einmal gewichtelt

Die Sache mit dem Weihnachts-Wichteln hat sich definitiv etabliert als eines unserer wichtigsten Winter-Weihnachts-Rituale. Es machte einfach wahnsinnig viel Freude, das alles, auch in diesem Jahr. Nur schon das Ziehen der Namen brachte die Luft zum Knistern und dieses gewisse Advents-Gefühl in den Raum, so eine Mischung zwischen Aufregung und Verbundenheit und man konnte es den Gesichtern sofort ablesen, wie es innen drin zu arbeiten begann, wie erste Ideen Gestalt annahmen.
Und alles war so herrlich geheim! Strengstens geheim. (Obwohl manche Kirschkernzeit-Kinder sich nur allzu leicht verplaudern *grins*) Es gilt: Wen auch immer wir ziehen,  alles, was wir für unseren Wichtel-Partner tun, bleibt für den Rest der Familie im Verborgenen. Das Ausdenken, das Machen und Versteckthalten unserer einfachen Geschenke soll so geheimnisvoll wie möglich bleiben, darin sind wir uns alle einig… mit einer Ausnahme allerdings: Wer nicht weiter kommt mit seinem Geschenk, darf sich bei Mama Rat und tatkräftige Unterstützung holen. Ich bin sowas wie die grosse Hüterin aller Geheimnisse und ziehe im Verborgenen so viele Fäden wie nötig sind, damit zum Schluss an unserem Winterfest auf der einen Seite jeder ein Päckchen zu überreichen hat, auf das er von Herzen stolz ist, und auf der anderen Seite auch jeder eines zum Auspacken vorfindet, das ihm auch wirklich Freude macht. Es müssen keine grossen Dinge sein. Aber solche, die passen. Und genau das, das Finden und Machen eines wirklich passenden Geschenkes kann -besonders für kleinere Kinder- manchmal ganz schön schwierig werden.
Aber niemals zu schwierig.

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Mein Mädchen zog dieses Jahr Kind2, ein glasklarer Fall für eine sofortige Audienz bei der Hüterin aller Geheimnisse, denn Kind2 ist tatsächlich einer unserer allerkniffligsten Fälle, was das Beschenken angeht (getoppt einzig durch Herrn Kirschkernzeit. Hier gerate sogar ich manchmal ins Schleudern). Aber ich wusste Rat: Kind2 ist ein absoluter Gemüts-Mensch und liebt es, sich mit seinem grossen Bruder und einem dicken, fetten Stapel Pokemon-Spiel-Karten auf dem Bett zu lümmeln, stundenlang Karten zu spielen, vielleicht ein bisschen Musik zu hören dabei und die Welt sich draussen drehen zu lassen wie sie will. Nur leider fällt ihm das Aufräumen oder gar Sortieren seiner Kartendecks immer unsagbar schwer. In schiefen Türmen stapeln sie sich auf dem Tisch, auf dem Regal, verstreuen sich irgendwann auf den Boden und in alle Himmelsrichtungen, bis Mama mal wieder in der Türe steht und den Aufräum-Marsch bläst…
„Karten-Sammelalben wären die Lösung“, dachte ich mir, machte mich sofort online auf die Suche, fand ich bei einem Schweizer Online-Sammlershop drei Pokemon-Einsteck-Alben zu einem absoluten Schnäppchenpreis (Ausverkauf) und ging dann dazu über, mich um den kreativen Part zu kümmern, um den wichtigsten Teil also, den Teil, den mein Mädchen selber in die Hand nehmen konnte, so selbstständig und für sie auch so spannend wie möglich.
Mein Mädchen wollte gerne an der Nähmaschine nähen. Aber nicht zu viel. Frei, aber nicht zu allein. Mit einem Zierstich, wenn möglich. Und eigentlich, wenn sie es sich genau überlegte, wäre sie gerne nach einem dieser streng geheimen Schaffens-Momente (wenn Kind2 in der Schule war am besten) fertig mit ihrer Arbeit, und damit wieder frei für all ihre anderen Projekte, fürs Zeichnen von Einhörnern zum Beispiel. Oder fürs Malen eines extravaganten, rosaroten Pokemon-Geschenk-Anhängers…

Wir entschlossen uns, Kind2 eine kleine Tasche aus Wollfilz zu machen, in die er Karten stecken kann, die er noch nicht einsortiert hat oder die er sich vielleicht aufheben will zum Tauschen oder so. Mit einem schönen, dicken Knopf (der ihm dann übrigens besonders gut gefallen hat) und einem Restchen Gummiband lässt sich dieses kleine Etui auch in Windeseile verschliessen und geht auch im Hosensack ganz bestimmt nicht auf.

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Zum Schluss waren mindestens drei Menschen sehr, sehr glücklich mit diesem Geschenk: Kind2, weil er sich so etwas tatsächlich schon lange, lange gewünscht hatte. Mein Mädchen, weil sie nach unserer kleinen Näh-Session mit Filz und Maschine so richtig zufrieden war mit sich und der Welt. Und ich, die Hüterin aller Geheimnisse, weil es immer glücklich macht, einen kniffligen Fall zu einem so guten Ende zu bringen.

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5 Kommentare zu einmal gewichtelt

  1. Jenny sagt:

    Wir haben das mit der Wichtelrunde von Euch übernommen (auch wenn es bei uns gleichzeitig noch Geschenke vom „Weihnachtsmann“ gibt, aber ich versuche das immer kleiner werden zu lassen von Jahr zu Jahr), vielen Dank für diese wunderbare Idee. Sie bringt mehr Miteinander und liebevolle Aufmerksamkeit füreinander in die Familie, den eigentlichen Sinn des Festes, der im herkömmlichen Geschenkerausch allzusehr untergeht… Oder vor allem ist es von der Konsum-Komponente weitestgehend befreit…

    Schön, wie Deine kleine Große das gemacht hat…

    Liebe Grüße,
    Jenny

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, wie spannend! Ich freue mich seeeeeeeeeeeeeehr, dass es für euch gestimmt hat so und ich fühle mich natürlich überaus geehrt, dass ich dabei eine kleine Mit-Rolle spielen durfte 😉 Für uns ist es tatsächlich auch eine feine Sache so. Ich wünschte mir manchmal, wir könnten jeder vielleicht ein Geschenk für JEDEN von uns machen, aber für die Kinder ist es ganz klar noch genug Arbeit (gedanklich wie handwerklich) eine einzelne Person zu bewichteln, und so lassen wir es erst mal so, wie es ist. Das kann ja auch von Jahr zu Jahr neu entschieden werden, je nach Alter und Interesse und so. Wir fragen sogar jeden Advents-Beginn in der Runde nach, ob wirklich alle mitmachen möchten (bisher war das der Fall), weil ich auf keinen Fall will, dass sich jemand gedrängt fühlt zum Basteln und Schenken. Und ja, manche Geschenke bestehen dann nicht nur aus Handgemachtem. So wie hier, wo ich die Sammelalben mit meinem Mädchen abgesprochen, dann aber selbstständig bestellt (und bezahlt) habe und mit ihr zusammen dann ihren eigenen persönlichen, handgemachten Beitrag gestaltet habe. Nicht jeder freut sich gleichermassen über Selbstgebastletes, und ich ich wollte auch dem Rechnung tragen, so im Sinne von: Ein Geschenk, das echt Freude macht, beiden, dem Bastler wie dem Empfänger. Und immer im eher kleinen Rahmen. So gibt jeder dazu, was er kann, an Begeisterung und Ideen und Zeit, und ich helfe da aus, wo es mich braucht und schaue, dass alles in Balance bleibt. Auch eine schöne Aufgabe, wie ich finde! Manchmal ein wenig intensiv, aber doch sehr nach meinem Handwerks-hungrigen Geschmack 😉
      Vielen Dank für deine nette Rückmeldung! Ich finde es toll, dass ihr das gewagt habt in diesem Jahr!

  2. Doro sagt:

    …..bin eigentlich gerne und lieber ein stiller Leser auf Deinem Blog-doch Deine Wichtelidee ist so schön,als Familienfest beschrieben und dokumentiert,dass ich einfach sagen will,dass es eine tolle Idee ist sich auf diese Art zu beschenken…Grüßle von Doro

  3. raniso sagt:

    Ach herrje, da ist jetzt wirklich gerade eine Träne über meine Backe gekullert. Ich finde das Wichteln wunderbar und spätestens nach diesem Post wird sicher jede eure Begeisterung teilen! Bei uns gab es dieses Jahr wieder eine ziemliche Geschenksorgie, mit Familie und Grosseltern und Schwestern etc. Aber dieses Jahr hat es mir wirklich Freude gemacht, weil alle Geschenke so klar von Herzen kamen und wir auch unsere Geschenke für die anderen mit viel Herzblut ausgesucht und gebastelt hatten…
    Ganz liebi grüäss, anja

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