Zwergen-Herbst

Heute -ich kam gerade vom Einkaufen nach Hause- blieb ich sicher drei, vier Minuten lang auf der Treppe vor der Haustüre stehen, liess die vollen Taschen auf den Boden sinken und sah mir den grossen Birkenbaum an, der das Grundstück meiner alten Nachbarin säumt.
Ich weiss, drei, vier Minuten, das klingt nach gar nichts, das scheint bloss kurz, aber drei, vier Minuten können sehr voll und gross sein, wenn man einfach nur so dasteht und nichts tut, nichts anderes als bloss hinzusehen. Wie die Blätter fallen. Wie der Wind, obwohl er nur ganz sachte bläst, alles alte, trockene Laub von den Zweigen klaubt und langsam zu Boden rieseln lässt wie gelber Schnee.
Das sind die letzten Züge des Herbstes, einen Sturmwind nur noch entfernt von den kahlen Wipfeln der nahenden Wintermonate. Honiglicht und bunte Laubkronen sind verschwunden. Alles ist dunkler, fahler, winterstarriger. Und irgendwie aufgeräumt. Auf eine ganz eigene, braune, eintönige Art.
Er hat sich so sehr verändert, der Herbst.

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Und verändert hat sich auch unser Jahreszeiten-Fensterbrett.
Mir war einfach danach. Sehr sogar. Weil der Herbst draussen so anders wird und weil ich mich nach Märchen sehne, nach Ruhe, Besinnlichkeit und einem Blickpunkt, an dem meine Augen sich ausruhen können, jetzt, wo wir wieder so viel Zeit drinnen verbringen, immer näher und näher zusammenrücken und das Wohnzimmer langsam aber beständig wieder zum lebendigen, pulsierenden Herzen unseres Hauses wird, zusammen mit der Küche, in der zur Zeit fast immer heisser Kakao auf dem Herd dampft. Nach dem eher bunten, zusammengewürfelten Fundstück-Sammelsurium, das diesen Herbst bisher in unserer Jahreszeiten-Nische repräsentiert hat, wünschte ich mir ein bisschen mehr stille Lebendigkeit, ein klein wenig Magie, ein Türchen in diese Wunderwelt, die wir uns wohl alle irgendwie erträumen.
Und… nun ja… ein bisschen fühlt es sich tatsächlich so an, wie eine richtige, kleine Herbst-Wunderwelt, wenn ich mich vor unsere Herbst-Wald-Landschaft setze und meinen Blick wandern und dabei zur Ruhe kommen lasse. Da ist der schöne, grob gesägte Baumstamm, den ich letzte Woche zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, da ist das Fliegenpilz-Würfelspiel, das mein Mädchen sich gebastelt hat… und jede Menge andere, liebgewonnene Schätze; Die niedlichen Zwergen-Brüder von Ingrid aus der Strickpraxis (eine rieseige Freude, genau wie all ihre anderen handgemachten Schätzen -Mutter Erde und ihre Wurzelkinder zum Beispiel, die letztes Mal unseren Winter belebten), die Filztiere meiner Mama, Ton-Pilze, die Kind1 und ich vor Jahren einmal getöpfert und bemalt hatten, das kleine, süsse Zwergenmännlein mit seinem violetten Zündholzschachtel-Häuschen, das mein Mädchen eines Tages vom Kindergarten mit nach Hause brachte, Steine aus dem Puschlav, unsere selbst umfilzten Steine… All diese Dinge sind mir schon so bekannt und vertraut- und doch wieder wunderbar neu und faszinierend so als Zwergen-Herbst im November…

DSC_7274Ganz besonders nachts bei Kerzenlicht…

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5 Kommentare zu Zwergen-Herbst

  1. Jana sagt:

    Liebe Bora,
    wie schön 😉
    Wie funktioniert denn das Fliegenpilzwürfelspiel? Das Bild hat mich ganz neugierig gemacht! Sind das Knöpfe? Aus Holz geschnitzt?
    Herzliebe Grüße
    von Jana

    • kirschkernzeit sagt:

      Freut mich, dass es die gefällt. Das Spiel ist supereinfach, sowohl zu machen (kann man absolut xbeliebig varieren vom Design bis zu den Regeln) als auch zu spielen: Die Pilze sind aus Papier/Karton gemalt mit 6 Punktfeldern, wo je eine Seite eines Würfels aufgezeichnet wird (also Felder von 1-6). Zum Schutz sind die Pilze laminiert, auch weil da nachher Kartonpunkte drauf- und wieder wegkommen und ziemlich viel Körperkontakt herrscht 😉 (Natürlich könnte man die Pilze auch aus Holz machen oder so)
      Für jedes der Punkte-Felder im Pilzkopf ist ein Karton-Kreis reserviert (die sind auf dem Foto gerade im dazugehörenden „Pilz-Gläschen“ versorgt). Man sitz dann mit dem Kind da und würfelt mit einem Würfel (man könnte auch 2 Würfel nehmen und dann dafür Punkte von 1-12 auf den Pilz aufmalen)und jede Augenzahl, die man würfelt, darf auf dem Pilz mit einem Kartonkreis zugedeckt werden (mir fällt da ein; es gibt sicher auch Holz-Kreise. Und Knöpfe! Ja! Das wäre genauso toll.). Wenn ein Pilz-Punkt schon zugedeckt ist, gibt’s leider keinen neuen Punkt. Sieger ist, wer als erster alle Pilz-Punkte zugedeckt hat.
      Ich muss zugeben; auch dieser Pilz wurde nicht daheim gebastelt (*schäm* ich wünschte, ich hätte mehr Energie für solche Sachen…), sondern -genau wie das Zwergenhäuschen- im Kindergarten bei einer einfach FANTASTISCHEN Kindergärtnerin, die so viel Kreativität und Waldorf-Stimmung einbringt, dass es einem echt das Herz wärmt. Aber das Spiel ist so einfach und auch für kleinere Kinder, die nicht so lange um ein Spiel herumsitzen mögen, eine wirklich feine Sache, dass ich mir gerade überlege ein Pilz-Würfel-Spiel-Tutorial zu machen… Hm… Mal sehen… Ich erinnere mich übrigens, dass es so ähnliche Spiele auch in Puzzle-Form zu kaufen gibt (ua. mit dem kleinen Maulwurf, das hatten wir mal vor Jahren). Man legt dann keinen Punkt auf ein Feld, sondern darf sich eines seiner 6 Puzzleteile nehmen und zum Bidl hinzufügen. Eine prima Sache zB. mit Familienfotos, könnte ich mir vorstellen. Oder mit einem Lieblings-Tier-Bild! Hach, so viele Möglichkeiten! Danke fürs Nachfragen. Ich freue mich immer über so viel INteresse!
      herzlich
      Bora

  2. Sarah sagt:

    Eure Herbstdeko ist wirklich schön. Ich habe die letzten Tage bei den ganzen Posts zu Adventskalendern und Weihnachtsdeko schon ein bisschen Beklommenheit gefühlt – bin noch gar nicht bereit für das ganze. Da konnten deine Bilder meine Stimmung gerade noch einmal ein wenig davon ablenken, danke! 🙂
    LG, Sarah

  3. Ingrid sagt:

    Ach wie schön, ich freu mich sehr, dass die Wichtel noch einer Familie Freude bereiten können!
    Alles Liebe für euch!
    Ingrid

  4. raniso sagt:

    Wie immer bezaubernd, eure Wunderwelt! Ich habe gestern die wenige Herbstdekoration verschwinden lassen und ein wenig Adventsstimmung gezaubert. Was für ein Glück, bringt die Mittlere so vieles aus dem Kindergarten mit, sonst wäre unsere Wohnung basteltechnisch leider eher bescheiden geschmückt…
    Ganz liebi grüäss, anja

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