Versteckt vor Wind und Wetter

Also, an sich hatte ich ja heute unser Wichtelgeschenk Nr. 5 auf dem Plan -Aber hey, schon morgens sah ich draussen nichts als tanzende Flocken, und es ist kalt und winterlich und alles, alles in mir zieht es wie magisch in Richtung Ofen, Richtung Wolle, Richtung Strickvergnügen…
Und genau das habe ich auch gemacht heute. Gestrickt. In meinen Wollpullis gekramt und mich warm eingemummelt. Meine Wolle sortiert und einmal mehr gedanklich Paare gebildet aus Garnknäueln und verlockenden Strickprojekten. Hach. Gut, so gut.
Nachdem ich Herrn Kirschkernzeits dunkelgraue Wolldecke (endlich) von den Nadeln hatte, wusste ich ganz zu Anfang gar nicht recht, wohin als nächstes mit meinen Händen, mit meiner Zeit, meiner Energie. Aber ich fühlte mich noch immer so richtig schön im Strick-Schwung und ging ziemlich rasch wieder auf die Suche nach etwas Nettem, Kleinen, das mir Nadeln und Hände warm und in Schwung halten, aber auch in absehbarer Zeit wieder Platz für Neues machen würde. Grosse, Zeit-intensive Projekte sind etwas Wunderbares, aber manchmal ist mir einfach nur nach Überschaubarkeit, nach  Kleinigkeiten.
Gut haben wir Winter. Denn der Winter verlangt nach Wolle satt und hält mehr als nur ein wolliges Strickprojekt bereit, das dann auch wirklich gebraucht wird, sehnsüchtig erwartet vielleicht sogar…

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So wie diese kleinen, magenta-farbenen, fingerlosen Handschuhe, auf die mein Mädchen sich richtig gefreut hat, kaum wusste sie, was sich da auf meine Nadeln geschlichen hatte. Ihre Hände sind immer wahnsinnig schnell trocken, wie Schmirgelpapier, vor allem oben auf den Fingerknöcheln, kaum bläst der Wind. Die Fingerlinge, die ich ihr immer wieder angeboten hatte, mochte sie gar nicht gerne, weil sie Mühe hatte, sie richtig anzuziehen, ohne dass ihre Finger sich unterwegs verirrten, und für dicke Fäustlinge aus der Schnee-Ausrüstung, war das Wetter zum Teil einfach zu warm.
Ich notierte „dünne Fausthandschuhe“ und „fingerlose Handschuhe“ auf meiner imaginären Wanna-do-Liste, kramte nach einem Nadelspiel Nr. 3  und fischte nach geeignetem Garn (ein wenig mehr als 1 Knäuel Drops „Alpaca“) für die „Dreaming of Spring Fingerless Gloves“ aus „More Last Minute Knitted Gifts“. (Ein Buch, das ich sehr liebe, und das sicherlich auch in seiner deutschen Variante „Geschenke aus dem Wollkorb“ eine feine Sache ist) Von diesen gestrickten Handschuhe ohne Fingerspitzen, hatte ich schon lange, lange geträumt -seit Selinas schönem Post damals ganz bestimmt- aber irgendwie war da immer so eine Art Hemmschwelle zwischen mir und diesem Projekt, wegen dem Daumen-Teil wahrscheinlich oder wegen den Zunahmen an der Seite, keine Ahnung. Mehr als drei Jahre lang schaffte ich es nicht, diese Hürde zu überwinden. Bis in diesem Januar. Bis ich den Anblick der rauen, kleinen Hände nicht mehr länger ertragen konnte. Bis mich die Stricklust übermannte. Und das alles in einer einzigen, Energie-verleihenden Kombination.
Innerhalb von zwei Tagen (nur zwei Tage!) waren die Handschuhe fertig. Und ich vollkommen zufrieden. Handschuhe stricken wirkt sehr erfüllend, müsst ihr wissen, vor allem, wenn es sich um fingerlose Exemplare handelt, die kaum auch nur den Hauch von kompliziert werden, sondern schöne, proportional zum ganzen Projekt gesehen relativ lange, entspannte Phasen in sich tragen.

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Und das beste am Ganzen: Auch mein Mädchen mag sie. Sehr sogar. Genauso wie ihre empfindsamen Kinderhände, die sich nun ein kleines bisschen besser vor Wind und Wetter zu verstecken wissen.

PS: Eine sehr, sehr schöne, deutsch-sprachige Anleitung für ganz ähnliche Erwachsenen-Handschuhe findet ihr hier bei Mme Ulma. Und wer sich nicht an die (ganz einfach zauberhafte!) eingestrickte Verschönerung traut, lässt sie ganz einfach schlicht unifarben, so wie 19nullsieben in ihrer dunkelgrauen Variante. Für alle, die auch mit englischen Anleitungen gut zurecht kommen, wären vielleicht „Wabi Knits“ aus etwas dickerem Garn eine Option. Soulemama hat sie aus handgefärbter, blauer Wolle gestrickt, und sie sehen fantastisch aus, finde ich.

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7 Kommentare zu Versteckt vor Wind und Wetter

  1. Oh Bora, schon wieder so was schönes – wie schaffst du das nur?? Einfach toll! Unser Sonnenschein hat von einer Freundin auch ganz ähnlich Handschuhe bekommen und er liebt sie sehr. Ich hätte auch gerne welche, ich glaub, meine Hände sind so trocken wie die deiner Tochter… aber mit ständig schmerzenden Handgelenken und deswegen andauernd Schienen/Bandagen an den Händen passt sowas wohl leider nicht 🙁
    Ich wünsche euch tolle Tage im Schnee!
    Liebe Grüße
    Sternie

  2. mme ulma sagt:

    ach, bora, du! weißt du, wie locker du das muster hinbekommst. mit links.
    allerfeinst die für das mädchen, ich bekomm schon wieder lust …

  3. malena sagt:

    Die Handschuhe sind wunderschön! Und wie richtig Du das gesagt hast: bei diesem Wetter BRAUCHT man einfach Wolle, und einen Platz am warmen Holzofen!

  4. frederike sagt:

    Solche Stulpen trage ich auch bei mildem Winterwetter, wenn die dicken Handschuhe einfach zu viel sind. Die Farben sind richtig toll gewählt (besonders für eine pink-verliebte Tochter ;-)) und ich finde das Bündchen mit den abgesetzten Kontrastfarben richtig klasse! Ich wünsche Euch noch viele schöne Schneeflöckchen und vielleicht doch noch einen richtigen Winter.
    Alles Liebe,
    frederike

  5. raniso sagt:

    Oh, das wären welche für meine Kinder. Die haben das gleiche Händeproblem wie dein Mädel. Jetzt brauche ich nur noch jemanden zum stricken… Vielleicht lässt sich eine meiner Schwestern überreden?! 😉 Oder sollte ich mich gar selber wieder einmal an die Stricknadeln wagen? Hmm, Fragen über Fragen…. *kicher*
    Ganz liebi grüäss, anja

  6. amselgesang sagt:

    Ha!!! Da entdecke ich doch bei diesem schönen kleinen Projekt – nachdem ich schon ich-weiß-nicht-wie-viele ähnliche in verschiedenen Größen und Mustern gestrickt habe – eine kleine, aber mir sehr gut gefallende Variante: nämlich die Zunahmen für den Daumenkeil nicht rechts und links, sondern in der Mitte zu machen! Für die Passform spielt das wahrscheinlich keine so große Rolle, aber es sieht wunderbar aus, wie der Daumen quasi „senkrecht“ herauswächst und nicht so absteht wie bei der „klassischen“ Methode. Es wirkt so viel organischer, vor allem mit dem dickeren Garn..
    Also, gleich die nächsten anschlagen… Danke für den tollen Tipp!
    Herzliche Grüße,
    Brigitte

  7. Selina sagt:

    Liebe Bora,
    jetzt endlich schaffe ich es auch hier einen Kommentar zu hinterlassen! Ich hab mich sehr über deine Worte gefreut und tue es noch! Ich finde es sehr berührend, dass du meine Stulpen von damals sooo lange in Erinnerung behalten hast! Das war noch in meiner Anfangs-Strickzeit, da wollte ich eigentlich ganz andere Stulpen stricken, mit Zopfmuster und daran bin ich kläglich gescheitert. Also wurde es diese Version, wunderschön schlicht und noch immer sehr gerne getragen! Ich finde solche fingerlosen Handschuhe einfach sehr besonders, wärmend aber man verliert nicht jegliche Fingerfertigkeit darin. Deine finde ich auch ganz toll – die Farbe ist einfach perfekt für dein großes Mädchen!
    Alles Liebe, Selina

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