berührt: Überraschung

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Es ist einer dieser nicht so guten Schwangerschaftsmomente. Ich ringe mit meiner Übelkeit und der offensichtlichen Unfähigkeit, eine einigermassen entspannte, zufriedene oder immerhin tapfere Schwangere im ersten Trimester zu sein und versuche, nach langer, aber wirklich langer Computer-Abstinenz, ein Mindestmass an Ordnung in meine E-Mail-Liste zu bringen. In Rekordzeit, wenn möglich, aber was sein muss, muss sein.
Meine Kleine spielt bei mir mit Steinen und einem alten Setzkasten, die Jungens sind in der Schule. Plötzlich taucht mein Mädchen neben mir auf.
„Tut mir leid“, nuschle ich zwischen zwei falsch getippten Buchstaben und in Gedanken gerade ganz wo anders (Multitasking ist nicht unbedingt meine Stärke), „Tut mir leid, mein Kind, aber im Moment habe ich wirklich keine Zeit für dich. Nur noch diese E-Mail, okay? Dann komme ich gleich zu dir. Versprochen. Es dauert bestimmt nicht mehr lange.“
Sie verschwindet, ich tippe weiter. Bis sie wieder auftaucht. „Komm aber bald“, sagt sie, „Es ist nämlich eine Überraschung.“
Dieses Szene wiederholt sich noch ein paar Mal; Sie steht plötzlich neben meinem Laptop, wortlos. Und geht wieder. Genauso wortlos. Ich tippe und klicke und bin dann endlich fertig. Ich stehe auf, nehme meine Kleine auf den Arm und mache mich auf den Weg. Hin zu meiner Überraschung.
Und das finde ich vor:
Ein frisch gebettetes Bett, das vorher ganz bestimmt noch keins war, mit Decken und Kissen, die kurz zuvor noch an allen möglichen Orten im Zimmer gelegen hatten -auf dem Boden, über dem Sessel, im offenen Fenster zum Auslüften- alles mühsam mit kleinen Kinderhänden zusammengesammelt und auf der Matratze ausgebreitet, mit vollem Körpereinsatz wahrscheinlich, nach bestem Wissen und liebevoll zugeordnet. Auf den Kissen liegen Zeichnungen, die ich bisher noch nie gesehen habe, schlichte, blaulinige Kugelschreiberbilder auf grossen, weissen Bögen. Daneben mein Mädchen.
„Siehst du, der Drache hier auf Papas Kissen, der ist für Papi“, sprudelt sie hervor. „Er kann fliegen und Feuerspeien. Und das hier, das ist ein Einhorn, ein grosses, eine Einhornmutter, das bist du, und hier, gleich daneben, das Einhornkind, für E. (die kleine Schwester), ich habe extra das kleinste Kissen für sie hingelegt, so haben alle ihren Platz. Eine schöne Überraschung, findest du nicht auch, Mama?“

Also ganz ehrlich; von dieser Art Überraschung kann ich gar nie genug bekommen!

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10 Kommentare zu berührt: Überraschung

  1. Viel hach.
    Die Beschwerden, das Unwohlgefühl kann es wohl nicht wegmachen. Aber vielleicht für einen Moment vergessen lassen. Bestimmt aber Kraft geben durchzuhalten.
    Herzensgut.

  2. Melanie sagt:

    Ach… so eine süße Geschichte.
    Und – liebe Bora, hast du dich da vertippt, oder sagt man bei euch so? Feierspeien? WIe auch immer – ein tolles Wort! Ein Drache, der Feiern speien kann! <3 <3 <3

    Melanie

    • kirschkernzeit sagt:

      Ups! Vertippt natürlich (so wie in jedem Post, obwohl ich mir immer so viel Mühe gebe, alles nochmals durchzulesen… hach ja)! Wird umgehend korrigiert, dankeschön!

  3. Oh wie süß! Da hatte dein Mädchen aber wirklich eine schöne Überaschung für dich. Insbesondere auch, dass sie ihre kleine Schwester mit bedacht hat!
    So oft passiert es irgendwie, dass man solche kleinen Nettigkeiten nicht oder zu spät bemerkt. Mein dreijähriger Sohn hielt mir letztens ein angekautes winziges Zipfelchen Wurst unter die Nase und meinte die sei für mich. Ich war ein wenig gestresst und fragte, was das denn sein solle und warf das unansehnliche Stückchen weg. Kurz danach erzählte mir mein Mann, dass mein Sohn eine halbes Würstchen im Kindergarten extra für mich mitgenommen hatte. Auf dem Nachhauseweg schrumpfte die halbe Wurst bis auf dieses Zipfelchen und ich warf es dann achtlos weg. Ach, da hatte ich aber auch ein schlechtes Gewissen.
    Viele liebe Grüße,
    Kathrin

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, wie süss von ihm! Ich kann dich aber auch verstehen;wahrscheinlich war’s gerade kurz vor Mittag und du mitten im Kochstress? Bei mir jedenfalls sind das die hektischsten Momente überhaupt und mir fehlen dann auch oft Augen und Ohren für alles, was die Kinder noch rasch an den Herd bringen beim Heimkommen… aber vieles lässt sich wieder nacholen, oder? Nachbereden (im Fall von VordemEssenHektik dann ja beim Essen) und trotzdem noch estimieren und so. Aber du hast schon recht; wie vieles würde ich auch einfach übersehen, wenn ein Kind mich nicht ganz direkt (und oftmals wiederholt) darauf hinweisen würde! Ich finde es aber toll, dass du so achtsam bist und es dir so wichtig ist, deinem Kind gegenüber wertschätzend zu sein.
      liebe Grüsse!

  4. Sabine sagt:

    Eine wirklich super schöne Überraschung hatte Dein Mädchen für Dich und hatte geduldig gewartet bist Du Zeit hattest. So süüüß. Und Du konntest für einen, hoffentlich langen, Moment Dein Unwohlsein beiseite schieben.
    Du kannst doch nichts dafür, dass Du keine strahlende Schwangere bist. Du hast Dir die Übelkeit doch nicht ausgesucht. Ich denke, dass viele Schwangere nur strahlen, weil es das Umfeld erwartet.
    Deine ehrliche Art hier an Deinem Blog gefällt mir!
    Liebe Grüße
    Sabine

  5. Ramona sagt:

    Ach wie schön! So lieb <3

  6. raniso sagt:

    Puh, endlich bin ich wieder einmal hier und geniesse jeden einzelnen deiner Posts! Du schreibst einfach wunderbar, habe ich dir schon gesagt, gell?! (Vielleicht auch schon 300millionenmal *kicher*) Und dein Mädel ist so herzallerliebst! Das muss einfach aus einer wundervollen Kinderstube stammen… 😉
    Ganz liebi grüäss und riiiiiiesenknuddel, anja

    • kirschkernzeit sagt:

      Schön, dass du hier warst, Raniso! Ich freue mich immer sehr über deine Besuche und Kommentare! Naja, das mit der wundervollen Kidnerstube… das ist ja relativ 😉 Wir haben schon immer auch unsere Knörze und nicht-so-pädagogisch-wertvollen-Beiträge meinerseits *hüstel*, aber naja… wir tun doch alle unser Bestes, oder? Manchmal fruchtet es, manchmal nicht, manchmal ist es ganz gut, dieses Beste, dann wieder eher jämmerlich… aber Mensch bleibt Mensch, hab‘ ich Recht?
      Es tut mir übrigens immer wieder gut, so nette Sachen zu hören! Gerne auch nochmals 300millionenmal;-)
      liebste Grüsse und bis bald (nächsten Sonntag?)!
      Bora

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