Zum Tee

Es ist ein kurz nach halb neun. Zwei meiner Kinder haben das Haus verlassen, eines von ihnen blieb mit Windpocken daheim (ja, ich weiss, was mir jetzt blüht; eine weitere Reihe Krankenlager-Tage *seufz*) und meine Kleine kramt nach ihrer Puppe. Ich bin so müde, als läge ein langer, voller, aufreibender Tag hinter mir und keine Nacht in einem weichen, warmen, friedlichen Bett. Zur Zeit liebe ich Betten mehr denn je. Zur Zeit bin ich müde, mehr denn je. Ich schleppe mich durch meine Tage und hoffe jeden Abend, dass es am nächsten Morgen besser sein wird, was es manchmal auch ist, manche Tage sind tatsächlich besser, andere dann wieder schlechter, und seit vorgestern habe ich mir ein Herz gefasst und wieder angefangen, die Vitamin-Tabletten zu schlucken, die meine Frauenärztin mir verordnet hat. Vitamine sind gut, sage ich mir, und es kann schwierig sein, wirklich genug davon zu kriegen, besonders in Zeiten wie diesen, wo ein kleines Wesen seine ganze Existenz aus meinem Blut zieht, gerade wenn man so erschöpft und lustlos ist wie ich und es nicht jeden Tag schafft, ein gutes, ausgewogenes Essen auf den Tisch zu bekommen.
Auch heute früh sitze ich da ohne Frühstück. Nach alter Gewohnheit, aber auch weil kein Brot mehr im Haus ist, kein Joghurt, dafür Tee. Kaffee habe ich seit Monaten nicht mehr angerührt, mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen, aber ich merke, dass mein Körper momentan nicht mit ihm klarkommt, obwohl alte Liebe nicht rosten sollte und ich Kaffee früher sehr geliebt habe. Also bin ich zur Tee-Trinkerin geworden. Ein bisschen Powerpush muss einfach sein. Am liebsten in Form von Grüntee mit ein ganz klein wenig Zucker.
Und weil Tee und Zucker allein nicht glücklich machen, genehmige ich mir heute morgen noch eine Dosis Glücks-Stoff. In Form kleiner Erinnerungs-Häppchen und Fotos von Lieblings-Dingen, die mir die Freude bringen, und an verkorksten Morgen wie diesem so wohl tun…

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* Der Gedanken an unseren Wald-Spaziergang letzten Sonntag, wo alles so still und tief und magisch war, wie ausgewechselt, ein Tor zum Märchenland und wir mittendrin *
* Ein frisch angeschlagenes Herzens-Projekt, in dem ich am liebsten ganze Abende lang versinken würde  (meist aber Schlaf gegen Strick-Zeit eintausche, eine solide Währung, man ist ja vernünftig). *
* Meine geliebte Bilderwand oben in meiner Büro-Ecke, wo immer wieder ein Bild mehr sein Plätzchen findet. So wie die wunderschöne Collage gleich über meiner Pinnwand, die Frau Krähe mir eines Tages zugschickt hat… *
* Dieser absolute Schnuckel von einem Elefanten! Es war Liebe auf den ersten Blick und ich konnte schlichtweg nicht widerstehen, also habe ich ihn mir selbst gegönnt, gekauft bei einer Filzerin an einem unserer lokalen Kunsthandwerks-Märkten. Wir sammeln ja Kleinode. *
* Wolle vom selben Markt, vom Stand gleich schräg vis-à-vis. Handgesponnen in einem herrlichen Regenwettergrau und wahnsinnig weich und mollig. Sie rufen nach Winter, nach Kälte und Draussensein, wie geschaffen für eine dicke, warme Strickjacke, finde ich *
* Blumen von Mama. Einfach nur so, weil sie sie selber so schön fand. Mit pfirsichfarbenen Rosen, kleinen Äpfelchen und Herbstlaub in einem weinroten Flechtkorb. Versammelte Herbstpracht auf meinem Stubentisch. *
* Ein Moment -ein kurzer- voller Pflanzzeitglück. Unter den Johannisbeeren ruhen nun Tulpenzwiebeln in Knallrot, Eidottergeld und Pink (für mein Mädchen). Bis im Frühjahr, wenn alles erwacht. Wie sehr ich mich darauf freue! (Und wie sehr ich hoffe, wir werden noch rechtzeitig fertig mit Jäten, Umpflanzen und dem Rest an Blumenzwiebeln-Setzen) *
* Ein Essen mit Herrn Kirschkernzeit. Auswärts. Beim Mexikaner. Zeit nur für uns. Die endlos hätte sein dürfen… *
* Ein neues Spielzeug in der Küche, mit dem ich schon lange, lange Zeit geliebäugelt hatte. Nun habe ich nicht nur eine Nudelmaschine, sondern gleich einen neuen, plötzlich sehr engagierten Koch-Gehilfen mit dazu. Und jede Menge Spass. *

Heute starte ich meinen Tag vielleicht zwar müde, mit schweren Gliedern, einem Windpockenkind und mit tümpelgrauem Gemüt… aber auch mit süssem Tee und einer Flut an Bildern und Gedanken, die alles in mir und um mich herum gleich ein kleines bisschen heller machen.

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6 Kommentare zu Zum Tee

  1. Elke sagt:

    Liebe Bora, da fällt mir mein Lieblingsspruch ein…. es gibt keine bessere Form mit dem Leben fertigzuwerden als Liebe, Humor und stille Reserven… und das alles scheint aus den Bildern raus.Alles Liebe von Elke

  2. Romy sagt:

    Liebe Bora, ich möchte gleich zu Dir kommen und helfen, verwöhnen…
    Deine „Haltegriffe“ im Alltag sind gut gewählt und tauglich…
    Es wird alles gut, Romy

  3. Ich starte den Tag mit Tee und merke bald: Ich hab Hunger. Von Vitaminen wird man doch nicht satt!? :o)
    Ich staune stets was Du leistest – und weöche zuckrigen Inselchen Du zwischendurch findest. Großartig meisterhaft.
    Herzlich!

  4. Frederike sagt:

    Liebe Bora,
    welch wunderbare Einblicke Du in dein Leben gewährst. So schöne, innige Momente! Bilder wie diese machen deinen Blog für mich zu einer eben solchen Insel im tümpelgrauen Allerlei.
    Liebe Grüße,
    frederike (die ihre schönen Momente jetzt auch in blogform festhalten möchte)

  5. Jenny sagt:

    Du Liebe, Du hast wunderbare kleine Verschnauf-Inselchen, danke, das Du sie mit uns teilst und uns dadurch auch kleine Farbtupfer in den Alltag schickst. Denk‘ an Dich!

    Liebe Grüße und eine Umarmung,
    Jenny

  6. Rita sagt:

    Liebe Bora
    Wenn, dann kommt es meist immer mit voller Wucht, wie ein Gewitter. Die klare Luft danach wird auch für Dich noch kommen;) In welcher Form auch immer.
    Wichtig ist, dass Du ganz gut zu Dir schaust und das Gewitter vorüber ziehen lässt…..
    Wünsche Dir ein ganz ruhiges Wochenende!!
    Ganz liebi Grüessli, Rita

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