keimen beginnt. Ich traue mich nur noch wenige Schritte weit aus dem Haus (bis auf den Spaziergang in den Wald letzte Woche. Da kam ich zwar ganz gut hin- aber nur mühsam wieder nach Hause) und horche jeder Bewegung in meinem Bauch, jedem Ziepen im Becken noch lange, lange nach, weil ich immer unsicherer werde, was genau sie zu bedeuten haben. Dabei ist es ja nicht mein erstes Kind. Dabei weiss ich doch haargenau, dass es -kommen echte Wehen- keine Zweifel mehr gibt. Dass man das spürt. Mit Sicherheit. Und dass sich dann auch diese doofen Ängste und die hunderttausend zweifelnden Fragen an mir, an meinen Fähigkeiten als Mutter, als Gebärende und überhaupt, auflösen werden. Für mindestens die Dauer einer Geburt.

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Aber dieses Wissen macht mich nur minim gelassener.
Obwohl ich dasitze wie eine dicke, aufgeplusterte Henne, die nichts und niemand erschüttern könnte, bin ich innerlich oftmals rastlos und zerrissen, ein Zustand, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte, weil ich mich lange Zeit zwar körperlich unwohl, aber im Herzen recht sicher gefühlt hatte, voller Vertrauen, dass alles gut kommt, dass mein Körper sich entspannen und alles seinen richtigen Lauf nehmen wird. Jetzt sind sie urplötzlich da, diese bangen Fragen, diese Selbst-Zweifel. Wie wird die Geburt verlaufen? Werde ich stark genug und bereit sein für das alles? Für die Wehen, fürs Stillen und Behüten, fürs VollundganzDasein und Michneuaufteilen?
Tagsüber bin ich meistens zu sehr eingebunden in all meinen Aufgaben, um die inneren Stimmen zu hören, wie sie fragen und bohren und Unsicherheit verbreiten. Aber abends, nachts, wo ich öfter wachliege. Da höre ich sie. Laut. Deutlich. Und ich sehe wie sie sich auftürmen wie Gewitterwolken und so vieles verdüstern, was jetzt schön und voller Vorfreude sein sollte…

Meine Dankbarkeits-Reihe hat mir sehr gut getan in dieser Phase. Ich glaube, es war gut für mich, die Dinge, mit denen ich gesegnet bin, Tag für Tag und ganz offensichtlich, einmal beim Namen zu nennen, zumindest eine Handvoll davon, denn natürlich war es viel mehr, natürlich ist es viel mehr, als die paar Einträge, die ich zustande brachte. Am liebsten hätte ich wirklich täglich mein Foto und ein paar Worte hier gepostet, festgehalten, wie gut es das Leben mit mir meint im Grunde, und wie nichtig, klein und vergänglich dagegen die Schattenseiten sind, denen ich viel zu oft, viel zu viel meiner Zeit und Aufmerksamkeit schenke. Für ein „täglich“ hat es leider nicht gereicht. Wird es wohl auch nicht. Noch lange nicht. Aber das Ganze hat mich selber berührt und wach gerüttelt, und das ist weit mehr als ich mir erhofft hatte. (Ganz zu schweigen von der Entlastung und Entspannung, die so eine Ein-Bild-wenige-Worte-Blogpost-Reihe mit sich bringt *zwinker*).

Für heute habe ich keinen richtigen Post vorbereitet. Ich wollte es zuerst, immerhin gibt es Nähprojekte genug, über die ich schreiben könnte, und daneben einen schon halb vergessenen Cashmere-Strickschal, den ich schon lange, lange einmal einschmuggeln wollte.
Doch ich glaube, für heute lasse ich es gut sein. Ein bisschen dies und das, ein bisschen zurückblicken und mir Dinge von der Seele tippen, das ist alles, was ich mir wünsche im Augenblick. Mir war gerade so nach Plaudern.

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18 Kommentare zu Ein bisschen plaudern

  1. M. sagt:

    Liebe Bora,
    alles zu seiner Zeit.
    Schönen Sonntag und auch sonst alles Gute!
    M.

  2. melanie sagt:

    Ach Bora!
    Sicher gehört die Unsicherheit kurz davor dazu und sicher vergisst man jedes Mal, dass sie schon mal da war. Ich bin mir sicher, deine Ruhe kehrt zurück, genau im richtigen Augenblick. Und jetzt puste ich dir in Gedanken mal die Gewitterwolken weg. Auf das du eine wolkenlose, tiefe und geborgene Nacht haben wirst.
    Alles Liebe dir!
    Deine Dankbarkeitsreihe war auch für mich jedes mal Balsam!

  3. Lena sagt:

    Liebe Bora,
    Ich glaube die Ängste gehören einfach dazu. Und solange sie nicht überhand nehmen sind sie auch wichtig, sie können im richtigen Augenblick auch Kraft geben, denke ich.
    und ich finde, man sollte kein schlechtes Gewissen haben, sondern einfach zulassen….. Dann lösen sie sich schneller auf als wenn man immer denkt man „darf“ sie nicht haben und „eigentlich“ ist doch alles schön… Ist es sicher auch, aber alles andere darf auch Platz haben…..
    ich bin mir auch sicher , im entscheidenden Augenblick kommt die Kraft und das Vertrauen, so oder so, da kannst du gar nichts dagegen machen 😉
    sei behütet
    Lena

  4. E sagt:

    das ist wie Anlauf holen kurz vorm großen Sprung und wenn du springst dann bist du mittendrin und fliegst

  5. Romy sagt:

    Liebe Bora,
    eine mutige „Plauderei“. Ich glaube schon, dass wir alle diese widersprüchlichen Gefühle kurz vor einer Geburt kennen. Ich bin auch überzeugt davon, dass das Muffensausen und die gespannte Freude im Wechselbad der Gefühle normal sind. Viermal hast du dich schon auf deinen Körper und deine Kraft verlassen können. Es wird dir wieder gelingen und die Neufindung, daran seid ihr ja alle beteiligt, das kann nur gut gehen.
    Bis zur Geburt wünsche ich dir ruhige erholsame Nächte und eine Menge guter Gedanken, Romy

  6. Steffi sagt:

    Liebste Bora,
    plaudern tut gut, vor allem mit Dir!
    Ich kann Deine Gedanken gut nachvollziehen, es geht glaube ich, jeder Mutter so, kurz vor der Geburt. Bald ist die Zeit des Denkens zu Ende, dann wird gebärt, geliebt, gekuschelt, gestaunt!
    Alles wird gut!

    Sei ganz lieben gegrüßt von Deiner Steffi aus Bremen

  7. Liebe Bora,
    ich kann so gut nachfühlen, wie es dir geht… diese innere Unruhe, ich glaube sie gehört einfach dazu, zu den letzten Tagen, Wochen vor der Geburt. Wie weit bist du denn inzwischen? Aber es ist ja eine absehbare Zeit und es wird sich alles gut fügen, ganz sicher. Ich habe vor der Geburt unseres zweiten Kindes Birth matters von Ina May Gaskin gelesen (und leider nie geschafft darüber zu bloggen), ein wunderbar mutmachendes Buch, das mir sehr geholfen hat Vertrauen in mich zu haben, in die Fähigkeit zu Gebären, Mutter zu werden. Es tat mir einfach gut es zu lesen. Und war auch ein wunderbarer Zeitvertreib für schlaflose Nächte.
    Ich mag deine Art zu bloggen, so lebendig, aus dem Leben, einfach so wie es ist. Und auch in größeren Abständen einen Post von dir zu lesen ist eine Wohltat! Stress dich nicht zu schreiben, nimm dir die Zeit, die du brauchst, das Leben geht schließlich vor. Ich würde selbst viel lieber öfter bloggen, aber ich schaffe es einfach nicht – und so soll es dann eben sein 😉
    Alles Liebe für dich und eine ruhige Nacht
    Sternie

  8. Gabriela sagt:

    … und dann, dann wirst du voller Wehmut zurückdenken an diese ganz besonderen letzten Tage und Stunden, in denen du spürtest, dass es nichts festzuhalten gibt im Leben, dass alles schwebt und die Zeit zerfliesst ohne Plan, dass die Gedanken sich nicht niederlassen wie Vögel auf den Zweigen, sondern fliegen und sich den Ohren leihen und dem Spüren in dich hinein. Ja, dann…
    Ich wünsche dir für diese einmaligen, ganz besonderen, (heiligen) Stunden von Herzen Mut und Gelassenheit, und wenn die Verzweiflung anklopft, so hat sie bestimmt einen Schlüssel in der Hand.
    Sei herzlich gegrüsst
    Gabriela

  9. Helga sagt:

    Liebe Bora,
    ich wünsche Dir alles Gute für die bevorstehende Geburt. Diese Zweifel und Ängste sind, finde ich. so völlig normal und „wie man sich fühlen sollte“ (mit Vorfreude und so), das kannst Du getrost loslassen. Du bist authentisch und ehrlich zu Dir selbst, das spürt man, wenn man diese Zeilen hier liest. Und das ist das wichtigste.
    Deine Dankbarkeits-Reihe hat mir auch gut gefallen, da ich mir selbst das Versprechen gegeben habe, jeden Tag am Abend auf das zurückzuschauen, was mich glücklich gemacht hat. Und das ist meist so viel…Aber man merkt es erst, wenn man es sich bewußt macht.

    Viele ermutigende Grüße von
    Helga

  10. Sabine sagt:

    Liebe Bora,
    ich kann mich den Kommentaren nur anschließen.
    Die Gedanken, die Ängste sind völlig normal. Sicherlich gehören sie auch zur Geburt, zum Loslassen dazu – und zu der ersten turbulenten Zeit mit einem Säugling und all den anderen Aufgaben, die der Alltag auch noch mit sich bringt.
    Ich finde es nicht schlimm, wenn Du hier weniger schreibst, schließlich hat Dein Leben um Dich herum Vorrang.
    Deine Dankbarkeits-Reihe hat mir auch sehr gut gefallen. Seitdem versuche ich, alles was nicht so gut ist, nicht weiter zu beachten ( das gelingt mir nicht immer ).
    Ich wünsche Dir alles, alles Gute für alles was auf Dich zukommt. Du schaffst es!!
    Alles Liebe
    Sabine

  11. Ines Düe sagt:

    ALLES DARF, NICHTS MUSS!!!!!!!!
    Danke, für Deine(wie immer) sehr ehrlichen Einblicke in Dein Seelenleben!
    Du bist wunderbar Bora genauso wie du bist- mit all Deinen Gedanken, Gefühlen und Ängsten.
    Alles Liebe wünscht Dir,
    Seelenschwester;-):-D;-)

  12. Rita sagt:

    Wie schnell doch nun die Zeit vorbei ging. Erst hast Du uns noch von Deiner Schwangerschaft berichtet, nun ist schon es schon wieder fast soweit!
    Ich wünsche Dir alles, alles Gute!!
    Vielleicht lesen wir ja erst wieder von Dir, wenn Du ein neues Familienmitglied begrüssen kannst;)
    Ich denk an Dich!
    Liebs Grüessli, Rita

  13. Karin sagt:

    Liebe Bora,
    ach ich find mich sosehr wieder in deinen Zeilen! Genau ganz genau so ging es mir vor jeder Geburt (vier an der Zahl), und daher fühle ich mit dir….. Den Vorrednerinnen kann ich mich nur anschließen: Alles wird gut! 🙂
    Und danke von Herzen für deine schönen Zeilen, deine Plauderei, deine Gedanken.
    Alles Liebe, eine große Umarmung, Karin

  14. Elke sagt:

    Liebe Bora, Danke fürs Teilhaben an der wunderschönen Welt…..Alles alles Liebe für dich und deine Familie …ich beneide dich, wie du das… Leben in so ausdrucksvolle Worte packst. Du bist eine Wortkünstlerin. Alles Liebe von Elke

  15. Zauberhafte Bora,
    was für ein schöner, spezieller Beitrag, hach, wie alle Deine.
    Ich habe mich in den letzten Wochen oft gefragt, wie das wohl ist, das Kugeligsein, das Kindkriegen und Kindkennenlernen, wenn es das vielte Mal ist, und nicht das erste, oder zweite. Bestimmt ist man sooo entspannt und routiniert, dachte ich mir. Wie naiv von mir.
    Es ist etwas Einzigartiges, ist ja eigentlich offensichtlich. Und die Ängste und Unsicherheiten sind ja auch zu was da und quasi vorprogrammiert. Und dann kommt die Zuversicht. Und tief drin ist sowieso das Wissen, das Wissen einer Frau. Und dann kommt dieses Wunderkind und schaut, mit diesem Blick… und alles ist RICHTIG.
    Herzlich schöne Tage wünsche ich Dir!

  16. Jenny sagt:

    *Eine Tasse Kakao oder Tee oder was Du am liebsten so magst rüberreich* Plaudern ist doch wunderbare! Vielen Dank für die Einblicke in Dein Gemüt in diesen Tagen, ich bin voller Bewunderung für Dich, auch mit Deinen zweifelnden Augenblicken, das ist doch ganz normal. Du bist ja auch nur ein Mensch und jedes Mal ist es wieder alle neu, ist es jemand Neues. Ich denke ganz fest an Dich in diesen Tagen und hoffe, dass es zu einem guten Zeitpunkt für Dich losgeht und Du dann erfüllt bist von der inneren Gelassenheit und Zuversicht, dass Du es schaffst und gut schaffen kannst, die einen oft automatisch überkommt wenn es losgeht, wenn man eine liebe Hebamme hat, die einem zur Seite steht vielleicht, oder eine gute Umgebung, wo man sich gut aufgehoben fühlt.

    Mal schauen, ob es ein März – oder Aprilküken wird.

    Alles, alles Liebe,
    Jenny

  17. raniso sagt:

    Ou meine liebste Bora, da habe ich gerade ein wenig ein Flashback, wenn ich das lese. Solche Worte kenne ich von mir selber – beim Lesen erinnere ich mich flüchtig *lach* – aber auch von dir, noch nicht ganz 3 Jahre sind es her… *zwinker*. Schon seltsam, wie diese Zweifel immer wieder auftreten und sich dann im rechten Zeitpunkt wieder legen. Ich denke ganz ganz doll an dich, täglich, echt wahr! Und ich werde dafür beten, dass sich deine Zweifel und Sorgen legen und dich schlafen lassen. Schlaf, den du sicher dringend brauchst, wenn ich so an die nächste Zeit denke… Wie gerne würde ich dir helfen mitzutragen, leider ist das nicht wirklich möglich. Deiner Plauderei hier lausche ich aber gerne und zum Glück gibts da noch den direkten Draht in den Himmel 🙂
    Ganz liebi grüäss und knuddels, anja

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