Annabel Babe Cardigan

Schwanger zu sein ist für mich… ein Zustand, der sich mit kaum etwas sonst im Leben vergleichen lässt. Alles ist anders. Und doch wieder nicht. Alles wandelt sich von Grund auf. Aber im Verborgenen -einige Zeit sogar ganz und gar unsichtbar- so dass das Leben viele Monate weitergehen kann, weitergehen könnte, als wäre nichts geschehen, als wäre alles beim Alten. Schwanger zu sein ist für mich auch jetzt beim fünften Kind, etwas durch und durch Unfassbares. Obwohl ich weiss, so ungefähr, was in meinem Bauch abläuft, kann ich es kaum fassen und irgendwie nur schwer glauben, das alles. Mein Bauch rundet sich, es strampelt ab und zu darin, leicht und zart wie Schmetterlinge über einem Beet Blumen… aber dass es wirklich ein Kind ist, das darin wächst, ein richtiges, kleines Menschenwesen mit Fingerchen und Beinchen und Augen und Haaren und einem winzigkleinen Herzen, das hier, ausgerechnet unter meinem Herzen zu schlagen begann und weiterschlägt, weiterschlagen wird für Jahre? Das ist absolut unbegreiflich für mich. Wunder dieser Art sind fast zu viel für mich und ich kann nichts anderes tun, als ergeben Schritt für Schritt nach vorn zu gehen, schwanger und sprachlos und jeden Tag damit konfrontiert, dass das Aussergewöhnliche, das Wunder-Same, das wachsende Kind in meinem Bauch, mich jede Sekunde meines Alltagslebens begleitet, auf ganz normale, vollkommen natürliche Art und Weise. Ein Kind zu bekommen gehört zum Natürlichsten der Welt, sagt man, und trotzdem kommt es mir so vor, als wäre es -trotz unserer Bildung, unserem Wissen und der Nüchternheit, in der wir leben- eines der letzten Mysterien dieser Erde. Und das finde ich irgendwie ganz gut so.
Dennoch… manchmal spüre ich, dass es mir gut tut, diese Schwangerschaft ein kleines bisschen realer werden zu lassen für mich, greif-barer. Es ist schön, nach Namen zu suchen, zu rätseln, ob es wohl ein Junge sein wird oder noch ein Mädchen, meine Babysachen durch zu sehen und mich an die Zeiten zu erinnern, als meine anderen Kinder so klein waren, dass sie in Strampelhöschen im Puppenformat passten (und zum Anbeissen süss aussahen darin). Solche Dinge bringen mir Ruhe und festen Boden unter meine Füsse.

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Und genau das tut auch das Stricken. Etwas für mein ungeborenes Kind zu stricken, scheint mich ihm näher zu bringen als jeder Ultraschall und das auf eine so wunderbar simple, unspektakuläre, bodenständige Art, die sich haargenau richtig anfühlt für mich.

Das Babyjäckchen „Annabel“ von Madder (nur auf Englisch erhältlich zur Zeit) war etwas, das ich schon ganz, ganz früh angefangen habe, noch bevor ich die verändernde Kraft der Schwangerschaft mit voller Wucht zu spüren bekam. Mir weiche, natürliche Wolle auszusuchen („Rosy Green Cheeky Merino Joy“– eine sehr schöne Bio-Wolle, von der 1 Strang schon ausreicht für die kleinste Jäckchen-Grösse) in einer sanften, neutralen Farbe („Sand“) und dann die ersten Reihen zu stricken, allesamt in kraus rechts, so einfach, so repetitiv, so fundamental… das alles half mir, im ganzen Trubel immer wieder einmal kurz inne zu halten, und mir klar zu machen, dass es wirklich wahr ist, dass ich tatsächlich ein Baby erwarte, ein Baby auf das ich mich vorbereiten und freuen darf. Es ist schön, mich daran zu erinnern, dass dieses Jäckchen, Reihe für Reihe, Masche für Masche, eines Tages sein kleines, duftendes Babykörperchen wärmen wird.

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Nun ist es fertig. Benäht mit 7 grünen Jim-Knopf-Knöpfchen (11mm) wartet die „Annabel Babe Cardigan“ nun mit mir auf mein April-Baby. Und auf diese einmalige erste Zeit mit meinem neugeborenen Kind, in der alles noch einmal so unfassbar sein wird, so neu und dem Mysterium ganz nah…

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11 Kommentare zu Annabel Babe Cardigan

  1. Alexa sagt:

    Ach Bora, was für eine wunderschöne Jacke und Familie, auf die sich Euer Baby freuen darf! Und auf diese tollen Knöpfe wäre ich niiiie gekommen! Hätte eher die übliche Variante gewählt…. Aber es sieht so viel toller aus! Viele, viele liebe Grüße schicke ich Dir, Alexa

    • Alexa sagt:

      Habe gerade erst gelesen, dass Du Geburtstag hattest.., da schließe ich mich den Glückwünschen von Herzen gern an und wünsche Dir ein rundum erfülltes neues Lebensjahr! Alles Liebe und Gute nachträglich zum Geburtstag!

  2. Frau Krähe sagt:

    Liebe Bora
    Ja, dieses riesige Wunder, welches einem demütig und dankbar macht wie kaum etwas anderes… Mir ging es genau wie dir; beim Stricken konnte ich die beste Verbindung zum Kind herstellen. Das waren die Momente, in welchen ich mich auf das Kind einstimmen konnte, es an erster Stelle spürte, und Masche für Masche für es entstehen liess, um danach im Alltagstrubel wieder für alle anderen (Partner, eigenes Kind, SchülerInnen, Tiere,…) da zu sein.
    liebe Grüsse, Martina

  3. Was für ein wunderschönes Jäckchen. Ja, wunderschön, weil es so schlicht ist. Und doch nicht. Hach, ein Traum in Rosy Green. Annabel hatt ich schon öfters in der großen Version beäugt. Aber nie die kleine.
    Aber dem Baby auf dem Anleitungsfoto, dem würd ich am liebsten den Bauch einpacken!
    Ich hatte spontan ein paar Babystulpen gestrickt, bevor die durch Schwangerschaftshormone bedingte Strickunlust aufkam. Und für die große Schwester auch welche. Weil ich Verbindungen schaffen wollte.
    Jetzt ist es kalt und ich muss erstmal meine Familie und mich warm einhüllen, bevor ich mich an die Babysachen machen kann.
    Nächste Woche werd ich mal die Generationenbabysachenkiste im Elternhaus durchgucken. Dann weiß ich was unser Frühjahrskind noch brauchen wird.
    Was ich an der Sache so unglaublich finde ist die lange Zeit die es da drinne eingemummelt ist, im Bauch. Neun Monate! Das erscheint so unendilch lange. In seiner ganz eigenen Bauchwelt.
    Herzlich liebe Grüße, liebe Bora!

  4. Anna sagt:

    Liebe Bora
    Als ich gestern die Mail an dich geschickt und den Computer ausgeschaltet hatte, fiel es mir plötzlich ein: ich hatte gar nichts zu diesem wunderschönen Jäckchen geschrieben! Es ist ganz toll geworden und die Kombination mit den grünen Knöpfchen ist allerliebst!
    Herzliche Grüsse,
    Anna

  5. Elke sagt:

    Liebe Bora, du beschreibst das…. Werden soooo schön. Diese Wunder sind es,die das Leben so schön werden lassen. Jeden Tag auch nur ein kleines Wunder ansehen…was braucht es mehr.Das Jäckchen ist total süß geworden. Liebe Grüße von Elke

  6. Gabi sagt:

    Wirklich ein wunderschönes Jäckchen, aber am aller♥zigsten finde ich die Knöpfchen!
    Ich wünschen dir/euch eine schöne Zeit; die Schönste!
    …und alles Gute
    Liebe Grüße
    Gabi

  7. Andrea sagt:

    liebe Bora,
    auch ich bin mutti von 4 mädchen und einem jungen. diese alle schon im erwachsenenalter,aber ich werde im april 2015 zum 2. mal oma von einem kleinen mädchen.
    ich kann deine gefühle voll nachvollziehen.

    nun bin ich fleißig am stricken. babydecke , jäckchen,mützen ,schuhe,ein pucksack wurde gewünscht. den finde ich absolut schön und praktisch. die kinder sind darin immer so unwahrscheinlich ruhig.kennst du so etwas?
    wenn nicht,findet man leicht im internet.
    ich wünsche dir alles gute,Andrea

  8. malena sagt:

    Liebe Bora,

    Du beschreibst das sehr schön! Ich habe auch immer gestrickt, ganz besonders am Anfang, wenn ich das Kind noch nicht spürte. Irgendwie wollte ich etwas tun für das Kleine, das Wunder.
    Und dabei bin ich Gynäkologin ;-))

  9. Steffi sagt:

    Liebe Bora!
    Deine Worte über das Schwangersein sind so wunderbar! Ein Genuss zu lesen!
    Liebste Grüße zu euch und eine genusserfüllte Zeit für dich!
    Steffi

  10. raniso sagt:

    Ja wirklich, ein wunder-bares, unfassbares Wunder. Das denke ich auch jetzt immer wieder, wenn ich den wachsenden Bauch meiner Schwester betrachte und mich mitfreue.
    Das Jäckchen ist süss, toll das du etwas ganz eigenes für euer fünftes Baby geschafft hast!
    Ganz liebi grüäss, anja

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