Im Licht der Leucht-Turms

Letzte Woche hatte ich wieder einen dieser sonderbaren Momente: Es war früher Morgen, unten in der Küche, vor unserem Schrank voller Geschirr. Ich erinnere mich, wie ich Kind1 eine Tasse Ovomaltine warm machte, mich leicht bückte, um etwas hervor zu ziehen, und als ich mich wieder aufrichtete, war da plötzlich dieser Bauch, rund und prall und speziell. Für eine Sekunde war ich richtig perplex bei seinem Anblick, solange, bis ich ihn wieder erkannte, als das, was er ist: Mein runder, praller, ein bisschen spezieller Babybauch, gefüllt mit neuem Leben.

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Ich weiss, das klingt merkwürdig, aber solche Augenblicke kommen tatsächlich vor. Ich vergesse, dass ich schwanger bin. Obwohl genau das eigentlich unüberseh-, unüberspürbar ist.
Natürlich nicht für lange, spätestens nach 2 bis 3 Sekunden dämmert es mir, und ich muss mich erst einmal ausgiebig über mich selber wundern. Denn klar, natürlich bin ich schwanger, schon seit Monaten, die feinen Tritte und Bewegungen meines Kindes begleiten mich durch meine Tage und Nächte. Nichts könnte realer sein als das. Trotzdem weiss ich meistens gar nicht, wie weit ich schwangerschaftsmässig eigentlich bin. Irgendwann habe ich aufgehört, die Wochen zu zählen, der (ungefähre) Geburts-Termin reicht vollkommen. Ich sehe dieses Datum vor mir, ein Tag Anfang April, ein Tag wie ein Leuchtturm. Hell und klar trohnt er über allem, sein Licht weist mir den Weg.
Manchmal denke ich, es muss diese Gewissheit sein, das Gefühl von… Sicherheit, die es mir erlaubt, mich voll und ganz dem zuzuwenden, was mein Leben momentan ausmacht. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die pure Notwendigkeit. Mit 4 Kindern, ununterbrochen wiederkehrenden oder neu ausbrechenden Erkältungen und Infektionen (dieser Winter ist verrückt, was das betrifft, vollkommen verrückt, sage ich euch!) und meinem eigenen, sichtlich mitgenommenen Körper verfliegt die Zeit. Auf sonderbar verschwommene, traum-artige Weise, aber dennoch fliegend schnell, fast unmerklich.

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Gestern, als ich bei meiner Frauenärztin in der Praxis sass und zusah, wie eine Not-Ration Eisen in Form von rostig-oranger Flüssigkeit aus einem Infusions-Ständer hinein in eine meiner Venen lief, musste ich genau daran denken. An die Flüchtigkeit, an die fliessende Geschwindigkeit dieser Zeit. Und wenn sie vorbei sein wird, wird sie vorbei sein.
Irgendwie kommt es mir beinahe sinnbildlich vor, dass ich genau an demselben Nachmittag die letzten Knöpfe an das Erstlings-Jäckchen meines Babys genäht habe. Blaue, winzigkleine Knöpfchen an ein blaues, winzigkleines Strickjäckchen. So winzigklein, dass mein Baby nach nur wenigen Wochen schon hoffnungslos daraus herausgewachsen sein wird. Wir alle wissen, wie flüchtig diese Zeit erst sein wird, diese kostbaren ersten Tage und Wochen eines neuen Erdenlebens…

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Ob ich mir dann an heute erinnern werde? An gestern? Oder an jenen Augenblick letzte Woche, wo ich es doch tatsächlich schaffte, zu vergessen, dass da ein kleines Kind in meinem Bauch heranwächst?

PS. Hier meine Strickdetails.
Strickmuster: “Puerperium Cardigan” von Kelly Brooker
Garn: nicht ganz 1 Strang “Malabrigo Arroyo” in der Farbe “Reflecting Pool”
Nadeln: Stärke 3.5 oder 4 (leider habe ich vergessen, das zu notieren)
Knöpfe: 7 Mal “Jim Knopf” 11mm in Türkis

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6 Antworten auf Im Licht der Leucht-Turms

  1. Liebe Bora,
    ich kann es mir nur zu gut vorstellen, dieses Gefühl von “was für ein Bauch ist das denn?” :)
    Und dieses zauberhafte Jäckchen, ich bin ganz verliebt darin <3 diese Farbe! Wenn meine Hände nur solch feine Dinge stricken könnten… Und dann frage ich mich wieder: wann machst du all das?Krankheiten, Haushalt, vier wuselnde Kinder um dich herum und dann noch so tolle Maschen. Dafür bewundere ich dich, wirklich!
    Bei uns sind die Erkältungen auch sehr hartnäckig, ich schleppe mich schon seit 2 Wochen… irgendwer ist immer krank.
    Liebe Grüße und einen schönen Valentinstag
    Sternie

  2. E sagt:

    bei uns ziehen sich die Krankheiten ja seit kurz nach der Geburt des Kleinen hin – jetzt hat es mich selbst doch noch erwischt…

    das Jäckchen ist so wunderschön, die Farbe ein Traum! Und oh ja, wie flüchtig ist diese erste Zeit.

    liebe Grüße und bleib gesund,

    E

  3. Rita sagt:

    Wie härzig ist das Oberteil!! Die Farbe finde ich besonders schön!
    Wie schnell wird das kleine Menschlein rauswachsen….Auf alle Fälle weiterhin eine gute Schwangerschaftszeit.
    Herzlich, Rita;)

  4. Ui, was für eine wunderschöne Weste! Die Farben sind grandios und die Knöpfe harmonieren so schön dazu. Euer kleines Babylein wird sich bestimmt darin sehr geborgen und warm fühlen.
    Liebe Grüße und alles Gute,
    Kathrin

  5. Selina sagt:

    Liebe Bora,
    das kann ich mir nach einer Schwangerschaft tatsächlich nicht vorstellen, dass man vergisst, dass man schwanger ist! Aber du bist ja auch einige Schwangerschaften voraus ;-)
    Das Jäckchen ist wundervoll!! Die Farbe, ich bin hingerissen und berührt, wie klein es neben den doch auch noch kleinen Händen aussieht! Ich habe dieses Muster auch schon zwei Mal gestrickt, als Pullover, und die zwei Stücke passen nun schon seit 10 Monaten ungefähr und ich finde sie großartig! Aber dein Jäckchen hat einen ganz besonderen Zauber!
    Alles Gute und viel Energie wünsche ich dir, Selina

  6. raniso sagt:

    Hihi, das Gefühl kenne ich auch und später dann auch in der Umkehrform, wenn ich mein Bäuchlein hielt und plötzlich merkte, dass da gar kein Kind mehr drinnen ist… ;-)
    Das Jäckchen gefällt mir mega gut! Alles, vor allem aber die Farbe!
    Ich hoffe sehr, es geht dir energiemässig gut. Ich denke ganz oft an dich! Hab dich lieb.
    Ganz liebi grüäss, anja

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