dreimal gewichtelt: Mini-Pinnwände

Mein Mädchen scheint in Phasen zu leben. Da gab es die rosa Schweinchenphase, in denen sie ständig ein kleines, lachsfarbenes Plüschschwein mit sich herumschleppte und mich und Herrn Kirschkernzeit geradezu bekniete, den Garten zur Ferkelfarm umzufunktionieren. Dann gab es die Marienkäferchenphase, in der dieses Shirt hier entstand und erste Kindergarten-Taschen-Wünsche geäussert wurden. Die Hello Kitty Phase spielte sich irgendwo zwischendurch ab, meistens eher im Hintergrund und niemals so direkt geäussert oder ausgelebt wie ihre anderen Phasen, aber für eine Weile hätte Hello Kitty, wenn es nach ihr gegangen wäre, ruhig auf jedem T-Shirt, Tellerboden oder Kindersöckchen aufgedruckt sein dürfen…
Nun, alle diese Phasen taten, was Phasen eben tun; sie gingen vorbei. Und wurden von anderen abgelöst. Aktuell und ziemlich exzessiv stecken wir hier gerade in einer andauernden Einhorn-Phase, wo kaum mehr etwas anderes als Pferde mit Horn, rosa Schweif und flatternder Mähne in ihren Zeichnungen erscheinen, das handgestrickte, wollig-weisse Einhorn, das mit der lila, rosa und weiss glitzernde Fadenmähne, das meine Mutter für sie bei einer alten Dame bestellt hat, zum „allerschönsten Spielzeug, das ich je hatte“ erklärt wurde und mein Mädchen ihre Brüder damit in den Wahnsinn treibt, dass sie Tag für Tag auf Händen und Füssen und lautstark wiehernd (bzw. quietschend) um den Stubentisch trabt.
Es bleibt keinem verborgen: Mein Mädchen liebt Einhörner. (Tatsächlich behauptet sie zur Zeit sogar felsenfest, selbst eines zu sein. Ein als normales Kind getarntes. „Ich tue nur die meiste Zeit so, als sei ich ein Mensch.“) Und alles, was auch nur im entferntesten mit Einhörnern zu tun hat, vom Mädchenbuch bis zur Trinkflasche, landet augenblicklich mit auf Platz eins ihrer Hitliste.

Kind1, der diesjährige Wichtel dieses kleinen Einhorn-Freaks, machte sich diesen Zustand klugerweise zunutze, denn wer die Vorlieben seines Wichtelkindes kennt, ist ganz klar im Vorteil. Sogar dann, wenn ihm am Vorabend des Weihnachtsfestes urplötzlich in den Sinn kommt, dass er ja noch (!) gar (!) kein (!) Geschenk hat (!).

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Mit diesen runden, bunt bespannten Pinnwänden aus ausgemusterten, dicken Kork-Untersetzern (von Ikea), wurde er allerdings spielend fertig, selbst in kurzer Zeit. Für das süsse Einhorn (für das er sich hier eine Vorlage ausgesucht hatte) reichte ein einzelner, stiller Abend an seinem Schreibtisch, plus eine Nacht zum sicheren Durchtrocknen der Stoffmalfarben. Die anderen Untersetzer wurden am nächsten Tag irgendwann zwischendurch klammheimlich mit ein wenig gut geglättetem Blümchen- oder Sternchenstoff betackert, das mittlerweile trockene, vorsorglich bügel-fixierte Einhorn noch kurz mit Glitzerleim verschönt, ebenfalls angetackert… et voilà.
Ein prima Geschenk für unser Einhorn-Kind.
Eines, das ihr wirklich, wirklich Freude macht und ganz nebenbei gleich zwei Fliegen mit einem Schlag schlägt: das aufgemalte Zauber-Einhorn, prangt, Seite an Seite mit dem grossen Einhorn-Gemälde (sein Geburtsgags-Geschenk zu ihrem 5. Geburtstag) als kreisrundes Stoffbild an der gelben Galerie-Wand ihres Zimmers und bringt damit ihr Herz zum Glühen. Unbepinnt natürlich. Weil es für mein Mädchen sozusagen schon Kunst in sich selbst ist. Die beiden anderen Pinnwände bringen derweil ein bisschen mehr Ordnung in die Bilderflut meiner Tochter und geben ihr die Gelegenheit, noch ein paar Zeichnungen mehr auszustellen, so, dass jeder sie sehen kann, der ihr Reich betritt. Vielleicht werden es Bilder von Dinosauriern sein, so wie dasjenige, das sie vor ein paar Tagen für einen ihrer ganz offensichtlich in einer Dino-Phase steckenden Kindergarten-Freunde gemalt hat. Oder sie pinnt ein paar ihrer ersten, krakeligen Schreib-Übungen darauf fest.

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Sehr wahrscheinlich aber werden es Einhörner sein. Fast ausschliesslich, würde ich schätzen. Und das vielleicht sogar für eine ziemlich lange Zeit, wer weiss.
Bis dann die nächste Phase kommt. Rockstars vielleicht?

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2 Kommentare zu dreimal gewichtelt: Mini-Pinnwände

  1. Steffi sagt:

    Was für ein schönes Geschenk vom großen Bruder!
    Und über Deine Beschreibung der Phasen musste ich sehr schmunzeln – das kenn ich nur allzu gut von meiner Tochter. Und immer IST sie der oder die oder das, was gerade verehrt wird 🙂 Und ich (und der Rest der Familie) bekommt natürlich auch passende Rollen zugeteilt…
    Ganz liebe Grüße,
    Steffi

  2. Oh, die Idee mit den kleinen Pinn-Korkwänden finde ich ja super! Vielen Dank für diesen Gedankenanschubser – das muss ich mir unbedingt merken. 🙂
    Und ja, Mädchen haben anscheinend oft so Phasen – bislang kenne ich es nur von meinen Schulkiindermädels, ich bin also gespannt, ob unser Erdbeermädchen eine ähnliche Phasenreihe durchlebt 😉
    Liebe Grüße aus dem kleinen Haus am See (o:

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