Rosenkäfer-Mütze

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Die letzten 3 Abende verbrachte ich im Bett. Bodenlos erschöpft und bereit für eine weitere unruhige Nacht nach einem ebenso unruhigen Tag… Ich kann’s mir eigentlich nicht recht erklären, aber die neueste Grippenwelle hat uns schon wieder erwischt, obwohl wir das ja schon durch hatten (oh ja) und ich mir fast sicher war, dass unsere jüngst entwickelten Antikörper für mindestens eine Saison halten würden. Doch irgendwie scheint dieser Herbst wie verhext, was Familie Kirschkernzeit’s Gesundheitszustand angeht. Drei meiner vier Kinder fieberten wieder wie verrückt und mein Magen tat, was er immer tut in solchen Stress-Situationen mit massiv unterbrochenem Nachtschlaf; Er dreht durch. So fühlte ich mich irgendwie mit krank, obwohl ich -wie durch ein Wunder- von allen anderen Symptomen verschont blieb… Das gute an all dem? Diese wahnsinnig erfüllende Phase der Genesung, wo man schlagartig wieder dankbar ist für jede gute Nacht, jedes Essen, das einem schmeckt und gut tut, für jedes befreite Lachen eines Kindes und den wachen, erlösten Ausdruck in seinem Gesicht, wenn das Fieber verschwindet. Und… für diese kleinen Inselchen im Pflege-Alltag, verdöst, bei einer Globi-Kassette und Tee und Apfelringen, wo es ganz selbstverständlich erscheint, dass Mama ihr Strickzeug hervornimmt statt unten die Böden zu saugen.

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Das waren die Momente, in denen diese Mütze ihre letzten Rundungen bekam. Und fertig wurde. Fäden-Einnähe inklusive. Wasche im Badezimmer-Lavabo, trocknen auf der Kinderzimmer-Heizung, wo die Feuchtigkeit den wundern Kinder-Hälsen wohl tat.
Ich hatte ursprünglich ja früher fertig sein wollen mit dieser Mütze, die ich meine „Rosenkäfer-Mütze“ nenne, weil ihre wunderschöne, tiefe, leicht schillernde bläulich-grüne Farbe mich so sehr an den Panzer dieser Käferchen erinnert. Kind1 liebt sie sehr, ihre Schillerfarbe, ihre Unbeholfenheit, ihre Hakenbeinchen, die immer überall hängen bleiben und freut sich über jeden ungeschickt gelandeten Krabbler, den er ein wenig genauer unter die Lupe nehmen kann. Kind2 geht es genau so, auch wenn ich glaube, dass es bei ihm vor allem diese unglaubliche Panzerfarbe ist, die ihm gefällt. Und genau für ihn habe ich sie auch gestrickt, die Rosenkäfer-Mütze. Nach derselben, simplen Anleitung wie vor einem Jahr schon die Ringelmütze meiner Schwiegermama, aus 1 Strang Madelinetosh DK „Forestry“, mit Nadeln Nr. 5.5 für den ersten Teil der Krempe und dann mit Nadel Nr. 5 bis ganz zum Schluss. Kind2 schien nämlich irgendwie plötzlich keine eigene Wollmütze mehr zu haben, jedenfalls keine Mama-gemachte, und an sich hätte ich sie für unseren Räbeliechtli-Umzug geplant und für die ersten kalten Tage, die einem ja doch immer überraschen, genau wie der erste Schneefall oder der erste Frost, der einem die Gartenbeete vereist (Stichwort „Tulpenzwiebeln“ *hüstel*).
Nun, der Räbeliechtli-Umzug fand ohne neue Mütze statt (Papas Mütze tat es auch). Und kalt ist es ja immer noch. Tendenz steigend, bzw. sinkend, wenn man das Barometer ansieht. Herbstzeit bleibt Mützenzeit, ob Mitte Oktober oder Mitte November und mit meiner just vorgestern fertig gewordenen Rippstrick-Mütze stehe ich wunderbar mittig in der Herbstzeit-Mützen-Saison (die ja auch vor dem Winter nicht halt macht). Alles bestens also.
Bis auf die Tatsache, dass Kind2 gestern noch zu fiebrig war, um seine neue Mütze für mich zu modeln. Wer will schon in dicke, warme Wolle gepackt werden bei fast 40 Grad Fieber?

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Stattdessen zog ich sie meinem (mittlerweile wieder quietschfidelen) Mädchen über, die heute mit mir und der kleinen Schwester aufbrach zu einem kurzen, aber absolut herrlichen Spaziergang an der frischen, kühlen Herbstwindluft. (Die Blümchen in ihrer Hand auf dem ersten Foto sind übrigens ein Geschenk an die Bienen. „Weil sie immer so viel arbeiten müssen“).
Nach all der Zeit drinnen, eingepfercht von Krankenlagern und dem Gefühl, nirgendwo so richtig gerecht zu werden, wirkte dieser Moment unter freiem Himmel wie eine Wunderkur. Ein wenig Wolkendeckengrau (schön!), ein bisschen krosses Laub an meinen Sohlen (fantastisch!), Pfützenwasser, das nach allen Seiten spritzt (wenn mein Mädchen unterwegs ist, bleibt garantiert keine Pfütze unberührt), Matscheboden und nasses, welkes Wiesengrün… Wunderbar.

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Und dazwischen immer wieder dieser Quirl von einem Kind. Mit neuer Mütze, wenn auch bloss ausgeborgt. Ein perfekter Augenblick. Mit Herbst im Herzen, hoffentlich frisch aktivierten Antikörperchen im Blut, mit einer Lunge voller guter, heilsamer Nieselwetterluft und dem guten Gefühl, das einem immer überkommt, wenn man das eigene Kind so losgelöst und glücklich sieht, übersäht mit Pfützenmatsch und tropfnassen Hosenbeinen, aber zutiefst zufrieden und ganz bei sich. Und mit garantiert warmen Ohren.

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9 Kommentare zu Rosenkäfer-Mütze

  1. Sanne sagt:

    liebe Bora,
    die Momentaufnahmen deines herrlich hüpfenden Mädchens sind einzigartig und zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Von Herzen wünsche ich euch gute Besserung und ganz besonders viele von diesen Zaubermomenten , ob draußen oder drinnen, denn ich bin sicher, auch drinnen wird es bei euch bald wieder gesund und froh und munter.
    Die Mütze hat eine wundervolle Farbe und du bist echt der Knaller, du schaffst es fortwährend mit deinen Händen kreativ zu sein. Und deine Küche? so oft wir sie sehen, sie ist immer aufgeräumt………immer hell und licht. ich bewundere das. echt.
    Sanne

    • kirschkernzeit sagt:

      Liebe Sanne, wie schön, von dir zu lesen!!! Du, das mit der Küche und so, das ist natürlich nicht immer so schön aufgeräumt wie auf den Fotos, da muss ich schon ehrlich sein. Die sieht zur Zeit mal wieder zum Fürchten aus (und war auch darum keine gute Kulisse für Mützen-Fotos *räusper*), genau wie der Rest des Hauses… Das glaubst du mir schon, oder, liebe Sanne? Und die Mütze… die geht ehrlich superfix und ist so herrlich unkompliziert, dass man immer mal wieder einfach so ein bisschen drauflos nadeln kann, ohne Rücksicht auf schlechtes Licht oder hundertausend Unterbrechungen 😉 Vielleicht stelle ich mal das genaue Strickmuster ein, was meinst du? Ist echt einfach und mit dicker Wolle so schön schnell…
      liebe Grüsse, Sanne!
      Bora

  2. Die Rosenkäferassoziation – großartig wie die Matschpfützenhüpferin. Und die Mütze. Und das Gesundwerden. Das wünsch ich dem ganzen Kirschkernzeit-Haus!
    Mein Mädchen hatte auch dringend ein Mützlein gebraucht. Und als ich endlich fertig war hatten wir plötzlich 20°C.
    Hach Deine Garne. Immer so besonders schön!

    • kirschkernzeit sagt:

      Mercivielmals! Ich wünschte ja, die Garne wären von mir selbst gemacht… aber das wird wohl auf lange, lange Zeit ein Wunschtraum bleiben… Schön, dass ich so einfach mit Woll-Shopping meiner Garnliebe frönen kann 😉 Liebe Grüsse an dich, du!

  3. Eva sagt:

    Ach, wie süß, die kleine Schlammspringerin! Erinnert mich an die bereits 6 Jahre zurückliegende Waldkindergartenzeit meines Sohnes, als ich ihn einmal mittags abholte, fand ich folgende Situation vor: Es hatte richtig doll geschüttet, es war aber eher sommerlich warm, mein Sohn hatte zwar Matschhose etc an, aber… man war sowieso von oben bis unten nass, und deswegen schüttete er sich mit seinem Freund mit den Schneeschüppen gegenseitig das Wasser komplett über den Kopf, kraftvoll geschöpft aus den breiten Strömen, die da den Weg runterrauschten zum Auffangbecken. Werde ich im Leben nicht vergessen, diese Freude der beiden kleinen Jungs dabei. Ich habe hinterher alles ausgewrungen und die Gummistiefel regelerecht ausgeschüttet. Und dann in eine Decke gemummelt nach Hause gefahren. Herrlich!
    Ich wünsche Euch gute Besserung. Braucht ja keiner, aber es gehört auch irgendwie zum Leben mit Kindern dazu…..
    LG Eva

    • kirschkernzeit sagt:

      Eine tolle Erinnerung, wirklich! Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dein Junge sich noch gut daran erinnert… und sicherlich vor allem mit warmen Gefühlen 😉
      Liebe GRüsse!
      Bora

  4. Rita sagt:

    Liebe Bora!
    Deine Mütze gefällt mir seeeehr gut, vor allem diese Farbe. Wir hatten früher diese Käfer im Pfefferminzstaunden drin…
    Dein Mädchen ist ein richtiges „Lusmeitli“ und geniesst die Pfützen wohl am meisten;)
    Ich wünsche Euch ganz gute Besserung! Auch bei uns scheint seit zwei Wochen ein Virus drin zu sein, alle husten und schnupfen, seit 3 Tagen habe ich fast keine Stimme, aber so „richtig“ krank ist keiner….
    Einen wunderschönen, gemütlichen und erholsamen Sonntag!
    Liebs Grüessli, Rita

    • kirschkernzeit sagt:

      Ohje, dann aber auch euch ganz, ganz, ganz gute Besserung! Ich glaube, es geht wirklich was ganz Hartnäckiges herum in der Schweiz; ich kenne mehrere, die über Wochen husten und mit der Stimme oder Halsweh zu kämpfen haben. Hoffentlich tut euch der Husten nicht weh, das finde ich immer ganz schlimm, besonders für Kinder und dann noch nachts… Ich wünsche alles Liebe und Gute, gell, Rita!

  5. raniso sagt:

    Hui, ihr seid ja wirklich Geplagte! 🙁 Ich bin froh, geht es wieder aufwärts! Und diese Hüpfbilder deines grossen Mädels, einfach zauberhaft. Ich kann mir die Szene sehr gut mit Ton und Live-Spritzer vorstellen *lach*. Und wow, diese Mütze! Eine wirklich wundertolle Farbe, die gefällt mir sehr! Dein Buäb wird stolz sein…
    Ganz liebi grüäss, ich denke sooo oft an euch und schicke meine Wünsche für euch abends ‚gen Himmel… anja

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