Ein Bild erzählt: ausgebüchst

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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Was dieses Bild erzählt…

* Ich komme selten mehr fort von daheim. Sehr, sehr, sehr selten, seit ich wieder schwanger bin sogar niemals, eigentlich, und schon gar nicht alleine… was nicht schlimm ist im Grunde, aber manchmal schon wie ein Druck von oben, wenn die Decke sich allzu tief nach unten zu beugen scheint… An meinem Geburtstag diese Woche war mein Wunsch darum: Ausfliegen! Ausbüchsen! Teiweise ich, ganz für mich alleine, teilweise mit Herrn Kirschkernzeit, zum Fein Essengehen und Reden, lange und ununterbrochen und ganz anders als zuhause am Tisch mit vier lautstarken Kindern. Hier sitze ich also, in meiner Nur-ich-Phase an einem langen Tisch im Café. Stillvergnügt, bestens versorgt und niemand stört meine Kreise. Ein Stückchen Himmel, wenn man so will. Für mich, in jenem Augenblick auf jeden Fall manifestierter Frieden. *

* Ich trinke Tee. Ihr wisst das ja schon, aber für mich ist es immer wieder erstaunlich; dass ich tatsächlich keinen Kaffee mehr mag. Vorübergehend, nehme ich an, so wie die vier Mal zuvor auch. Anfangs der Schwangerschaft, bzw. die ersten drei, vier Monate, wurde mir allein vom Geruch der Kaffeemaschine schon unglaublich schlecht, mittlerweile kann ich das immerhin wieder ertragen. Nur trinken kann ich ihn nicht. Eine Tasse grüner Jasmin-Tee mit wenig Zucker ist aber auch etwas Gutes, irgendwie Edles, und als ich den Beutel aus dem Glas ziehe, muss ich meine Nase eins ums andere Mal tief über den dampfenden Tee beugen, um diesen unvergleichlichen Duft einzuatmen. Ich liebte ihn schon immer, den Duft von Jasmin. Für mich der schönste aller Blütendüfte (obwohl ich Lavendel auch unwiderstehlich finde) mein Lieblingsduft seit ich als Teenager zum ersten Mal an einem blühenden Jasminbusch vorbei gegangen bin. In der Türkei war das, glaub ich, oder in Sizilien, ganz sicher aber im Urlaub. Und dunkel war es, und darum umso intensiver und überraschender. Ein Tee mit sizilianisch-türkischem Aroma in der Nase für meinen Kleinst-Urlaub vom Alltag- wie passend. *

* Meine Strickarbeit kommt nur langsamst voran. Aber sie macht mir viel Freude. Ein Dreickes-Schal im Entstehen, aus luxuriösem Seiden-Leinen-Garn von einem sehr vielversprechenden, jungen Schweizer Unternehmen mit dem ebenso vielversprechenden Schweizer Mundart-Namen „Siidegarte“,  das ich vor kurzem erst via Ravelry entdeckt habe. Das Seiden-Leinen-Garn „Siide-Buschper“, das ich hier in der Farbe „Suurhamsle“ verstricke, ist noch sehr fremd für meine Hände, und ich muss gestehen, dass ich die Elastizität und Weichheit von Wolle zwischen meinen Fingern ein bisschen vermisse, während ich den strammen, eher groben Faden Masche für Masche über meine Finger gleiten lasse. Aber Leinen wird weicher mit dem Waschen und Tragen (sagt man), und ich wünsche mir, dass mein Tuch sich zum Schluss so kühl und fliessend um meinen Hals schmiegt, wie ich es mir vorstelle, wenn ich die Worte „Seide“ oder „Leinen“ nur schon höre. Kühl und fliessend für die eher wärmeren Tage, für Zwischenzeiten wie Spät-Frühling oder Früh-Herbst oder wenn ich beim Arbeiten ins Schwitzen komme und die Wollfasern zu jucken beginnen über meiner feuchten Haut. Ob sich dieser Wunsch erfüllt mit diesem Tuch? Ich hoffe es. Auf jeden Fall wollte ich diesen für mich noch so unbekannten Fasern eine Chance geben, dem Leinen vor allem. Und ein Abenteuer -ein Strick-Abenteuer- ist es allemal… *

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5 Kommentare zu Ein Bild erzählt: ausgebüchst

  1. Frau Krähe sagt:

    Liebe Bora
    Ich gratuliere dir nachträglich ganz herzlich zu deinem Geburtstag. Wie schön, dass du ihn so geniessen konntest. Ich wünsche dir in den nächsten Tagen und Wochen ganz viele solche „Ich-Inselchen“, auch wenn wenn sie vielleicht daheim stattfinden. Momente des Friedens, Minuten über einer Tasse Tee, mit einem Schokoriegel, einigen Zeilen aus einem wohltuenden Buch, einem langen Blick in den herbstlichen Himmel,…
    Liebst, Martina

  2. Milena sagt:

    Ja, auch von mir nachträglich alles Gute zum Geburtstag. Heb Sorg zu dir.

    Dein Foto schaut gemütlich aus. Ab und zu braucht man solche Auszeiten. Ich bin froh, wenn mein Mann mit den Kindern „nur“ ins Hallenbad geht und ich einen Nachmittag für mich alleine daheim habe.

    Lieber Gruss
    Milena

  3. Galina Kran sagt:

    Liebste Bora wie schön du hast Geburtstag ich Gratuliere dir wünsche die noch mehr Urlaub den Teesorten gibt es ja viele ich liebe ja jogi Tee da ist auch immer ein schöner Spruch drauf auf den ich mich immer freue.las es dir gut gehen .lg Galina

  4. Fides sagt:

    Liebe Ursula,

    schön, dass Du Dir so eine Auszeit nehmen kannst … geniesse es!!
    Und ich wünsche Dir viel Vergnügen und Freude mit dem Siide-Buschper!

    Du wirst sehen, das Abenteuer lohnt sich. Ich weiss genau, was Du betreffend Wolle vermisst beim Stricken. Du wirst aber sehen, ganz schnell wird das Siide/Leinen eine ganz eigene, wunderschöne Weichheit entwickeln, sogar noch während dem Stricken, noch vor dem Waschen. Und ich bin überzeugt, dass Dir das Resultat gefallen wird!
    Ich freue mich auf alle Fälle darauf, Dein FO dann mal zu sehen…

    Ganz liebe Grüsse,
    Fides

  5. Jenny sagt:

    Auch von mir nachträglich ganz von Herzen kommende Geburtstagsglückwünsche für Dich, liebe Bora!

    Alles Liebe für das kommende, spannende Jahr, ganz viel Kraft, Frohsinn und Gesundheit
    wünscht Dir
    Jenny

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